mini|Infantin Isabella Clara Eugenia von Spanien, ca. 1586, Porträt von Alonso Sánchez Coello

Isabella Clara Eugenia von Spanien (; * 12. August 1566 in Segovia in Spanien; † 1. Dezember 1633 in Brüssel) war als Tochter König Philipps II. spanische Infantin und ab 1598 Statthalterin der spanischen Niederlande aus dem Haus Habsburg (Casa de Austria).

Zu ihrem Vater hatte Isabella Clara Eugenia ein inniges Verhältnis und sie beriet ihn in politischen Fragen. Philipp II. erhob für seine Tochter nach der Ermordung des Königs König Heinrich III. 1589 vergeblich Anspruch auf den französischen Thron. Erst als 32-Jährige heiratete die Infantin 1598 Erzherzog Albrecht VII. von Österreich, mit dem sie nach dem Tod ihres Vaters im gleichen Jahr als Statthalterin die spanischen Niederlande regierte. Beide schlossen 1609 einen zwölfjährigen Waffenstillstand mit der Republik der Vereinigten Niederlande, protegierten Künstler, insbesondere Peter Paul Rubens, und führten eine rigide Gegenreformation zur Rekatholisierung der Bevölkerung durch. Nach Albrechts Tod 1621 wurde die Landvögtin vom spanischen König Philipp IV. in ihrer Stellung, jedoch mit geringeren Befugnissen, bestätigt. Der Krieg gegen die Vereinigten Niederlande wurde wieder aufgenommen, wendete sich aber seit den späten 1620er Jahren zuungunsten der spanischen Niederlande und führte zum Niedergang von deren Wirtschaft. Die persönliche Tragik der Statthalterin lag im Unverständnis der spanischen Regierung für die besonderen Situation der Niederlande, weshalb sie Isabellas Friedensbemühungen nur wenig unterstützte.

Spanische Infantin Kindheit und Jugend mini|Isabella Clara Eugenia und ihre jüngere Schwester Katharina Michaela im Jahr 1571, Gemälde von Alonso Sánchez Coello mini|Isabell Clara Eugenia auf einem Porträt von Sofonisba Anguissola, 1573

Isabella Clara Eugenia war die älteste die Kindheit überlebende Tochter des spanischen Königs Philipp II. von Habsburg, Sohn des Kaisers Karl V., und seiner dritten Gemahlin Elisabeth von Valois. Die Geburt verlief für die Mutter relativ problemlos, doch unmittelbar danach kam es zu Komplikationen. Elisabeth bekam Fieber, und ihre Ärzte führten bei ihr einen Aderlass durch. Philipp II., der in zeitgenössischen Quellen als gefühlskalter Monarch beschrieben wird, äußerte nach der Entbindung, dass er sich über das Mädchen mehr freue als über einen männlichen Thronfolger. Als Taufpaten für Isabella Clara Eugenia, die Philipps Lieblingstochter wurde, fungierten Don Carlos und die Prinzessin Johanna. Benannt war die Infantin nach ihrer Vorfahrin Isabella der Katholischen, nach der heiligen Klara, an deren Gedenktag sie geboren war – sie kam in der Nacht vom 11. auf den 12. August 1566 zur Welt –, sowie, infolge eines Gelübdes ihrer Mutter, nach dem heiligen Eugenius. Der französische Botschafter in Spanien, Fourquevaux, schrieb der Königin Katharina von Medici, dass deren Enkelin, die kleine Infantin, ein schönes Mädchen sei und eine breite Stirn, volle Lippen und eine markante Nase wie ihr Vater, König Philipp II., habe. Elisabeth von Valois schenkte ihrer Tochter teure Kleider sowie Spielsachen und kaufte für sie gemäß einem abergläubischen Brauch Amulette gegen den bösen Blick.Leah Redmond Chang: Junge Königinnen: Katharina de’ Medici, Elisabeth von Valois; Maria Stuart und der Preis der Macht. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2023, ISBN 978-3-442-31603-8, S. 486–490.

