Der Brocken (volkstümlich Blocksberg genannt) ist mit der höchste Berg im Mittelgebirge Harz, in Sachsen-Anhalt und in ganz Norddeutschland. Er befindet sich in der Gemarkung Schierke der Stadt Wernigerode im Landkreis Harz. Der Berg und seine Umgebung im Nationalpark Harz sind eines der beliebtesten Ausflugsziele Deutschlands. Der Brocken ist der dominanteste Berg in Deutschland.

Die schmalspurige Brockenbahn fährt seit 1899 zum Gipfel, abgesehen von Unterbrechungen infolge von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und später aufgrund der deutschen Teilung. Die seit den 1930er Jahren vorhandenen Sendeanlagen auf dem Brocken haben aufgrund der exponierten Lage im Hochharz eine große technische Reichweite.

Geographie Lage Der Brocken liegt im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt. Er erhebt sich im Territorium von Wernigerode, dessen Kernort etwa 12 km nordöstlich des Berggipfels liegt. Etwa 2 km westlich des Gipfels verläuft die Grenze zu Niedersachsen. Am Südostfuß des Brockens liegt der Luftkurort Schierke. Etwas nördlich unterhalb des Brockengipfels befand sich bis zum Jahr 1744 der Brockenteich. Im Brockenfeld, westlich des Berges, liegt das Quellgebiet der Fließgewässer Bode, Ecker und Oder, im Brockenbett östlich des Berges das der Ilse.

Vom Brockengipfel aus kann man bei guter Sichtweite unter anderem den Großen Inselsberg in Thüringen, den Köterberg im Weserbergland, den Petersberg nördlich von Halle (Saale) sowie den 79 km entfernten Magdeburger Dom erkennen. Bei sehr guter Sicht sind auch das Rothaargebirge (164 km Entfernung) und die Rhön (152 km) sichtbar. Bei exzellenten Bedingungen können auch der etwa 224 km entfernte Fichtelberg und der benachbarte Keilberg (227 km) in Tschechien wahrgenommen werden.

Naturräumliche Zuordnung Der Brocken gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Harz (Nr. 38) und in der Haupteinheit Hochharz (381) zur Untereinheit Brocken (Östliches Brocken-Massiv; 381.0). Im Gegenuhrzeigersinn fällt die Landschaft nach Westen bis Südwesten in die Untereinheit Torfhäuser Hügelland (381.1) ab; nach Süden bis Südosten leitet sie in den Naturraum Östliches Brockenvorland (380.61) und nach Osten bis Nordwesten in den Naturraum Nördliches Brockenvorland (380.60) über, die in der Haupteinheit Oberharz (380) zur Untereinheit Nördliches und Östliches Brockenvorland (380.6) zählen.

Berghöhe und Nebenkuppen mini|Luftbild der Brockenkuppe (2009) mini|hochkant|Gipfelstein Der Gipfel liegt auf . Bei dieser Angabe bleiben Aufbauten wie Pfeiler, Granitfelsbrocken etc. unberücksichtigt. Die auf einigen topographischen Karten angegebene Höhe von bezieht sich auf den Geodätischen Grundnetzpunkt (GGP), welcher der Messung des Erdschwerefelds dient. Dieser liegt nicht auf dem höchsten Punkt des Brockens.

Bereits im Jahr 1849 konnte die natürliche Höhe des Brockens mit exakt bestimmt werden. In einer erneuten Vermessung 1999 wurde diese Höhe grundsätzlich bestätigt und war somit bis zur Umstellung von Normalnull auf Normalhöhennull die gültige Höhe von .

Die Höhe des Brockengipfels war jedoch bis vor 1989 in den meisten einschlägigen Karten und Büchern mit angegeben. Der Grund dieser Annahme war ein bis etwa 1989 auf dem Brocken stehender, ein Meter hoher Granitpfeiler für Vermessungszwecke. Um zu der alten Angabe von wieder einen Bezug herzustellen, wurden Mitte der 1990er Jahre am höchsten Brockenpunkt Granitfelsbrocken aufgestellt, mit denen die frühere Höhenangabe nicht nur erreicht, sondern um rund einen Meter überschritten wird. An diesem Gipfelstein wurde eine Höhenmarke „1142 m“ angebracht. Diese Höhenangabe auf dem oberen Schild bezieht sich auf die Linie auf dem unteren Schild. Der Stein am Gipfel ist Teil und in etwa Mittelpunkt der ihn umgebenden Brockenuhr, einer zumindest seit 2009 vegetationsfreien Kreisfläche von etwa 40 m Durchmesser, die mittels etwa 50 im Boden eingelassener, etwa ein Meter langer Marken entlang von Kreisbögen Richtungs- und Entfernungsangaben zu Orten und Landmarken anzeigt und über drei Fußwege an die Verkehrsflächen um die Gebäude anschließt. Der Gipfel liegt etwa 130 m südöstlich des am höchsten aufragenden Fernsehsendemasts.

Nebenkuppen des Brockens sind unter anderem die Heinrichshöhe (ca. ) im Südosten, der Königsberg () im Südwesten und der Kleine Brocken () im Norden.

Geologie mini|Video: Entstehungsgeschichte des Brocken (1:23 min) mini|Hexenaltar und Teufelskanzel, zwei granitische Felsformationen auf dem Brocken

Der Brocken und sein Umfeld, das Brockenmassiv, bestehen vorwiegend aus Granit (dem so genannten Brockengranit), einem plutonischen Gestein. Die Granitplutone des Harzes, der Brocken-, der Ramberg- und der Oker-Pluton, entstanden nach dem Ende der plattentektonisch verursachten Variszischen Gebirgsbildung im Verlauf des Unterperms vor etwa 295 bis 280 Millionen Jahren. Zunächst drangen basische und intermediäre Gesteinsschmelzen in den Verband aus gestapelten und gefalteten marinen Sedimentgesteinen ein, die heute den überwiegenden Teil des Harzes aufbauen, zu dieser Zeit allerdings tief unter der damaligen Oberfläche lagen. Die Schmelzen, die aus noch weit größerer Tiefe stammten, kristallisierten dort aus und bildeten Gabbro- und Dioritkörper, beispielsweise den Harzburger Gabbro. Etwas später stiegen mehrfach saure, granitische Schmelzen auf und schufen sich in etwa 3 bis 5 km Tiefe eine große Magmakammer, in der sie schließlich ebenfalls auskristallisierten. Der Brockengranit gehört zu den sogenannten S-Typ-Graniten, das heißt, seine Magmen entstanden durch die Aufschmelzung von Sedimentgesteinen, die während der Variszischen Orogenese tief (mehr als 10 km) in die Erdkruste versenkt worden waren. Im zirka 1,5 km breiten Grenzbereich zwischen Granit und Nebengestein, der sogenannten Kontaktzone, wurden die weit weniger tief versenkten Sedimentgesteine in der Umgebung der Magmakammer (überwiegend Grauwacke und Tonschiefer) durch die Hitze der Schmelze (etwa 750 °C) in verschiedene Hornfelse umgewandelt. Die Kuppe der Achtermannshöhe besteht aus solchem Hornfels, der dort heute noch dem Granit auflagert. Durch Erosion im Zuge der Hebung der Harzscholle seit der Oberkreide wurde die Hornfelshülle einschließlich des darüberliegenden Deckgesteins jedoch weitgehend abgetragen, wodurch der Granit großflächig freigelegt wurde. Da der Granit deutlich verwitterungs- und erosionsresistenter ist als die meisten übrigen Harzgesteine, bildet der Ausbiss des Brockenplutons mit dem zentral darin liegenden Brocken heute den am höchsten gelegenen Teil des Harzes mit dem Gipfel des Brockens als höchstem Punkt. Aber auch die Hornfelse, die ebenfalls widerständiger sind als die Sedimentgesteine, aus denen sie hervorgingen, haben bereits an der Herausmodellierung des Brockenmassivs einen gewissen Anteil gehabt.

Erst in jüngster geologischer Zeit, im Quartär, entstanden die typischen rundlichen Verwitterungsgebilde („Wollsackverwitterung“) des Granits sowie die Granit-Blockhalden des Brockens. Solche Blockhalden sind in Mitteleuropa außerhalb der Alpen sehr selten und schutzwürdig. Ihre Entstehung erfolgte überwiegend unter periglazialen Bedingungen, das heißt im Zuge der jüngsten Eiszeit. Die heutigen Blockhalden des Brockengranits, aber auch anderer Gesteine im Bereich des Nationalparks Harz, etwa im Odertal, sind daher über 10.000 Jahre alt. Bei ihrer Bildung spielte die physikalische Verwitterung, unter anderem in Form der Frostsprengung, eine entscheidende Rolle. So konnten die riesigen Berge aus locker aufeinandergestapelten Felsbrocken entstehen. 2006 wurden die Granit-Blockhalden des Brockens gemeinsam mit 76 anderen geotouristisch interessanten Geotopen als Nationaler Geotop ausgezeichnet.

Im September 2013 führte das Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt eine Messung der Erdbeschleunigung auf dem Brockengipfel durch. Diese Messung ergab den Wert 9,81000 m/s². Der mittlere Wert der Erdbeschleunigung an der Erdoberfläche wird üblicherweise mit 9,81 m/s² angegeben. An diese Messung erinnert eine Metalltafel an einem der Steine auf dem Gipfel.

Klima mini|Winterlandschaft (2003) mini|Brockenwarte im Winter (2001) mini|Klima-Tafel Brocken

Aufgrund der exponierten Lage im Norden Deutschlands ist der Berg ein Ort extremer Wetterbedingungen. Den kurzen Sommern mit niedrigen Temperaturen folgen oft sehr lange Winter mit zahlreichen Schneetagen und schweren Stürmen bis hin zur Orkanstärke. Das Klima auf dem Brocken entspricht einer alpinen Lage von 1600 bis 2200 Metern beziehungsweise dem Klima Islands. Mit 42 km/h Durchschnitts-Windgeschwindigkeit ist er, noch vor der Zugspitze und vor Helgoland, der windigste Ort der Bundesrepublik.

Aufgrund des markanten Höhenunterschieds gegenüber dem Umland weist der Brocken als niederschlagsreichster Punkt im nördlichen Mitteleuropa gemessene Niederschläge von 1814 Millimetern im Jahresdurchschnitt (1961 bis 1990) auf. Die langjährige mittlere Jahrestemperatur betrug in der Aufzeichnungsperiode 1961 bis 1990 2,9 °C und von 1987 bis 2016 3,8 °C.

Durch die Wetterwarte wurden folgende Wetterrekorde gemessen (Zeitraum 1895 bis 2019);(wenn nicht anders genannt laut DWD): Höchste Temperatur: 29,7 °C am 25. Juli 2019 Tiefste Temperatur: −28,4 °C am 1. Februar 1956 Höchste Niederschlagsmenge in 24 Stunden: 154,5 mm am 17. Juli 2002 Höchste monatliche Summe an Niederschlag: 515,2 mm im Dezember 1974 Höchste jährliche Summe an Niederschlag: 2725 mm im Jahr 2007 Niedrigste jährliche Summe an Niederschlag: 950 mm im Jahr 1953 Maximum der Sonnenscheindauer: 2004,5 Stunden im Jahr 1921 Kürzeste Sonnenscheindauer: 972,2 Stunden im Jahr 1912 Maximum der Tage mit starkem Wind (Bft. 6): 341 Tage im Jahr 1951 Maximum der Tage mit stürmischem Wind (Bft. 8): 221 Tage im Jahr 1952 Maximum der Tage mit Orkan (Bft. 12): 26 Tage im Jahr 1990 Maximale Windgeschwindigkeit: 263 km/h am 24. November 1984 Maximum der gemittelten Schneehöhe: 380 cm am 14./15. April 1970 Maximum an Tagen mit Schneedecke: 205 Tage im Jahr 1973 Durchschnitt an Schneetagen (ab 1 cm Höhe): 178 Durchschnitt an Gewittertagen (hörbare Nah- und Ferngewitter): 38 Durchschnitt an Nebeltagen: 306,6 Maximum der Tage mit Nebel: 330 Tage im Jahr 1958 Maximum der horizontalen Sichtweite: ca. 230 km u. a. 11. Januar 1998

Es gibt Hinweise, dass im Januar 1938 ein noch weitaus stärkerer Orkan als der mit 263 km/h ≈ 73 m/s offiziell als stärkster geltende über den Gipfel raste. Bei 81 m/s (= 291,6 km/h) trat allerdings bei dem über den Anschlag hinaus ausgelasteten Aufzeichnungsgerät ein Defekt auf.

Natur Flora mini|Brocken, Baumgrenze

Aufgrund des rauen Klimas ist der Brocken ein Lebensraum seltener Arten. Der Brockengipfel gehört oberhalb von 1000 / 1100 Meter zur subalpinen und alpinen Höhenstufe. Seine Flora und Fauna sind vergleichbar mit denen von Nordskandinavien und den Alpenhochlagen. Der Brockengipfel liegt als einziger Berg des deutschen Mittelgebirgsraumes oberhalb der natürlichen Waldgrenze, so dass allenfalls sehr kleinwüchsige Fichten dort zu finden sind. Geprägt wird der Naturraum durch Zwergstrauchheide. Im 1890 gegründeten Brockengarten wird die Flora von Nationalpark-Mitarbeitern gehegt und in regelmäßigen Führungen Besuchern vorgeführt. Dort werden nicht nur Pflanzen des Brockens gezeigt, sondern auch Hochgebirgsgewächse aus anderen Regionen und Ländern. Unter anderem wächst hier der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea). mini|Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) Zu den besonderen Arten am Brocken, die in Norddeutschland nur hier zu finden sind, gehören ab einer Höhe von etwa die Brockenblume oder Brockenanemone genannte Kleine Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. alba), Habichtskräuter wie das Brocken-Habichtskraut (Hieracium nigrescens) und das Alpen-Habichtskraut (Hieracium alpinum), Alpen-Ruchgras (Anthoxanthum nipponicum), der Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina) und der Alpen-Flachbärlapp (Diphasiastrum alpinum).