mini|Sauli Niinistö (2022) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Sauli Niinistö Sauli Väinämö Niinistö [] (* 24. August 1948 in Salo, Varsinais-Suomi) ist ein finnischer Politiker der konservativen Nationalen Sammlungspartei. Er war vom 1. März 2012 bis zum 1. März 2024 der zwölfte Präsident der Republik Finnland.

Von 1995 bis 2003 bekleidete Niinistö in den Kabinetten Lipponen I und II verschiedene Regierungsämter, darunter auch das des stellvertretenden Ministerpräsidenten. In der 35. Legislaturperiode des finnischen Parlaments war er von 2007 bis 2011 Parlamentspräsident.

Von 1999 bis 2000 war Niinistö Vorsitzender des Verwaltungsrates der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, von 2003 bis 2007 Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank.

Herkunft und Studium Niinistö wurde 1948 als Sohn von Väinö Pellervo Niinistö, einem Vertriebsleiter, und Hilkka Helena Niinistö, geb. Heimo, einer Krankenschwester, als jüngstes von vier Kindern in Salo geboren. In seiner Familie wurde traditionell konservativ gewählt.http://www.finn-land.net/finnland-n/niinistosauli.htm Von 1968 bis 1969 leistete er seinen Wehrdienst und wurde als Leutnant entlassen. Nach dem Ylioppilastutkinto (Abitur) 1966 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Turku, welches er 1974 abschloss.https://www.britannica.com/biography/Sauli-Niinisto Anschließend arbeitete er als Polizist und war Polizeichef der Gemeinde Kisko. 1976 wurde Niinistö stellvertretender Richter am Berufungsgericht von Turku, 1978 eröffnete er seine eigene Anwaltskanzlei. Mit seinem Einzug in das finnische Parlament 1988 beendete er seine Tätigkeiten als Jurist, schloss seine Kanzlei und gab sein Richteramt ab.

Privates mini|Sauli Niinistö und seine zweite Ehefrau Jenni Haukio im Juni 2017. Im Jahr 1974 heiratete Niinistö Marja-Leena Alanko, mit der er zwei Söhne, Nuutti (* 1975) und Matias (* 1980), hat. 1995 kam sie bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Seine Erfahrungen über die Alleinerziehung seiner Söhne verarbeitete er 2005 in seinem Buch Viiden vuoden yksinäisyys (dt.: Fünf Jahre Einsamkeit). Seine Söhne sind mittlerweile selbst verheiratet und haben Kinder. Niinistö ist mehrfacher Großvater, 2009 kam sein erstes Enkelkind zur Welt.

Ab Ende der 1990er Jahre war er mit der ehemaligen Miss Finnland und damaligen Zentrums-Parlamentsabgeordneten Tanja Karpela liiert. Im Jahr 2003 verlobte sich das Paar; 2004 wurde die Verlobung aufgehoben.

2009 heiratete er die Dichterin und damalige Kommunikationschefin der Sammlungspartei, Jenni Haukio. Am 2. Februar 2018 wurde ihr erster gemeinsamer Sohn, Aaro Veli Väinämö Niinistö, geboren. Die Familie hält einen Boston Terrier namens Lennu, der von den finnischen Medien scherzhaft auch als First Dog bezeichnet wird. Der Hund wurde auf der Plattform Reddit schon Gegenstand zahlreicher Memes und wurde auch bereits in der US-amerikanischen Tonight Show erwähnt.

Niinistö war mit seinen beiden ältesten Söhnen in Thailand, als sich das Seebeben im Indischen Ozean 2004 ereignete und überlebte mit Glück, indem er sich mit seinem jüngeren Sohn für mehrere Stunden auf einem Telefonmast rettete.

Der Europaabgeordnete Ville Niinistö ist sein Neffe.

Niinistö ist bekennender Christ und Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands.

Politik Öffentliche Ämter Kommunalpolitik in Salo (1977 bis 1992) In seiner Heimatstadt Salo saß Niinistö ab 1977 im Stadtrat und war von 1989 bis 1992 auch dessen Vorsitzender. Zwischen 1977 und 1988 war er zudem Mitglied der Stadtverwaltung. Im Jahr 1992 beendete Niinistö seine kommunalpolitischen Tätigkeiten.

Parlamentsabgeordneter (1987 bis 2003; 2007 bis 2011) Im Jahr 1987 wurde Niinistö das erste Mal für seine Heimatstadt Salo in den Eduskunta gewählt. Dort gehörte er der Fraktion der Nationalen Sammlungspartei an.

Im Jahr 2006 verkündete er, dass er bei der Wahl 2007 wieder in das Parlament einziehen will und erhielt 60.498 Wählerstimmen, so viele wie in der hundertjährigen Geschichte der Wahlen in Finnland noch niemand vor ihm.http://192.49.229.35/E2007/e/valitut/kokomaaval.htm

Nach seinem Wiedereinzug in den Eduskunta wurde Niinistö zum Präsidenten des finnischen Parlaments gewählt. Dieses Amt hatte er bis zum Ende der Legislaturperiode 2011 inne.

Kabinette Lipponen (1995 bis 2003) Nach der Parlamentswahl 1995, bei der Niinistö Spitzenkandidat war, wurde die Sammlungspartei mit 17,9 Prozent nur drittstärkste Kraft. Wahlsieger war der sozialdemokratische Paavo Lipponen. Im sogenannten Regenbogen-Kabinett, bestehend aus SDP, Sammlungspartei, Grüner Bund und der Schwedischen Volkspartei, war Niinistö stellvertretender Ministerpräsident Finnlands und zunächst Justizminister. Er wurde von Präsident Martti Ahtisaari am 13. April 1995 ernannt und am 2. Februar 1996 vorläufig entlassen, um das Amt des Finanzministers von Iiro Viinanen zu übernehmen, der wegen der schlimmsten Rezession in der Geschichte der finnischen Wirtschaft, zurückgetreten war. In seiner Funktion als finnischer Finanzminister war er von 1996 bis 2003 Mitglied des Verwaltungsrates der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und zwischen 1999 und 2000 dessen Vorsitzender sowie von 1999 Vorsitzender des Rates für Wirtschaft und Finanzen und der Euro-Gruppe. Bei der Parlamentswahl 1999 war Niinistö erneut Spitzenkandidat seiner Partei, die mit 21 Prozent wieder nur drittstärkste Kraft wurde. In der zweiten Regierung Lipponen, bestehend aus SDP, Sammlungspartei, Schwedische Volkspartei, Grüner Bund und Linksbündnis, war er weiterhin Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident. Letzteres Amt gab er 2001 an Ville Itälä ab. Am 17. April 2003 wurde er aus seinem Ministeramt von Präsidentin Tarja Halonen endgültig entlassen. In Niinistös Amtszeit als Finanzminister fielen die Gründung der Europäischen Zentralbank und die Schaffung des Euros, für dessen Einführung er sich in Finnland eingesetzt hat.

Europäische Investitionsbank (2003 bis 2007) mini|Sauli Niinistö 2006. Nach seiner Zeit als Finanzminister war Niinistö von 2003 bis 2007 Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank unter deren Präsident Philippe Maystadt.

Präsident der Republik Finnland (2012 bis 2024) mini|1. März 2012: Sauli Niinistö übernimmt das Präsidentenamt von Tarja Halonen mini| Bei der Präsidentschaftswahl 2012 gewann Niinistö gegen Pekka Haavisto in der Stichwahl und übernahm am 1. März 2012 das Präsidentenamt von Tarja Halonen, die nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal zu Wahl antreten durfte.Finnische Präsidentenwahl: Euro-Befürworter Sauli Niinistö gewinnt erste Runde der Wahl bei focus.de, 23. Januar 2012 (abgerufen am 23. Januar 2012). Es ist das erste Mal seit über 50 Jahren, dass wieder die Sammlungspartei den Präsidenten von Finnland stellt.

Als Präsident leitet Niinistö die sogenannten präsidialen Sitzungen der Regierung, wo er auf Basis von Vorträgen der Minister seine Entscheidungen trifft. Da er die Entscheidungen alleine trägt, wird keine Stimme aufgeführt. Zusammen mit der Regierung leitet Niinistö die finnische Außenpolitik. Für die Ernennung und Entlassung des Ministerpräsidenten und der weiteren Regierungsmitglieder ist er ebenfalls zuständig. Unter Niinistö gab es bis jetzt fünf Ministerpräsidenten: Jyrki Katainen, Alexander Stubb, Juha Sipilä, Antti Rinne und die amtierende Sanna Marin. (Stand: Dezember 2019) Des Weiteren kann er verschiedene Ämter besetzen, darunter auch den Vorsitzenden der Finnischen Staatsbank und den Vorsitzenden des Geheimdienstes.

Als Präsident ist Niinistö auch an der Gesetzgebung beteiligt. Bevor Gesetzesvorlagen zu einem Gesetz werden, müssen sie vom Präsidenten geprüft und unterschrieben werden. Eines der bedeutendsten Gesetze, die Niinistö in seiner Amtszeit unterschrieben hat, war das Gesetz zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe im März 2017.

Nach der finnischen Verfassung ist der Präsident auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Niinistö hat die Macht, militärische Befehle der allgemeinen Richtlinien zu erteilen, einschließlich der Entscheidungen über bedeutende Änderungen der Bereitschaft und Verteidigungsmaßnahmen. Er ist auch berechtigt, den Notstand auszurufen. Bei seiner Vereidigung zum Präsidenten bildete die Armee eine Ehrenformation. Niinistö besucht auch hin und wieder im Ausland stationierte finnische Soldaten. Lange Zeit forderte er den Beitritt Finnlands in die NATO, was aber in der Bevölkerung nur auf wenig Zuspruch stieß.

Ein wichtiger Termin für Niinistö ist auch der alljährliche Empfang am Unabhängigkeitstag am 6. Dezember. Der Präsident lädt an diesem Tag rund 2000 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Sport und Kultur in den Präsidentenpalast. Niinistö hat bis jetzt acht Empfänge veranstaltet und sieben Neujahrsansprachen gehalten. (Stand: Dezember 2019)

Bei der Präsidentschaftswahl 2018 gewann Niinistö schon in der ersten Runde, was vor ihm noch keinem direkt gewählten Präsidenten in Finnland gelungen ist. Niinistös zweite und letzte Amtszeit begann am 1. Februar 2018.

Niinistö genießt in der Bevölkerung und auch parteiübergreifend viel Anerkennung. In einer Umfrage von Yle und Taloustutkimus bewerteten fast 9 von 10 Befragten seine Arbeit als mindestens gut.https://www.finn-land.net/finnland-news/kurzmeldungen/2018/august2018/24-240820181.htm Der sozialdemokratische Politiker und Abgeordnete Antti Lindtman lobte Niinistö als einen „aktiven Präsidenten“, der „die Interessen Finnlands und die gemeinsamen Werte der Finnen“ gut vertritt. Außerdem hob er die Kooperationsbereitschaft des Präsidenten hervor.https://twitter.com/Demarit/status/1032555527564349440

In seine Präsidentschaft fallen unter anderem die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015, die Regierungskrise in Finnland 2017, die Messerattacke in Turku am 18. August 2017, die Feierlichkeiten zur hundertjährigen Unabhängigkeit Finnlands und das Gipfeltreffen in Helsinki 2018.

Am 1. März 2024 wurde er im Präsidentenamt von Alexander Stubb abgelöst.

Präsidentschaftskandidaturen Niinistö ließ sich bei der Präsidentschaftswahl 2000 nicht als Kandidat aufstellen, obwohl ihm gute Chancen zugeschrieben wurden. Er begründete dies unter anderem damit, dass er unverheiratet sei, was für einen Präsidenten seiner Meinung nach nicht passend sein könnte.

2006 mini|Ein Armband mit der Aufschrift Niinistö, das als Werbeartikel zur Wahl 2006 verteilt wurde

Bei der Präsidentschaftswahl 2006 war Niinistö Kandidat für die Nationale Sammlungspartei. Sein Slogan war „Työväen presidentti“ (dt.: Präsident der Arbeiter). Seine Kampagne stieß bei vielen Gewerkschaftsaktivisten sowie linken Unterstützern und Wählern auf Kritik. Der Vorwurf lautete, Niinistö versuche, linke Wähler zu beeinflussen. Niinistö sagte daraufhin, dass es für ihn weder „linke Arbeit“ noch „rechte Arbeit“ gebe, sondern nur „finnische Arbeit für die finnische Wohlfahrt“.

Neben Arbeit war auch der Beitritt Finnlands in die NATO, den Niinistö befürwortet, ein großer Themenschwerpunkt seiner Kampagne. Diese Position wurde aber von keinem anderen Kandidaten, außer Henrik Lax von der Schwedischen Volkspartei, unterstützt. Eine Umfrage von Taloustutkimus aus dem Juli 2005 zeigte auch, dass die meisten Finnen einen NATO-Beitritt ablehnten.

Im ersten Wahlgang am 15. Januar erhielt er 24,1 % der Stimmen und wurde zweitstärkster Kandidat. Da die damalige Präsidentin und Kandidatin Tarja Halonen die absolute Mehrheit mit 46,3 % verfehlte, traten beide am 29. Januar in einer Stichwahl gegeneinander an. Niinistö erhielt 48,2 % der Stimmen, Halonen 51,8 %. Halonen gewann die Wahl und blieb Präsidentin.

Niinistö wurde bei der Stichwahl nur in den Regionen Vaasa und Oulu stärkster Kandidat. In seiner Heimat Varsinais-Suomi bekam er 46,7 % der Stimmen.

2012