Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) ist ein nach eigener Angabe unabhängiges Forschungsinstitut mit Sitz in Rüschlikon bei Zürich und die erste und älteste Denkfabrik der Schweiz.

Sitz des Forschungsinstituts ist in Rüschlikon im Kanton Zürich. Es wurde am 1. September 1963 gegründet. Namens- und Ideengeber ist Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Basierend auf seinem Leitsatz «Der Mensch im Mittelpunkt und nicht das Kapital» erforscht und diskutiert das GDI Handel, Ernährung und Gesundheit sowie aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen.

Das Institut gehört zur Stiftung «Im Grüene», die vom grössten Schweizer Einzelhandelsunternehmen Migros teilfinanziert wird. Es publiziert seine Forschungsergebnisse in zahlreichen Studien und verleiht im mehrjährigen Zyklus den renommierten Gottlieb-Duttweiler-Preis. Von 1984 bis 2016 wurde die Vierteljahresschrift «GDI Impuls» publiziert. mini|Gottlieb Duttweiler Institut 2015 mini|Gottlieb Duttweiler Institut, Umgebung

Leitung Bisherige Institutsleiter (CEO) waren: Jørgen Thygesen, Virum in Dänemark (1963–1964) Hans A. Pestalozzi, (1964–1979; 1964–1966 interimsweise, 1966–1979 regulär) Jürg Marx (1979–1980 interimsweise) Christian Lutz (1980–1998) David Bosshart (1999–2020) Lukas Jezler (2021–2025) Seit 2025: Jennifer Somm (a. i.) Ab 1. Juli 2026: Nico Luchsinger

Geschichte mini|Grundstein am Gottlieb Duttweiler Institut Bereits 1946 gründeten Adele und Gottlieb Duttweiler die Stiftung «Im Grüene», die es sich zum Ziel gesetzt hatte, ein Institut ins Leben zu rufen, welches wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens wie auch der Warenvermittlung betreiben könnte. Sie wollten Veranstaltungen, Kurse und Versammlungen fördern, welche als Brücken von Mensch zu Mensch und von Land zu Land verstanden werden sollten.

Den «Grundstein» legte Gottlieb Duttweiler aber erst kurz vor seinem Tod im Jahre 1962. Dieses unabhängige Forschungsinstitut für wirtschaftliche und soziale Studien wurde am unteren Rande des Park «Im Grüene», dem kurzzeitigen ehemaligen Wohnsitz des Gründers, errichtet. Seine Vision der Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft, seine grosse Neugierde wie auch sein sozialpolitisches Gedankengut bilden bis heute die Basis, auf welcher das GDI seine Aktivitäten aufbaut.

Hans A. Pestalozzi leitete das Institut 15 Jahre lang. Seine sozialkritischen Gedanken, 1980 veröffentlicht in seinem Buch M-Frühling. Vom Migrosaurier zum menschlichen Mass, führten 1979 zu seiner fristlosen Entlassung.Vortrag von Pestalozzi auf einer interkantonalen Lehrertagung in SolothurnVortrag von Pestalozzi in Auf die Bäume ihr Affen abgedruckt

Ziele mini|Gottlieb Duttweiler Institut, Inschrift am Eingang Das Institut betreibt nach eigenen Angaben unabhängige Forschung. Die Einrichtung will damit querständiges und unkonventionelles Denken fördern, um daraus wegweisende Ideen und Konzepte entstehen zu lassen. Das Institut will ein Ort der Begegnung sein und Raum für kühne Ideen und grenzüberschreitende Kommunikation schaffen.

Durch seine Vernetzung sieht sich das Institut als weltweite Wissensplattform. Es werden wirtschaftliche wie auch gesellschaftliche Themen erforscht, diskutiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Inschrift am Eingang des Instituts liest sich:

Tätigkeitsfelder Das Institut konzentriert sich als Ort der Begegnung und des Wissens auf vier Schwerpunkte: Es ist Forschungsstätte und innovativer Think-Tank, bildet mit Leadership-Programmen Führungskräfte aus, entwickelt mit Unternehmen Innovationsstrategien und steht Unternehmen als Veranstaltungsort zur Verfügung.

Im Institut treffen sich regelmässig Experten aus Wirtschaft und Gesellschaft, um Trends und kommende Veränderungen zu diskutieren.

Themen Das Gottlieb Duttweiler Institut fokussiert seine Tätigkeiten auf die Branchen Handel, Food und Gesundheit und beleuchtet diese aus den Perspektiven Gesellschaft, Technologie und Umwelt.

Zahlreiche Entwicklungen von Wirtschaft und Gesellschaft wurden bereits frühzeitig thematisiert. So beschäftigte sich das GDI schon 1964 mit «der Einführung des Abendverkaufs». 1974 machte man sich zu biologischem Landbau Gedanken, 1986 war die «Gentechnologie» ein grosses Thema, und im Jahr 2000 die «Europäisierung der Gastronomie». Die immer älter werdende Gesellschaft wurde 2005 in der Studie «Generation Gold» analysiert. Sie zeigte, wie sich Werte und Einstellungen einer immer älter werdenden Gesellschaft verändern, welcher Lebensstil gepflegt wird und was die «Generation Gold» glücklich macht. Die GDI-Impuls Winterausgabe 2007 befasste sich mit der Professionalisierung der Zukunftsbranche und untersuchte, welche Navigationshilfen die Forscher und Trendagenturen für die Wirtschaft bereithalten. 2008 befasste sich das Institut mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel. In diesem Kontext warnte Stefan Kaiser, Chefredakteur des DU-Magazins, vor der Trojanischen Ökonomie, untersuchte die wichtigsten Felder dieser Entwicklung und zeigte Konsequenzen und Auswege aus der allgegenwärtigen Trojanisierung.

Preis mini|Preisverleihung an Jimmy Wales am 26. Januar 2011 im GDI

Der Gottlieb-Duttweiler-Preis ehrt in unregelmässigen Abständen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in herausragender Weise zum Wohle der Allgemeinheit verdient machen und sich durch Mut, Hartnäckigkeit, Engagement und erfolgreiches Einleiten und Umsetzen von nachhaltigen Veränderungen auszeichnen. Der Preis ist derzeit mit 100'000 Schweizer Franken dotiert.

Grosse Resonanz fand 1990 die schweizkritische sogenannte «Gefängnisrede», die der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt als Festredner anlässlich der Verleihung des Preises an den damaligen tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel für alle überraschend hielt.Friedrich Dürrenmatt: Die Schweiz – ein Gefängnis. Rede auf Václav Havel, mit einem Gespräch des Autors mit Michael Haller sowie einer Rede von Adolf Ogi, Diogenes-Taschenbuch 22 952, Zürich 1997, ISBN 3-257-22952-6. Nicht wenige hielten sie damals für einen Skandal.

Preisträger 1970: Fritz Bramstedt, Würzburg; Ernährungswissenschaftler, „Kampf“ gegen Karies 1972: Egon Kodicek, Cambridge; Ernährungswissenschaftler 1975: Paul Fabri; Ernährungswissenschaftler, Kampf gegen Übergewicht 1988: Lisbeth und Robert Schläpfer (Unternehmer), St. Gallen; Unternehmer Textilbranche 1990: Václav Havel; Präsident der Tschechoslowakei 1993: Esther Afua Ocloo, Ghana; Unternehmerin und Ernährungswissenschafterin 1998: Roger Schawinski, Zürich; Journalist, Medienpionier 2004: Joschka Fischer; Aussenminister der BR Deutschland 2008: Kofi Annan; UNO-Generalsekretär, Friedensnobelpreisträger 2011: Jimmy Wales; Mitgründer der Wikipedia In: presseportal.ch 8. Oktober 2010. 2013: Ernst Fehr, Zürich; Wirtschaftswissenschaftler 2015: Tim Berners-Lee; Entwickler des World Wide WebGDI-Medienmitteilung vom 3. Dezember 2014 2019: Watson; IBM-Computerprogramm für Künstliche IntelligenzGDI-Medienmitteilung vom 11. Dezember 2018

Veranstaltungen Das Institut führt eine Reihe von jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen durch. Dazu gehören die «Internationale Handelstagung», der «Europäische Trendtag» und die «International Food Innovation Conference».

Literatur Christian Haller (ehemaliger Mitarbeiter des Instituts): Das Institut. Roman. Luchterhand, München 2024, ISBN 978-3-630-87776-1.

Weblinks

Offizielle Website

Einzelnachweise

Kategorie:Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut Kategorie:Denkfabrik in der Schweiz Kategorie:Bildung (Kanton Zürich) Kategorie:Migros Kategorie:Organisation (Rüschlikon) Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1963