Als erste Erzieherin erhielt Isabella Clara Eugenia 1567 María Enríquez de Toledo, Herzogin von Alba. Ihre Mutter Elisabeth starb bereits im Oktober 1568. Die damals erst zweijährige Infantin wuchs mit ihrer jüngeren Schwester Katharina Michaela am spanischen Königshof ihres Vaters auf. Dieser ging nach dem frühen Tod seiner dritten Frau 1570 eine weitere Ehe mit seiner Nichte Anna von Österreich ein, der Tochter seiner Schwester Maria von Spanien aus ihrer Ehe mit ihrer beider Cousin, Kaiser Maximilian II. Nach der Ankunft der neuen Königin im Herbst 1570 erhielt Isabella Clara Eugenia eine neue Erzieherin, Maria Chacón, Marquesa de Sandoval. Anna von Österreich nahm sich ihrer beiden Stieftöchter an und entwickelte zu ihnen ein enges Vertrauensverhältnis. Philipp II. überwachte als liebevoller Vater persönlich die Ausbildung seiner Tochter Isabella Clara Eugenia und sorgte sich um ihr körperliches Wohlbefinden. Die Infantin wurde religiös und streng erzogen und erlernte an Fremdsprachen u. a. Französisch und Latein. Sie entwickelte eine große Neigung für das Lesen, ferner zur Musik – sie eignete sich etwa das Spielen der Laute an –, zur Jagd, zu Theateraufführungen und zum Sammeln von Kunstwerken.Juan Antonio Sánchez Belén: Isabel Clara Eugenia. In: Diccionario biográfico español. Madrid 2009–2013 (Online-Version).

Wichtige Bezugsperson ihres Vaters Königin Anna gebar neben einigen jung verstorbenen Söhnen am 14. April 1578 den ersehnten Thronfolger Philipp (III.) Wegen dessen relativ schwacher körperlicher Konstitution wurde Isabella Clara Eugenia als mögliche Thronfolgerin ins Auge gefasst und daher auf Gedenkmedaillen neben ihrem Vater und Bruder abgebildet. Aus diesem Grund behielt der König seine Tochter bis zuletzt an seinem Hof, ohne ernsthaft an ihre Verheiratung zu denken. Zwar war sie schon in ihrem dritten Lebensjahr Im Rahmen der habsburgischen Heiratspolitik dem Kaiser Rudolfs II. als künftige Gemahlin versprochen worden und dieses Heiratsprojekt auch vom Papst unterstützt worden; doch dieser Plan scheiterte letztlich am gegenseitigen Misstrauen Philipps II. und Rudolfs II.Isabella Klara Eugenia, in: Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon. 1996, S. 168.Charles Piot: Isabelle-Claire-Eugénie, in: Biographie Nationale de Belgique, Bd. 10, Brüssel 1888-89, Sp 12-20, hier: Sp. 14. Nach dem im Oktober 1580 erfolgten Tod von Königin Anna, der letzten Gemahlin Philipps II., kümmerte sich Isabella Clara Eugenia auch um die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister, vor allem jene des Kronprinzen Philipp (III.), und übernahm während des Aufenthalts ihres Vaters in Portugal königliche Repräsentationspflichten.

Philipp II. schrieb seinen Töchtern Isabella Clara Eugenia und Katharina Michaela am 15. Januar 1582 aus Lissabon Folgendes: Philipp II. von Spanien in Briefen an seine Töchter. München 1947, S. 40–42. Unterschrieben wurden diese Briefe mit „Euer guter Vater“.

In der späten Regierungszeit König Philipps II. gehörten Isabella Clara Eugenia und Katharina Michaela zunehmend zu seinen wichtigsten Vertrauenspersonen, die ihn bei entscheidenden politischen Fragen berieten. Besonders innig war sein Verhältnis zu Isabella Clara Eugenia. Wenn Vater und Tochter sich im Escorial aufhielten, wohnte sie in den sonst für spanische Königinnen vorgesehenen Gemächern. Als der König eines Nachts erfuhr, dass Alessandro Farnese im August 1585 die lange Belagerung von Antwerpen erfolgreich zum Abschluss gebracht hatte, stürzte er ins Zimmer seiner Tochter und überbrachte ihr freudig diese Nachricht.Peter Pierson: Philipp II., engl. Originalausgabe London 1975, dt. Ausgabe Verlag Styria, Graz, Wien, Köln 1985, ISBN 3-222-11593-1, S. 186 f. Brantôme urteilte, dass die Infantin eine Prinzessin von feinem Verstand gewesen sei, die alle Angelegenheiten ihres Vaters geschickt geregelt habe. Philipp II. bezeichnete sie als Trost seines Alters und Licht seiner Augen.Charles Piot: Isabelle-Claire-Eugénie, in: Biographie Nationale de Belgique, Bd. 10, Brüssel 1888-89, Sp 12-20, hier: Sp. 13. Sie half ihm bei den Regierungsgeschäften, ordnete seine Unterlagen, las ihm wichtige Botschaften vor und übersetzte für ihn italienische Berichte ins Spanische. Während der letzten drei Lebensjahre des Königs bis zu seinem Tod am 13. September 1598 kümmerte sie sich um ihren schwer kranken Vater, der an Fieberanfällen und Gicht litt.

