mini|hochkant|Helmut Kickton Helmut Kickton (* 28. Juni 1956 in Köln) ist ein deutscher Kirchenmusiker.

Leben Familie Helmut Kickton wurde in Köln als Sohn einer Juristen- und Verlegerfamilie geboren. Er ist Urenkel von Hermann Julius Rudolf Kickton sowie Enkel von Hermann Kickton und Ewald Schawe. Er ist verwandt mit dem Kirchenbaumeister Arthur Kickton, der Komponistin Erika Kickton, dem Chemiker Louis Arthur Kickton und dem Autor Thomas Le Blanc. Kirchenmusikalisch tätige Vorfahren waren der Königsberger Kantor Georg Riedel und der Lieddichter Jakob Ebert. Er ist mit der Kirchenmusikerin Doris Kickton verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.Rheinzeitung vom 14. Oktober 1998.Weitere Vorfahren waren die Theologen Urbanus Rhegius, Friedrich Deutsch, Bernhard von Sanden und Martin Heins, der Arzt und Humanist Jobus Fincelius, Johannes Scheyring sowie Johannes I. von Blankenfelde. Ahnen Kickton - Bibliothek der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde im Personenstandsarchiv Brühl, Signatur WG 9019.Die kirchliche Trauung fand am 11. Juli 1986 in Oberdreis statt. Die Predigt hielt Gustav Adolf Krieg, die Orgel spielte Hans-Dieter Möller. Archiv der Ev. Kirchengemeinde Puderbach/Oberdreis.

Ausbildung Nach erstem Orgelunterricht bei Klaus Germann besuchte er die Rheinische Musikschule in Köln, seine Lehrer waren dort Elisabeth Wangelin-Buschmann und Gerhard Bork.kantoreiarchiv.imslp.eu; abgerufen am 7. März 2021. Nach dem AbiturHelmut Kickton besuchte das Johann-Gottfried-Herder Gymnasium in Köln-Buchheim, sein Mitschüler war der Bandleader Helmut Zerlett. , abgerufen am 17. Dezember 2014. begann während des Zivildiensts eine vierjährige autodidaktische Phase, während der er sich schwerpunktmäßig mit sinfonischer Orgelmusik aus Frankreich beschäftigte. Gegen Ende dieser Zeit konzertierte er mehrfach, wobei ihm der Rezensent Gerd-Heinz Stevens eine „unglaubliche Virtuosität“ attestierte.Allgemeine Zeitung Coesfeld vom 15. März 1979. Ab 1980 studierte er Evangelische Kirchenmusik an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf bei Hans-Dieter Möller, Hartmut Schmidt und Alberte Brun. Er legte das A-Examen 1986 mit Auszeichnungen im Fach Orgelimprovisation und für die wissenschaftliche Hausarbeit im Fach Musikgeschichte ab.Helmut Kickton: Der Tanz als stilbildendes Element der französischen Orgelmusik des 17. und 18. Jahrhunderts, Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf 1986. Im folgenden Jahrzehnt erwarb er autodidaktisch grundlegende Kenntnisse im Spiel von über 40, Das Magazin der Stiftung kreuznacher diakonie, 82. Jahrgang 3/2016 Streich- und Blasinstrumenten, darunter Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Flöte, Oboe, Klarinette, Altsaxophon, Trompete, Posaune, Euphonium sowie im Falsettgesang.

Berufstätigkeit mini|hochkant|Freiluftkonzert auf dem Gelände der Stiftung Kickton begann 1973 seine Tätigkeit als Organist im Krankenhaus Köln-Merheim. Nach einer kürzeren Anstellung als nebenamtlicher Organist und Chorleiter in Mülheim (Köln) wirkte er von 1976 bis 1983 an der Jesus-Christus-Kirche und im Evangelischen Krankenhaus in Köln-Kalk.100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Köln-Kalk. Festschrift 1977, herausgegeben im Auftrag des Presbyteriums der Ev. Kirchengemeinde Köln-Kalk. Es folgten drei Berufsjahre in Düsseldorf-Gerresheim.Aus dem evangelischen Gerresheim. Drei-Kirchen-Rundblick. Ausgabe Juni 1984 S. 8.

Seit 1987 ist er Kantor der Stiftung kreuznacher diakonie und entwickelte dort die Kreuznacher-Diakonie-Kantorei zu einer Integrativen Kantorei. Diese Integrative Kantorei bestand aus einer Schola, einem gemischten Chor und einem Vokalensemble. Die Schola, vorwiegend mit Heimbewohnern der Stiftung kreuznacher diakonie besetzt, pflegte den regelmäßigen liturgischen Wechselgesang der Sonntagsgottesdienste sowie einfache Liedsätze. Das Repertoire des gemischten Chors bestand aus Werken der klassischen Kirchenmusik. Die Vokalsolisten führten bei Kantaten und Messen die Arien und Rezitative aus. Daneben sangen sie auch Chorwerke in solistischer Besetzung. Die Aufführungen der Chöre wurden von den Streichern, Holz- und Blechbläsern der Kantorei begleitet, welche sich in gesonderten Proben als Streichorchester und Bläserchor trafen. Am 1. Mai 2022 wurde die Kantorei wegen Erreichens der Regelaltersgrenze des Kantors in reduzierter Form unter seiner weiteren Leitung in eine Projektkantorei umgewandelt.Lebenslauf bei IMSLP. Abgerufen am 8. Mai 2022

Neben seiner Tätigkeit als Organist pflegt er das solistische Spiel auf Violine,Offene Tür, Magazin der kreuznacher diakonie Ausgabe Dezember 2012. Cembalo,Oeffentlicher Anzeiger vom 23. August 1991. Blockflöte,Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach vom 7. Juni 2006. In: Allgemeine Zeitung (Mainz) vom 23. Oktober 2013 PosauneYoutube, abgerufen am 24. Dezember 2015. und Dudelsack.Allgemeine Zeitung Mainz, Ausgabe Bad Kreuznach vom 11. April 2020 S. 12.Allgemeine Zeitung vom 12. Dezember 2013. Die Lokalpresse bescheinigte ihm bei seinen Auftritten virtuoses ViolinspielÖffentlicher Anzeiger vom 25. Juni 2002. und „Höchstleistung auf der Blockflöte“.Allgemeine Zeitung vom 7. Juni 2006. Im Rahmen seiner Kantorei wirkt er auch als Bratschist,Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach vom 12. März 1999. Cellist,Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach vom 25. April 2006. Kontrabassist, Gitarrist,Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach vom 30. April 2008. Lautenist,Allgemeine Zeitung vom 13. Dezember 2017. PaukistDr. Frank Gottschald in der vom 7. Dezember 2011 und Euphoniumspieler mit. Als Ensemblesänger (Bassbariton) begleitet er sich in der Regel auf dem Violoncello oder Kontrabass.Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach Dezember 1992. Sein Wirken als Multiinstrumentalist auf Streich- und Blasinstrumenten ist durch zahlreiche Konzertmitschnitte bei YouTube und SoundCloudSoundCloud. Kanal Helmut Kickton. Abgerufen am 21. Januar 2026. dokumentiert. Seit 2005 leitet und spielt er die winterliche Kirchenmusik- und Orgelreihe Kirchentöne. Bedingt durch die Einschränkungen während der COVID-19-Pandemie verlagerte er den Schwerpunkt seiner Arbeit ab März 2020 hin zu Freiluftmusiken mit dem Dudelsack auf dem Gelände der Stiftung kreuznacher diakonie.Allgemeine Zeitung vom 11. April 2020: Stadtgespräch Hilfsbereitschaft und Hoffnung.

Als Kantor im Ruhestand ist er weiter in Teilzeit für die Stiftung kreuznacher diakonie als Kirchenmusiker tätig.www.kreuznacherdiakonie.de

Für seine Dienste in Kirche und Diakonie wurde ihm 2000 das Goldene Kronenkreuz verliehen.Öffentlicher Anzeiger vom 25. November 2000. „Langjährige Diakonie-Mitarbeiter mit Kronenkreuz ausgezeichnet“.

Soziales Engagement Leitbilder seines Wirkens sind Inklusion und Vielfalt.Öffentlicher Anzeiger vom 9. Juni 2022. In seiner Integrativen Kantorei musizieren Menschen aus verschiedenen Lebenswirklichkeiten mit Singstimmen und Instrumenten gleichberechtigt zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt der Kantoreiarbeit ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Seine Konzertveranstaltungen sind stets zu freiem Eintritt und fördern mit ihren Kollekten karitative Projekte, darunter die Bad Kreuznacher Hospizarbeit sowie eine Einrichtung für obdachlose Frauen.Chrismon plus Rheinland. Ausgabe 08/04 S. 73. Die Nutzung der Notenausgaben des Kantoreiarchives ist ebenfalls kostenlos.Positionspapier zu gegenwärtigem Stand und zukünftigen Aufgaben der Kirchenmusik in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Abgerufen am 25. Juli 2022.

Orgelkunst mini|hochkant|Orgel der Diakoniekirche Kickton ist gleichermaßen auf die Genres Orgelimprovisation und Orgelliteraturspiel spezialisiert. Die zur Verfügung stehenden Ton- und Notendokumente weisen bei seinen Werken eine stilistische Nähe zur französischen Orgelkunst des 20. Jahrhunderts auf. Regelmäßig werden virtuose Elemente des französischen Toccatenstils eingesetzt. Die Tonsprache reicht von tonalen Klängen über Klangmixturen bis zu Modi von Olivier Messiaen. Es finden sich Techniken der Polyphonie wie Engführung, Augmentation und Diminution, die bei Improvisationen in lockerer Weise, bei Kompositionen in eher komplexen Zusammenhängen eingesetzt werden. In der Fuge 1994 treten u. a. Augmentationen im Verhältnis 5/4 und Diminutionen im Verhältnis 3/4 auf.kantoreiarchiv.imslp.eu. Abgerufen am 14. Juli 2011. Bei dem Stück Rockludium (Kofferwort aus Rock und Präludium) wurden Stilelemente der Rockmusik verarbeitet.

Als Interpret hat Kickton ebenfalls einen Schwerpunkt auf französischer Orgelmusik. Angefangen bei der französischen Orgelmusik des Barock, wo er sich schon in seiner Examensarbeit („Der Tanz als stilbildendes Element der französischen Orgelmusik der 17. und 18. Jahrhunderts“) mit den Fragen zur Interpretation von Werken von Komponisten wie François Couperin und Louis-Nicolas Clérambault beschäftigte.

1997 legte er eine der frühesten deutschen Einspielungen des wegen seiner technischen Schwierigkeit zunächst als „unspielbar“ geltenden Werkes Prélude et fugue en si majeur von Marcel Dupré vor. Seine Interpretation im vorgeschriebenen Legato absolu entspricht mit 6:06 Minuten äußerst genau den zwei Tempoangaben des Komponisten. Laut Angaben der Videobeschreibung wurde das Werk ohne Orgelschuhe interpretiert.Klangdatei bei YouTube. Abgerufen am 14. Juli 2022.

In seiner Schrift Neue geistliche Lieder: Gitarre, Klavier oder doch die Orgel? plädiert er für einen differenzierten Einsatz der Orgel bei Neuen Geistlichen Liedern. Er versteht sie als ein vielseitiges Instrument, das Melodie, Harmonie, Bass und Rhythmus zugleich transparent abbilden und so den Gemeindegesang nachhaltig unterstützen kann.Neue geistliche Lieder: Gitarre, Klavier oder doch die Orgel? Kantoreiarchiv 2026.

Instrumentaler Mittelpunkt der letzten dreißig Jahre waren vorwiegend die zwei Beckerath-Orgeln der Diakoniekirche in Bad Kreuznach. Eine zweimanualige Hausorgel, ebenfalls von Beckerath, befindet sich seit 1991 im Besitz des Musikers.Weltopusliste Beckerath-Orgelbau. Abgerufen am 14. Juli 2022.

Historische Aufführungspraxis mini|hochkant|Solisten der kreuznacher-diakonie-kantorei (Kantor am Streichbass) Im Verlauf seiner beruflichen Laufbahn profilierte sich Kickton als innovativer Vertreter der historisch informierten Aufführungspraxis: Beim Rheinischen Kirchenmusikfest Pfingsten 2000 musizierte die Kreuznacher-Diakonie-Kantorei während eines Workshops in der Diakoniekirche unter seiner Leitung eine Bachkantate in solistischer Vokalbesetzung, bei der das Ensemble der Solisten vor dem Orchester stand. Im Dezember desselben Jahres führte sie auf ähnliche Weise eine ganze Kantate aus dem Weihnachtsoratorium von Bach auf.Öffentlicher Anzeiger (Rhein-Zeitung) vom 14. Dezember 2000: „Laienmusiker überzeugten“.Allgemeine Zeitung Ausgabe Bad Kreuznach, Dezember 2000: „Das Konzept überraschte“. Im Dezember 2002 sang die gesamte Kantorei mit etwa 20 Sängern vor dem Orchester stehend eine Kantate von Georg Philipp Telemann. kantoreiarchiv.imslp.eu. Abgerufen am 29. März 2021. Diese Aufführung wurde fotografisch dokumentiert, eine Bildcollage der Aufführung war ab Januar 2003 bis zum Jahr 2010 an exponiertem Platz der Kantorei-Webseite zu sehen.Webarchive Januar 2003.Webarchive August 2010. Die Zahl der Besucher dieser Webseite lag im Jahr 2006 bei über eintausend pro Tag.Webarchive 2006. 2025 erläuterte der Musiker seine Beweggründe für die historische Aufstellung in der Zeitung Chorzeit des Deutschen Chorverbandes. Die nähere Aufstellung zum Publikum würde die Verständlichkeit der Texte sowie die Wahrnehmung der nonverbalen Äußerungen des Chores verbessern.Chorzeit. Ausgabe Januar 2025.