mini|August Bielenstein mini|Pastorat Oši (Eschen) mini| Ehemaliges deutsches Pastorat Doblen/Dobele (2012) August Johann Gottfried Bielenstein (lettisch: Augusts Bīlenšteins) (* in Mitau (lettisch: Jelgava); † ebenda) war ein deutschbaltischer evangelischer Theologe, Sprachwissenschaftler, Volkskundler und Ethnograph.Porträt-Sammlung der Lettischen Nationalbibliothek:
Leben August Bielenstein war ein Sohn des aus Göttingen gebürtigen Pastors Johann Andreas Gottfried Bielenstein (1782–1851) aus dessen zweiten Ehe mit Emilie von Klebeck und wuchs im väterlichen Pastorat Eschen (Oši) bei Neu-Autz (Bezirk Saldus) auf.Sigurds Rusmanis, Ivars Vīks: Kurzeme. Izdevniecība Latvijas Enciklopēdija, Riga 1993, ISBN 5-89960-030-6, S. 173 (lettisch). Wie viele Pastoren des Baltikums studierte er an der Friedrichs-Universität Halle Evangelische Theologie. 1846 wechselte er an die Kaiserliche Universität Dorpat, die ihn 1850 zum Doctor theologiae promovierte. 1852 trat er die Nachfolge seines Vaters als Pastor der Gemeinde Neu-Autz in Kurland an.celogudri.lv: Ab 1867 wirkte Bielenstein als evangelischer Pfarrer der Gemeinde Doblen in Kurland.pastorats.norge.lv:
Er war von 1864 bis 1895 Präsident der Lettisch-Literärischen Gesellschaft. In dieser Funktion veranlasste Bielenstein die Bearbeitung eines Lettischen Wörterbuchs (durch Ulmann, Riga 1872, Bd. 1) und übernahm die sprachliche und exegetische Revision der lettischen Bibel (Mitau 1877). Das Magazin der Lettisch-Literärischen Gesellschaft enthält viele wertvolle Aufsätze von Bielenstein.
Bielenstein war Herausgeber von Latviešu Avīzes, der größten Zeitung in lettischer Sprache. Er war Autor zahlreicher Werke auf den Gebieten der Sprachwissenschaften und Ethnographie. Er förderte die Sammlung von Dainas, gab Sammlungen heraus und erforschte die traditionelle Holzbauweise. Auch untersuchte er Burghügel, um diese den Beschreibungen in alten Chroniken zuordnen zu können.Jānis Asaris: Kurzemes pilskalni. In: Sigurds Rusmanis, Ivars Vīks (Hg.): Kurzeme un kurzemnieki. Izdevniecība Latvijas Enciklopēdija, Rīga 1995, ISBN 5-89960-077-2, S. 12–17, hier S. 12. Obwohl Bielenstein viele anstoßgebende Beiträge zur Erforschung der lettischen Sprache und Kultur leistete, war er zugleich ein erbitterter Gegner der Jungletten und vehementer Verteidiger der deutschbaltischen Tradition.
Bielensteins wertvolle Bibliothek fiel der Russischen Revolution 1905 zum Opfer.
Familie August Bielenstein heiratete 1854 Ernestine Louise Hermine Erna von Bordelius (1833–1919). Aus der Ehe gingen drei Töchter und sechs Söhne hervor. Nicht alle erreichten das Erwachsenenalter. Drei der Söhne wurden Pastoren.Neander (1988) Sie setzten damit das Werk ihres Vaters fort. Die Tochter Martha unterstützte ihren Vater als Zeichnerin bei seinen Veröffentlichungen, trat selbst als Autorin hervorVerzeichnis der Schriften von Martha Bielenstein beim Herder-Institut. und unterstützte ihn nach seiner Erblindung 1890 als Schreibkraft nach Diktat, so z. B. bei seiner Autobiografie.Michael Garleff: Zur Rezeption deutschbaltischer Literatur im 20. Jahrhundert: 13 Beiträge zum 25. Baltischen Seminar 2013. Band 23 von Baltische Seminare. BoD – Books on Demand, 2019. (Auszug S. 140 Online bei Google Books)
geborengestorbenName des Kindes JahrOrt JahrOrt BerufMax 1855Neu-Autz1869Sackenhausenlebte 14 JahreLouis Johann Emil 1858Neu-Autz1943Bethel PastorMartha 1861Neu-Autz1938Riga AutorinJohannes (Hans) Georg Wilhelm1863Neu-Autz1919Bauske PastorJohanna 1864Neu-Autz1864Neu-Autz lebte 2 MonateEmma 1865Neu-Autz1887Doblen lebte 21 JahreSiegfried „Six“ Alexander 1869Doblen 1949Senftenberg KünstlerWalter Adolf Axel 1872Doblen 1961Reutlingen Pastorvon Baer (2012)Bernhard Max August 1877Doblen 1959Heilbronn Architekt
Nachleben Bielensteins Untersuchung über Die Grenzen des lettischen Volkstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert. Ein Beitrag zur ethnologischen Geographie und Geschichte Rußlands wurde herangezogen, als nach dem Lettischen Unabhängigkeitskrieg die Grenzen Lettlands mit Estland und – 1920 im Friedensvertrag von Riga – mit der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik zu bestimmen waren.Ilze Krokša, Aina Balaško (Hg.): Vācu kultūra Latvijā. Ieskats vācu-latviešu novadu kultūras un vācu biedrību vēsturē = Deutsche Kultur in Lettland. Einblick in die Geschichte der deutsch-lettischen Regionskulturen und die deutsche Vereinsgeschichte. Latvijas Vācu Savienība, Riga 2009, ISBN 978-9984-39-832-7, S. 73.
Ehrungen mini|hochkant|Gedenktafel im Brömsehaus, Lüneburg mini|hochkant|Erinnerungstafel am ehemaligen Pastorat Doblen (2012) Dr. phil. h. c. der Albertus-Universität Königsberg (1883) Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften, 1890 korrespondierendes Mitglied Ehrenpräsident der Lettisch-Literärischen Gesellschaft (1895) Ehrenmitgliedschaften Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands (1869) Kurländische Gesellschaft für Literatur und Kunst (1877) Litauische literarische Gesellschaft, Tilsit (1879) Gelehrte Estnische Gesellschaft, Dorpat (1888) Ehstländische Literärische Gesellschaft, Reval (1892) Altertumsgesellschaft Prussia (1894)
Ehrenphilister der deutsch-baltischen Studentenverbindung Curonia Dorpat (1902) Halber Demidow-Preis der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg (1861) Heimbürger-Preis der Universität Dorpat (1892) Dr. theol. h. c. der Universität Dorpat (1902)
Zum 100. Todestag im Jahr 2007 gab es mehrere Veranstaltungen in Dobele und in Riga,Lily Limane: Pārdomas pēc A. Bīlenšteinam veltītās izstādes (Zur Ausstellung in der Akademischen Bibliothek Riga im Jahr 2007) auch die Enthüllung einer Gedenktafel.Botschaft der Republik Lettland: Die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands zum 100. Todestag 2007 Im Jahr 2008 fand eine Ausstellung in der estnischen Nationalbibliothek in Tallinn statt. in der estnischen Nationalbibliothek, Tallinn im Jahr 2008.
Schriften Die lettische Sprache, nach ihren Lauten und Formen, 2 Bände. Dümmler, Berlin 1863 und 1864. Digitalisat Band 1: , Band 2: . (Nachdruck: Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1972). Die Grenzen des lettischen Volkstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert. Ein Beitrag zur ethnologischen Geographie und Geschichte Rußlands. Eggers / Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1892, . (Nachdruck: v. Hirschheydt, Hannover-Döhren 1973, ISBN 3-7777-0983-2). mit Emil Bielenstein und Hans Bielenstein: Studien aus dem Gebiete der lettischen Archäologie, Ethnographie und Mythologie. Hoerschelmann, Riga 1896, . Die Holzbauten und Holzgeräte der Letten. Ein Beitrag zur Ethnographie, Culturgeschichte und Archaeologie der Völker Russlands im Westgebiet, 2 Bände. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1907 bzw. Akademija Nauk, Petrograd 1918 (Nachdruck: v. Hirschheydt, Hannover-Döhren 1969). Ein glückliches Leben. Selbstbiographie. Jonck und Poliewsky, Riga 1904 (Nachdruck: Neuthorverlag, Michelstadt 2002, ISBN 3-88758-080-X).
Literatur
Walter Bielenstein: Kampferlebnisse eines Balten im Ringen um Glauben und Heimat. Berlin 1939 (Kapitel 2) Heinrich von Baer: Mein Erlebnis der Brüderlichkeit. Aufzeichnungen aus dem Jahre 1979. Herausgeber Brüderlicher Kreis 2012, ISBN 978-3-8482-5703-4 (Mit einem Kapitel über Walter Bielenstein; auch als E-Book) Sammelband der Konferenz Riga, 6. Juli 2007: Dr. August Bielenstein – Forscher der Grundlagen lettischer Kultur sowie deren Vermittler in Europa. (Zweisprachig deutsch und lettisch; Latvijas Akadēmiskā Bibliotēka, 2007) Sarma Kļaviņa: Die Werke von August Bielenstein – eine bedeutende Quelle der Indoeuropäistik des 19. Jahrhunderts. Online Wilhelm Neander: Lexikon deutschbaltischer Theologen seit 1920. Verlag und Druckerei Fritz Eberlein, Hannover, 2. Auflage 1988 Andrejs Bankavs, Ilga Jansone: Valodniecība Latvijā: Fakti un biogrāfijas. LU Akadēmiskais apgāds 2010, ISBN 978-9984-45-183-1 (Sprachwissenschaft in Lettland: Fakten und Biografien; mit Werkverzeichnis Bielensteins)
Weblinks
WorldCat
Album academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat, Dorpat 1889
Einzelnachweise
Kategorie:Sprachwissenschaftler Kategorie:Baltist Kategorie:Linguist Kategorie:Person (Gouvernement Kurland) Kategorie:Ehrendoktor der Albertus-Universität Königsberg Kategorie:Ehrendoktor der Kaiserlichen Universität Dorpat Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Person (Jelgava) Kategorie:Träger des Demidow-Preises Kategorie:Geboren 1826 Kategorie:Gestorben 1907 Kategorie:Mann Kategorie:Träger des Goldenen Prediger-Brustkreuzes Kategorie:Mitglied der Lettisch-literärischen Gesellschaft Kategorie:Ehrenmitglied einer Studentenverbindung Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrenmitglied der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands