Die Schlacht an der Weichsel, auch bekannt als die Schlacht von Warschau, fand im Ersten Weltkrieg im Herbst 1914 an der Ostfront statt. Nachdem die Russische Armee die österreichisch-ungarische Armee in der Schlacht von Lemberg geschlagen und den größten Teil Galiziens eingenommen hatte, befahl der deutsche Oberbefehlshaber an der Ostfront, Paul von Hindenburg, zur Entlastung der Österreicher eine Offensive gegen die russischen Linien im Gebiet um Warschau. Sie endete mit einem russischen Abwehrerfolg gegen die Mittelmächte und brachte keine Veränderungen.

Gesamtlage der Ostfront im September 1914 Am 11. September wurde die in östlicher Richtung auf Goldap verfolgende deutsche 8. Armee unter dem neuen Oberbefehlshaber von Below noch während der Schlacht an den Masurischen Seen an der Angerapp angehalten; sie hatte starke Kräfte nach Schlesien abzugeben und in Verteidigung überzugehen. Nach dem Scheitern der russischen Invasion Ostpreußens wurde der Oberbefehlshaber der Nordwestfront General Jakow Schilinski am 16. September durch General der Infanterie Nikolai Russki ersetzt. Die russische 1. Armee unter General von Rennenkampff wurde schnell aufgefrischt und war zwischen Suwałki und Augustów erneut im Vorgehen gegen die deutsche Grenze. Russki bereitete dabei die doppelte Umfassung deutscher Kräfte bei Schirwindt vor.

Zum Schutze Litauens war auch die Aufstellung der russischen 10. Armee unter General Wassili Pflug fast abgeschlossen, sie deckte die Festungsfront zwischen Kowno und Grodno gegen deutsche Vorstöße aus Ostpreußen. Am Narewabschnitt sicherte die russische Armeegruppe Narew unter General Nikolai Bobyr gegen Landsturmtruppen des deutschen Korps Zastrow. In Warschau lag das russische XXVII. Korps als Besatzung. Mitte September begann im Raum Pultusk die Neuaufstellung der bei Tannenberg zerschlagenen russischen 2. Armee, die Anfang Oktober auch den Befehl über den Festungsbereich von Warschau erhielt.

Im Kronland Galizien war nach dem russischen Durchbruch bei Rawa Ruska die Hauptstadt Lemberg verloren gegangen. Mitte September 1914 musste die geschlagene österreichische Armee die Sanlinie vor dem starken Druck der russischen Südwestfront aufgeben und sich auf die Wisłoka zurückziehen. Am 21. September wurde von der k.u.k. 3. Armee unter General Boroevic, der letzte östliche Sanbrückenkopf bei Jaroslau durch die Brigade Benigni aufgegeben. Die Festung Przemysl war dabei von der russischen 3. Armee unter Radko Dimitriew bis 26. September vollständig eingeschlossen worden und wurde belagert, was dem Chef der österreichisch-ungarischen Truppen General Conrad von Hötzendorf die nötige Zeit gab, sein Gros abzusetzen.

Die k.u.k 2. Armee unter General von Böhm-Ermolli ging vor der russischen 8. Armee bereits über Sanok und Lisko auf die Karpaten zurück. Im Norden war die k.u.k. 4. Armee unter Joseph Ferdinand zwischen Radymno und Medyka hinter den San, nördlicher anschließend die k.u.k. 1. Armee (Dankl) aufs westliche San-Ufer zwischen Leżajsk und Jaroslau zurückgegangen. Das schlesische Landwehrkorps unter General von Woyrsch hatte den Rückzug des linken Flügel der k.u.k. 1. Armee gewissenhaft gedeckt, musste hinter die Wisloka zurückgehen und verlegte wieder auf das nördliche Ufer der Weichsel.

An der Weichsel zwischen Annopol und der Festung Iwangorod befanden sich auf russischer Seite die Korpsgruppe Delsalle und starke Kavallerieverbände unter General Nowikow. Starke russische Kavalleriekräfte schoben sich nördlich der Weichsel bis an die Nida nach Westen vor.

Lage bei den Mittelmächten Die Bedrohung der Provinz Schlesien und der Hilferuf der Österreicher um Truppenhilfe zwangen den neu eingesetzten deutschen Generalstabschef Erich von Falkenhayn zum eiligen Eingreifen. Nach der noch unentschiedenen Schlacht an der Aisne, war von der Westfront – wo man noch um die Entscheidung rang – mit keinen weiteren Verstärkungen zu rechnen.

