Christian Ehrhoff (* 6. Juli 1982 in Moers) ist ein ehemaliger deutscher Eishockeyspieler. Der Verteidiger bestritt 862 Spiele in der NHL-Karriere und 314 in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sowie 118 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Ehrhoff begann seine Profikarriere im Jahr 1999 bei den Krefeld Pinguinen in der Deutschen Eishockey Liga und gewann in der Saison 2002/03 die Deutsche Meisterschaft. Anschließend wechselte er nach Nordamerika und spielte bis zum Frühjahr 2016 bei den San Jose Sharks, Vancouver Canucks, Buffalo Sabres, Pittsburgh Penguins, Los Angeles Kings sowie Chicago Blackhawks. International gehörte Ehrhoff über viele Jahre der deutschen Nationalauswahl an. Bei der Heim-Weltmeisterschaft 2010 erreichte er mit Deutschland den vierten Platz und gewann bei den Olympischen Winterspielen 2018 die Silbermedaille.
Karriere Frühe Jahre Christian Ehrhoff wuchs in Moers auf. Er begleitete seine Schwester, die Eiskunstlauf betrieb, oft zur Eisbahn und feilte dort an seiner Lauftechnik. Nachdem Ehrhoff im Fernsehen sein erstes Eishockeyspiel gesehen und mit seinen Eltern ein Spiel besucht hatte, wollte er selbst Eishockey spielen. Er bekam seine ersten Schlittschuhe im Alter von sechs Jahren geschenkt und begann in der Juniorenabteilung der Krefeld Pinguine mit dem Eishockeyspielen. Seine Lieblingsspieler der Kindheit waren Pawel Bure, den er vor allem wegen seiner läuferischen Qualitäten schätzte, Wayne Gretzky und als deutsches Vorbild Uwe Krupp. Ehrhoff wurde in seiner frühen Jugend sowohl als Verteidiger als auch als Stürmer eingesetzt.
In Deutschland (1999–2003) Ehrhoff begann seine Profikarriere bei den Krefeld Pinguinen in der Deutschen Eishockey Liga. Der Linksschütze war in seiner ersten Saison per Förderlizenz für die Krefelder spielberechtigt, spielte aber hauptsächlich beim EV Duisburg unter dem Trainer Rico Rossi. In Duisburg erreichte er nach kurzer Zeit eine wichtige Stellung in der Mannschaft und war bei vielen Situationen, sowohl im Überzahl- als auch im Unterzahlspiel, auf dem Eis. Später setzte er sich als Stammspieler bei den Pinguinen durch.
Im NHL Entry Draft 2001 wurde er von den San Jose Sharks in der vierten Runde an insgesamt 106. Stelle ausgewählt. Er nahm an Trainingseinheiten der San Jose Sharks teil, wurde allerdings am 11. September 2001 zu den Krefeld Pinguinen zurückgeschickt. Dort erreichte er in der Saison 2001/02 seine bis dahin höchste Punkteausbeute mit sieben Toren und 17 Vorlagen für insgesamt 24 Punkte in 46 Spielen. Ehrhoff konnte im Trainingscamp der Sharks 2002 nicht restlos überzeugen und er kehrte für ein weiteres Jahr nach Deutschland zurück. Zu dieser Zeit war der General Manager der Sharks, Doug Wilson, bereits davon überzeugt, dass Ehrhoff fähig war, in der darauffolgenden Saison in Nordamerika zu bleiben. Die letzte Spielzeit in Deutschland beendete der Verteidiger im Frühjahr 2003 mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft im Trikot der Krefeld Pinguine. Er erhöhte seine Punktbestleistung in einer Saison auf 27 Punkte, darunter waren zehn Tore und 17 Vorlagen. In 14 Playoff-Spielen trug der Verteidiger drei Tore und sechs Vorlagen für sein Team bei. Nach dieser erfolgreichen Spielzeit entschied sich Ehrhoff, den endgültigen Sprung nach Nordamerika zu wagen. mini|links|hochkant|Ehrhoff im Trikot der San Jose Sharks