Französische Thronkandidatin Am 2. August 1589 wurde Isabella Clara Eugenias Onkel mütterlicherseits, König Heinrich III. von Frankreich, vom Mönch Jacques Clément ermordet. Heinrich, der letzte französische König aus dem Haus Valois, hinterließ ebenso wenig wie seine Brüder männliche Nachkommen. Der Hugenottenführer Heinrich von Navarra wurde daraufhin inmitten des Achten Hugenottenkriegs im königlichen Heerlager zum neuen Monarchen Frankreichs proklamiert. Viele katholische Royalisten erkannten ihn aber nicht an, und die Katholische Liga rief den Kardinal von Bourbon als Karl X. zum König aus. Nach dessen Tod im Mai 1590 erhob Philipp II., die Ablehnung Heinrichs von Navarra durch viele Katholiken ausnutzend, Thronansprüche für Isabella Clara Eugenia, da sie die Tochter der ältesten Schwester Heinrichs III., Elisabeth, war. Es gab jedoch auch andere Thronprätendenten im katholischen Lager. Außerdem schloss das Salische Recht in Frankreich die weibliche Erbfolge aus, und Elisabeth von Valois hatte bei ihrer Hochzeit alle Ansprüche auf den französischen Thron aufgegeben.Peter Pierson: Philipp II., 1985, S. 207 f.

Ein Teil von Philipps Agenten in Paris schätzten die Chancen der spanischen Infantin auf die Thronfolge in Frankreich als gering ein; andere hielten zumindest ihre Ausrufung zur Königin als Braut des jungen Herzogs Karl von Guise für möglich. Auf französischer Seite wurden aber die Ansprüche der Infantin nahezu einhellig abgelehnt. Nur die Pariser Liga befürwortete unter dem Einfluss einiger Jesuiten die Kandidatur von Philipps Tochter. Der Versuch des spanischen Königs, die rasch aufeinanderfolgenden Päpste zur Unterstützung der Kandidatur der Infantin zu gewinnen, misslang. Ende 1592 drängte Philipp II. den Herzog von Mayenne, als Generalleutnant von Frankreich die Generalstände einzuberufen und die Thronrechte der Infantin anerkennen zu lassen. Sein Feldherr Alessandro Farnese sollte Mayenne dabei unterstützen, kam aber Philipps Auftrag nur widerstrebend nach und starb bald. Philipps außerordentlicher Gesandter, der zweite Herzog von Feria, hatte den Auftrag, den Anfang 1593 zusammengetretenen Generalständen das politische Konzept des spanischen Königs vorzustellen. Diese Versammlung sollte Isabella Clara Eugenia zur französischen Königin proklamieren und ihr das Recht einräumen, ihren Gatten selbst zu bestimmen. Dabei präferierte Philipp II. seinen Neffen Erzherzog Ernst als Gemahl der Infantin. Falls die Generalstände auf einem französischen König bestanden, sollte Feria sich für Karl von Guise aussprechen und für dessen Heirat mit der Infantin sorgen.Peter Pierson: Philipp II., 1985, S. 208 ff.

Die Generalstände verlangten, dass ein französischer Adliger König werde, ohne eine Einigung auf einen Kandidaten zu erzielen. Der militärisch erfolgreiche Heinrich von Navarra trat im Juli 1593 zum Katholizismus über und wurde im Februar 1594 als Heinrich IV. zum König von Frankreich gekrönt. Nach einem erfolglosen Krieg gegen Heinrich IV. schloss Philipp II. schließlich mit ihm im Mai 1598 den Frieden von Vervins und gab damit die Ansprüche von Isabella Clara Eugenia auf die französische Krone auf.Peter Pierson: Philipp II., 1985, S. 210.

Verlobung mit Erzherzog Albrecht Im Alter von einunddreißig Jahren verlobte sich Isabella Clara Eugenia 1597 mit Erzherzog Albrecht VII. von Österreich (Albert), der am spanischen Hof Philipps II. erzogen worden war. Albrecht, ein Bruder Kaiser Rudolfs II., war mit 18 Jahren zum Kardinal und Erzbischof von Toledo erhoben worden. Philipp II. hatte seinen Neffen 1583 zum Vizekönig von Portugal und 1595 zum Generalgouverneur der spanischen Niederlande ernannt. Zur Vorbereitung für seine Ehe mit der Infantin wurde der Erzherzog 1598 durch den Papst gegenüber der katholischen Kirche entpflichtet.Peter Pierson: Philipp II., 1985, S. 189.

Statthalterin der spanischen Niederlande Regierung mit Albrecht VII. mini|Isabella Clara Eugenia mit ihrem Mann, dem Erzherzog Albrecht VII., Gemälde von Frans Pourbus dem Jüngeren mini|Isabella Clara Eugenia auf einem Porträt von Peter Paul Rubens, 1609