mini|Friedrich Muckermann Friedrich Johannes Muckermann (* 17. August 1883 in Bückeburg; † 2. April 1946 in Montreux) war Jesuit und Publizist. Er gehörte zu den entschiedensten katholischen Kämpfern gegen den Nationalsozialismus und den Stalinismus und war in den 1920er und 1930er Jahren ein herausragender Literaturkritiker und Redner des katholischen Deutschland.Hubert Gruber: Friedrich Muckermann SJ. In: Stimmen der Zeit, Bd. 214 (1996), S. 266–276, hier S. 266.

mini|Friedrich Muckermann S. J. Signatur 1928

Leben Herkunft und Jugend Friedrich Muckermann war das vierte von zwölf Kindern von Anna und Hermann Johann Muckermann, einem Schuhmacher in Bückeburg. Sein ältester Bruder war der Biologe und Jesuit Hermann Muckermann, sein zweitjüngster Bruder der Politiker Richard Muckermann und sein jüngster Bruder der Diplomat Ludwig Muckermann.

Friedrich Muckermann besuchte das Gymnasium Adolfinum seiner HeimatstadtZum 60. Todestag von Friedrich Muckermann. In: Schaumburger Zeitung und Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung, 23. März 2006. und das Seminarium Liborianum, das Erzbischöfliche Knabenkonvikt, in Paderborn.Totenzettel: , abgerufen am 3. April 2021. Bereits im Alter von 16 Jahren erhielt der Hochbegabte den Reifevermerk als Bestätigung des erfolgreichen Schulabschlusses. Das förmliche Abitur holte er als Student „gleichsam bei einem Abstecher“ am Adolfinum in Bückeburg nach., abgerufen am 3. April 2021.

Noch im selben Jahr trat er in den Jesuitenorden ein. Sein Noviziat absolvierte er ab September 1899 in Bleijenbeck (auch „Bleyenbeck“ geschrieben) in den Niederlanden.Eva Rademacher: Friedrich Muckermann. Ein Jesuitenpater im Kampf zwischen zwei Epochen. In: Sigmund Graf Adelmann (Red.): Gegen den Strom. Widerstand und Zivilcourage im Nationalsozialismus in Schaumburg. Verlag für Regionalgeschichte, Gütersloh 2005, ISBN 3-89534-571-7, S. 77–88, hier S. 79. Nach den ersten Gelübden schloss sich das Juniorat in Exaten bei Leudal als Ausbildung in den humanistischen Fächern an. 1903 begann er sein Philosophiestudium am Ignatiuskolleg in Valkenburg. Nach dem Examen unterrichtete er im Interstitium am Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch. Anschließend studierte er Germanistik und Pädagogik an der Universität Kopenhagen und unterrichtete nebenher am Andreaskolleg in Ordrupshoj bei Kopenhagen. Den Examina in Kopenhagen folgte 1912 das Studium der Theologie am Ignatiuskolleg.Alke Timmermann, Dieter Steubl: Pater Franziskus Maria Stratmann O.P. (1883–1971). Die Biografie eines unermüdlichen Friedenskämpfers. AVM, München 2009, ISBN 978-3-89975-916-7, S. 79. Im August 1914 wurde er zum Priester geweiht.

Jesuit und Publizist Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Muckermann zunächst als Sanitäter an der Westfront eingesetzt, seit Ende 1914 als Feldgeistlicher an der Ostfront. Nach dem Kriegsende wurde er damit betraut, in Wilna eine Niederlassung seines Ordens aufzubauen. Nachdem die Rote Armee im Vorfeld des Polnisch-Sowjetischen Krieges Ende 1918 in Wilna eingefallen war, wurde Muckermann im Februar 1919 verhaftet. Die Gefangenschaft verbrachte er zunächst in Minsk, ab Mai 1919 in Smolensk.Johannes Schwarte: Friedrich Muckermann SJ (1883–1946). In: Die Neue Ordnung, Jg. 60 (2006), Heft 3, S. 201–216, hier S. 204. In den Gefängnissen lernte der sprachbegabte Muckermann vorzüglich Russisch. Er wurde zum Tode verurteilt, das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt.Brita Eckert: Unterlagen zur kirchlichen Emigration. In: Dialog mit Bibliotheken, Jg. 19 (2007), Nr. 1, S. 33–37, hier S. 33. Stattdessen wurde er im Dezember 1919 im Zuge eines Häftlingsaustausches (gegen Karl Radek) freigelassen.Friedrich Muckermann: Im Kampf zwischen zwei Epochen. Lebenserinnerungen. Matthias Grünewald, Mainz 1973, S. 181. Seine Gefangenschaft war seine erste, prägende Erfahrung eines totalitären Regimes.Friedrich Muckermann: Wollt ihr das auch? Wie ich den Bolschewismus in Russland erlebte. Verband der katholischen Jünglings-Vereinigungen Deutschlands, Düsseldorf 1920.

Nach der Heimkehr aus Russland konnte Muckermann sein durch Kriegsdienst und Gefangenschaft unterbrochenes Theologiestudium abschließen. Im September 1920 legte er, inzwischen 37 Jahre alt, in Valkenburg sein theologisches Schlussexamen ab.Hubert Gruber: Friedrich Muckermann SJ. In: Stimmen der Zeit, Bd. 214 (1996), S. 266–276, hier S. 266. Im selben Jahr wurde er in die Redaktion der Zeitschrift Der Gral berufen, in der er unter anderem mit Albert Maring zusammenarbeitete.Der Gral erschien seit 1906 mit wechselnden Untertiteln: Monatsschrift für schöne Literatur, Monatsschrift für Kunstpflege im katholischen Geiste, Monatschrift für schöne Literatur, Literarische Monatsschrift und Monatsschrift für Dichtung und Leben. 1934 verboten die Nationalsozialisten die Zeitschrift. Muckermann weitete das Spektrum der Autoren und Themen des Gral, gewann zahlreiche neue Abonnenten und machte sie zu einer Zeitschrift, die „die kath. Weltliteratur widerspiegeln und zugleich zu brennenden gesellschaftspolitischen Fragen Stellung nehmen sollte“.Hubert Gruber: Muckermann, Friedrich. In: NDB, Bd. 18 (1997), S. 258–260, hier S. 258. Von 1921 bis 1923 lebte er in Bonn, dann verlegte er die Redaktion des Gral nach Münster. Ab 1925 war Muckermann der alleinige Herausgeber des Gral. In Münster wohnte er in der Königsstraße 36a zusammen mit dem katholischen Geistlichen des Jesuitenordens Gustav Grauvogel (1883–1957), Leiter der Ortsgruppe Münster des Neudeutschland-Bundes, sowie Joseph Goebbels.Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911-1952): Gustav Grauvogel (genannt Grauspatz), abgerufen am 12. August 2026Einwohnerbuch der Stadt Münster Westf., Jg. 53, 1926, II. Teil, Straßenverzeichnis, Königsstraße, S. 113Einwohnerbuch der Stadt Münster Westf., Jg. 54, 1927, II. Teil, Straßenverzeichnis, Königsstraße, S. 123Einwohnerbuch der Stadt Münster Westf., Jg. 55, 1928, II. Teil, Straßenverzeichnis, Königsstraße, S. 128Einwohnerbuch der Stadt Münster Westf., Jg. 56, 1929, II. Teil, Straßenverzeichnis, Königsstraße, S. 133Einwohnerbuch der Stadt Münster Westf., Jg. 57, 1930, II. Teil, Straßenverzeichnis, Königsstraße, S. 136Ultimo: Never mess with MS! – Vom „appen Arm“ bis zum Kotzbecken-Papst: 111 Münster-Absonderlichkeiten nicht nur für Touris, Carsten Krystofiak, Nr. 5–6/26, 27. Februar 2026 – 26. März 2026, S. 6f.Westfälische Nachrichten: Das dunkelsten Kapitel in 100 Jahren MCC: Die Halle Münsterland in der NS-Zeit, Münster, Münster, Martin Kalitschke, 8. August 2026Münster Tube – Münster von unten: Münster im Dritten Reich: Goebbels nimmt kräftigen Schluck Wein aus dem „Goldener Hahn“ im Friedenssaal, Münster, 19. November 2020library.oapen.org: Friedrich Muckermann (1883–1946), Franz Kroos, In: Zeitgeschichte in Lebensbildern – Aus dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunders, Band 2, Herausgeber Rudolf Morsey, Aschendorff Verlag, Münster 2022, ISBN 978-3-402-06119-0, S. 48

Zudem baute er in Münster ein Korrespondenzbüro für die katholische Presse auf, das einen Großteil der etwa 400 katholischen Tageszeitungen in Deutschland mit Beiträgen für deren Mantel belieferte.Wilhelm Spael: Das katholische Deutschland im 20. Jahrhundert. Seine Pionier- und Krisenzeiten, 1890–1945. Echter, Würzburg 1964, S. 283. Die „Katholische Korrespondenz“ wurde durch Ferdinand von Lüninck, dem Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, im Juli 1934 verboten. Unter der Leitung von Ludwig Friedrich Karl Berg konnte im August 1934 die Korrespondenz wieder erscheinen; aus „technischen Gründen mußten, wie die Redaktion mitteilt, die Titel der einzelnen Dienste geändert werden“.

