mini|Neun Die Neun (9) ist die natürliche Zahl zwischen Acht und Zehn. Sie ist ungerade, eine Quadratzahl sowie die höchste einstellige Zahl im Dezimalsystem. Neben dieser mathematischen Definition hat die Neun auch symbolische Bedeutungen.

Sprachliches Das Zahlwort neun könnte vielleicht zu der indogermanischen Wurzel für neu gehören. Demnach hätte man mit je vier Fingern einer Hand gezählt und bei der Neun „neu“ zu zählen angefangen (vgl. hierzu Acht).

Das lateinische Wort für neun, novem mit der Ordnungszahl nonus (der neunte) fand Eingang in Fremdwörter wie None (Intervall), Nonett (Ensemble) und November (ursprünglich der neunte Monat). Die lateinischen Zahlwörter für 19, 29 bis 89 werden – wie bei octo (8) – nicht mit novem gebildet, sondern umschrieben, z. B. un-de-viginti für 19, wörtlich: 1 von 20 (abgezogen).

Das Präfix ennea findet sich als Fremdwortelement mit der Bedeutung „neun“ in mehreren deutschen Fremdwörtern wieder. Die Etymologie des Wortes lässt sich in der altgriechischen Sprache verorten, wo es mit der Präfixkombination „ennea-“ gebildet wurde. Das Wort findet sich insbesondere in Begriffsbildungen der Mathematik, Geometrie, Mythologie und Systematik wieder.

Im Folgenden werden Beispiele für Fremdwörter mit „ennea“ erläutert.

Das Enneagramm ist ein Modell, das sich durch neun verschiedene Punkte oder Spitzen auszeichnet. Der Begriff "Enneade" (ἐννέα) bezeichnet in der Ägyptologie eine Gruppe oder Einheit von neun Elementen oder Personen. Er findet vor allem in der altägyptischen Mythologie Anwendung. Ein Enneagon, ein Begriff aus den Bereichen Mathematik und Geometrie, bezeichnet ein Neuneck, also ein Polygon mit neun Seiten. Der wissenschaftliche Name der Gattung der Fische mit der Bezeichnung "Enneacanthus" verweist auf die charakteristische morphologische Besonderheit, die neun Stacheln. Der Begriff "Enneastyl" wird in der Architektur im Zusammenhang mit Tempelbauten verwendet und bezeichnet dabei ein Bauwerk, das sich durch neun Säulen in der Front auszeichnet.

Die vorliegende Terminologie ist in hohem Maße fachspezifisch oder wissenschaftlich geprägt und findet im alltäglichen Sprachgebrauch kaum Anwendung.

Die Zahl 9 gilt im Japanischen als Unglückszahl: 9, wenn ku ausgesprochen, ist ein Homophon für „Leiden“. Tet, eigentlich Teth (טית) ist der neunte Buchstabe im hebräischen Alphabet. Er hat den Zahlenwert 9.

Mathematik Neun ist die kleinste ungerade zusammengesetzte Zahl und die kleinste ungerade zusammengesetzte Zahl, die keine fermatsche Pseudoprimzahl ist. Sie ist die kleinste natürliche Zahl n, für die sich jede nichtnegative ganze Zahl als Summe von höchstens n positiven Kubikzahlen darstellen lässt (siehe: Waringsches Problem), und die kleinste positive natürliche Zahl n, für die n Quadrate paarweise verschiedener positiver Kantenlänge existieren, die sich zu einem Rechteck zusammensetzen lassen.

Die Neun ist die Ziffer, welche (im dezimalen Zahlensystem) nach Multiplikation mit einer beliebigen ganzen Zahl (außer 0) als einstellige Quersumme grundsätzlich immer selbst auftritt, sowie die Zahl, welche zu jedweder anderen (außer 0 und -9) addiert, als einstellige Quersumme das gleiche Ergebnis liefert wie die Ausgangszahl selbst – sie verhält sich also quasi neutral. Dieses Verhalten hat sie nur mit der Null gemeinsam. Der Beweis für das Verhalten bei der Addition kann mit Hilfe der Beobachtung geführt werden, dass die Summe einer einstelligen Zahl (ungleich 0) und 9 immer eine Zahl ergibt, die aus den Ziffern 1 und der um 1 verminderten Ausgangszahl besteht (Beispiel: ). Das Verhalten bei der Multiplikation mit 9 ergibt sich dann daraus, dass sich eine mit 9 multiplizierte Zahl immer als 9+9+9+…+9 darstellen lässt, da die Quersumme von Neun 9 ist, ist dann die Quersumme von ebenso und so weiter (Beweis mit vollständiger Induktion). Andere Zahlen verhalten sich allerdings ebenso in den entsprechenden Zahlensystemen, beispielsweise Acht in einem Neuner-Zahlensystem.

