mini|Schloss Rohnstock Roztoka [] (deutsch Rohnstock) ist ein Dorf der Landgemeinde Dobromierz im Powiat Świdnicki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Bekannt ist der Ort vor allem durch das gleichnamige Schloss Rohnstock, in dem der preußische König Friedrich II. im Jahr 1745 während der Schlacht bei Hohenfriedberg übernachtete.

Geographie Roztoka liegt an der Wütenden Neiße () etwa 60 km südwestlich von Breslau, ungefähr in der Mitte des Städtedreiecks Jawor (Jauer), Strzegom (Striegau) und Bolków (Bolkenhain).

Im Bahnhof Roztoka traf die Bahnstrecke Jawor–Roztoka auf die Bahnstrecke Malczyce–Marciszów.

Geschichte mini|St.-Stanislaus-Kirche, vormals evangelische Kirche mini|hochkant|Die katholische Kirche – 1945 zerstört mini|hochkant|Pieta in der katholischen Kirche mini|Geburtshaus der Justine Siegemundin.

Der Name Rohnstock leitet sich ab von althochdeutsch „rono“, mittelhochdeutsch „rone“ = Baumstumpf und Ahd., mhd. „stoc“ = Baumstock und ist dadurch entstanden, dass an dieser Stelle Bäume gefällt und (Wurzel-)Stöcke gerodet wurden. Ein früheres Gemeindesiegel zeigt einen Baumstock mit zwei (Rode-)Beilen.

Es gehörte zum piastischen Herzogtum Schweidnitz und wurde erstmals im Jahre 1305 im Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis urkundlich erwähnt. Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. fiel Rohnstock 1368 zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer erbrechtlich an Böhmen, wobei Bolkos Witwe Agnes von Habsburg eine lebenslange Nutznießung zustand. Sie gewährte Rohnstock im Jahre 1411 das Recht, den Salzmarkt auszuüben. Im gleichen Jahr war Nikol von Ronau Grundherr von Rohnstock. Am 2. Januar 1497 erwarb Conrad I. von Hochberg, der mit Catharina von Reibnitz verheiratet war, Rohnstock von den Brüdern von Reibnitz. 1499 wurde eine Glocke der Kirche gegossen und aufgehängt, eine weitere Glocke wurde 1500 installiert.Nachdem sie im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken hatte abgegeben werden müssen, gelangte sie nach Kriegsende 1945 in den Dom zu Münster. Conrad I. von Hochberg und dessen Sohn Christoph beteiligten sich ab 22. März 1507 unter Herzog Friedrich II. von Liegnitz und Brieg an einer Pilgerreise in das Heilige Land. Als Conrad I. am 31. Juli 1520 starb, hinterließ er die Söhne Georg, Christoph und Hans. Der älteste, Georg, bekam die Rohnstocker Güter. Während der Reformation wurde die Kirche 1523 den evangelisch Gläubigen übertragen. Kirchenpatron war Georg von Hochberg auf Rohnstock.

1636 wurde in Rohnstock Justina Dittrich (später unter Justina Siegmund oder Justine Siegemundin berühmt) geboren, Tochter des Pfarrers Dittrich, die um die Geburtskunde hochverdiente „Churbrandenburgische Hofwehemutter“.Vgl. K. Tietze: Die Chur-Brandenburgische, später königl. preußische Hof-Wehe-Mutter Justina Siegemundin, geb. Diettrichin, aus Rohnstock in Schlesien. In: Schlesien. Jahrgang 20, 1975, S. 106–112. Ihr Vater Pfarrer Elias Dittrich musste vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges fliehen. 1644 trat der evangelische Pfarrer Joachim Kretschmer sein Amt an. Nachdem den Evangelischen am 15. Januar 1654 ihre Kirche weggenommen worden war, war für sie die Friedenskirche Jauer zuständig.

Aus dem Jahr 1667 ist eine Beschreibung des Rohnstocker Schlosses in „Der wieder-lebendige Phoenix der beiden Fürstentümer Schweidnitz und Jauer“ von Ephraim Ignatio Naso (Breslau 1667) überliefert:

1720 wurde das Schloss unter Hans Heinrich III. Reichsgraf von Hochberg zum ersten Mal umgebaut. Im neuerbauten herrschaftlichen Reit- und Wagenhaus im Schlosshof wurde am 24. Dezember 1741 der erste evangelische Gottesdienst mit Diakon Simonstrat aus Jauer gefeiert. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Rohnstock mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Am 3. Mai 1742 wurde der erste evangelische Prediger George Petzold eingesetzt. 1742/43 wurde das evangelischen Schulhauses errichtet. Am 9. Juni 1743 starb der bisherige Schlossherr Hans Heinrich III. Reichsgraf von Hochberg. Erbe und Nachfolger war sein Sohn Hans Heinrich IV. Reichsgraf von Hochberg, Freiherr zu Fürstenstein auf Rohnstock.