Im k.u.k. Hauptquartier in Neu-Sandez kam man nach dem Treffen Conrads mit General Ludendorff, dem Stabschef General Hindenburgs, am 18. September zum Entschluss, aus der Linie Kalisch – Beuthen einen Flankenstoß gegen die Weichsel zu führen, die einzige Möglichkeit den russischen Druck in Galizien aufzuheben.

Die in Ostpreußen stehende deutsche 8. Armee musste zwei Korps zur Aufstellung einer neuen Armee nach Schlesien abgeben. Die k.u.k. Heeresfront in Galizien (1., 2., 3., und 4. Armee) war vor dem russischen Druck mit 46 Divisionen Infanterie- (davon 8½ Divisionen Landsturm) und 11 Kavallerie-Divisionen auf das westliche San-Ufer zurückgegangen.

Die Masse der österreichischen Kräfte waren zwischen Przemyśl bis zur Weichsel bei Sandomir auf etwa 150 km Breite zusammengedrängt worden. Die Front am Dnjestr wurde von schwächeren Kräften und Landwehrtruppen notdürftig gedeckt. Bis Anfang Oktober konnte Conrad die schwer angeschlagene k.u.k. Heeresmacht in Galizien durch Ersatz wenigstens wieder auf eine Kampfstärke von 477.000 Mann, 27.000 Reitern und 1.578 Geschützen bringen.

Aufmarsch der deutschen 9. Armee Die neu aufzustellende 9. Armee sollte unter Generaloberst von Hindenburg stehen. Zur Verstärkung des deutschen Vorstoßes musste die k.u.k. 1. Armee unter General Viktor Dankl nördlich der Weichsel verlegen und den Schutz der rechten Flanke der 9. Armee übernehmen. Zunächst wurde das Garde-Reserve-Korps westlich von Kattowitz ausgeladen, gleichzeitig war das XX. Armee-Korps mit seiner Vorhut in Tschenstochau eingetroffen, dahinter folgten die Truppen des XVII. Armeekorps. Das XI. Armeekorps kam im Raum nordöstlich Krakau an und operierte eng mit dem schlesischen Landwehrkorps zusammen, das jetzt mit der noch fehlenden Artillerie versehen wurde. Beide Korps deckten bis zur Ankunft der Österreicher die Weichsellinie bei Sandomir und den Raum bis nördlich Kielce.

Bereits am 19. September ging die Hauptreserve von Posen und Breslau, die 19. und 21. Landwehr-Brigade bei Kalisch über die Grenze auf Sieradz vor und wurde zur Warthe vorgeschoben. Am 20. September wurde die Hauptreserve der Festung Thorn, die 35. Reserve-Division, aus dem Raum südlich von Mlawa nach Thorn transportiert, um von dort über Wlozlawek auf Lodz vorzugehen.

Bis zum 27. September hatte sich die Masse der deutschen 9. Armee zwischen Beuthen und Kreuzburg vollständig versammelt. Die für den Vormarsch angesetzten Kräfte der 9. Armee zählten insgesamt: 12 ½ Divisionen Infanterie (darunter 3 ½ Divisionen Landwehr) und eine Kavallerie-Division, zusammen etwa 188.000 Mann Infanterie, 8000 Reiter und 837 Geschütze.

Lage bei den Russen mini|links|hochkant|Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, der russische Oberkommandierende mini|hochkant|Pawel Plehwe, Oberbefehlshaber der russischen 5. Armee Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, der russische Oberkommandierende, schlug sein Hauptquartier in Brest-Litowsk auf und übernahm die Führung aller zentralen Truppen an der Weichsel. Er erkannte schon vor dem deutschen Angriff, dass jetzt der Schwerpunkt der Operationen im Raum Warschau lag, und befahl sowohl von der Südwestfront, wie von der Nordfront die Abgabe bedeutender Kräfte für die bedrohte Front im Mittelabschnitt. Am 19. September traf sich der Großfürst mit Russki in Białystok, am 26. September besuchte er General Nikolai Iwanow in Cholm und besprach das weitere Vorgehen.

Infolge des deutschen Vormarsches musste die Südwestfront ihren bereits geplanten Vormarsch in Galizien abbrechen und zwei Armeen (4. und 5. Armee) freimachen. Als Vorhut war bereits das russische XXV. Korps unter General Sujew in Umgruppierung zur Weichsel und zwischen Nowo Alexandria bis Iwangorod aufmarschiert. Dort hatte bisher nur starke Kavallerie unter General Nowikow bis zur Nida vorgetastet.

Zudem musste ab 23. September die an der Weichsel stehende 9. Armee unter General Letschitzki ihren Vorstoß in Richtung Krakau einstellen und ihre nördliche Flanke mit zwei Korps (XIV. und XVIII.) auf das nördliche Weichselufer bis Josefow verlängern.