San Jose Sharks (2003–2009) Zu Beginn seines Engagements bei den San Jose Sharks wurde der Verteidiger häufig zum Farmteam des Teams, den Cleveland Barons, in die American Hockey League (AHL) geschickt, setzte sich im Laufe der Spielzeit aber als sechster Verteidiger in San Jose durch und kam so auf 41 NHL-Spiele in seiner ersten Saison. Er wurde zudem zum NHL YoungStars Game eingeladen, bei dem die besten Rookies des Jahres gegeneinander antraten. Der Lockout in der Spielzeit 2004/05 führte dazu, dass Ehrhoff das gesamte Jahr bei den Cleveland Barons verbrachte, da er nicht wie viele seiner europäischen Kollegen in sein Heimatland zurückkehrte. So sammelte er ausreichend Spielpraxis auf den im Vergleich zu Europa kleineren nordamerikanischen Eisflächen. Er gehörte zu den besten Spielern der Barons und wurde für das AHL All-Star Classic nominiert. Mit 35 Punkten in 79 Partien war er der punktbeste Verteidiger des Teams und fünftbester Scorer der Barons überhaupt. Zum Start der Saison 2005/06 stand Ehrhoff wieder im NHL-Kader und etablierte sich in San Jose als Stammspieler. Er verbuchte 23 Punkte in 64 Spielen und präsentierte sich in den Playoffs besonders stark, als er acht Punkte in elf Spielen erzielte. In der Saison 2006/07 entwickelte sich Ehrhoff zu einem Spezialisten im starken Powerplay der Sharks und gehörte trotz der großen Konkurrenz im Verteidigungsverbund der Sharks zum Stammpersonal. Auch im darauffolgenden Spieljahr verbesserte der Deutsche trotz einiger Probleme zum Saisonbeginn vor allem im defensiven Bereich sein Spiel, wodurch er zunehmend mehr Eiszeit erhielt. Im darauffolgenden Sommer erhielt er daher, nachdem sein Vertrag ausgelaufen war und er als Restricted Free Agent galt, einen neuen Dreijahresvertrag zu verbesserten Konditionen, obwohl das Team als Folge eines Trainerwechsels in der Defensive umgebaut wurde.
Unter dem neuen Cheftrainer Todd McLellan füllte der Deutsche wieder eine etwas offensiver orientierte Rolle aus und verbesserte sein Spiel weiterhin. Am Ende der regulären Saison ging er mit der Mannschaft als punktbestes Team der Liga in die Playoffs, wo die Sharks in der ersten Runde scheiterten. Als Folge des erneuten Misserfolges baute das Management das Team auf einigen Positionen abermals um. Diesem Umbruch fiel auch Ehrhoff zum Opfer, der Ende August 2009 gemeinsam mit Brad Lukowich an die Vancouver Canucks abgegeben wurde. Im Gegenzug erhielt San Jose die Nachwuchsspieler Daniel Rahimi und Patrick White.
Vancouver Canucks (2009–2011) mini|hochkant|Ehrhoff als Spieler der Vancouver Canucks im Jahr 2010
Bei seinem neuen Verein in Vancouver wurde Ehrhoff schnell Stammspieler und entwickelte sich zu einem der offensivstärksten Verteidiger in der Liga. Seinen ersten Treffer im neuen Team schoss er am 5. Oktober 2009 in einer 3:5-Niederlage der Vancouver Canucks gegen die Columbus Blue Jackets. Einen Monat später, am 20. November 2009, konnte Ehrhoff gegen die Colorado Avalanche sein erstes NHL-Spiel mit zwei Toren verbuchen, in dem er außerdem eine Vorlage für sein Team beisteuerte. Mit 44 Scorerpunkten, 14 Toren und einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 22:47 Minuten pro Spiel stellte Ehrhoff in der Saison 2009/10 neue persönliche Karrierebestmarken auf und führte mit diesen sämtliche Statistiken der Verteidiger der Canucks an. Mit 44 Scorerpunkte in einer Saison stellte Ehrhoff den Rekord für die höchste Punkteausbeute eines deutschen Verteidigers, den zu dieser Zeit Uwe Krupp innehatte, ein. Zudem verbesserte er seine Plus/Minus-Bilanz von −12 in der Vorsaison auf +36, welche zusammen mit der Statistik von Daniel Sedin (ebenfalls eine Wertung von +36) den Teamrekord der Canucks von Pawel Bure und Marek Malík um einen Punkt übertraf. In den Playoffs 2010 erreichte der Abwehrspieler in 12 Spielen sieben Punkte, die Vancouver Canucks schieden aber gegen die späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks in der zweiten Runde der Playoffs aus. Ehrhoffs Leistungen wurden mit der Babe Pratt Trophy gewürdigt, die alljährlich an den besten Verteidiger im Kader der Canucks vergeben wird. Die Wahl des alljährlichen Trophäengewinners wird von den Fans vorgenommen.