Es gibt neun zweistellige Palindromzahlen: {11, 22, 33, 44, 55, 66, 77, 88, 99}

Die Neun ist außerdem eine Størmer-Zahl.

Das Neun-Punkte-Problem ist eine Aufgabenstellung der Mathematik und aus dem Bereich des praktischen Problemlösens in der Denkpsychologie. Die Aufgabe besteht darin, neun quadratisch angeordnete Punkt-Flächen mit einem Stift durch vierRainer Maderthaner: Psychologie, S. 250, ISBN 3-8252-2772-3 () bzw. vier oder wenigerWilly Desaeyere: Think tank, ACCO Leuven 1998, ISBN 90-334-4051-2, S. 101ff. (englisch, ) gerade Linien zu verbinden, ohne den Stift abzusetzen.

Buchhaltung In der Buchhaltung lässt die Tatsache, dass eine vorgefundene Differenz entweder neun oder ein Vielfaches davon beträgt (Quersumme = Neun), darauf schließen, dass es sich um einen Zahlendreher handeln könnte.

Die Neunerprobe ist ein Verfahren zum Nachweis einer fehlerhaften Addition, Subtraktion oder Multiplikation. Es gibt auch den Begriff Neunerrest für den Rest einer Zahl, den sie bei Division durch 9 lässt.

Ein Beispiel für die buchhalterische Prüfung ist im Folgenden dargestellt: 83 → 38, Differenz , Quersumme .

Naturwissenschaft Astronomie Das Sonnensystem hatte von 1930 bis 2006 neun Planeten, mit jeweiliger mythologischer und astrologischer Bedeutung, wobei Uranus, Neptun, Pluto in der Antike unbekannt waren. Pluto wurde 2006 der Planetenstatus aberkannt. Der Begriff Planet Neun bezeichnet einen bisher nicht direkt nachgewiesenen, hypothetischen Planeten im äußeren Sonnensystem, der weit außerhalb der Umlaufbahn von Neptun vermutet wird. Bislang wurde Planet Neun jedoch noch nicht beobachtet; es handelt sich um eine Hypothese der Planetenforschung.

Biologie Das Zahlwort Neun taucht in der Biologie vor allem bei der Benennung besonderer Körpermerkmale oder auffälliger Verhaltensweisen auf.

Die fischähnlichen Neunaugen verdanken ihren Namen der Tatsache, dass ihre sieben Kiemenöffnungen zusammen mit der Nasenöffnung und den echten Augen wie neun Augen wirken. Der Vogel Neuntöter hingegen erhielt seinen deutschen Namen, weil er seine Beutetiere als Vorrat auf Dornen oder Stacheln spießt, was den Volksglauben hervorrief, er töte neun Tiere, bevor er eines davon frisst. Das Neunbinden-Gürteltier schließlich ist ein Säugetier, dessen Rückenpanzer aus etwa neun beweglichen Bändern besteht. mini|Eudontomyzon danfordi

Chemie In der chemischen Nomenklatur steht das Präfix „non-“ für die Zahl neun, beispielsweise bei Molekülketten mit neun Atomen wie „Nonan“ für ein Alkan mit neun Kohlenstoffatomen. Die Präfixe spielen eine Rolle bei der Benennung von Molekülen, vor allem in der organischen Chemie, um die Anzahl gleichartiger Atome oder Gruppen im Molekül zu bezeichnen (z. B. „nonan“ für 9 C-Atome, „nonavalent“ für neunwertig). Nonapeptide sind Peptide, die aus neun Aminosäuren bestehen.

Im Bereich Gefahrgut steht die Ziffer "9" in Gefahrnummern für die "Gefahr einer spontanen heftigen Reaktion". Diese Ziffer ist beispielsweise auf Warntafeln beim Transport gefährlicher chemischer Stoffe zu finden. Sie signalisiert die Möglichkeit von explosiven, gefährlichen Zerfalls- oder Polymerisationsreaktionen.

Das Element mit der Ordnungszahl 9 ist Fluor (Elementsymbol: F). Diese Ordnungszahl bedeutet, dass ein Fluor-Atom 9 Protonen und im Grundzustand 9 Elektronen besitzt.

