Die Gedenkmünzen der Deutschen Demokratischen Republik wurden von der Münzprägeanstalt der DDR von 1966 bis 1990 mit 122 unterschiedlichen Motiven produziert. Vier davon hatten als Währungsbezeichnung MDN (Mark der Deutschen Notenbank), alle anderen Mark. Sie bestanden aus unterschiedlichen Legierungen mit Münzwerten von 5, 10 oder 20 Mark.

Einführung Gesetzliche Grundlagen der Prägung von Gedenkmünzen Die erstmalige Ausgabe von Gedenkmünzen zu 10 und 20 Mark (MDN) am 1. Dezember 1966 wurde im DDR-Gesetzblatt Teil II vom Präsidenten der Deutschen Notenbank,Zum 1. Januar 1968 erfolgte die Umbenennung in Staatsbank der DDR. dem formaljuristisch die rechtliche Regelung oblag, angekündigt. In seiner Anordnung vom 21. Dezember 1966Anordnung [Nr. 1] über die Ausgabe von Gedenkmünzen der Deutschen Demokratischen Republik zu 10 MDN und zu 20 MDN (GBl. 1966 Teil II Nr. 159 (Digitalisat)). wurden die Gestaltung der Münzen (Vorderseite, Rückseite, Rand und Form) und ihre Materialzusammensetzung nebst Gewicht und Durchmesser aufgeführt. Dem Anordnungstext gemäß sollten sie, entgegen ihrer tatsächlichen Zweckbestimmung, dem Geldumlauf zugeführt und in gleicher Anzahl wie die in ihrer Höhe nicht näher bestimmten Neuprägungen andere Geldzeichen aus dem Verkehr gezogen werden, um den Geldumlauf in der DDR nicht zu erhöhen. Entsprechende Anordnungen ergingen auch in der Folge für die späteren Ausgaben der DDR–Gedenkmünzen, die von 1973 bis 1990 im Gesetzblatt Teil I erschienen. Erstmals wurde die Prägezahl bei der am 6. April 1983 in Umlauf gebrachten 20 Mark-Münze in Neusilber für Karl Marx mit 1 Mio. Stück angegeben.Anordnung […] Nr. 49 vom 24. März 1983 (GBl. 1983 I Nr. 10 S. 103 (Digitalisat)). Die letzte Anordnung (Nr. 83) erging am 6. Juni 1990 zur Ausgabe einer 10 Mark-Gedenkmünze für Johann Gottlieb Fichte, die einen Silberfeingehalt von 500 Teilen haben und in einer Stückzahl von 55.000 ausgeprägt werden sollte.Anordnung […] Nr. 83 vom 6. Juni 1990 (GBl. 1990 I Nr. 33 S. 330 (Digitalisat)).

Prägeanstalt Berlin Zur Zeit der Herstellung der Gedenkmünzen gab es in der DDR nur eine Münzprägeanstalt. Diese war der aus der ehemaligen Münze Berlin hervorgegangene Volkseigene Betrieb Münze Berlin. Die Münzstätte Muldenhütten bei Freiberg prägte in der DDR-Zeit nur Aluminiumkleinmünzen mit dem Münzzeichen E. Sie stellte 1953 ihren Betrieb ein. Das unter Friedrich dem Großen und auch heute wieder verwendete Prägezeichen war das auch in der DDR verwendete A. Da es nur einen Hersteller gab, wäre eine Markierung nicht nötig gewesen; ein Teil der Gedenkmünzen trägt dieses Prägezeichen trotzdem.

Verwendete Materialien Wie generell bei der Prägung von Gedenkmünzen üblich kamen auch in der DDR in Abhängigkeit vom Verwendungszweck der einzelnen Gedenkausgaben unterschiedliche Legierungen zum Einsatz, zu deren Zusammensetzung nachfolgend grundsätzliches ausgeführt ist. Die dann für die einzelnen Münzprägungen verwendeten Legierungen sind in den Tabellen zu den Gedenkmünzen-Nominalen angegeben.

Neusilber und Kupfernickel Für die in großen Stückzahlen hergestellten, für den tatsächlichen Geldumlauf vorgesehenen Gedenkprägungen wurde vor allem das silberweiß glänzende Neusilber eingesetzt und kommt damit am häufigsten vor. 1969 wurde für die Prägung der 5-Mark-Münze „20 Jahre DDR“ auch eine Legierung aus Kupfernickel verwendet.

