Der Katholische Studentenverein Arminia ist eine 1863 gegründete, nicht schlagende oder farbentragende, katholische Studentenkorporation an der Universität Bonn. Ihre Prinzipien sind religio, scientia und amicitia.

Geschichte mini|145px|Statuten der Arminia 1863/1864 mini|Georg Graf v. Hertling mini|Arminia im SS 1864 (Zweiter oben links: Max Lossen)

Überblick Arminia ist eine der ältesten katholischen Korporationen und die älteste ununterbrochen als katholische Korporation an der Bonner Universität bestehende Vereinigung. Sie wurde 1865 Gründungsverein des Kartellverbandes katholischer deutscher Studentenvereine (KV), des ältesten förmlich konstituierten Dachverbandes katholischer Korporationen. Das Arminenhaus ist das älteste Haus einer KV-Korporation. In die Arminia traten zahlreiche Studenten ein, die später Bedeutung erlangten – darunter drei Reichs- und Bundeskanzler. Arminia ist die erste nach dem Zweiten Weltkrieg reaktivierte Korporation Deutschlands.

Gründung der Arminia Arminia wurde in vierfacher Hinsicht bewusst als Gegenpol zu bestehenden Organisationen und Strömungen ins Leben gerufen:

gegen die KDStV Bavaria Bonn gegen das Konzept einer katholischen Hochschule gegen die schlagenden Korporationen gegen die protestantische Dominanz an den Hochschulen.

Geistiger Vater dieser Gründung war – neben seinem Freund Max Lossen – der spätere Reichskanzler Georg Graf v. Hertling, wie Lossen zunächst aktiv in der Aenania-München.

Gegenpol zur Bavaria Bonn Arminia wurde am 6. November 1863Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 26. von den Aenanen Max Lossen und seinem Cousin Friedrich Kayser gegründet. Ihre Statuten wurden am 21. November 1863 von der Universitätsbehörde genehmigt. Bei ihrem Wechsel an die Universität Bonn traten Lossen und Kayser nicht der dort bereits bestehenden Bavaria bei. Die Gründe hierfür sind bis heute zwischen Arminen und Bavaren umstritten.Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, S. 78 ff. mit zahlreichen weiteren Nachweisen zu der kontroversen Debatte Lossen hatte im vorangegangenen Semester als Senior der Aenania – übereinstimmend mit der „Ansicht meines Freundes von Hertling“ – den Wunsch Bavarias nach einem Cartell zwischen beiden Korporationen im Juni 1863 abgelehnt.Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004 S. 79 Im Februar 1864 schloss jedoch Lossens zwischenzeitliche Gründung Arminia ein Cartell mit Aenania.Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, S. 81 Arminia und Bavaria traten aufgrund dieser Ereignisse in ein Konkurrenzverhältnis, das in der Folge (1865/66) auch ausschlaggebend sein sollte für die Spaltung der katholischen Korporationen in KV und CV. Arminia schaffte die Farben ab, „um sich von der Bavaria abzusetzen und Studenten anzuziehen, die den couleurstudentischen Formen ablehnend gegenüberstanden.“ „Bavaria sah sich in dieser Umwandlung Arminias in dem Verdacht bestätigt, deren Gründer würden sich nach aller Kraft bemühen, Bavaria angesichts der heiklen Situation in der Bonner Studentenschaft, in der sich die Konkurrenz der verschiedenen katholischen Studentenzusammenschlüsse zunehmend bemerkbar machte, zu vernichten.“Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, S. 82 unter ausdrücklichem Bezug auf den Senior der Bavaria, Delvos Bavaria selbst wurde durch Arminia bis zur Spaltung der katholischen Korporationen von jeglichem Korrespondenzverhältnis und damit vom Zulauf nach Bonn wechselnder Mitglieder der Cartellvereine ferngehalten. 1867 „ging die Bonner Bavaria (…) erneut ein.“Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, S. 90 „Die Konkurrenz zur Arminia hat dabei wohl ebenso eine Rolle gespielt wie persönliche innere Animositäten …“Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, Fn. 620

Wider das Konzept einer katholischen Hochschule Die Gründung der Arminia war zugleich gegen die Beschlüsse des Katholikentags von 1862 gerichtet. Diese sahen die Gründung einer katholischen Universität in Deutschland nach dem Vorbild der Katholischen Universität Löwen in Belgien vor. Lossen postulierte stattdessen, es sei „eigentlich noch wichtiger, weil es näher liegt“, sich von katholischer Seite um die bestehenden Universitäten zu kümmern. Auch v. Hertling wandte sich gegen „den ganzen Humbug der katholischen Universität“. Arminia war im Gegensatz zu den gleichzeitigen Bonner Gründungen Novesia und Ripuaria, die zunächst reine Theologenkränzchen am theologischen Konvikt waren – Ripuaria wurde erst 1887, Novesia erst 1890 in eine Korporation umgewandelt –, eine Spitze dieser katholischen Laienbewegung im akademischen Raum. Unter ihren Gründern – fast sämtlich Juristen – befand sich kein Theologe. Erst im zweiten Semester stieß der spätere Erzbischof von Straßburg Adolf Fritzen hinzu.

Wider schlagende Korporationen mini|Antipode der Arminia: mensurbeflissener Korporierter

Arminia war gegen die schlagenden Korporationen gerichtet, die in einer erfolglosen Abwehrbewegung noch im Akademischen Kulturkampf 1903–1908 die Auflösung der katholischen Korporationen in Preußen anstrebten. In seiner Katholikentagsrede 1863 legitimierte v. Hertling die katholischen Korporationen mit der Ablehnung der waffenstudentischen Korporationen. Arminia verurteilt das studentische Fechten in Übereinstimmung mit der Lehre der Katholischen Kirche unverändert als sittlich verwerflich. Insbesondere verwarf Arminia dessen (seinerzeitige) Grundintention, dass für einen „Beleidigten“ rechtliche Gleichrangigkeit und Ehrenhaftigkeit nur durch unbedingte Satisfaktion mit blanker Waffe zu erlangen sei.

Bereits 1864 beteiligten sich die Arminen an einer Unterstützungs-Aktion für jene westfälischen Grafen Kerssenbrock, die als katholische Offiziere aus dem preußischen Heer ausgeschlossen worden waren, weil sie öffentlich erklärt hatten, „nie wieder selbst ein Duell eingehen noch dabei mitwirken“ zu wollen.Daniel Koschera: „Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet“ – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004, S. 82 f.

Der Armine Reichskanzler Wilhelm Marx intervenierte 1925, um die Annahme der Würzburger Einigungserklärung zwischen katholischen und waffenstudentischen Verbänden zu verhindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Arminia nicht zuletzt mit Blick auf den anderen Weg der meisten waffenstudentischen Korporationen im „Dritten Reich“ – vgl. die Geschichte der Deutschen Burschenschaft (DB), des vom Allgemeinen Deutschen Waffenring, dem alle pflichtschlagenden Korporationen angehörten, dominierten Deutschen Hochschulringes (DHR) und der ab 1924 wiederum von diesem dominierten Deutschen Studentenschaft (DSt) – entschiedene Gegnerin eines Zusammenschlusses der katholischen Korporationen mit mensurschlagenden Verbindungen im Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA).

mini|Von Arminia alsbald abgelehnter Vollwichs

Die bewusste Abgrenzung von den waffenstudentischen Verbänden war auch ausschlaggebend für den äußeren Auftritt der Arminia. Die Gründungsstatuten der Arminia hatten zunächst – wenn es dem einzelnen gut dünkte – das Tragen von Couleur freigestellt. Schon Ende 1863 beschränkte der Convent das Tragen von Farben auf das Band in den Vereinsfarben Orange-Weiß-Blau und Bierzipfel. Das Zeigen der Farben wurde als mutiges Bekenntnis zu Arminia und ihren Prinzipien „gegenüber den verschiedenen Kreisen der Gesellschaft“ betrachtet. Am 3. Juni 1864 wurde zur Verdeutlichung des Unterschieds zu den waffenstudentischen Korporationen weitergehend beschlossen, die äußeren Zeichen vollständig abzuschaffen. In den Statuten wurde festgelegt, dass Arminia, die sich zunächst als „Verbindung“ bezeichnet hatte, nunmehr ein „Verein“ sei, die couleurstudentische Bezeichnung „Senior“ wurde zeitweise durch „Ordner“ ersetzt. Nachdem die katholischen Verbindungen 1865 in Abgrenzung zu den Katholischen Vereinen behaupteten, dass sie alleine die katholische Sache „nach außen verträten“, „alleine dem Unwesen der Corps mit Erfolg entgegentreten könnten“ und ein „Prinzip des Farbentragens“ postulierten, trennten sich die Wege der Vereine und der Verbindungen.

Wider die protestantische Dominanz an den Hochschulen Die Universität Bonn zog, obgleich im preußischen Rheinland liegend, auch katholische Studenten an, da sie als „Prinzen-Universität“, an der die Hohenzollernprinzen studierten, über einen exzellenten Lehrkörper verfügte. Sie war das Symbol preußischen Kulturstrebens im Westen. Die im protestantischen Preußen wegen ihrer vermeintlichen Unfähigkeit zu unabhängiger wissenschaftlicher Arbeit systematisch benachteiligten katholischen Akademiker schlossen sich in der Arminia zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Die Besonderheit solcher Korporationen wie Arminia bestand laut v. Hertling darin, dass sie eine einzigartige „Vereinigung von Autorität und Freiheit“ darstellten mit dem Ziel einer „Versöhnung der religiösen Überzeugung und der wissenschaftlichen Erkenntniß“.

mini|Die „Prinzen-Universität“ Bonn

Die ablehnende Haltung gegenüber Preußen und Reichskanzler v. Bismarck wurde nicht von allen Arminen geteilt. Der spätere Reichstagspräsident Max Wallraf trat 1879 aus, weil er sich aufgrund seiner Begeisterung für Bismarck in Gegensatz zur Meinung der meisten Arminen sah.

Arminia war ungeachtet der Erschwernisse, welche viele Protestanten den Katholiken an den preußischen Hochschulen bereiteten, und in Gegensatz zu den in einer Gegenbewegung übertrieben „katholisierenden“ Korporationen keineswegs gegen Protestanten als solche gerichtet. In den Gründungsstatuten war der Status eines „Conkneipanten“ vorgesehen, den Personen erhalten konnten, die zu den Zwecken der Arminia beitrugen, dieser aber nicht angehören konnten, weil sie – darauf bezog sich die Regelung – Studenten anderer Konfession waren. Dies führte von Beginn an zu integralistischen Angriffen gegen Arminia. Balduin Delvos, Senior der Bavaria im WS 1864/65, versuchte, Arminia als „Konglomerat allgemein-katholisierender Studenten“ zu diskreditieren, das auch „Angehörige anderer Confessionen“ als Gäste in seine Kreise lasse und nicht mehr als „Verbindung“ anzusehen sei.

Wahlspruch und Farben Der Wahlspruch der Arminia, „Treu, frei!“, entspricht dem Wahlspruch der Aenania. Die Farben der Arminia sind das Orange des Hauses Oranien, weil Lossen aus dem Herzogtum Nassau stammte, und die Bayerischen Landesfarben Weiß-Blau, weil er sein Studium an der Universität München begonnen hatte.