Mythologie und Religion mini|Das auf einem Neuneck beruhende Haus der Andacht der Bahai in Delhi

Die Neun gilt als Zahl der Vollkommenheit, da sie dreimal die in vielen Kulturen als »göttlich« angesehene Zahl Drei enthält. In der Zählung des Zehnersystems ist die 9 die höchste, also vollendete einstellige Zahl.Paul Naudon: Les Loges de Saint Jean et la Philosophie esoterique de la Connaissance > „In der gesamten Antike wurde die 9 als vollkommene Zahl angesehen, weil sie, die Reihe der einfachen Zahlen beendend, dise vervollständigt.“Reinhard Federmann: Die königliche Kunst. Eine Geschichte der Alchemie. Wien: Neff 1964. In der ägyptischen Mythologie gibt es die Enneade von Heliopolis, die Neunheit der Schöpfergottheiten nach der Kosmogonie der Priester in der ägyptischen Stadt Heliopolis. Das Symbol der Bahai ist ein neunzackiger Stern und steht für die Einheit der Menschheit und die Einheit der Religionen. Die Architektur des Gotteshauses der Bahai, dem Haus der Andacht, ist ein neunseitiger Kuppelbau mit neun Eingängen. Die besondere Bedeutung der Zahl neun ist mit dem Abdschad (Zahlensystem)-Wert des arabischen Wortes Baha (deutsch: Herrlichkeit) zu erklären, der ebenfalls neun ist. Die Chanukkia, ein neunarmiger Leuchter, ist ein wichtiges Symbol des Judentums. Avicenna: „Wisse, daß jedwede Zahl nichts anderes ist als 9 oder ein Vielfaches davon, zuzüglich eines Darüberhinausgehenden. Wer das Darüberhinausgehende und den Multiplikator von Neun kennt, der kennt das Wesen und die Zahl in jeder Beziehung.“ Kabbalistisch ist die 9 die Verwirklichung jedes Gleichgewichts, die Vollkommenheit. Es ist das Zeichen jedes Umkreises (360 Grad, Quersumme = 9), es ist die Sphäre des Universums, des Makrokosmos.

Asiatische Mythologie Die Zahl Neun taucht in der indischen Kultur und Mythologie häufig auf. So gibt es beispielsweise in der indischen Astrologie neun Einflussfaktoren. Im Vaisheshika-Zweig der hinduistischen Philosophie gibt es neun universelle Substanzen oder Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer, Äther, Zeit, Raum, Seele und Geist. Navaratri ist ein neuntägiges Fest, das den neun Formen der hinduistischen Göttin Durga gewidmet ist. Jeder Festtag ist mit einer der neun Inkarnationen (Avatare) der Göttin verbunden.

Im Tengrismus, der alten Mythologie der Mongolen und Turkvölker, besteht die Welt aus Himmel, Erde und Unterwelt. Die Unterwelt und der Himmel werden üblicherweise in jeweils neun Stufen eingeteilt (der Himmel in bis zu 17 Stufen).Larry Moses: Triplicated Triplets: The Number Nine in the „Secret History“ of the Mongols. In: Asian Folklore Studies, Band 45, Nr. 2, 1986, S. 287–294. Auch der Weltenbaum hat neun Äste. Der Schamane stimmt beim Erklimmen des Baumes einen Obertongesang an. Bei jedem Ast, den er erklommen hat, erhöht er die Fußnote seines Gesanges. Julie Stewart: Mongolischer Schamanismus (= A Course in Mongolian Shamanism – Introduction 101). Golomt Center for Shamanist Studies, Ulaanbaatar, Mongolei, 3. Oktober 1997 (englisch)

China In China gilt die Neun als besonders machtvolle, den Himmel und das Yang-Prinzip verkörpernde Zahl.Jean DeBernardi: Religious Commodifications in Asia. Marketing Gods. In: Pattana Kitiarsa (Hrsg.), S. 57. (englisch)

In der chinesischen Zahlensymbolik ist die Zahl Neun eng mit dem chinesischen Drachen verbunden, der als Symbol für Magie und Macht gilt. Es existieren neun Formen des Drachens, er wird mit neun Eigenschaften beschrieben und hat neun Kinder. Der chinesische Drache vereint in sich die Merkmale von neun verschiedenen Tieren: Neben einem Schlangenhals besitzt er den Kopf eines Kamels, die Hörner eines Hirschs, die Ohren einer Kuh, den Hinterleib einer Muschel, die Schuppen eines Fisches, die Klauen eines Adlers, die Augen des Hasen und die Tatzen des Tigers.Hans Schöpf: Fabeltiere. 1988, S. 27–64; Lutz Röhrich: Drache, Drachenkampf, Drachentöter. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 3, Gruyter, