Heinz „Heini“ Lemanczyk (* 13. November 1934 in Poley) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. In der höchsten Spielklasse des DDR-Fußballs, der Oberliga, spielte er für den SC Aktivist Brieske-Senftenberg und dessen Vorgängergemeinschaft BSG Aktivist Brieske-Ost. Zweimal wurde er in der DDR-A-Nationalelf eingesetzt.
Sportliche Laufbahn Gemeinschafts- und Clubstationen Lemanczyk, im seit 2010 zu Bernburg zählenden Poley (Anhalt) geboren, erlebte von Beginn an den von zahlreichen Umbrüchen begleiteten Neuaufbau des Fußballsports in Ostdeutschland mit und war von dem Organisationswirrwarr unmittelbar betroffen. Sein fußballerischer Anfang fand 1948 in Marga, einer Kolonie des Dorfes Brieske in der Niederlausitz statt, wo die Sportgemeinschaft Marga die Nachfolge des 1945 aufgelösten SV Marga angetreten hatte, der vor dem Zweiten Weltkrieg zu den Spitzenmannschaften in Brandenburg gezählt hatte. Die SG Marga knüpfte an diese Tradition an, wurde 1948 Oberlausitz-Meister und 1949 als SG Grube Marga brandenburgischer Vizemeister. Unter dem Namen BSG „Franz Mehring“ Marga nahm die Mannschaft an der 2. Ostzonenmeisterschaft teil, schied dort aber nach einer 0:4-Niederlage gegen Eintracht Stendal im Viertelfinale aus. Der 2. Platz in Brandenburg war zugleich die Startberechtigung für die erste Saison der Oberliga, der neu geschaffenen höchsten Fußballklasse in Ostdeutschland. In dieser Mannschaft – die weiterhin in kurzen Abständen ihren Namen wechselte (1951 BSG Aktivist Brieske-Ost, 1954 SC Aktivist Brieske-Senftenberg) – wurde Lemanczyk als Innenstürmer zum Stammspieler und absolvierte bis zur Saison 1953/54 42 Erstligapunktspiele.
1954 wurde an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig eine Sektion Fußball gegründet mit dem Ziel, dort junge Talente zu Spitzenfußballern zu entwickeln. DDR-weit wurden aus zahlreichen Sportgemeinschaften junge Spieler in Leipzig zusammengezogen und in zwei Mannschaften (SC DHfK I und II) in den Spielbetrieb der zweitklassigen Liga eingegliedert. Unter den Ausgewählten befand sich auch der 19-jährige Heinz Lemanczyk, der ab Sommer 1954 in der II. Mannschaft eingesetzt wurde. Die Aussicht auf Spitzenfußball bei der DHfK schwand schnell, denn beide Teams kamen in ihrer Ligastaffel der Spielzeit 1954/55 über Mittelfeldplätze nicht hinaus. Daraufhin wurde das Projekt nach sechs Monaten kurzerhand eingestellt und beide Mannschaften wurden aufgelöst. Die Spieler wurden hauptsächlich zum ASK Vorwärts und zum SC Dynamo in Ost-Berlin delegiert. Die verbleibenden Akteuren suchten sich andere Mannschaften.
Lemanczyk kehrte nach zehn Einsätzen und immerhin neu Toren beim SC DHfK in seine Heimat zurück, wo der SC Aktivist noch immer seine Stellung in der Oberliga behauptete. Bereits in der Rückrunde dieser Erstligaspielzeit war er ab Januar 1955 in zwölf Punktspielen (drei Treffer) am Ball. In der sogenannten Übergangsrunde 1955 traf er in einem Dutzend Begegnungen zweimal.
In der Saison 1956 schaffte er mit seiner Mannschaft eine kleine Sensation, als der Senftenberger Vorstadtclub mit nur zwei Punkten Rückstand zum Meister SC Wismut Karl-Marx-Stadt Oberligazweiter wurde. Auch in den folgenden Jahren spielte Lemanczyk, der inzwischen zum Mannschaftskapitän ernannt worden war, mit den Brieskern in der höchsten DDR-Liga.
