Die Marburger Burschenschaft Arminia ist eine farbentragende, fakultativ schlagende Studentenverbindung, die 1996 mit sieben weiteren Burschenschaften die Neue Deutsche Burschenschaft gründete. Sie ist eine der mitgliedsstärksten Burschenschaften Deutschlands und wurde am 16. Juni 1860 von Theologiestudenten gegründet. Jeder männliche Student der Philipps-Universität Marburg und Justus-Liebig-Universität Gießen kann Mitglied werden.

Couleur und Wahlspruch mini|Couleur der Arminia Wie die meisten Studentenverbindungen trägt die Marburger Burschenschaft Arminia ein Band als Erkennungszeichen. Burschen tragen ein schwarz-rot-goldenes, Füchse ein schwarz-rotes Band, jeweils mit goldener Perkussion. Die Farbkombination war erst ab 1863 erlaubt, da sie vorher als staatsfeindliches Symbol gegen die Monarchie galt.

Ihr Wahlspruch lautet: Gott, Freiheit, Vaterland! Allgemeines mini|alternativtext=Zirkel|Zirkel der Arminia Die Marburger Burschenschaft Arminia trat 1995 aus dem Korporationsverband Deutsche Burschenschaft aus, dem sie mit Unterbrechungen seit seiner Gründung 1881 angehört hatte. Stattdessen gründete sie 1996 mit anderen liberalen Burschenschaften die Neue Deutsche Burschenschaft.

Gemeinsam mit der Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen, der Burschenschaft Alemannia Bonn, der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena, der Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster und der Berliner Burschenschaft Obotritia bildet Arminia das Kartell Roter Verband. Dem 1890 gegründeten RV gehört die Arminia seit 1951 wieder an.

Die Burschenschaft Arminia ist fakultativ schlagend. Mitglied kann jeder männliche Student der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen werden.

Geschichte Gründungszeit Am 16. Juni 1860Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 93. wurde die Arminia als Burschenschaft zu Marburg mit den Farben schwarz-rot-weiß und schwarzen Mützen gegründet. Die Verbindung war damit die erste Burschenschaft in Marburg. Unabhängig vom Einkommen oder Titel der Eltern sollte es jedem Studenten möglich sein, der Verbindung beizutreten. Die Gründer waren die Theologiestudenten Ludwig Theodor Alexander Bickell, Heinrich Hendorf, Karl Schmidt, Ferdinant Bösser, Karl Schmidmann, Ernst Gerland, Gottlieb Rhode und Albert Vilmar. Die Studentenverbindung nahm den Betrieb mit 22 Mitgliedern auf. Am 16. Februar 1863 änderte die Burschenschaft ihre Farben in schwarz-rot-gold in Anlehnung an die Urburschenschaft.

Im Jahre 1866 wurde die Bestimmungsmensur eingeführt, welche im Jahr 1970 wieder abgeschafft wurde.

Am 1. März 1874 wurde die Burschenschaft Alemannia Marburg gegründet. Bis heute gelten beide Verbindungen als liberale Burschenschaft in Marburg und gründeten im Jahr 2010 die Marburger Liberale Burschenschaften. Von der Gründung der Alemannia an bildeten die Burschenschaften Arminia und Alemannia über 20 Jahre lang gemeinsam den Deputierten-Convent als Gegengewicht zum SC der Corps, ehe im Wintersemester 1898/90 die ehemalige Landsmannschaft Germania (gestiftet 1868, Farben schwarz-weiß-rot) Burschenschaft wurde und der DC auf drei anwuchs.

Kaiserreich Am 1. Dezember 1890 wurde der Rote Verband gegründet. Dieser Verband ist ein Zusammenschluss arministischer Burschenschaften. Dieser Verband war die Keimzelle für die 1996 gegründete Neue Deutsche Burschenschaft.

Am 5. August 1893 beschloss man einstimmig, nachdem man ein Jahrzehnt debattiert hatte, die Abschaffung des Keuschheitsgrundsatzes für die Angehörigen der Aktivitas.Franz Egon Rode: Die Universitätsburschenschaften im Kaiserreich (1871–1918). Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 23, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2021, S. 52

mini|Die Arminia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915) Im Rahmen des Ersten Weltkriegs gründete die Arminia den Akademischen Hilfsbund zur Unterstützung Verwundeter Kriegsteilnehmer, welcher später zur Blindenstudienanstalt in Marburg ausgebaut wurde. Heute hat Marburg einen internationalen Ruf in der Blindenforschung.

Weimarer Republik Mit anderen gleichgesinnten Burschenschaften gründete die Arminia am 10. Januar 1920 die Rote Richtung, ein Kartell innerhalb der Deutschen Burschenschaft.

Die Aktivitas der Arminia beteiligte sich im März 1920 im Nachgang des Kapp-Putsches im Rahmen des Studentenkorps Marburg an den Kämpfen mit aufständischen Arbeitern in Sachsen-Gotha. Die Marburger Burschenschaften Arminia, Alemannia und Germania bildeten die zweite Kompanie des ersten Bataillons des StuKoMa unter Bogislav von Selchow. Arminia stellte 60 Zeitfreiwillige.

14 Arminen beteiligten sich 1921 an der Abwehr des Dritten polnischen Aufstandes in Oberschlesien. Dabei fiel am 24. Mai 1921 der Armine Paul Töllner bei Leschna.Georg Heer: Die Marburger Burschenschaft Arminia. Neue Beiträge zur Geschichte der deutschen Burschenschaft. Verein alter Arminen, Marburg 1951, S. 132–133. Der Schriftsteller Ernst von Salomon verarbeitete Töllners Tod in seinem autobiographischen Freikorps-Roman Die Geächteten (1930):Ernst von Salomon: Die Geächteten (= rororo Bd. 461), Rowohlt, 44–46. Tausend, Reinbek 1986, S. 175. Auch nach seiner Verurteilung wegen der Beteiligung an rechtsterroristischen Attentaten schilderte Salomon seine Bekanntschaft mit den Marburger Arminen, die er aus der gemeinsamen Zeit bei den Kämpfen in Oberschlesien kannte. So berichtet er über eine Haftverlegung:Ernst von Salomon: Die Geächteten (= rororo Bd. 461), Rowohlt, 44–46. Tausend, Reinbek 1986, S. 317.

Nationalsozialistische Zeit Am 27./28. Juni 1936 fand unter dem Druck der Nationalsozialisten die Auflösung der Burschenschaft Arminia statt. Der Verein alter Arminen, Altherrenverband des Bundes, beschloss die Beibehaltung des Verbindungshauses. Wie fast alle schlagenden Studentenverbindungen wurde die Aktivitas der Marburger Burschenschaft Arminia am 1. November 1937 durch eine Kameradschaft des NSD-Studentenbundes ersetzt, für die der Verein alter Arminen als Altkameradschaft im NS-Altherrenbund fungierte. Die Kameradschaft erhielt durch die Reichsstudentenführung den Namen Kameradschaft Lützow verliehen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Arminenhaus im März 1944 durch Fliegerbomben teilweise beschädigt und musste im Mai 1944 durch die Kameradschaft geräumt werden, weil der Altherrenverein es an die Universitätsklinik vermietete. Nur im Dachgeschoss verblieben vier Altherrenzimmer für den Bund, die zum Abstellen des Bundesinventars genutzt wurden. Die Kameradschaft bezog stattdessen das Haus im Bückings-Garten unterhalb des Marburger Schlosses für ihren Aktivenbetrieb. Am 22. März 1945 wurde Marburg von den US-Amerikanern besetzt. Die meisten Lützower hatten vorher die Stadt in Richtung Heimat verlassen.Eberhard Kaiser: Arminia 1944–1950. Gedachtes und Erlebtes. In: Verein alter Arminen zu Marburg e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Marburger Burschenschaft Arminia. Erinnerungen, herausgegeben zum 100jährigen Stiftungsfest am 16. Juni 1960, Marburg 1960, S. 114–125.