Bekannt und vielgefragt war Muckermann als Redner. Universitäten und Akademien, wissenschaftliche Vereinigungen, Volkshochschulen und Pfarreien luden ihn bei großen und kleinen Anlässen zu Vorträgen über Literatur, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen oder religiöse Themen ein. Zu seinen Reisen kamen Ansprachen im Rundfunk und Predigtreihen. Seine Zuhörer erinnerten sich noch nach Jahren an seine mitreißende Rede und seine charismatische Ausstrahlung.Eva Rademacher: Friedrich Muckermann. Ein Jesuitenpater im Kampf zwischen zwei Epochen. In: Sigmund Graf Adelmann (Red.): Gegen den Strom. Widerstand und Zivilcourage im Nationalsozialismus in Schaumburg. Verlag für Regionalgeschichte, Gütersloh 2005, S. 77–88.

Widersacher der Nationalsozialisten Muckermann warnte unablässig vor den totalitären Ideologien, sei es der Kommunismus stalinscher Prägung, sei es der Nationalsozialismus. In einem Verriss von Hitlers Machwerk Mein Kampf in seiner Zeitschrift Der Gral nannte er Hitler, der sich als Diener des Volkswillens gab, einen „Demagogen, der das Volk beherrscht, weil er es peitscht“. Wieder und wieder stellte er in Schriften und Vorträgen klar, dass Rassismus und Antisemitismus widerchristliche Irrlehren seien. Den Nationalsozialismus bezeichnete er 1931 als die „Häresie des 20. Jahrhunderts“.Friedrich Muckermann: Die Häresie des 20. Jahrhunderts. In: Akademische Bonifatius-Korrespondenz, Jg. 46 (1931), S. 1ff.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 galt er als Staatsfeind. Die Gestapo Essen empfahl, ein Redeverbot über ihn zu verhängen.Hubert Gruber: Friedrich Muckermann S.J., 1883–1946. Ein katholischer Publizist in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist. Matthias Grünewald, Mainz 1993, S. 248. Seine Bücher wurden verbrannt und ausgesondert.Richard Drews, Alfred Kantorowicz: Verboten und verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdrückt. Ullstein, Berlin 1947, S. 118–119. Nach den Verhaftungen im Zuge der „Röhm-Affäre“ musste auch Muckermann damit rechnen, verhaftet zu werden, sein Bruder Hermann warnte ihn davor.Erinnerungen von Hermann Muckermann an seinen Bruder: 2. April 1946 – Friedrich Muckermann SJ – † in Montreux (Schweiz), abgerufen am 3. April 2021.

Friedrich Muckermann entkam am 14. Juli 1934 über die Grenze ins niederländische Oldenzaal.Johannes Schwarte: Friedrich Muckermann SJ (1883–1946). In: Die Neue Ordnung, Jg. 60 (2006), Heft 3, S. 201–216, hier S. 211. Dort half ihm – trotz offener Gestapo-Überwachung – der Druckereibesitzer und Verleger der Twentsche Courant, Bernard Bruggeman (1896–1978). Er druckte die von Muckermann gegründete Exilzeitschrift Der Deutsche Weg.Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein… Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch- niederländischen Grenzgebiet 1929–1945. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-7448-6, S. 225. Andere halfen, den Deutschen Weg und andere Publikationen Muckermanns nach Deutschland zu schmuggeln. Nanda Herbermann war seine Mitarbeiterin und Vertraute.

Der Generalobere der Jesuiten, Wladimir Ledóchowski, berief Muckermann Anfang 1935 nach Rom und übertrug ihm im Juli 1935 eine Professur für russische Literatur am Päpstlichen Orientalischen Institut, um ihn, der in Oldenzaal von der Gestapo observiert wurde, „aus der Schußlinie“ zu nehmen.Johannes Schwarte: Friedrich Muckermann SJ (1883–1946). In: Die Neue Ordnung, Jg. 60 (2006), Heft 3, S. 201–216, hier S. 211–212. Neben dieser Lehrverpflichtung setzte Muckermann seine Arbeit beim Deutschen Weg fort, der bis zum 5. Juni 1940 in Oldenzaal erschien.Brita Eckert: Unterlagen zur kirchlichen Emigration. In: Dialog mit Bibliotheken, Jg. 19 (2007), Nr. 1, S. 33–37, hier S. 34. Fünf Tage darauf besetzte die Wehrmacht Oldenzaal.