Mit dem Ende der Spielzeit 1962/63 war das Kapitel Oberliga für Brieske beendet, als Tabellenletzter folgte der Abstieg in die zweitklassige DDR-Liga. Von 1955 bis 1963 hatte Lemanczyk noch einmal 190 Oberligaspiele absolviert und kam damit zusammen mit seinen ersten Briesker Jahren auf 252 Erstligaeinsätze, in denen in 60 Tore erzielte. Mit dem Abstieg der Fußballmannschaft war auch das Ende des SC Aktivist besiegelt, an seiner Stelle wurde in der Bezirkshauptstadt der SC Cottbus gegründet. Ihm wurde auch die 1. Fußballmannschaft der Briesker zugeteilt, während die Reservemannschaft als BSG Aktivist Brieske-Ost in der Bezirksliga Cottbus weiterspielte.
Lemanczyk, inzwischen 29 Jahre alt, vollzog den Wechsel nach Cottbus mit und wurde damit nach dem Leipziger Fiasko erneut Opfer der unsteten DDR-Fußballpolitik. In den Zweitligaspielen des Sportclubs, der in den Spielzeiten 1963/64 und 1964/65 die Plätze 4 und 2 erreichte, kam Lemanczyk nicht mehr so recht zum Zuge und wurde in insgesamt acht Partien eingesetzt. Ende 1965 wurde erneut umstrukturiert, die Sektion Fußball wurde aus dem SC Cottbus ausgegliedert und musste ab 1966 als BSG Energie Cottbus weiterspielen. In der Saison 1965/66, in der er noch einmal in der Liga auflief, endete seine Zeit in der 1. Mannschaft. In der Energie-Reserve war er 1966/67 in der Cottbuser Bezirksliga letztmalig am Ball für die Lausitzer.
Auswahleinsätze Im Herbst 1955 trumpfte Lemanczyk groß auf, sodass die DDR-Auswahlverantwortlichen auf ihn aufmerksam wurden. Am 18. September 1955 erhielt er seine erste Chance in der A-Nationalmannschaft, für die er im Spiel gegen Rumänien (3:2) für 62 Minuten auf der Position des linken Innenstürmers eingesetzt wurde.
Am 14. September 1958, also fast genau drei Jahre, später bestritt er ein weiteres A-Länderspiel, bei dem es wieder einen 3:2-Sieg gegen Rumänien gab. Lemanczyk wirkte als Einwechselspieler für 32 Minuten mit. So standen am Ende für ihn zwei Partien in der wichtigsten Auswahlelf des im Mai 1958 unter diesem Namen aus der Taufe gehobenen DFV in den Annalen.
Der Aktivist-Angreifer wurde zwischen 1955 und 1962 ebenfalls in der B-Auswahl eingesetzt. In elf Begegnungen gelangen ihm in diesem Team zwei Tore.
Weiterer Werdegang Lemanczyk arbeitete als Sportlehrer an einer Cottbuser Oberschule. In seiner Freizeit trainierte der Ex-Nationalspieler nach einer Co-Trainerstelle bei der 1. Männermannschaft im Spieljahr 1967/68 bis Mitte der 1970er-Jahre den Energie-Nachwuchs.
Trivia Obwohl Heinz Lemanczyk in seiner Laufbahn nur einen wirklichen Standortwechsel vornahm, trug er in den 19 Jahren Trikots für acht unterschiedliche Gemeinschaften und Clubs:
1948 SG Marga 1949 SG Grube Marga 1950 BSG „Franz Mehring“ Marga 1951 BSG Aktivist Brieske-Ost 1954 SC DHfK Leipzig 1955 SC Aktivist Brieske-Senftenberg 1963 SC Cottbus 1966 BSG Energie Cottbus
Literatur Deutsches Sportecho: Jahrgänge 1950–1966. Andreas Baingo, Michael Horn: Die Geschichte der DDR-Oberliga. 2. Auflage. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-428-6, S. 301. Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3, S. 290. Hanns Leske: Die DDR-Oberligaspieler. Ein Lexikon. AGON Sportverlag, Kassel 2014, ISBN 978-3-89784-392-9, S. 287.
Weblinks
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Einzelnachweise
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