mini|Veitshöchheim von oben
Veitshöchheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und liegt am Main. Der Ort ist eine ehemalige Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Würzburg, später der Könige von Bayern. Überregional bekannt ist die repräsentativ ausgestattete Schlossanlage mit ihrem großen Rokokogarten.
Geographie Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU liegt der geographische Mittelpunkt der Europäischen Union in der Gemeinde.
Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern der Siedlungstyp): Veitshöchheim (Pfarrdorf) Gadheim (Kirchdorf)
Vor der Gebietsreform gehörte zur Gemeinde außer Veitshöchheim nur der Weiler Schleehof. Er musste Anfang der 1960er Jahre dem Neubau der Balthasar-Neumann-Kaserne weichen und wurde abgesiedelt.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Oberdürrbach (Gemarkungsteil 0) und Veitshöchheim. Die Gemarkung Veitshöchheim hat eine Fläche von 7,612 km². Sie ist in 5272 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1443,84 m² haben.
Nachbargemeinden Im Norden liegen die Gemeinden Erlabrunn, Thüngersheim und Güntersleben; die östlichen Nachbargemeinden sind Rimpar und Estenfeld. Im Süden grenzt Veitshöchheim direkt an Würzburg. Im Westen auf der gegenüberliegenden Mainseite liegen die Gemeinden Margetshöchheim und Zell am Main.
Name Etymologie Der ursprüngliche Name Hochheim besteht aus dem althochdeutschen Adjektiv hôch und dem althochdeutschen Wort heim. Später wurde der Name des Kirchenpatrons St. Vitus/St. Veit als Namenszusatz hinzugefügt, um den Ort von Margetshöchheim auf der gegenüberliegenden Mainseite zu unterscheiden.
Frühere Schreibweisen +Frühere Schreibweisen des Ortes aus Karten und UrkundenJahrSchreibweise1097Hocheim1250Hochheim1301Hoecheim ad sanctum Vitum1350Sant Veits Hocheim1362Sant Veytz Hoecheim1376Vitshoecheym1554Veitshocheim1575Veitshöcheim1579Veitshöchheim
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Veitshöchheim wurde im Jahr 779 erstmals erwähnt. Die Pfarrei Veitshöchheim wurde im Jahr 1097 von dem Würzburger Bischof Emehard dem Kloster St. Stephan geschenkt. Um 1235 war der Ritter Konrad III. von Leinach, ein Ministerial des Bischofs Hermann von Lobdeburg, Vogteiherr des Dorfes Veitshöchheim, bis das Vogtrecht im Mai 1240 durch den Abt St. Stephans für 44 Mark wieder zurückgekauft wurde.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Selbstverlag Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 99 f. Im Jahr 1246 fand im Ort die Wahl zum deutschen König statt, Heinrich Raspe ging als Sieger hervor. Ein eigenes Ortswappen für Veitshöchheim wurde auf Bitten der Gemeindevorsteher im Jahre 1563 durch Fürstbischof Friedrich von Wirsberg gewährt. mini|Rathaus von 1748 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut unter Fürstbischof A. F. von Ingelheim und K. von Greiffenclau mini|Veitshöchheim 1898 mini|hochkant=1.65|Schloss Veitshöchheim, erbaut von 1680 bis 1682
Das Schloss Veitshöchheim wurde in den Jahren 1680 bis 1682 unter dem Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach erbaut und von 1749 bis 1753 durch Balthasar Neumann erweitert. Mit der Anlage des Hofgartens, der zum Schloss gehört, begann man 1702. Die heute noch erhaltene Pfarrkirche St. Vitus wurde 1691 eingeweiht, die Veitshöchheimer Synagoge in den Jahren 1727 bis 1730 erbaut.
Im Jahr 1814 fiel der Ort endgültig an das Land Bayern, nachdem er nur neun Jahre zuvor zum Großherzogtum Würzburg kam. Die Gemeinde wurde in ihrer heutigen Form im Zuge der bayerischen Verwaltungsreformen 1818 gebildet. Der Bahnhof Veitshöchheim mit Königspavillon wurde 1853 und 1854 unter Maximilian II. von Bayern erbaut.
20. Jahrhundert Zu Beginn der NS-Zeit lebten etwa 35 jüdische Bürger in Veitshöchheim. Beim Novemberpogrom 1938 blieb die Synagoge unbeschädigt, da sie bereits im Frühjahr 1938 in kommunalen Besitz übergegangen war. Das Gebäude diente zunächst als Garage und dann als Feuerwehrdepot; das Obergeschoss wurde als Wohnraum genutzt. Die Häuser der jüdischen Einwohner wurden zerstört und verwüstet. Bei Kriegsbeginn hatten die meisten jüdischen Einwohner Veitshöchheim bereits verlassen; ein Teil war emigriert, der andere in größere Städte verzogen. Die sieben Anfang 1942 noch hier lebenden Juden wurden im Laufe des Jahres nach Izbica bei Lublin bzw. nach Theresienstadt deportiert. Seit den 1990er Jahren dient das ehemalige Synagogengebäude als „Jüdisches Kulturmuseum und Synagoge“. Sie ist die einzig vollständig eingerichtete historische Synagoge im Raum Unterfranken. Seit 2009 wurden vom Künstler Gunter Demnig 15 Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes verlegt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1976 die Gemeinde Oberdürrbach aufgelöst: Gadheim kam zu Veitshöchheim, alle übrigen Gemeindeteile wurden in die Stadt Würzburg umgegliedert.
Einwohnerentwicklung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 8623 auf 9652 um 1029 Einwohner bzw. um 11,9 %. 2003 hatte die Gemeinde 10.188 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 44,3 % der Einwohner katholisch, 18,0 % evangelisch, und 37,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion) Der Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Am Stichtag 31. Dezember 2025 waren nach Angaben des Einwohnermeldeamtes 40 % der Einwohner katholisch, 16 % evangelisch und 44 % waren konfessionslos oder gehörten einer sonstigen Glaubensgemeinschaft an.aktuelle Jahreschronik 2025 mit den Daten des Einwohnermeldeamtes, abgerufen am 27. Juni 2026
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Veitshöchheim hat seit 1. Mai 2020 wieder 20 Mitglieder, da die Einwohnerzahl nun unter 10.000 beträgt (bis April 2020: 24 Gemeinderäte). Die Wahl am 15. März 2020 hatte folgendes Ergebnis:Gemeinderatswahl 2020, abgerufen am 13. Juli 2020 Partei / Liste Sitze Stimmenanteil CSU/Veitshöchheimer Mitte 9 43,48 % GRÜNE 5 22,22 % SPD 3 16,36 % Unabhängige Wählergemeinschaft – Freie Wähler Veitshöchheim 3 15,54 % FDP 0 2,41 % Gesamt 20 100 % Die Wahlbeteiligung betrug 59,35 %.
Gegenüber der Amtszeit 2014 bis 2020 verkleinerte sich der Gemeinderat um vier Sitze. Während die Grünen zwei Sitze dazugewannen, verlor die SPD vier Sitze. Die CSU/Veitshöchheimer Mitte sowie die Unabhängige Wählergemeinschaft/Freie Wähler Veitshöchheim mussten jeweils einen Sitz abgeben.
Bürgermeister Jürgen Götz (CSU/Veitshöchheimer Mitte) ist seit 1. Mai 2014 Erster Bürgermeister. Dieser wurde am 15. März 2020 ohne Gegenkandidat bei einer Wahlbeteiligung von 59,3 % mit 92,12 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.Bürgermeisterwahl 2020 Sein Vorgänger war Rainer Kinzkofer (SPD), der seit 10. September 1986 an der Spitze der Gemeinde gestanden war und 2014 nicht zur Wiederwahl antrat.21 Jahre Bürgermeister Rainer Kinzkofer. (PDF; 18,5 MB)
Wappen
Gemeindepartnerschaften
mini|Hinweisschild in der französischen Partnergemeinde Pont-l’Évêque Geithain (Sachsen) seit 1990 Greve Chianti (Italien) seit 1994 Pont-l’Évêque (Frankreich) seit 1995 Rotava (Tschechien) seit 2006
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Großer See mit Musenberg im Rokokogarten Museen Jüdisches Kulturmuseum mit Synagoge
Bau- und Bodendenkmäler
Der Hofgarten des Schlosses Veitshöchheim gilt als einer der schönsten Rokoko-Gärten in Europa. Die Gartenfiguren stammen von Ferdinand Tietz Schloss Veitshöchheim, 1680–1682 von Fürstbischof von Dernbach errichtet; 1749–1753 durch Balthasar Neumann erweitert Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim Pfarrkirche St. Vitus Erwin-Vornberger-Platz Bahnhof mit Königspavillon (erbaut 1854) Dreifaltigkeitsbildstock Katholisches Pfarrhaus Fürstbischöfliche Kellerei, sehenswert ist der alte Gewölbekeller Martinsbrunnen (Märzebrünnle), der älteste Brunnen der Gemeinde Martinskapelle, eine der ältesten Kirchen im Landkreis Würzburg Eremitenmühle Markuskapelle (Gemeindeteil Gadheim) Schaugarten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (An der Steige) Kuratiekirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit (Gartensiedlung) Mainfrankensäle
Regelmäßige Veranstaltungen Das Altortfest war ein alljährlich im Sommer stattfindendes Fest, wird aber nicht mehr veranstaltet.Veitshöchheim: Altortfest abgesagt. In: Mainpost. 12. Juni 2009. Fastnacht in Franken, die Prunksitzung des FVF, die jährlich vom Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird, macht den Ort auch überregional bekannt. Tag der offenen Tür der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, alle zwei Jahre am ersten Sonntag im Juli im jährlichen Wechsel mit dem Standort in Bamberg. „Letzte Fuhre“, ein Weinfest
Besonderes Die Aussicht von der Mainpromenade auf das gegenüberliegende „Gartendorf“ Margetshöchheim. Die Maintalbrücke Veitshöchheim der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg wurde 1986 im Guinness-Buch der Rekorde als längste jemals im einseitigen Taktschiebeverfahren gebaute Brücke erwähnt.Guinness Buch der Rekorde. Ullstein-Verlag, 1990, S. 189.K. Flügel: Der Bau der Maintalbrücke Veitshöchheim – ein neuer Weltrekord im Taktschieben.
Wirtschaft und Infrastruktur Arbeitsplätze 2017 gab es in der Gemeinde 3882 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 3552 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 330 Personen größer als die der Auspendler. 144 Einwohner waren arbeitslos. Ein großer Arbeitgeber vor Ort ist der Automobilzulieferer Wegmann Automotive.
Verkehr mini|Die 1280 m lange Maintalbrücke Veitshöchheim Der Altort ist eine verkehrsberuhigte Zone. Der gesamte Ort ist so gelegen, dass nur Einwohner und Touristen in den Altort fahren. Die meistbefahrene Straße Veitshöchheims ist die Kreisstraße WÜ 3, die von der B 27 durch den Ortbereich über Güntersleben nach Rimpar führt. Seit 1967 überspannte der Ludwig-Volk-Steg den Main, der 2025 außer Betrieb ging und durch den Höchheimer Mainsteg ersetzt wurde.
Straße Veitshöchheim liegt direkt an der B 27 von Würzburg nach Fulda. Die Entfernung zu Würzburg beträgt etwa 6 km. In der Nähe befinden sich die Autobahnen A 3 und A 7.
Bus und Bahn Veitshöchheim ist durch Busse und Bahnen an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden. Aus Würzburg führen zwei Buslinien nach Veitshöchheim (Linie 11 und 19). Außerdem besitzt der Ort einen Bahnhof an der Main-Spessart-Bahn, der von der Regionalbahn stündlich bedient wird. Die Maintalbrücke Veitshöchheim der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg führt in unmittelbarer Nähe am Hofgarten vorbei.
Personenschifffahrt Zwischen April und Oktober verkehren mehrmals täglich Personenschiffe im Linienbetrieb nach Würzburg. Die Fahrtdauer bis zur Anlegestelle am Alten Kranen beträgt etwa 45 Minuten.
Carsharing Seit November 2016 gab es im Altort auf dem Parkplatz nördlich des Bahnhofs und der Bücherei ein Carsharing-Auto. Zum 15. Februar 2019 wurde das Angebot wegen zu geringer Resonanz ersatzlos eingestellt.
Ladestationen
Es gibt drei Ladesäulen für Elektrofahrzeuge im Altort und eine in Gadheim.
Weinbau
Mit dem Veitshöchheimer Sonnenschein verfügt man über eine „VDP Erste Lage“. Einziges örtliches Weingut ist das Weingut Hessler in der Wolfstalstraße.
Öffentliche Einrichtungen Bildungseinrichtungen Grundschule Veitshöchheim mit der Vitusschule als Dependance im Altort. Mittelschule Veitshöchheim Gymnasium Veitshöchheim Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Rupert-Egenberger-Schule zur individuellen Lernförderung Berufsförderungswerk Würzburg (Berufsbildungseinrichtung für Blinde und Sehbehinderte) Caritas Berufsbildungswerk Don Bosco für Gärtner und Hotelfachkräfte, Außenstelle St. Markushof Sing- und Musikschule Bücherei im Bahnhof
Freizeit- und Sportanlagen Geisbergbad (Freibad)