Nachkriegszeit

Studentische Vereinigung Amicitia (1947–1950) Nach Marburg zurückgekehrte Angehörige der vormaligen Kameradschaft Lützow gründeten am 27. November 1947 die Studentische Vereinigung Amicitia, um trotz des Korporationsverbots der Besatzungsmächte den Kontakt untereinander und die Tradition der alten Arminia aufrechtzuerhalten. Die bereits ausstudierten Ärzte Finkemeyer (Sprecher) und Helmut Zuzak (Fuchsmajor) übernahmen die Führung der Amicitia. Die Aktiven (darunter u. a. Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein) tagten in der Alten Post, in der Wirtschaft Benke und auf dem Alemannenhaus, das früher zurückübertragen wurde. Mit der Altherrenschaft der Arminia wurde um ein neues Geschichtsbild, die Frage nach der Aufgabe der Burschenschaft in der Nachkriegszeit und studentische Traditionen wie das Mensurfechten gerungen. Dies und persönliche Differenzen innerhalb der Amicitia führten 1950 schließlich zur Spaltung der Aktivitas, die die Altherrenschaft der Arminia nicht in Gänze aufnehmen wollte. Während ein Teil am 9. Juni 1950 als Burschen in die reaktivierte Marburger Burschenschaft Arminia rezipiert wurde, gründete der andere Teil die Marburger Burschenschaft Amicitia,Eberhard Kaiser: Arminia 1944–1950. Gedachtes und Erlebtes. In: Verein alter Arminen zu Marburg e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Marburger Burschenschaft Arminia. Erinnerungen, herausgegeben zum 100jährigen Stiftungsfest am 16. Juni 1960, Marburg 1960, S. 114–125. die sich zunächst ebenfalls der Deutschen Burschenschaft anschloss, diese 1951 aber verließ und sich am 24. Mai 1953 mit dem Altherrenverband der Akademischen Turnverbindung Greifswald zur Akademischen Turnverbindung Amicitia Greifswald zu Marburg vereinigte. Die ATV Amicitia besteht mittlerweile als gemischte Verbindung im ATB (Großseelheimer Straße 1, 35039 Marburg).

Marburger Burschenschaft Arminia (seit 1950) Arminia beteiligte sich 1950 beim Burschentag in Marburg an der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft. Im Jahr 1951 wurde das Verbindungshaus von den Alliierten an die Arminia zurückgegeben. 1960 wurde das Haus zu einem Studentenwohnheim ausgebaut und unter Denkmalschutz gestellt.

Im Jahre 1970 schaffte die Marburger Burschenschaft Arminia die Bestimmungsmensur ab. Aus diesem Grund erfolgte der erste Rauswurf der Burschenschaft aus dem Dachverband Deutsche Burschenschaft. Die Verbindung einigte sich auf die Wiederaufnahme in den Dachverband, im Gegenzug konnten österreichische Burschenschaften Mitglieder der Deutschen Burschenschaft werden. Seit 1970 akzeptiert die Deutsche Burschenschaft damit Mitgliedsbünde ohne Bestimmungsmensur, aber kommt auch der Forderung der Burschenschaftlichen Gemeinschaft nach, österreichische Burschenschaften in ihrem Dachverband zu akzeptieren.

Im Jahr 1990 nahm die Burschenschaft Arminia erstmals Zivildienstleistende in die Verbindung auf, daraufhin erfolgte der zweite Ausschluss aus der Deutschen Burschenschaft. Die Arminia klagte gegen diesen Ausschluss und erhielt recht. Sie trat 1995 daraufhin selbst aus. Am 13. Januar 1996 gründete die Arminia mit sieben weiteren Burschenschaften den liberalen Dachverband Neue Deutsche Burschenschaft.SPIEGEL Ausgabe 24/1997.

2002 veröffentlichte die Burschenschaft Arminia eine Marburger Erklärung, in der sie sich auf ihre Grundsätze berief und sich von extremistischen Vereinigungen und Parteien distanzierte.

Die Arminia war im Geschäftsjahr 2013/14 zum vierten Mal vorsitzende Burschenschaft der Neuen Deutschen Burschenschaft.

Das Haus der Marburger Burschenschaft Arminia mini|268x268px|alternativtext=Der Broegische Felsenkeller|Das alte Arminenhaus 1892-1909 mini|269x269px|alternativtext=Die alte Kneipe|Der alte Kneipsaal im ersten Haus der Arminia mini|269x269px|alternativtext=Felsenkeller 1910 bis 1960|Der Felsenkeller 1910 bis 1960 Nachdem die Marburger Burschenschaft Arminia sich zwölf Jahre lang in wechselnden Konstanten (also Wirtshäusern, in denen man sich regelmäßig zusammenfand) traf, erwarb sie am 15. Juli 1872 von den Wirtsleuten Broeger die als Felsenkeller bezeichnete Wirtschaft am Wehrdaer Weg als erstes eigenes Zuhause für ihre Mitglieder.