Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) ist der deutsche Dachverband von 185 wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Medizin. Ihr Zweck ist das Fördern evidenzbasierter Medizin in Lehre und Praxis.

Seit 1995 koordiniert die AWMF die Entwicklung von medizinischen Leitlinien für Diagnostik und Therapie durch die einzelnen Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Der Verband wurde am 10. November 1962 in Frankfurt am Main gegründet. Er ist als gemeinnützig anerkannt (Förderung der Wissenschaft).

Aufgaben und Ziele Der Verein berät über grundsätzliche und fachübergreifende Angelegenheiten und Aufgaben, erarbeitet Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese gegenüber den damit befassten Institutionen, insbesondere auch im politischen Raum. Neben den – angesichts der zunehmenden Spezialisierung immer dringenderen – Aufgaben der inneren Zusammenarbeit will sie damit die Interessen der medizinischen Wissenschaft verstärkt nach außen zur Geltung bringen.

Einige Beispiele sind: Medizinische Leitlinien für Diagnostik und Therapie, siehe AWMF-Leitlinienprogramm und Leitlinienprogramm Onkologie Aus-, Weiter- und Fortbildung in der Medizin Interdisziplinäre Zusammenarbeit medizinischer Fächer Klassifikationssysteme in der Medizin (z. B. ICD, OPS) Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur (Bibliotheken, wissenschaftliche Zeitschriften), z. B. durch die Herausgabe eines Journals German Medical Science als Open Access

Der Verein ist mit seinen eigenständigen Aufgaben neben den anderen Verbänden wie Bundesärztekammer, Medizinischer Fakultätentag, Verband der Universitätsklinika Deutschlands, Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände und den Einrichtungen der Wissenschaftsförderung (z. B. DFG) eine wichtige Institution im Bereich der Organisation medizinischer Versorgung. Die AWMF bemüht sich um fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen medizinischen wissenschaftlichen Organisationen sowie den zuständigen politischen Gremien im Interesse einer leistungs- und zukunftsorientierten Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaften und ihrer Umsetzung in der ärztlichen Praxis.

Zusammen mit der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft gibt die AWMF Patientenleitlinien zu Magenkrebs, den verschiedenen Formen von Brustkrebs und des Prostatakarzinoms in allgemeinverständlichen Broschüren kostenlos heraus. Deutsche Krebsgesellschaft

Kooperationen Die AWMF wirkt mit Vertretern in nationalen und internationalen Gremien unterschiedlichster Institutionen und Behörden mit. Dabei pflegt sie Kooperationen mit verschiedenen Institutionen und Organisationen. Nationale Versorgungsleitlinien (NVL-Programm) Leitlinienprogramm Onkologie mit Deutsche Krebsgesellschaft & Deutsche Krebshilfe DRG-Fachkommission von Bundesärztekammer und AWMF Mitherausgeber von German Medical Science mit ZB MED Medizinischer Fakultätentag (MFT) Kooptiertes Mitglied im Vorstand von Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF)

Internationale Beteiligung: Rat für Internationale Organisationen der medizinischen Wissenschaft (CIOMS) bei der WHO Gründungsmitglied von Guidelines International Network (GIN)

Nationale Beteiligung (Auswahl): Nationaler Krebsplan des Bundesministeriums für Gesundheit Kuratorium für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (KKG) Kuratorium des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Kuratorium des Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) & Wissenschaftlicher Beirat Kuratorium des Aktionsbündnis Patientensicherheit Beirat des Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) Schiedsstelle / Spruchkörper des Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) Steuerungsgruppe des Nationales Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) Ausschuss von gesundheitsziele.de (Gesundheitsziele des Bundesministeriums für Gesundheit) Projektbeirat der Medizininformatikinitiative (MII)

Organisation Der Sitz der AWMF ist in Frankfurt am Main. Seit 2007 besteht die Rechtsform eingetragener Verein.Vereinsregister Nr. 13755 beim Amtsgericht Frankfurt am Main Organe des Vereins sind die Delegiertenkonferenz (Mitgliederversammlung) und das Präsidium.

Die Geschäftsstelle der AWMF war bis 2016 in Düsseldorf, seit 2017 ist sie in Berlin.

2009 hat die AWMF ein Institut eingerichtet, das AWMF-Institut für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi). Das AMWF-IMWi ist in Marburg (Lahn) beim Fachbereich Medizin der Philipps-Universität angesiedelt.

Kommissionen Zur Beratung besonderer Fragestellungen kann das Präsidium der AWMF ständige Kommissionen oder Ad-hoc-Kommissionen einsetzen.

Ständige Kommissionen: Arzneimittel Aufnahmen Aus-, Weiter- und Fortbildung Leitlinien Qualitätsentwicklung in Forschung und Lehre

Ad-hoc-Kommissionen: Digitalisierung & KI in der Medizin In-vitro-Diagnostik Junge AWMF Klima, Umwelt & Gesundheit Medizinprodukte Versorgungsstrukturen

Veranstaltungsformate Delegiertenkonferenz Berliner Forum Medizin & Recht im Dialog AWMF im Dialog Leitlinienkonferenz Leitlinienfortildung des AWMF-IMWi Leitlinienseminar des AWMF-IMWi Symposien Service-Seminar

Mitglieder des Präsidiums (Stand: November 2024) Rolf-Detlef Treede, Präsident Henning Schliephake, stellv. Präsident Fred Zepp, stellv. Präsident Manfred Gogol, Schatzmeister Renate Deinzer, Präsidiumsmitglied Steffi G. Riedel-Heller, Präsidiumsmitglied Thomas Schmitz-Rixen, Präsidiumsmitglied Sören Twarock, Präsidiumsmitglied Vera von Dossow, Präsidiumsmitglied Julia Weinmann-Menke, Präsidiumsmitglied

Präsidenten 1962–1969: Herbert Junghanns, Chirurgie, Frankfurt/Main 1970–1973: Heinz Mittelmeier, Orthopädie, Homburg/Saar 1974–1985: Hans Kuhlendahl, Neurochirurgie, Düsseldorf 1986–1991: Karl-Heinz Vosteen, HNO-Heilkunde, Düsseldorf 1991–2000: Hans Reinauer, klinische Biochemie, Düsseldorf 2000–2009: Albrecht Encke, Chirurgie, Frankfurt/Main 2009–2015: Karl Heinz Rahn, Innere Medizin, Münster/Westfalen 2015–2021: Rolf Kreienberg, Gynäkologie und Geburtshilfe, Mainz 2021–: Rolf-Detlef Treede, Neurophysiologie, Heidelberg

Ehrenmedaille mini|Ehrenmedaille der AWMF, erstmals vergeben 2012 Anlässlich des 50-jährigen Bestehens hat das Präsidium der AWMF beschlossen, eine „Ehrenmedaille der AWMF“ an Persönlichkeiten zu vergeben, die sich um die Belange der wissenschaftlichen Medizin besonders verdient gemacht haben.

Die Medaille erhielten: 2012: Rainer Hess 2018: Hans-Konrad Selbmann 2019: Hans Reinauer 2022: Albrecht Encke 2025: Gerd Nettekoven

Mitglieder Stand: Mai 2025

Assoziierte Mitglieder AG „Chemie in der Medizinerausbildung“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Dachverband Osteologie Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik

Kritik Die Organisationen Transparency International (TI Deutschland), Leitlinienwatch und MEZIS warfen der AWMF 2022 vor, dass sie Interessenkonflikte mit der Industrie verharmlosen würde. Als Vorbild nennen sie den „Physician Payments Sunshine Act“ in den USA. Danach müsse die Industrie die Geldflüsse an alle Akteure im Gesundheitswesen offenlegen.Deutsche medizinische Fachgesellschaften verharmlosen Interessenkonflikte, Meldung vom 2. April 2022 auf der Webseite von Transparency International, aufgerufen am 27. Dezember 2022

Siehe auch AWMF-Leitlinienregister

Weblinks

Offizielle Website GMS German Medical Science – Interdisziplinäres Journal der AWMF als Open Access

Einzelnachweise

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