Diese Auszeichnung erhielt der gebürtige Moerser auch im Spieljahr 2010/11, als er seine Karrierebestmarke auf 50 Punkte schraubte und sich damit unter den zehn punktbesten Verteidigern der Liga wiederfand. Ehrhoff spielte zumeist mit seinen Teamkollegen Dan Hamhuis und Alexander Edler in einem Verteidigerverbund. Die Canucks konnten wie im Vorjahr die Playoffs um den Stanley-Cup erreichen, sie gewannen durch ihr konstant gutes Spiel in der regulären Saison gar die Presidents’ Trophy als erfolgreichstes Team der NHL. In den Playoffs 2010/11 scheiterten sie erst im siebten und entscheidenden Spiel des Finales um den Stanley Cup an den Boston Bruins und Ehrhoffs Landsmann Dennis Seidenberg. Die Canucks plagten zum Abschluss der Playoffs arge Verletzungsprobleme, denen auch Stammspieler wie Mikael Samuelsson, Dan Hamhuis, Mason Raymond, Alexander Edler und Andrew Alberts zum Opfer fielen.
Buffalo Sabres (2011–2014) mini|links|hochkant|Ehrhoff auf dem Eis für die Buffalo Sabres
Ehrhoffs Dreijahresvertrag, den er noch während seiner Zeit in San José unterzeichnet hatte, lief am Saisonende 2010/11 aus. Da Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung erfolglos verliefen, transferierte Vancouver am 28. Juni 2011 seine bis zum 1. Juli exklusiven Verhandlungsrechte an die New York Islanders, die dafür ein Viertrunden-Wahlrecht im NHL Entry Draft 2012 abgaben. Auch die Verhandlungen mit den Islanders scheiterten, sodass diese am 29. Juni 2011 seine exklusiven Verhandlungsrechte im Austausch für ein Viertrunden-Wahlrecht im NHL Entry Draft 2012 zu den Buffalo Sabres transferierten. Einen Tag später einigte sich Ehrhoff auf einen zehnjährigen Kontrakt mit den Buffalo Sabres. Er soll in dieser Zeit 40 Millionen US-Dollar verdienen. Dabei sind die Zahlungen seines Gehalts gestaffelt: In den ersten beiden Jahren verdient der Verteidiger pro Saison neun Millionen Dollar, in den Jahren drei bis sechs des Vertrags vier Millionen. Im siebten Jahr verdient Ehrhoff drei Millionen und in den letzten drei Vertragsjahren jeweils eine Million US-Dollar. Ehrhoff gab an, dass er zunächst abwarten wollte, welche Auswahlmöglichkeiten bezüglich Teams und Gehalt er auf dem Free-Agent-Markt haben würde. Als feststehendes Ziel strebte der deutsche Verteidiger einen Vertrag bei einem möglichen Aspiranten auf den Stanley Cup an. Als er das Angebot der Buffalo Sabres erhielt, sah er gute Chancen für seine sportlichen Ziele gegeben und stimmte dementsprechend den Vertragsbedingungen zu.