Gerhard Gollwitzer (* 7. Juni 1906 in Pappenheim, Mittelfranken; † 13. April 1973 in Mühlheim (Mörnsheim)) war ein deutscher Kunstpädagoge, Schriftsteller und politischer Aktivist.
Leben Gerhard Gollwitzer, der Bruder des Theologen Helmut Gollwitzer sowie der Landschaftsarchitektin Gerda Gollwitzer, stammte aus einem lutherisch-protestantischen Pfarrhaushalt in Bayern. Als Schüler war er Mitglied in der Jugendbewegung (Wandervogel). Nach dem Abitur am Realgymnasium Augsburg studierte er 1925–1929 an der Schule für bildende Kunst Starnberg, dann an der Akademie der Bildenden Künste München und zuletzt an der Staatlichen Kunstschule und TH Berlin. Danach war er freiberuflich als Maler und Bildhauer tätig. 1930 und 1931 nahm Gollwitzer am „Seminar für das Zeichenlehrfach“ an der Luitpold-Oberrealschule München teil. Er schloss die Ausbildung mit dem „Staatsexamen für Zeichnen und Kunstunterricht“ ab.
Von 1931 bis 1937 war Gollwitzer als Kunsterzieher im süddeutschen Landerziehungsheim Schondorf am Ammersee angestellt. Die dortige Verbindung von Unterricht und Erziehung, die Betreuung der jungen Erwachsenen beim Theaterspiel und an den Heimfesten prägten den später für ihn typischen komplexen Ansatz seiner Lehre. Aus dem „besonderen Unterricht für die Begabten“ in den Oberklassen erwuchsen ihm selbst viele Anregungen.
Im November 1933 trat Gollwitzer auf Druck der NSDAP hin der Partei bei – in der Hoffnung, das Niveau der ideologisch geprägten ästhetischen Debatte positiv beeinflussen zu können. Bald erkannte er die Aussichtslosigkeit des Versuches und trat 1934 wieder aus. 1937 musste Gollwitzer auf Veranlassung der NSDAP das Landerziehungsheim und Bayern verlassen. Günther von Pechmann, Direktor der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM), berief ihn zum künstlerischen Mitarbeiter.
Leistungen Ab 1941 wurde Gollwitzer künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur. In diesen Jahren entstanden Tafel- und Tee-Service, Vasen, Wandplatten und Tische nach Entwürfen und Modellen von Gollwitzer mit Landschafts-, figürlichen- und Pflanzenmotiven. Die Ausbildung der Dreher-, Former- und Malerlehrlinge, sowie die Betreuung der Porzellanmaler unterstand seiner Leitung. Seit 1941 arbeitete er auch für die Staatliche Glasmanufaktur Karlsbad. Vasen und Trinkgläser wurden nach seinen Entwürfen angefertigt. Im November 1943 wurde sowohl die Porzellanmanufaktur als auch Gollwitzers Wohnung durch Bombenangriffe zerstört. Die Manufaktur wurde nach Selb verlagert. Gollwitzer leitete die Verlagerung der Malerei mit Lehrlingsabteilung und den Neuaufbau der Werkstätten in Karlsbad, die er bis zur Auflösung im Mai 1945 führte.
Im Oktober 1945 wurde er nach kurzem Verfahren auf Grund seiner trotz des NSDAP-Zwischenspiels andauernden NSDAP-Gegnerschaft entnazifiziert. 1946 berief Kultusminister Theodor Heuss Gollwitzer als Leiter der Abteilung für die allgemeine künstlerische Ausbildung an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 1947 folgte seine Frau, Lalita Gollwitzer, mit den drei Kindern nach.
In den nun folgenden 22 Jahren seiner Lehrtätigkeit an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste entfaltete Gollwitzer ein weitgespanntes Wirkungsfeld. Neben der Hochschularbeit, zu der auch die Leitung des Studiengangs Kunsterziehung zählte, initiierte er viele Kunstseminare, wie die „Werkwoche Junge Kunst“, „Bildnerische Spiele“ für die Ingenieure der Firma Bosch, für den „Bund der Köngener“, den „Freideutscher Kreis“ und das „CJD“. In Zusammenarbeit mit dem Otto-Maier-Verlag Ravensburg erschienen mehrere Zeichen- und „Seh“-Schulen wie auch Maler- und Bildhauer-Quartette.
1968 beendete Gollwitzer aus Gesundheitsgründen vorzeitig seine Lehrtätigkeit und zog sich mit seiner Frau zurück in seine fränkische Heimat, nach Mühlheim (Mörnsheim) im Landkreis Eichstätt. Nach einem Schlaganfall verstarb er hier.
Schüler
Künstler der Moderne bekamen durch Teilnahme in Gollwitzers Akademie-Grundklasse Impulse, z. B. Sigrid Baumann-Senn, Alfred Bast, Gerlinde Beck, Heribert Bücking, Robert Förch, Eberhard Linke, Georg Karl Pfahler und Malte Sartorius.
Politik Gollwitzer war über Jahre aktiver Teil der Ostermarschbewegung. Er zählt zu den Mitgründern der DFU. Gollwitzer war gleichzeitig tief religiös, geprägt u. a. durch Emanuel Swedenborg.
Zitate (aus „Die Kunst als Zeichen“, Chr. Kaiser-Verlag München)
Schriften mini|Gollwitzers Grab, Friedhof Sankt Cyriakus Largus und Smaragdus - Mühlheim bei Mörnsheim Die Kunst als Zeichen; München: Chr. Kaiser, 1958 Freude durch Zeichnen; Ravensburg: Otto Maier, 1959 Zeichenschule für begabte Leute; Ravensburg: Otto Maier, 1959 Der Kreis spricht; Tübingen: Ernst Wasmuth, 1962 Indisches Bilderbuch; Stuttgart: J. Fink, 1963 Gollwitzer-Kowalski. Wege zur Bildenden Kunst; Stuttgart: Ernst Klett, 1965 Schule des Sehens; Ravensburg: Otto Maier, 1966 Gegenständliches Zeichnen; Ravensburg: Otto Maier, 1967 Die Menschengestalt; Stuttgart: Ernst Klett, 1967 Der Werkstattbesuch I/II; Ratingen: Aloys Henn Rembrandt Hundertguldenblatt; Stuttgart: Evangelisches Verlagswerk, 1969 Augen auf für Architektur; Ratingen: Aloys Henn, 1973Der Autor selbst hat das Erscheinen dieses als Lehr-, Lese- und Bilderbuch für Kunstfreunde und Lehrer apostrophierten Bandes nicht mehr erlebt, siehe: Akademie-Mitteilungen 4: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: für die Zeit vom 1. April 1973 bis 31. Oktober 1973. Hrsg. von Wolfgang Kermer. Stuttgart, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, November 1973, S. 22 Die durchsichtige Welt – Ein Swedenborg Brevier; Zürich: Swedenborg, 1966 Die Geisterwelt ist nicht verschlossen; Zürich: Swedenborg Briefe einer Freundschaft – Karl Scheffler und Gerhard Gollwitzer 1933–1951; Stuttgart, Dresden: 2002 (Privatdruck)
(Der schriftliche Nachlass Gollwitzers wird weitgehend im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, verwahrt.)
Literatur Birgit Jooss: Gerhard Gollwitzer: Grafikcollage für das Buch „Schule des Sehens“. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Hrsg. von G. Ulrich Großmann, Nürnberg 2013, S. 308–311.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Kunstpädagoge Kategorie:Hochschullehrer (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) Kategorie:Maler (Stuttgart) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:DFU-Mitglied Kategorie:Person (Pappenheim) Kategorie:Künstler (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin)