mini|300px|Verbreitungsgebiet der griechischen Dialekte im klassischen Griechenland. Dorisch in Beige.

Das Dorische ist ein altgriechischer Dialekt, der vom Stamm der Dorer gesprochen wurde. Das Verbreitungsgebiet des Dialekts umfasste große Teile der Peloponnes (unter anderen Sparta, Argos, Korinth), Kreta, Rhodos, Teile der kleinasiatischen Westküste (unter anderen Knidos) sowie die dorischen Kolonien am Schwarzen Meer, auf Sizilien und in Süditalien.Ferdinand Neigebaur: Die griechische Sprache in Sicilien. In: Archiv für Philologie und Pädagogik. Band 14. Teubner, Leipzig 1848, S. 414–420 ( bei Google Books). Das Dorische wird oft zusammen mit den nah verwandten nordwestgriechischen Dialekten, die in Phokis (Delphi), Lokris und Elis (Olympia) gesprochen wurden, zum Dorisch-Nordwestgriechischen zusammengefasst.

Der dorische Dialekt war in zahlreiche lokale Varianten gegliedert, die hauptsächlich durch Inschriften überliefert sind. Zu den Vertretern der dorischsprachigen Literatur zählen die Lyriker Pindar, Bacchylides und Alkman, die syrakusanischen Komödiendichter Sophron und Epicharmos, der syrakusanische Mathematiker Archimedes sowie die alexandrinischen Dichter Theokritos und Kallimachos. Traditionell war Dorisch die Sprache der Chorlyrik. In der Attischen Tragödie (zum Beispiel Sophokles, Aischylos, Euripides) wird der Dialog auf Attisch gesprochen, das Chorlied aber im dorischen Dialekt gesungen.

In hellenistischer Zeit wurde das Dorische, wie auch die übrigen griechischen Dialekte, durch die Koiné, eine weitgehend auf dem Attischen beruhende Gemeinsprache, verdrängt. Jedoch hat sich in abgelegenen Teilen der Peloponnes bis heute das Tsakonische, ein auf dem antiken Dorischen beruhender Dialekt, erhalten. Auch der kretische Dialekt des Neugriechischen ist durch das Dorische geprägt worden.

Charakteristika

Wichtige Unterschiede zwischen dem Dorischen und dem Attischen, der klassischen Form des Altgriechischen:Karl Otfried Müller: Die Dorier. Max, Breslau 1824, S. 515 ff. ( bei Google Books). Ursprüngliches langes bleibt stets erhalten.Beispiel: dorisch („Mutter“) gegenüber attisch oder („die Kunde, der Ruf“) zu attisch ; vgl. Damokles (dorisch; etwa „Volksruhm“) und Demokratie (attisch; „Volksherrschaft“). Verwendung von Doppelsigma/Sigma () an Stelle von attisch Doppeltau/Tau/Theta ( und ) vor Vokalen.Beispiel: dorisch („Meer“) zu attisch , zu attisch/ionisch (aus )/. Teilweise Erhaltung des []-Lautes ().Beispiel: dorisch gegenüber attisch („Haus“). Ursprüngliches bleibt erhalten.Beispiel: dorisch gegenüber attisch („sie tragen“). Ersatzdehnung auf und statt und . Das Kardinalzahlwort („vier“) statt attisch und Ionisch/Koiné . Das Ordinalzahlwort („erster, der Erste“) statt attisch . Das Demonstrativpronomen („dieser“) für . Die Endung 3. Person Plural Aorist und Imperfekt ist -n gegenüber attisch -san.Beispiel: dorisch , Aorist/Imperfekt von („geben“) gegenüber attisch . Die Futurform für attisch .Beispiel: Medium/Passiv von dorisch , attisch („tun“): dorisch (aus ) für attisch (aus ) – Dorisches Futur (). Endung der 1. Person Plural auf statt . Im Nominativ Plural des Artikels und des Demonstrativpronomens dorisch , , ', gegenüber attisch , , , . Eigene Vokabeln wie die Verben („wollen“), (aus , „tun“) oder (aus , „erwerben“), auch als (aus ) überliefert.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Altgriechischer Dialekt