Silberlegierungen Die in stark limitierten Stückzahlen für Sammlerzwecke geprägten Gedenkmünzen wurden zumeist aus Silberlegierungen hergestellt, wobei der Silbergehalt aus Kostengründen schrittweise sank. Lag der Feingehalt in den Jahren 1966 und 1967 noch bei 800/1000 Teilen, war er zwischen 1968 und 1975/1976 auf 625/1000 und danach auf nur noch 500/1000 Teile reduziert worden. Ausnahmsweise wurde die am 3. April 1990 ausgegebene vorletzte Gedenkmünze der DDR auch mit einem Silberfeingehalt von 999,5/1000 Teilen in 150.000 Stück gefertigt; die motivgleiche Ausführung in Neusilber wurde in 300.000 Stück ausgeprägt. Beide Ausführungen hatte einen Nennwert von 20 Mark und erinnerten an die Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989.Vergleiche den Text der Anordnung Nr. 82 vom 12. März 1990 (GBl. I Nr. 21 S. 210 Digitalisat PDF).

Kein Einsatz von Gold Gold wurde nicht zur Prägung von regulär ausgegebenen Gedenkmünzen verwendet. Dies hatte seine Ursache in der fehlenden Konvertibilität der DDR-Mark. Gold ist ein an den internationalen Rohstoffbörsen gehandeltes wertvolles Edelmetall, das damit durch den DDR–Außenhandel jederzeit zur Erwirtschaftung von dringend benötigten Devisen im Ausland hätte verkauft werden können. Da aber nicht sämtliche Gold-Gedenkprägungen zur Erwirtschaftung von Valutamitteln hätten eingesetzt werden können, wodurch der Materialeinsatz über den Verkaufspreis wieder vollständig erwirtschaftet worden wäre, sondern in gewissem Umfang auch bei den Sammlern in der DDR verblieben wäre (siehe unten), wäre mit den Goldprägungen von vornherein ein erheblicher – wirtschaftlich betrachtet – Devisenabfluss in private Hände in der DDR erfolgt. Allerdings belief sich auch der staatlich festgesetzte Inlandspreis für Gold, soweit es überhaupt erhältlich war, bei ca. 250 Mark/g. Somit hätte eine Goldmünze mit einem Gewicht von nur 1/8 oz. (ca. 3,875 g) einen Materialwert von ca. 970 M gehabt. Angesichts der Einkommensverhältnisse in der DDR wäre ein solcher Preis der Münzen politisch nicht darstellbar gewesen, ganz abgesehen davon, dass er auch vom Preis in konvertiblen Währungen um den Faktor 25 abgewichen wäre.Andrea Schröder: Vor 25 Jahren kostete ein Gramm reines Gold 250 Mark. in: Volksstimme vom 22.08.2014 () . Zwar lag grundsätzlich auch bei Silber eine leichte internationale Verwertbarkeit vor. Allerdings betrug das Gold-Silber-Preisverhältnis (Gold-Silber-Ratio) Ende der 1960er Jahre und zu Beginn der 1980er international etwas unter 1:20, so dass die aus kulturpolitischen Gründen als notwendig erachtete, begrenzte Abgabe der Silbermünzen auch an Sammler in der DDR für den DDR-Außenhandel verkraftbar war.

Sonderprägungen aus Gold Es liegen zwei besondere Prägungen aus Gold vor, die auch als Materialproben angesehen werden: Einmal das Unikat einer von Axel Bertram 1968 entworfenen 20-Mark-Münze zum 150. Geburtstag von Karl Marx in 999er Gold. Sie wurde nur als Einzelanfertigung zum 75. Geburtstag des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht geprägt und diesem von der Staatsbank überreicht, erschien also nicht als Gedenkmünze im Emissionsprogramm der Staatsbank. Das Exemplar befindet sich heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin.Angaben des DHM zur 20-Mark-Gedenkmünze der DDR anlässlich des 150. Geburtstages von Karl Marx (Goldabschlag) – ohne Abbildung Weiter wurde die regulär am 17. April 1985 mit dem Nominal von 10 Mark in Umlauf gebrachte Gedenkmünze aus Neusilber 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus auch als Goldabschlag mit einem Feingehalt von 900/1000 Teilen Gold geprägt.Günter und Gerhard Schön: Kleiner Deutscher Münzkatalog von 1871 bis heute. 39. Auflage. Battenberg, München 2009, ISBN 978-3-86646-045-4. Die so hergestellten 266 Exemplare wurden ausschließlich als Ehrengeschenk für ausländische Staatsgäste verwendet.

Aufstellung der Gepräge 68 Motive aus Neusilber:62 % Kupfer, 20 % Zink, 18 % Nickel1 Motiv aus Kupfernickel (bronzefarben):90 % Kupfer, 10 % Nickel25 Motive aus 500er Silber:50 % Silber, 50 % Kupfer22 Motive aus 625er Silber:62,5 % Silber, 37,5 % Kupfer5 Motive aus 800er Silber:80 % Silber, 20 % Zink1 Motiv aus 999,5er Silber:99,95 % Silber, 0,05 % Kupfer

Von vielen Münzen existieren Probeabschläge aus anderen Materialien; auch sind einige wenige Exemplare in besserer Prägequalität bekannt. Das Gewicht der Münzen ist durch die verschiedenen Materialien und Münzdicken unterschiedlich.

Prägezahlen Die auflagenstärkste Münze mit über 50 Millionen Exemplaren - dies war fast dreimal so viel wie die Einwohnerzahl der DDR von ca. 17 Millionen (1970) - hatte einen Wert von 5 Mark und wurde 1969 in einer bronzefarbenen Legierung aus Kupfer und Nickel in Umlauf gebracht.

Elf Gedenkmünzen aus Neusilber hatten ebenfalls hohe Prägezahlen von weit über einer Million Exemplaren und damit keinen Sammlerwert. Die höchste Auflage hatte hier die 5-Mark-Münze aus dem Jahr 1971 – Berlin, Hauptstadt der DDR (Brandenburger Tor) – mit über 18 Millionen Stück. Diese elf Gedenkmünzen wurden als Umlaufmünzen genutzt. Fünfmarkmünzen wurden von Münzautomaten, beispielsweise den Mikrorechnergesteuerten Fahrkartenautomaten (MFA) auf Bahnhöfen, angenommen.

Die erst seit 1966 ausgegebenen silbernen Gedenkmünzen hatten weit kleinere Prägezahlen, und die seltenste Gedenkmünze der DDR ist die vorgenannte Goldprägung des 20-Mark-Stücks 150. Geburtstag von Karl Marx in nur einem Exemplar.

Prägequalität Die Qualität der Serienprägung entsprach nicht immer den Erfordernissen der Sammler. Diese Münzen wurden, genau wie zurückgegebene oder Restbestände, zur Rohstoffgewinnung wieder eingeschmolzen.Mit Ärger zu Weihnachten 1966 begann eine Erfolgsstory, Wie Wessis die DDR stärkten. Geschichte der ersten Gedenkmünzen der DDR. In: Neues Deutschland. 23. Dezember 2006. Neben den Herstellungsverfahren Stempelglanz (Standard) und polierte Platte wurden Gedenkmünzen aus Neusilber auch als Spiegelglanz geprägt. Dieses als Exportqualität bezeichnete Herstellungsverfahren erfolgte mit polierten Stempeln auf verlangsamt laufenden Prägemaschinen. Die Münzen wurden von Hand den Prägestöcken entnommen und von 1979 bis 1986 in eine Kassette aus Hartkunststoff eingelegt, ab 1987 bis 1990 in Kunststoff eingeschweißt.

Verkauf der Gedenkmünzen Während die in größeren Mengen aus unedlen Metallen geprägten Gedenkmünzen über die Kreditinstitute und die Sparkassenfilialen der DDR an die Kunden frei zum Nennwert abgegeben wurden, waren die silbernen Gedenkmünzen primär zur Erwirtschaftung von Devisen vorgesehen. Sie wurden über den DDR-Außenhandel an Sammler in der alten Bundesrepublik geliefert oder in der DDR über die Intershop-Läden, die Wechselstellen und Filialen der Staatsbank sowie die Deutsche Handelsbank AG (siehe nebenstehende Prospektabbildung) gegen konvertible Währungen verkauft. Die im Kulturbund der DDR organisierten Numismatiker hatten erreicht, dass 6000 Exemplare jeder Münze an die Kulturbund-Mitglieder verteilt werden konnten, was aber angesichts der Mitgliederzahl mengenmäßig nicht ausreichte.Es gilt als gesichert, dass ein gewisser Teil der Mitglieder in den Kulturbund-Fachgruppen „Numismatik“, die in ihrer regionalen Arbeit durch den in Berlin ansässigen Zentralen Fachausschuss Numismatik gelenkt wurden, vor allem aufgrund der gegebenen Zuteilung von Gedenkmünzen organisiert war, ohne selbst tieferes numismatisches Interesse zu hegen. Aufgrund der dadurch noch zusätzlich verschärften Mangelsituation kam es nicht selten zu Querelen unter den Mitgliedern über die jeweilige Zuteilung der angesichts der Mitgliederzahlen zu geringen Münzkontingente. Der Abgabepreis entsprach hier dem Nennwert der Münze zuzüglich zwei Mark für Etui und Verwaltungsaufwand.Erhellend für die Zuteilungspraxis im Kulturbund und in den Fachgruppen Numismatik sind die Ausführungen des Sammlers aus der DDR Helmut Caspar auf seiner Webseite. Nicht organisierte Sammler konnten die Silbermünzen in den Auktionshäusern zum Auktionspreis erwerben, soweit sie dort eingeliefert worden waren; dieser betrug jedoch ein Mehrfaches des Nennwerts. Schließlich bekamen Betriebe und Institutionen teilweise, also nicht von jeder Münzemission, geringe Zuteilungen von Sondermünzen für Prämierungen ihrer Beschäftigen.

5-Mark-Gedenkmünzen