Die Gruppe des Generals Delsalle mit der 75. und 80. Reserve-Division langte im Raum Opatow ein, die 1. Don-Kosaken-Division und die 13. Kavallerie-Division rückten auf die Nida vor. Mit der 4. Armee unter General Ewert wurde folgend die Weichsellinie nördlich von Iwangorod bis Magnuszew verlängert.

Mit dem später ebenfalls folgenden Gardekorps und der 5. Armee unter Pawel Plehwe wurde die Front bis in den Raum Siedlce aufgefüllt und die im Raum südöstlich Warschau stehenden Kräfte bei Gora Kalwarja verstärkt.

Die russische 3. Armee und die Blockadearmee von Przemysl hielt man für die Front in Galizien für ausreichend um die bereits geschlagenen Österreicher am San in Schach zu halten. Mit der Vorhut der 4. Armee wollte Nikolai Nikolajewitsch zunächst die Deutschen in der Linie Radom–Opatów stellen, um dann westlich oder südwestlich Iwangorod die entscheidende Schlacht zu schlagen. Nördlich der Weichsel konnte er bis Mitte Oktober 19 Infanterie- und 8 Kavalleriedivisionen mit über 350.000 Mann zusammenziehen.

Vormarsch der Mittelmächte

Am 29. September begann der deutsche Vormarsch nach Osten. Am 30. September hatte die 9. Armee mit ihrer Masse – in vorderer Linie XI. Armeekorps, Garde-Reserve-Korps und XX. Armeekorps, in zweiter Linie hinter dem XI. Korps, das Landwehrkorps die Gegend von Chmielnik – Kielce und nordwestlich dieser Punkte erreicht.

Zum Schutze der Nordflanke rückwärts gestaffelt, war das XVII. Armeekorps bis westlich Konsk, das Korps Frommel bis Petrikau und westlich gelangt. Letzteres Korps verfügte über die Hauptreserve von Posen (die Landwehr-Division Bredow), die 8. Kavallerie-Division und die aus Thorn anrollende 35. Reserve-Division. Diese Kräfte sollten den Nordflügel der 9. Armee beim Vorstoß gegen Lodz abdecken.

Den wenig bedrohten westlicher liegenden Grenzraum zwischen dem rechten Flügel der 9. Armee und der Festung Thorn, deckte der Landsturm Breslaus, sowie das Stellvertretende Generalkommando des V. und II. Armeekorps, etwa an der Grenzlinie von Sieradz nordwärts bis zur Weichsel. Dabei ging die Landwehr-Division Bredow aus dem Raum Kalisch, die 8. Kavallerie-Division von Kempen auf Petrikau und vom Norden her die 35. Reserve-Division auf Lodz vor.

Aus dem Raum Tschenstochau rückte das XVII. Armeekorps unter General August von Mackensen mit der 35. und 36. Division gegen Nowo-Radomsk, das XX. Armeekorps unter Friedrich von Scholtz mit der 37. und 41. Divisionen, sowie das Garde-Reserve-Korps unter General von Gallwitz nördlich des Lysa Gora nach Osten vor. Die Russen leisteten hier zunächst keinen Widerstand und zogen sich zur Weichsel zurück.

Bis zum 4. Oktober erreichte das Korps Frommel an der Nordflanke die Linie Opoczno – Rawa, das XVII. Armeekorps stand in der Gegend westlich Radom, das XX. Korps rückte auf Ilza vor. Das Garde-Reservekorps war mit der 3. Garde- und 1. Garde-Reserve-Division über Kielce auf Ostrowiec nach Südosten abgeschwenkt. Südlich der Lysa Gora war das XI. Korps unter General Otto von Plüskow mit der 22. und 38. Division im Anmarsch auf Opatow.

Die zu Angriffsbeginn das Nordufer der Weichsel sichernde k.u.k. Armeegruppe Kummer war bereits aufgelöst und ihre Verbände der Armee Dankls zugeführt worden. Die k.u.k 1. Armee hatte sich Ende September mit dem I. Korps unter General Karl von Kirchbach südlich von Pintschow an der Nida versammelt und war bis zum 4. Oktober auf Klimontow vorgegangen. Das schlesische Landwehrkorps Woyrsch deckte dabei den Aufmarsch des linken Flügels Dankls. Das österreichische Kavallerie-Korps Korda (k.u.k. 3. und 7. Kavallerie-Divisionen) deckte beidseitig die Flanken des nach Osten vorgehenden k.u.k. I. Korps (5. und 12. Division, 46. Landwehr-Division, 35. Landsturm-Brigade, Polnische Legion), bei Sandomir und stieß man mit der zur Weichsel zurückgehenden russischen Nachhut zusammen.