mini|Verbreitungsgebiet der Pikten mini|hochkant|Piktischer Stein in Strathpeffer mini|hochkant|Piktisches Silberamulett aus dem Hort von Norrie’s Law, mit typischen Symbolen, wie sie auch auf piktischen Symbolsteinen vorkommen mini|Verbreitung piktischer Ortsnamen, was auf die piktische Besiedlung deutet Pikten ( „die Bemalten“) ist der Name, den die Römer in der späten Antike für Stämme in Schottland verwendeten. Der Name wird auf die in dieser Region verbreitete Tradition des Tätowierens zurückgeführt. Als Herkunftsbezeichnung nicht in Frage kommt ihre Sitte, Symbolsteine zu gestalten, da diese zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert entstanden. Bei den von den Römern als Pikten bezeichneten Stämmen handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein Volk (Ethnie), sondern um verschiedene Völker mit sich unterscheidenden kulturellen Traditionen, die jedoch angesichts gemeinsamer Feinde (Römer, Skoten, später auch Wikinger) politische und militärische Allianzen eingingen.
Der Ursprung der Pikten ist unklar. Ihre Sprache und Kultur verschwanden, nachdem die Reiche der Pikten und der keltischen Skoten 843 n. Chr. unter Kenneth MacAlpin vereinigt wurden.
Von der Kultur der Pikten ist wenig bekannt. Es sind fast nur späte Bildsteine und Stelen erhalten, die mit Schriftzeichen, teilweise in der eigenen Sprache, und Ornamenten reich verziert sind. Darunter sind die Cross Slabs des 9. Jahrhunderts hervorzuheben. Ortsnamen und die Muster auf ihren allerdings späten kunsthandwerklichen Gegenständen und gravierten Steinen deuten darauf hin, dass es sich bei den piktischen Völkern um britannische Kelten gehandelt haben könnte. Ihre Feinde hingegen, die Skoten, waren gälisch-irische Kelten.
Die Pikten in der Geschichte Die einzigen zeitgenössischen schriftlichen Dokumente über die Pikten stammen von den Römern, worin vor allem die Beziehungen zwischen Römern und Pikten beschrieben werden. Die ersten dieser Belege beziehen sich auf Ereignisse des Jahres 297 n. Chr., darunter eine Rede des Eumenius in den Panegyrici Latini. Teilweise werden in älterer Literatur auch frühere Passagen römischer Literatur, in denen von den Kaledoniern die Rede ist, fehlerhaft auf die Pikten bezogen.Kai Brodersen: Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, S. 170. Eine bedeutende spätere Quelle für die Geschichte der Pikten ist das Poppleton-Manuskript, worauf die Piktische Chronik beruht.
Römisch-piktische Auseinandersetzungen Während der Spätantike kam es mehrfach zu kriegerischen Auseinandersetzungen der Pikten mit den Römern. Eine eher spekulative Theorie über diese Ereignisse besagt, dass ein erhöhter Populationsdruck die Pikten zwang, sich nach Süden auszubreiten und Überfälle auf römisches Gebiet zu unternehmen.
Seit dem Sommer 305 unternahm der römische Kaiser Constantius I. mit späterem Beinamen Chlorus einen erfolgreichen Feldzug gegen „Caledonier und andere Pikten“. Daher nahm er noch im selben Jahr zum zweiten Mal den Siegerbeinamen Britannicus Maximus an. Sein Enkel Constans führte 343 einen Krieg gegen die Pikten, der in einer Münzserie mit der Darstellung des Kaisers in einem Schiff symbolisiert wird. Im Jahr 360 entsandte Kaiser Julian seinen Heermeister Lupicinus gegen die Pikten und die mit ihnen verbündeten Skoten von Irland, die in Britannien eingefallen waren. Für das Jahr 367 nennt der römische Historiker Ammianus Marcellinus die Dicalydones, Verturiones, Skoten, Attacotti und Sachsen als Völker, die eine conspiratio barbarica (‚barbarische Verschwörung‘) durchführten und dem Römischen Reich in Britannien Probleme bereiteten.Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte 27,8,1–6. Bis heute ist unklar, welche Beziehungen diese Völker untereinander hatten und wo die anderen außer den Skoten und Sachsen siedelten. Der römische General Flavius Theodosius wurde von Kaiser Valentinian I. nach Britannien entsandt, um die feindlichen Stämme niederzuschlagen; danach wurde der Hadrianswall renoviert. Der folgende Friede dauerte jedoch nur bis zum Jahr 382, als Pikten und Skoten erneut Britannien überfielen, doch wurden sie vom damaligen Militärbefehlshaber Magnus Maximus zurückgeschlagen.
Zwei nichtrömische Quellen belegen Aktivitäten der Pikten: Ein erhaltener Brief von St. Patrick an Coroticus (einen südwest-schottischen König) aus dem 5. Jahrhundert rügt diesen für sein „schändliches, niederträchtiges und unchristliches“ Verhalten. Der Mönch Gildas (500–570) zählt im Jahr 540 drei Piktenkriege auf: Der erste von 382, der von Magnus Maximus niedergeschlagen wurde, der zweite von 396–398, vom Heermeister Stilicho geführt (dieser wird auch in einem Gedicht des Claudian erwähntClaudian, De consulatu Stilichonis 2,250–255.), und der dritte im Jahr 450, bei dem die Pikten angeblich von Flavius Aëtius geschlagen wurden. Das letztgenannte Ereignis ist allerdings fiktiv, denn die römische Herrschaft in Britannien schwand nach dem Jahr 410 allmählich dahin, als Kaiser Flavius Honorius die übriggebliebenen regulären Truppeneinheiten zum Schutze Italiens abzog. Allerdings nennt Gildas für 446 ein letztes Hilfegesuch der römischen Britannier an Aëtius, das ungehört blieb: Damals hatten die Sachsen und Angeln begonnen, nach Britannien überzusetzen und es in Besitz zu nehmen.
Piktland nach dem Abzug der Römer Nach Abzug der Römer werden die Quellen sehr ungenau. Die vom Mönch Gildas erhaltene Königsliste kann nicht mit anderen Quellen abgestimmt werden, und moderne Historiker vermuten, dass die darin beschriebenen Gräueltaten von Gildas stark übertrieben, wenn nicht frei erfunden wurden.
Nachdem die Römer die Provinz Britannia verlassen hatten, drangen die Pikten nach Süden vor. Im Jahr 550 wurde Bridei mac Maelcon, der erste namentlich bekannte König von Fortriu aus der Gegend um den Ness, zum „König der Pikten“ gekrönt.Gordon Noble, Nicholas Evans: Picts: Scourge of Rome, Rulers of the Northn. Edinburgh 2022, S. 18. Er soll bei der unbelegten Bekehrung der Pikten zum Christentum im Laufe des 6. Jahrhunderts eine wichtige Rolle gespielt haben. Bridei vereinte nördliche und südliche Pikten und besiegte die Skoten.
Nach Brideis Tod im Jahr 584 begannen die Angelsachsen unter Æthelfrith, König von Northumbria, Druck auf die Pikten auszuüben. Nachdem er die Skoten geschlagen hatte, waren Pikten und Angelsachsen zu Nachbarn geworden. Zuerst schienen die Beziehungen zwischen den beiden Völkern positiv und friedlich abzulaufen. Es gab sogar Heiraten unter den jeweiligen Königsfamilien. Im Jahr 668 jedoch scheint Oswiu, König von Northumbria, sein Territorium nach „Piktland“ ausgeweitet zu haben.
Für über 30 Jahre wurde Südpiktland von Northumbrien aus regiert. Wilfrid von York berichtet von einer piktischen Revolte aus dieser Zeit, die von Ecgfrith von Northumbrien grausam niedergeschlagen wurde: Es wird ihm nachgesagt, er hätte eine Brücke aus piktischen Körpern über zwei Flüsse gebaut, damit seine Armee diese trockenen Fußes überqueren könne, um das verbleibende piktische Heer niederzuschlagen. 685 schlug der Piktenkönig Bridei mac Bili (Brude mac Bile) Ecgfrith in der Schlacht bei Dunnichen Mere jedoch vernichtend. Die Nordgrenze Northumberlands verschob sich nach Süden, die in Piktland verbleibenden Northumbrier wurden versklavt.
mini|hochkant|Piktischer Dunnichen Stone 706 wurde Nechton mac Derelei (Nechtan mac Derile) Anführer der Pikten. Er beendete den Konflikt mit Northumbrien und begann diplomatische Beziehungen mit den Angelsachsen. Nechton musste sich jedoch während seiner Regierungszeit immer wieder gegen Angriffe aus den eigenen Reihen behaupten. Sein Bruder Ciniod (Cinioch) wurde vom Herrscher von Atholl, der Kernregion des südlichen Piktenlands, die mit dem nördlichen Fortriu konkurrierte, ermordet.
724 dankte Nechton ab und ging ins Kloster. Seine Nachfolge war hart umkämpft, im Jahr 729 übernahm schließlich Oengus mac Fergus (Onuist mac Uirguist) die Macht. Oengus konnte sich bis zu seinem Tod im Jahr 761 auf dem Thron halten. Er führte in dieser Zeit Krieg gegen die Skoten, die Iren und gegen Northumbrien.
Nach dem Tod von Oengus wird die Geschichte der Pikten wieder unklar. Es scheint viele Scharmützel, aber auch einige gemeinsame Könige von Skoten und Pikten gegeben zu haben. Mitte des 9. Jahrhunderts verbündete sich Kenneth I., König der Skoten aus der Dynastie Lorne, mit den Wikingern und schlug die Pikten vernichtend. 843 ließ er sich zum König der Skoten und Pikten ausrufen. Die Pikten wurden ins skotische Reich eingegliedert und die beiden Kulturen scheinen ineinander aufgegangen zu sein.
Sprache Der Ursprung und die Klassifikation der piktischen Sprache konnten bis heute nicht hinreichend geklärt werden. Mit drei gängigen Theorien wird jeweils versucht, das Piktische als keltische, nichtkeltische, aber indogermanische nichtindogermanische Sprache einzuordnen. Keines der Modelle hat bis heute allgemeine Anerkennung gefunden.
Inschriften auf gravierten Steinen belegen, dass die Pikten eine eigene Sprache mit irisch-gälischen, aber auch britannischen Lehnwörtern sprachen. Die Anzahl und Art der nichtgälischen Elemente macht jedoch einen nichtkeltischen, möglicherweise sogar nichtindogermanischen Ursprung denkbar.
Ein Spinnwirtel, der sogenannte Buckquoy-Spinnwirtel, weist eine Ogham-Inschrift auf, die vor den Forschungsergebnissen von Katherine Forsyth (ab 1995 veröffentlicht) als in piktischer Sprache verfasst angesehen wurde.Katherine Forsyth: The ogham-inscribed spindle-whorl from Buckquoy: evidence for the Irish language in pre-Viking Orkney? In: Proceedings of the Society of Antiquaries of Scotland. Band 125, 1995, S. 677–696 (online). Mittlerweile neigt die Forschung dazu, die Pikten als keltischsprachig anzusehen.Simon Taylor: Pictish Place-Names Revisited, in: Stephen T. Driscoll, Jane Geddes, Mark A. Hall: Pictish Progress: New Studies on Northern Britain in the Early Middle Ages. Brill, Leiden 2010, S. 67–118. Möglicherweise waren sie der Teil der britannischen Kelten, der nie von den Römern unterworfen wurde und durch den Bau der römischen Grenzwälle vom Rest Britanniens abgeschnitten wurde. Vorindogermanisches Substrat wird allenfalls in den Namen mancher Inseln vermutet, die keine bekannte etymologische Erklärung aufweisen und weder aus einer keltischen noch germanischen Sprache zu stammen scheinen.
Religion Auch über die Religion der Pikten ist nicht viel mehr bekannt als das, was römische Historiker und christliche Mönche geschrieben haben.
Kult Ziemlich sicher gab es bei den Pikten eine große Anzahl Gottheiten, auch lokale Gottheiten der Berge, Bäume, Flüsse, Lochs, Tiere oder Wälder. Die große Anzahl von Steinen mit eingravierten Bullen, die in der Umgebung von Burghead gefunden wurde, könnte beispielsweise auf einen Stierkult schließen lassen.
Ob die Pikten Menschenopfer kannten, ist umstritten. Piktische Steine aus der späteren, christlichen Periode stellen mit Menschenköpfen verzierte Bäume dar. Andere Gravuren zeigen Menschen in Kochkesseln, bei denen es sich um Darstellungen von Opfern oder aber Wiedergeburt handeln könnte – einige prominente keltische Legenden drehen sich um den Kessel (Kessel von Gundestrup) der Wiedergeburt.
Als Kultzentren mögen Höhlen (Sculptor’s Cave, Wemyss Caves) oder prähistorische Steinkreise und -formationen gedient haben.
Bestattungen Es gibt in Schottland eine Reihe piktischer Gräber. Früher glaubte man, dass sie sich im Osten und Nordosten von Schottland konzentrierten, aber Luftaufnahmen und jüngste Ausgrabungen zeigen typische piktische Grabhügel in den Borders in Lothian und in Dumfries and Galloway. Die Pikten haben ihre Toten in einer großen Variationsbreite bestattet: durch Erd- und Feuerbestattungen, in Steinkisten, unter Cairns und runden Erdhügeln (Barrows). Es ist auch Exkarnation festzustellen. Unklar ist, wie diese Praktiken für eine bestimmte Person oder Gruppe ausgewählt wurden.