Am 3. Juni 1745, dem Vorabend der Schlacht bei Hohenfriedberg, waren der Höchstkommandierende der Kaiserlichen Armee, Prinz Karl von Lothringen, und der Herzog von Weißenfels als Gäste im Schloss. Am Abend der Schlacht, dem 4. Juni 1745, besuchte der preußische König Friedrich II. das Schloss. Am 5. Juni 1745 präsentierte General Chasot dem König 66 von den Kaiserlichen erbeutete Fahnen auf dem Ehrenhof vor dem Schloss. Nach dem Tod des katholischen Pfarrers Kraus am 1. April 1746 erbat Hans Heinrich Graf von Hochberg vom König die Rückgabe der katholischen Kirche an die Evangelischen. Am 12. Mai 1746 lehnte König Friedrich II. dieses Gesuch ab. Der Grundstein für ein evangelisches Bethaus wurde am 30. September 1746 gelegt. Am 24. Dezember 1747 wurde das Bethaus „Zum Kripplein Christi“ eingeweiht. Der Bau war massiv und mit „Flachwerk“ gedeckt. Altar, Kanzel und Orgel waren übereinander angeordnet. Ein Kirchenvermögen von 800 Thalern wurde von der Gutsherrschaft gestiftet. Aus Anlass des 100-jährigen Gedenkens der Wegnahme der Kirche feierte Rohnstock am 4. Advent 1754 das 14. Kirchenfest mit Pfarrer George Petzold.

Friedrich Bernhard Werner fertigte 1754 u. a. zwei Federzeichnungen vom Schloss und Kirchenbezirk an. Bevor König Friedrich II. während der Schlacht bei Kunersdorf gegen die Kaiserlichen anrückte, nahm er im März 1759 im Schloss von Rohnstock sein Hauptquartier. Im April 1785 richtete eine starke Regenflut großen Schaden an. Anlässlich der 300-Jahr-Feier der Reformation erhielt die evangelische Gemeinde durch Schenkungsurkunde des Grafen von Hochberg am 19. Oktober 1817 den herrschaftlichen Jägergarten als Friedhof. Anfang des Jahres 1818 erfolgte die Teilung größerer Landkreise in Schlesien. Dabei wurde auch der bis dahin vereinigte Bolkenhain-Landeshuter Kreis in zwei selbständige Kreise aufgeteilt. Rohnstock gehörte nun zum Kreis Bolkenhain. 1820 konnten dank einer Spende von Hans Melchior Julius von Schweinitz auf Kauder zwei Glocken für das Bethaus angeschafft und geweiht werden. Am 1. November 1847 wurde der evangelischer Friedhof zu Rohnstock eingeweiht. Das evangelische Pfarrhaus wurde 1867 gebaut. Unter Hans Heinrich XIV. Bolko von Hochberg wurde das Schloss 1870 noch einmal umgebaut. 1873 begann der Bau einer neuen evangelischen Kirche, deren Baumeister Hauptmann Wentzig aus Rohnstock war. Das alte Bethaus wurde, mit Ausnahme der Gruft, abgerissen.

Während eines Kaisermanövers bei Rohnstock 1875 war Schloss Rohnstock Hauptquartier des Kaisers Wilhelm I. Auch der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm war am 14. September 1875 zu Besuch im Schloss Rohnstock. 1878 wurde die neue evangelische Kirche „Zum Kripplein Christi“ eingeweiht. Ein Hochwasser der Wütenden Neiße überschwemmte im Juni 1883 auch Rohnstock. Am 10. Oktober 1886 wurde Graf Bolko von Hochberg zu Rohnstock zum einstweiligen Intendanten der Königlichen Schauspiele in Berlin berufen. Der erste Bahnhof Rohnstock wurde 1889 zwischen Weidenpetersdorf und Hausdorf gebaut. Seit dieser Zeit hieß Weidenpetersdorf Ober-Rohnstock. 1890 wurde die Bahnlinie Striegau – Bolkenhain eingleisig gebaut. Vom 16. bis zum 19. September 1890 wurde im Kreis Jauer ein Kaisermanöver durchgeführt. Kaiser Wilhelm II. war dabei Gast im Schloss Rohnstock beim Reichsgrafen Bolko von Hochberg. Ebenfalls zu Gast im Schloss war in diesem Jahr Kaiser Franz Josef I. († 1916). König Albert von Sachsen, dessen Quartier sich in Börnchen befand, kam zu den Abendtafeln ins Schloss. Im Juli 1897 und 1898 führte die Wütende Neiße Hochwasser. Beim zweiten Mal wurde das Wehr in Rohnstock weggerissen.

mini|Das Postgebäude Am 3. August 1901 heiratete Reichsgräfin Marie Agnes von Hochberg den Grafen Carl von Pückler in der evangelischen Kirche zu Rohnstock. 1902 wurde das Postgebäude gebaut. Ein großes Hochwasser der Wütenden Neiße am 17./18. April 1903 Neiße überschwemmte Bolkenhain, Rohnstock und Jauer. Durch ein weiteres Hochwasser am 7. Mai 1903 wurde die große steinerne Brücke in Ober-Rohnstock beschädigt. Am Abend wurde der Graf mit einer Kutsche vom Bahnhof abgeholt. Nachdem er in schneller Fahrt die Brücke passiert hatte, stürzte diese mit lautem Gepolter ein. Die Aufräumarbeiten begannen am nächsten Tag. Das Wehr in Rohnstock wurde wieder weggerissen. In die durch den Tod des Superintendenten Hillberg erledigte evangelische Pfarrstelle wurde vom Patron, Grafen von Hochberg, am 16. Januar 1905 Pastor Sieber aus Anhalt bei Pleß berufen. Der katholische Pfarrer Josef Göbel wurde am 3. Mai 1905 in sein Amt eingeführt. Am 10. Oktober 1905 verkaufte Herr Tinius seinen Gasthof, den Gerichtskretscham in Rohnstock, an Herrn Gustav Abend aus Conradswaldau. Der königliche Musikdirektor Rudnick aus Liegnitz führte am 28. November 1905 eine Revision der neuen Orgel in der evangelischen Kirche durch. 1907 überschwemmte wieder ein großes Hochwasser der Wütenden Neiße Rohnstock. Zur Erinnerung an die Schlacht von Hohenfriedeberg wurde am 6. Juni 1910 ein Denkmal mitten auf dem Schlachtfelde in der Guhle bei Günthersdorf eingeweiht. Bei einer Hochzeit brach 1912 im kleinen Turm der evangelischen Kirche Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden konnte. Im gleichen Jahr wurden die Nebenbahnlinien Jauer – Rohnstock und Striegau – Rohnstock – Bolkenhain – Merzdorf zur Vollbahn ausgebaut. Rohnstock wurde Umsteigebahnhof und erhielt einen neuen und größeren Bahnhof mit 4 Gleisen und zwei Unterführungen. Das alte Bahngebäude wurde abgerissen. Die Strecke blieb eingleisig, das Gelände für das zweite Gleis wurde aber gekauft und vorbereitet.

In den Jahren zwischen 1905 und 1913 bekam die katholische Kirche eine neue Glocke mit dem Ton fis (674 kg) und die evangelische Kirche eine Glocke c’’ (267 kg). Während eines Kaisermanövers 1913 in Schlesien marschierte ein ganzes Regiment in Richtung Hausdorf – Hohenfriedeberg durch Rohnstock. Der Kronprinz hatte im Schloss Quartier genommen. Während des Manövers flog der Zeppelin über Rohnstock. In den Sälen der Gasthäuser Hildebrandt, Hilbert und Niepold gab es einen Kaisermanöverball. Am 12. April 1913 durchfuhr der erste Probeeilzug mit 80 km/h die Strecke Striegau – Merzdorf über Rohnstock – Bolkenhain. Die neue Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof wurde am 8. Oktober 1913 zum ersten Mal benutzt. Der Kreisarzt unternahm eine Leichenöffnung zur Feststellung der Todesursache. Auf den bisherigen Nebenbahnstrecken Striegau/Jauer – Rohnstock – Merzdorf wurde am 15. Juni 1914 der Hauptbahnbetrieb aufgenommen. Seit dem 20. Juli 1914 gab es in Rohnstock elektrisches Licht. Nachdem die Gräfin von Hochberg der Militärbehörde das Schloss als Lazaretträume zur Verfügung gestellt hatte, wurden am 10. August 1914 80 Betten aufgestellt und eine Sanitätskolonne gebildet. Die Kolonne schloss sich dem Provinzialverein an, dessen Vorsitzender Güterdirektor Semmer war. Am 18. Februar 1915 verkündeten die Glocken beider Kirchen die Siegesnachricht der deutschen Ostarmee. Der Ort hatte aus diesem Anlass reichen Flaggenschmuck angelegt, in beiden Schulen fiel der Unterricht aus. Am 1. Oktober 1916 wurde das 1914 im Schloss eingerichtete Lazarett aufgelöst, nachdem 1400 Heeresangehörige dort betreut worden waren. Zum 400. Jahrestag der Reformation fand am 10. August 1914 in der evangelischen Kirche in Rohnstock eine Feier statt. Vom Schloss Rohnstock erfolgte ein gemeinsamer Kirchgang, vom Schlossturm hörte man die Posaunenbläser.