mini|hochkant=1.3|Stadt Schwandorf (2023) Schwandorf ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Schwandorf im Regierungsbezirk Oberpfalz in Bayern.

Geografie mini|Oberer Marktplatz mit dem Turm der Pfarrkirche St. Jakob mini|Niederschlagsmittelwerte von Schwandorf für den Zeitraum von 1961 bis 1990

Geografische Lage Schwandorf liegt an der Schnittstelle von vier Senken in der Schwandorfer Bucht im südlichen Oberpfälzer Wald. Das Oberpfälzer Seenland grenzt an das Stadtgebiet an. Von Nord nach Süd durchzieht die Naab das Stadtgebiet. Die Natur hat dort im Naabtal eine breite Ebene geschaffen, deren Ränder Eisensandstein-Höhen bilden. Als grüne Insel erhebt sich der Kreuzberg aus der Ebene. Einst lag dieser weit vor den Toren der Stadt, heute ist er von der Siedlung umringt.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Fensterbach, Schwarzenfeld, Wackersdorf, Steinberg am See, Teublitz, Burglengenfeld, Wolferlohe, Ensdorf und Ebermannsdorf.

Gemeindegliederung

Die Stadt Schwandorf besteht aus 62 Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Namensdeutung Rainer Scharf vertritt in der offiziellen Stadtchronik die Ansicht, dass sich Suainicondorf eindeutig auf slawische Wurzeln zurückführen lässt. Im Ortsnamen wären demnach suhai (Bursche) und nica (Bergheim, -dorf) enthalten, was übertragen Burschendorf bedeuten würde. Unterstützt wird die These durch die Tatsache, dass es sich bei Schwandorf archäologisch belegt um ein Einwanderungsgebiet der Slawen handelte. Am slawischen Ursprung des Ortsnamens wird kaum mehr gezweifelt.Reiner Scharf: Die Herrschaftsgeschichte Schwandorfs von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Stadt Schwandorf (Hrsg.): Schwandorf in Geschichte und Gegenwart. Band 1 Chronologie, Schwandorf 2001.

Mit einem Personennamen Sweinikko bringt Albrecht Greule den Ortsnamen in Verbindung, in dem er als Wortwurzel althochdeutsch swein = Hirt, Knecht, Bursche annimmt. Schwandorf wäre also als Hirtendorf zu verstehen, an dessen Anfang ein Träger des Namens Sweinikko oder Sweinikka gestanden haben könnte.„Sweinikko“ aus Schwandorf In: Mittelbayerische Zeitung. 10. Mai 2009.

Ein namensgebender Bezug zu den Markgrafen des Nordgaus, den von Schweinfurt, deren Herrschaftsraum im 10. Jahrhundert auch das Naabtal umfasste, wurde in Erwägung gezogen, gilt jedoch wenig wahrscheinlich. Verworfen sind inzwischen die Theorien, nachdem der Ortsname von Schwan oder Schwein abzuleiten wäre.

Überblick zur Geschichte Erstmals schriftlich erwähnt wurde Schwandorf im Jahr 1006 n. Chr. in einer Urkunde des Klosters Sankt Emmeram als Suainicondorf am Fluss Naba (Naab) im Bereich des Bistums Regensburg. Vorgeschichtliche Funde, zum Beispiel ein Angelhaken aus der Bronzezeit oder Urnengräber aus der Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v. Chr.) im Stadtgebiet, sowie die Forschungen zur Herkunft des Namens der Stadt lassen eine sehr frühe, weit zurück reichende Besiedlung als sicher gelten. Im Jahr 1234 n. Chr. war Schwandorf in der Oberpfalz Sitz eines wittelbachischen Amtes, im Jahr 1286 Sitz eines Dekans und aus kirchlicher Sicht einer der Mittelpunkte des Bistums Regensburg im Nordgau. Am 5. Januar 1299 erhielt der Marktort eine städtische Verfassung, ab 1446 lassen sich vollständige Stadtrechte nachweisen.

Während des Landshuter Erbfolgekriegs wurde Schwandorf 1504 fast vollständig zerstört. In den Jahren 1555 bis 1617 war Schwandorf auf Grund des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens, welchem sich Ottheinrich von Wittelsbach, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg, angeschlossen hatte, durch drei Generationen evangelisch-lutherisch und gehörte bis zur bayerischen Einigung 1777 zum Fürstentum Pfalz-Neuburg. Trotz der politischen Randlage (Grenzstadt) blieb Schwandorf durch seine Lage an einer alten Handels- und Heeresstraße nach Böhmen weiterhin wirtschaftlich ein Mittelpunkt. Im 16. Jahrhundert entstanden die meisten der heute noch erhaltenen Bauwerke der Stadt. Die Wirtschaftskraft verstärkte sich, nachdem am 12. Dezember 1859 die Bahnlinie Nürnberg–Schwandorf–Regensburg eröffnet wurde. Seit 1863, mit der Eröffnung der Bahnstrecke nach Weiden in der Oberpfalz, wurde Schwandorf ein Eisenbahnknotenpunkt von Bedeutung.

Im Jahre 1907 lebten in Schwandorf 6985 Bürger. Davon waren 6618 katholisch, 333 protestantisch, 19 israelitisch, 1 mennonitisch und 14 unbekannten Glaubens.Pfarrarchiv St. Jakob Akt 701/40.

Im Jahre 1933 wohnten 29 Personen jüdischer Herkunft in Schwandorf. Louis Waldmann beging 1939 im Ortsteil Charlottenhof Suizid, und neun weitere Schwandorfer wurden deportiert und ermordet. Es gibt in Schwandorf 17 Stolpersteine für sie.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, am 5. April 1945 wurde der Schwandorfer Bahnhof zum wiederholten Mal von Tieffliegern angegriffen. Acht US-Tiefflieger nahmen am 10. April 1945, um 13.45 Uhr einen Zug in Schwandorf unter Beschuss. Am 17. April 1945 bombardierten in der Morgenstunde zwischen 3.52 Uhr und 4.07 Uhr kanadische und britische Bomber der Royal Air Force mit 167 Lancasters und acht Mosquitos den Bahnhof in Schwandorf. Das Bombardement mit 633,3 Tonnen Bomben verwüstete auch die Innenstadt bis zum Kreuzbergviertel. 1250 Menschen, unter diesen Flüchtlinge und Heimatvertriebene und 495 in Schwandorf Ansässige, starben bei diesem Luftangriff. 514 Häuser wurden beschädigt und 674 vollständig zerstört. Vor dem Angriff hatte Schwandorf 1.361 Gebäude. Besonders betroffen war das Bahnhofsviertel, in den getroffenen Zügen starben unzählige Reisende. Wegen der zum Großteil zerstörten Bahnstrecke stoppte am 19. April bei Schwandorf ein Eisenbahntransport mit ca. 1000 Häftlingen aus dem KZ-Flossenbürg. Als ein Flugzeug auftauchte, herrschte Panik, einige Häftlinge versuchten zu fliehen. Dabei wurden 41 Häftlinge getötet, 111 konnten fliehen. Zwei Gruppen zu 417 und 389 Häftlingen mussten weitermarschieren Richtung Süden.Konzentrationslager Flossenbürg. Peter Heigl, 1994, ISBN 3-921114-29-2, S. 34. Am 23. April 1945 erreichten die ersten US-Verbände die Stadt Schwandorf. Die Stadt wurde anschließend von amerikanischen Truppen der 3. Armee besetzt und gehörte zur amerikanischen Besatzungszone. Der Wiederaufbau dauerte viele Jahre an.German Vogelsang: SIE KOMMEN! Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945. Amberg 2015, ISBN 978-3-95587-008-9, S. 10, 11, 14.

Die Stadt war in den Jahren 1920 bis 1972 kreisfrei. Im Zuge einer Verwaltungsreform wurde sie am 1. Juli 1972 in den neu gegründeten Großlandkreis eingegliedert, erhielt den Sitz des Landratsamtes und die Bezeichnung Große Kreisstadt.

Am 28. Dezember 1972 wurde der Name der Stadt Schwandorf in Bayern amtlich in Schwandorf geändert.

Gründung mini|Naab in Schwandorf (2023) mini|Die Naab in Schwandorf

Die Naab dürfte Ursache für die Stadtgründung gewesen sein. Hier in der flachen Schwandorfer Bucht teilt sich der Fluss in drei Arme und er ist so flach, dass eine bequeme Furt durch das Wasser möglich ist. Bereits zur Römerzeit war die Naab ein wichtiger Handelsweg von Süden nach Norden. Der Kreuzungsbereich von Straße und Fluss bot sich für eine Siedlung an. Bereits 1158 ist eine Schiffslände bezeugt. Salz und Eisen gehörten zu den wichtigsten Handelsgütern.

Mit Hilfe von Salz wurden die Fische der Naab zur Handelsware. Man bewirtschaftete zudem zahlreiche natürliche und künstliche Weiher. Der Fischreichtum und dessen Verwaltung veranlassten die Einführung eines Fischmeisteramts auf dem Nordgau, dessen erste Belege aus dem 13. Jahrhundert vorhanden sind.

mini|Naabwehr in Schwandorf mit Spitalkirche und Pfarrkirche St. Jakob im Hintergrund

Karpfen, Brachse, Schleien, Zander, Aale, Waller, Barben, Nasen, Barsche und Hechte kann man noch heute angeln. Einst waren die Flusskrebse so zahlreich, dass sie mit Händen gefangen werden konnten und in Schubkarren zum Markt gebracht wurden.

Mit der Wasserkraft der Naab angetriebene Mühlen gehörten zu den weiteren Lebensgrundlagen.

Heute wird im Stadtgebiet mit der Wasserkraft nur noch Strom erzeugt. Auch die Frachtschifffahrt ist längst eingestellt. Kanu und Kajak haben ihren Platz eingenommen. Die Teichwirtschaft stellt immer noch einen Wirtschaftsfaktor dar, während die Flussfischerei von Sport- und Angelvereinen betrieben wird.

Im Stadtgebiet speisen folgende Bäche die Naab: Fensterbach, Els, Rotha, Haselbach mit Irlbach, Göggelbach, blauer Entengraben und Martelgraben.

Braunkohleabbau Auf dem Gebiet der östlich gelegenen Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See wurde von 1906 bis 1982 von der Bayerischen Braunkohlen-Industrie AG (BBI) Braunkohle im Tagebau gefördert und im Dampfkraftwerk Dachelhofen (heute ein Stadtteil Schwandorfs) verbrannt. Das Ende des Braunkohleabbaus im Herbst 1982 brachte den Verlust von rund 1.600 Arbeitsplätzen bei der BBI mit der Folge einer hohen Arbeitslosigkeit und Abwanderungsrate aufgrund fehlender Arbeitsplätze.Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf in: Historisches Lexikon Bayerns Das Kraftwerk mit seinen beiden je 235 Meter hohen Kaminen wurde am 18. Februar 2005 gesprengt. Aus den ausgekohlten Tagebauen entstand das Oberpfälzer Seenland, dessen größte Wasserfläche, der Steinberger See, mit knapp zwei Quadratkilometern Fläche den größten See der Oberpfalz darstellt.

Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf mini|Empfang österreichischer WAA-Gegner am Bahnhof Schwandorf 1986

In den 1980er Jahren hinweg wurde Schwandorf von Auseinandersetzungen um die atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA) geprägt. Nachdem sich 1981 die Hinweise auf eine Wiederaufarbeitungsanlage im Raum Schwandorf verdichteten, wurde im Oktober 1981 in Schwandorf die erste Bürgerinitiative „Bürgerinitiative Schwandorf gegen die WAA“ in der Kreuzberg-Gaststätte gegründet.Geburtswehen des Widerstands – Vor 30 Jahren: Im Oktober 1981 gründet sich Bürgerinitiative gegen die WAA – Erinnerungen in: Onetz vom 15. Oktober 2011 Im März und im Juli 1982 lehnte der Schwandorfer Stadtrat den Bau einer WAA mit großer Mehrheit ab. Im März 1982 kam es wegen der Beantragung des Raumordnungsverfahrens durch die DWK zu einer Großdemonstration mit ca. 15.000 Demonstranten.Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA): Stoppt den WAAhnsinn! auf Bund Naturschutz Im Februar 1985 fand die größte Demonstration gegen die WAA mit ca. 35.000 Teilnehmern auf dem Marktplatz statt.Es stand in der Amberger Zeitung – 35.000 gegen die WAA, Oberpfalznetz vom 23. Februar 2010 ↑ Marterl für den Widerstand – Vor 30 Jahren: Wackersdorf sollte Standort für WAA sein – Hunderttausende protestierten, Oberpfalznetz vom 4. Februar 2015. Im September 1986 kam es zu einer Demonstration, als Ministerpräsident Franz Josef Strauß zu einer Wahlkampf-Rede im Schwandorfer Sepp-Simon-Stadion auftrat.Strauß in Schwandorf: Grüne Gefahr (NDR-Panorama 1986, 7 Min.)

Bundesgrenzschutz-Garnison Seit 1956 hatte es Bestrebungen zur Ansiedlung des Bundesgrenzschutzes gegeben. Am 8. Mai 1958 kam die Zusicherung der Bundesregierung über die Einrichtung einer BGS-Unterkunft. Bereits im Dezember konnte Richtfest gefeiert werden und am 18. Februar 1960 erfolgte der Einzug. Werkstätten, Sportplatz, Schießstand und Hubschrauberlandeplatz gehören zur Einrichtung.

Zu Zeiten des Kalten Krieges war Schwandorf Standort der Grenzschutzabteilung Süd 5 des BGS. Bei den Auseinandersetzungen um die WAA Wackersdorf in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war der BGS-Standort Schwandorf eine wichtige Einsatzzentrale und Hubschrauber-Basis der Sicherheitskräfte.

Nach der Umstrukturierung des BGS blieb Schwandorf Standort der Bundespolizei.

Seit dem 19. Dezember 2008 befindet sich hier ein gemeinsames Zentrum von Bundespolizei und Zoll sowie bayerischer und tschechischer Polizei. Dieses arbeitet mit der entsprechenden tschechischen Dienststelle in Petrovice u Chabařovic zusammen.

Seit dem 1. Januar 2013 befindet sich hier auch eine Zollverwaltung der Tschechischen Republik (Zollamt des Bezirks Pilsen).

Religionen Katholische Pfarrämter