mini|300px|Logo der World Series of Poker Die World Series of Poker, kurz WSOP, ist eine Pokerturnierserie, die seit 1970 einmal jährlich in den Vereinigten Staaten am Las Vegas Strip ausgetragen und umgangssprachlich auch als Poker-Weltmeisterschaft bezeichnet wird. Sowohl der Umfang als auch die Dauer der Turnierserie stieg über die Jahre deutlich an und liegt derzeit bei knapp 100 Events, die über rund anderthalb Monate abgehalten werden. Austragungsorte waren bis 2004 das Hotel Binion’s Horseshoe in Las Vegas, von 2005 bis 2021 das Rio All-Suite Hotel and Casino in Paradise und sind seit 2022 die ebenfalls in Paradise gelegenen Hotels Horseshoe und Paris Las Vegas. Die Turniersieger aller WSOP-Events erhalten zusätzlich zu ihrem Preisgeld ein goldenes Bracelet, das als die begehrteste Trophäe im Poker angesehen wird. Das Hauptturnier, ein Event der Variante No Limit Hold’em mit einem Buy-in von 10.000 US-Dollar, gilt als das prestigeträchtigste Pokerturnier überhaupt, sodass der Gewinner als Poker-Weltmeister bezeichnet wird.
Bei der seit 2007 meist einmal jährlich angebotenen World Series of Poker Europe sowie der 2013 und 2014 gespielten World Series of Poker Asia Pacific können auch Bracelets außerhalb des Las Vegas Strip gewonnen werden, zudem kann dort aufgrund anderer Glücksspielgesetze schon ab 18 Jahren gespielt werden. Seit 2020 wird darüber hinaus auf verschiedenen Onlinepoker-Plattformen einmal jährlich die World Series of Poker Online veranstaltet.
Geschichte 1949–1973: Idee, Gründung und erste öffentliche Wahrnehmung Im Jahr 1949 wurde über fünf Monate von Benny Binion ein sogenannter Pokermarathon zwischen Nick Dandolos und Johnny Moss veranstaltet. Großes Zuschauerinteresse machte das Pokerspiel populärer und brachte Binion auf die Idee, weitere Pokerturniere zu veranstalten. Tom Moore, ein Teilbesitzer des Holiday Casinos in Reno, und der Glücksspiel-Kenner Vic Vickrey luden 1969 Pokerliebhaber zur Texas Gamblers Reunion nach Reno, aus der letztlich die World Series of Poker hervorging.
mini|hochkant|Binion’s Horseshoe – Austragungsort von 1970 bis 2004 Im Mai 1970 nahmen sieben Spieler an der noch völlig unbekannten WSOP im Binion’s Horseshoe in Las Vegas teil. Sie spielten mehrere Tage gegeneinander Poker und wählten anschließend Johnny Moss zum besten Spieler und damit zum ersten (inoffiziellen) Poker-Weltmeister, der dafür mit einer Silbertasse geehrt wurde. Seit der zweiten Austragung im Folgejahr wird der Preisträger in einem Turnier der Variante No Limit Hold’em mit sogenanntem Freeze-Out-Modus bestimmt, bei dem sich Spieler nach ihrem Ausscheiden nicht erneut einkaufen dürfen. Moss verteidigte in diesem Event mit einem Buy-in von 5000 US-Dollar Mitte Mai 1971 gegen sechs andere Teilnehmer seinen Titel und erhielt eine damals noch unbeschriebene Trophäe, die seit 1971 an alle Gewinner von WSOP-Turnieren vergeben wird und mit den erst später überreichten Bracelets gleichzusetzen ist. Bei dieser Turnierserie wurden auch erstmals vier weitere Events ausgespielt, die in Five Card Stud, Seven Card Stud, Razz und Five Card Draw veranstaltet wurden und einen Buy-in von jeweils 1000 US-Dollar hatten. In letzterer Variante sicherte sich Moss einen weiteren Turniersieg, was ihn zum ersten mehrfachen Braceletgewinner der WSOP machte. Nach dem Sieg von Thomas Preston bei der WSOP 1972 verhalf dieser der Turnierserie erstmals zu öffentlicher Wahrnehmung, da er anschließend insgesamt elfmal in der Tonight Show zu Gast war, in Filmen mitspielte und einen Bestseller schrieb. Als Folge wurde die World Series of Poker 1973 erstmals vom amerikanischen Fernsehnetzwerk CBS Sports übertragen. Im Hauptturnier, das seit jenem Jahr ein Buy-in von 10.000 US-Dollar hat, gewann Walter Pearson sein drittes der sieben Events auf dem Turnierplan.WSOP History auf der Website der World Series of Poker, abgerufen am 1. Dezember 2021 (englisch).
1974–2002: Dreifache Weltmeister und wachsende Teilnehmerzahlen mini|hochkant|links|Johnny Moss, Chill Wills, Thomas Preston, Jack Binion und Puggy Pearson (v. l. n. r.) vor dem Binion’s Horseshoe während der WSOP 1974 Im Mai 1974 gewann Johnny Moss seinen dritten Titel im Hauptturnier und ist damit einer der beiden Rekordsieger. Seit der WSOP 1976 wird als Trophäe für Turniersiege ein goldenes Bracelet vergeben, Doyle Brunson sicherte sich bei dieser Ausgabe den Weltmeistertitel und verteidigte diesen im Jahr darauf. Die steigende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit führte in den folgenden Jahren zu wachsenden Spielerzahlen und auch mehr angebotenen Turnieren. Zudem stieg auch die Wahrnehmung der Turnierserie in der allgemeinen Öffentlichkeit als Poker-Weltmeisterschaft. Die achte Austragung wurde 1977 zum ersten Mal über mehr als zwei Wochen gespielt und hatte erstmals mehr als zehn Events auf dem Turnierplan. Ein weiteres Novum war das Ladies Event, ein Turnier der Variante Seven Card Stud, bei der nur Spielerinnen in der sonst männerdominierten Pokerwelt erwünscht waren. Barbara Freer nahm ein Jahr später als erste Frau am Main Event teil, bei dem das Preisgeld erstmals unter den letzten 5 der 42 Spielern aufgeteilt und nicht wie zuvor nur an den Sieger ausgeschüttet wurde. Mit Hal Fowler gewann 1979 überraschend zum ersten Mal ein Amateur das Hauptturnier, was in den Folgejahren für weiter steigende Spielerzahlen und 1980 bereits für Teilnehmerfelder von mehr als 100 Spielern sorgte. Mit Stu Ungar mischte Anfang der 1980er-Jahre ein neuer Spielertyp die Turnierserie auf. Der aus New York City stammende Ungar gewann das Main Event 1980 sowie 1981 zweimal in Folge und sorgte damit für eine Berichterstattung von NBC Sports ab der WSOP 1981. Als Turnierdirektor fungierte zu dieser Zeit Eric Drache, der zur WSOP 1983 sogenannte Satellite-Turniere einführte, in denen man sich für die teureren WSOP-Events qualifizieren konnte. Dies ließ die Teilnehmerzahlen der World Series of Poker so weit anwachsen, dass das Horseshoe für manche Events nicht mehr genug Platz bot und Turniere teilweise im Golden Nugget und Four Queens Hotel and Casino gespielt werden mussten, ehe das Horseshoe Casino erweitert wurde. Die populärer werdende Turnierserie lockte zunehmend auch europäische Spieler an und führte 1988 mit dem Franzosen Gilbert Gross und dem Norweger Thor Hansen zu den ersten nicht-amerikanischen Braceletgewinnern.Gilbert Gross in der Datenbank der World Series of Poker, abgerufen am 1. Dezember 2021 (englisch).Thor Hansen in der Datenbank der World Series of Poker, abgerufen am 1. Dezember 2021 (englisch). Im Mai 1989 gewann der 25-jährige Phil Hellmuth als bis dahin jüngster Spieler das Main Event. Nach dem Tod von Benny Binion im Dezember 1989 übernahm sein Sohn Jack, der bereits zuvor einige Aufgaben seines Vaters übernommen hatte, die Leitung der WSOP und führte die Turnierserie über die nächsten Jahrzehnte gemeinsam mit Jim Albrecht und Jack McClelland. Der Brite Mansour Matloubi wurde 1990 zum ersten europäischen Poker-Weltmeister und gab der WSOP damit einen weiteren Aufschwung. Dieser ließ sie 1991 auf einen Zeitraum von knapp einem Monat anwachsen und lockte 215 Spieler ins Main Event, bei dem der Sieger Brad Daugherty erstmals einen Hauptpreis von einer Million US-Dollar erhielt. Bei der WSOP 1997 gewann mit Matthias Rohnacher erstmals ein deutscher Spieler ein Bracelet.Matthias Rohnacher in der Datenbank der World Series of Poker, abgerufen am 1. Dezember 2021 (englisch). Das Main Event entschied in jenem Jahr Stu Ungar bei seinem letzten öffentlichen Auftritt zum dritten Mal für sich, womit er neben Moss der Rekordweltmeister ist. Nach Differenzen in der Familie wurde Jack Binion Ende der 1990er-Jahre vom Geschäftsbetrieb ausgeschlossen und einige Topspieler boykottierten aufgrund weiterer Kontroversen die Turnierserie von 1999 bis 2002, was in den sonst weiter wachsenden Teilnehmerfelden jedoch nicht auffiel.
2003–2019: Moneymaker-Boom und Umzug ins Rio All-Suite Hotel and Casino Mit der neu gegründeten World Poker Tour war ein neuer Konkurrent auf den Markt gekommen, der zu Beginn der WSOP 2003 zu einer merklich geringeren Spielerzahl führte. Zu einem drohenden Niedergang der WSOP kam es jedoch nicht, insbesondere da das Main Event der Turnierserie live auf dem Sportsender ESPN von einem Amateurspieler gewonnen wurde. Der Amerikaner Chris Moneymaker hatte sich für das Turnier über den Onlinepokerraum PokerStars für nur 39 US-Dollar qualifiziert und setzte sich gegen ein 839-köpfiges Teilnehmerfeld durch, was ihm eine Siegprämie von 2,5 Millionen US-Dollar einbrachte. Dies löste einen Pokerboom aus, der bis heute auch als „Moneymaker-Boom“ oder „Moneymaker-Effekt“ bekannt ist, und ließ die Teilnehmerzahlen erneut nach oben schießen. Bereits ein Jahr später kauften sich dreimal so viele Spieler ins Hauptturnier ein und zwangen den neuen Veranstalter Caesars Entertainment, der die Turnierserie nach dem Verkauf des Binion’s Horseshoe übernommen hatte, zu einem Umzug. Die neu eingeführte Auszeichnung als Spieler des Jahres erhielt der Kanadier Daniel Negreanu, der im Mai 2004 sein drittes Bracelet gewonnen hatte. Anfang 2005 wurde mit den WSOP-Circuitturnieren eine neue Turnierserie eingeführt, bei der ebenfalls hohe Preisgelder versprochen werden. Die Events laufen über das ganze Jahr und sind als Werbung für die Hauptturnierserie gedacht.
mini|hochkant|Rio All-Suite Hotel and Casino – Austragungsort von 2005 bis 2021