mini|"Pyramide" der Gemeindefahnen an der Expo 64, Lausanne Gemeindewappen repräsentieren eine politische Gemeinde der Schweiz durch ein Wappen. Gemeindefahnen sind Wappenbanner, die das Gemeindewappen auf einer Fahne darstellen.

Geschichte mini|Die Grüninger Ämterscheibe von 1587 (Kopie): In der Mitte das Wappen der Stadt Grüningen über zwei Zürcher Wappenschilden. In einem inneren Ring die Familienwappen von Vogt, Untervogt, Landschreiber sowie der Vorsteher der zwölf Gemeinden der Herrschaft Grüningen, im äusseren Ring 32 Wappen der dem Amt Grüningen angehörenden Ortschaften und Burgen. Von diesen 32 Wappen werden nur vier unverändert als moderne Wappen der gleichnamigen Gemeinden geführt: Dürnten, Hinwil, Rüti, Wetzikon; dazu führt Wila das alte Wappen von Hohenlandenberg; in abgeänderter Form werden die Wappen von Bubikon und Wald ZH verwendet. Die Einteilung des Staatsgebiets in Gemeinden ist modern, erstmals durchgeführt in der Helvetischen Republik (damals allerdings als blosse Verwaltungseinheiten ohne Gemeindeautonomie). Diese Einteilung ersetzte ein kompliziertes Geflecht aus Gerichtsbarkeiten, Herrschaften, Kirchpatronaten, Talschaften usw. Einzelne Ortschaften führten von alters her ein Wappen, sei es aufgrund eines Stadtrechts, oder aber als alter Hauptort einer Vogtei oder eines Amts, und übernahmen dieses als Wappen der Einwohnergemeinde; andere Gemeinden übernahmen im frühen 19. Jahrhundert das alte Wappen eines lokalen Adelsgeschlechts; wieder andere Gemeinden führten bis ins 20. Jahrhundert gar kein Wappen und führten schliesslich ein neu geschaffenes Gemeindewappen ein.

Der Ausdruck "Gemeindewappen" taucht in einem schweizerischen Zusammenhang um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Um diese Zeit gab der Zürcher Lithograph Johannes Krauer eine Tafel mit farbigen Darstellungen der Wappen aller Zürcher Gemeinden heraus (die «Krauertafel»). Diese war eilig zusammengestellt und enthielt zahlreiche Fehler und Auslassungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es Mode, Gemeindehäuser, Fahnen von Ortsvereinen, Briefköpfe usw. mit Gemeindewappen zu versehen. Eine 1915 veröffentlichte Sammlung aller damals bekannten Gemeindewappen kam auf eine Gesamtzahl von 1094, was rund einem Drittel der damals bestehenden Gemeinden entspricht.C. Byland, "Einiges über schweizerische Ortsheraldik", Schweizerisches Archiv für Heraldik 29, Schweizerische Heraldische Gesellschaft, 1915, doi:10.5169/seals-745453 Aufgrund der Widersprüche zwischen der weit verbreiteten «Krauertafel» und einzelnen lokalen Traditionen kam es zu zahlreichen Nachfragen an das Staatsarchiv Zürich. Im Jahr 1917 unternahm der Archivbeamte Friedrich Hegi systematische Nachforschungen. Um zu erfassen, wo alte Wappendarstellungen vorhanden waren und aus welcher Zeit sie stammten, versandte er Fragebogen an die Gemeindekanzleien aller Gemeinden im Kanton, die Beantwortung blieb aber lückenhaft.

mini|Gemeindefahnen über der "Höhenstrasse" an der Landi 39 In den 1920er Jahren stieg in der Schweiz das Interesse an Gemeindewappen. Kaffee Hag gab zu Reklamezwecken Sammelalben schweizerischer Gemeindewappen heraus, und in zahlreichen Kantonen wurden Kommissionen zur Erforschung der Gemeindewappen gegründet. In Zürich entstand eine solche Kommission 1925 auf Anregung von Hans Hess in einem Brief an den Vorstand der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Die Kommission sammelte einerseits historische Darstellungen von Ortswappen und regte andererseits die Festlegung offizieller, moderner Gemeindewappen an. Die Gemeindewappen sollten wenn möglich auf historischen Wappen beruhen. Mit Vorliebe griff man auf Wappen von Adelsgeschlechtern zurück, die in einem Dorf Herrschaftsrechte besessen hatten.Ziegler (1977), doi:10.5169/seals-378952#47, S. 35. Gleichzeitig waren aber auch «überladene» Wappen zu vereinfachen und heraldisch «falsche» zu verbessern.

Einen besonderen Aufschwung erhielten die Gemeindewappen an der Schweizerischen Landesausstellung von 1939 in Zürich. Bei der Planung brachte der mit den schweizerischen Gemeindefahnen geschmückten «Höhenweg» (die «Fähnlistrasse») einige Gemeinden in Verlegenheit – sie besassen zu dieser Zeit noch kein offizielles Gemeindewappen. So wurden zahlreiche Wappen in dieser Zeit neu geschaffen. Auch am «Fahnenturm» der Expo 1964 in Lausanne wurden alle schweizerischen Gemeindefahnen gezeigt. Die Schweiz besitzt damit einen reichen Schatz an, fast immer den heraldischen Regeln entsprechend gestalteten, Wappen ihrer Gemeinden.

Obwohl das Führen eines Gemeindewappens nirgendwo rechtlich verbindlich vorgeschrieben ist, ist spätestens seit den 1980er Jahren davon auszugehen, dass jede Schweizer Gemeinde über ein (eindeutiges) offizielles Gemeindewappen verfügt. Die allermeisten Gemeinden führen bereits seit den 1930er Jahren ein Wappen, doch in einigen Fällen bestanden für einzelne Gemeinden zwei oder mehr konkurrenzierende Wappen. Die Kompetenz zur Festlegung und auch Abänderung des Gemeindewappens kommt dabei de facto dem Gemeinderat zu. Das Wappenschutzgesetz von 2013 erwähnt Gemeindewappen erstmals in einem Gesetzestext auf Bundesebene und unterstellt sie kantonalem Recht. Mit diesem Gesetz sind Gemeindewappen grundsätzlich geschützte Hoheitszeichen, die nur von der jeweiligen Gemeinde verwendet werden dürfen.

Die seit den 1990er Jahren mit zunehmender Häufigkeit stattfindenden Gemeindefusionen haben die Anzahl der Gemeinden in der Schweiz innerhalb von weniger als 30 Jahren von mehr als 3000 auf weniger als 2200 reduziert. Bei jeder Gemeindefusion steht demnach auch die Frage eines neuen Gemeindewappens im Raum. Als Symbole lokaler Identität werden die Gemeindewappen oft mit grosser Emotionalität diskutiert und haben in einzelnen Fällen auch eine Gemeindefusion scheitern lassen. In anderen Fällen kann es vorkommen, dass nach Gemeindefusionen neu wieder Schweizer Gemeinden existieren, die (zumindest vorläufig) gar kein Wappen führen, weil man sich auf keinen Entwurf einigen konnte. Beispiele dafür sind Val Terbi im Kanton Jura und Turtmann-Unterems im Wallis (beide seit 2013). Meist wird bei neuen Gemeinden das neue Wappen vor oder nur kurz nach der Entstehung festgelegt (Beispiel Val Mara, entstanden am 10. April 2022, Festlegung des Wappens am 29. September desselben Jahres).

Übersicht nach Kantonen

(siehe Zürcher Gemeindewappen und Gemeindefahne; Gemeinden des Kantons Zürich) Eine Wappenkommission wurde 1925 gegründet. Eine abschliessende Aufstellung der offiziellen Gemeindewappen erschien 1977.

Als einzige Zürcher Gemeinde griff Bertschikon nicht auf ein historisches Wappen zurück. Für Bassersdorf wurde das seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Gemeindewappen ersetzt durch ein älteres (seit 1493 nachweislich). Die Sammlung von 1977 zeigt 199 Wappen, davon allerdings 23 Stadtteile von Zürich (einige davon hatten mit der Eingemeindung von 1934 ihren Status als Gemeinde verloren, während die Wappenkommission aktiv war). Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 9, Zug/Luzern 2006, S. 24–69. Gegenwärtig (Stand 2022) hat der Kanton Zürich noch 162 Gemeinden.

(siehe auch Gemeinden des Kantons Bern) Die Berner Wappenkommission bestand seit 1942 und legte 1981 eine abschliessende Aufstellung der Gemeindewappen vor. Wappenbuch des Kantons Bern: das Berner Staatswappen sowie die Wappen der Amtsbezirke und Gemeinden / im Auftrag des bernischen Regierungsrates hrsg. von der Direktion der Gemeinden; bearb. vom Berner Staatsarchiv unter Mitwirkung von Hans Jenni = Armorial du canton de Berne : les armoiries de l'Etat de Berne, des districts et des communes publié par la Direction des affaires communales sur mandat du Conseil-exécutif du canton de Berne ; élaboré par les Archives de l’Etat de Berne avec la collaboration de Hans Jenni. – Bern: Staatlicher Lehrmittelverl., 1981. – 222 S. Herausgegeben zum Jubiläum «150 Jahre bernische Verfassung von 1831». ISBN 3-292-16100-2 Hans Schmocker, "Das Wappenwesen im Kanton Bern", Schweizer Archiv für Heraldik 105, Schweizerische Heraldische Gesellschaft, 1991, doi:10.5169/seals-745691

(siehe auch Gemeinden des Kantons Luzern) Im Kanton Luzern bestand keine Wappenkommission, und so wurde auch nie eine Sammlung der Gemeindewappen im Auftrag der Regierung erstellt. Die 107 Luzerner Gemeindewappen (Stand 2001) wurden von der Stiftung "Schweizer Wappen und Fahnen" herausgegebenen.Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Luzern. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 6, Zug/Luzern 2001, S. 22–47. Die Website des Staatsarchivs Luzern verwendet seither die in dieser Publikation von Alban Wyss gezeichneten Wappenformen.staatsarchiv.lu.ch Die Publikation von 2001 ersetzte eine teilweise fehlerhafte Sammlung von 1987.Michael Riedler, Louis Mühlemann und Joseph Hardegger Die Luzerner Gemeinden und ihre Wappen, Chapelle-sur-Moudon 1987 Die Wappen des Entlebuchs wurden separat behandelt von Henggeler (1948) und Portmann (1955),Rudolf Henggeler, Amts- und Gemeindewappen des Entlebuch, in: SAH 62 (1948), 11-14. Hans Portmann, Wappen im Entlebuch, in: BHE 28 (1955), 1-83. KDM Luzern Neue Ausgabe 1. die Wappen des Amtes Willisau von Galliker (1986).Joseph Melchior Galliker, Die Wappen der 30 Gemeinden des Amtes Willisau, in: Heimatkunde des Wiggertals 44 (1986), 25-64 Die älteren Ämter- und Vogteiwappen werden behandelt bei von Segesser (1933)Agnes von Segesser, Die Wappen der luzernischen Ämter und Vogteien, in: SAH 47 (1933), 97-103; vgl. Joseph Melchior Galliker, Die runde Ämterscheibe von Luzern auf dem Stadtplan 1597 des Martinus Martini, in: SAH Jahrbuch 1972, 32-36. Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern.

(siehe auch Gemeinden des Kantons Uri) Die Urner Gemeindewappen wurden 1933 beschrieben von Alfred Schaller.Schaller, Alfred. Die Gemeindewappen von Uri. (Schweiz. Arch, f. Heraldik, 47, 1933, S. 125—129, 174—181). Siehe auch: Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Uri. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 5, Zug/Luzern 1999, S. 16–21. Die Urschweiz und ihre Wappen: die Gemeinden von Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Chapelle-sur-Moudon: Verl. Ketty & Alexandre, 1990. - 167 S. ISBN 2-88114-011-4

(siehe auch Gemeinden des Kantons Schwyz) Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Schwyz. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 5, Zug/Luzern 1999, S. 22–31. Die Urschweiz und ihre Wappen : die Gemeinden von Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Chapelle-sur-Moudon: Verl. Ketty & Alexandre, 1990. – 167 S. ISBN 2-88114-011-4

(siehe auch Gemeinden des Kantons Obwalden) Die Gemeindewappen wurden 1918 von Robert Durrer beschrieben.Robert Durrer, Die Gemeindewappen Unterwaldens, Stans 1918 Das Wappen von Lungern wurde 1952 geändert, ein "Fantasiewappen" aus dem 19. Jahrhundert wurde dabei durch ein historisch belegtes ersetzt.Hartmann, Plazidus : Wappen, Banner und Siegel, in: Obwaldner Heimatbuch, Basel/Engelberg 1953. Protokoll der Gemeindeversammlung vom 1. Juni 1952.Siehe auch: Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Obwalden. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 5, Zug/Luzern 1999, S. 32–35. Die Urschweiz und ihre Wappen: die Gemeinden von Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Chapelle-sur-Moudon : Verl. Ketty & Alexandre, cop. 1990. - 167 S. ISBN 2-88114-011-4 https://www.ow.ch/gemeindewappen

(siehe auch Gemeinden des Kantons Nidwalden und Wappen und Fahnen der Gemeinden des Kantons Nidwalden) Die Gemeindewappen wurden 1918 von Robert Durrer beschrieben.siehe auch: Galliker, Joseph Melchior, Die Gemeindewappen des Kantons Nidwalden. In: Schweizer Wappen und Fahnen, Heft 5, Zug/Luzern 1999, S. 36–39. Die Urschweiz und ihre Wappen : die Gemeinden von Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Chapelle-sur-Moudon: Verl. Ketty & Alexandre, cop. 1990. – 167 S. ISBN 2-88114-011-4

(siehe auch Gemeinden des Kantons Glarus, mit einer Liste der ehemaligen Gemeinden)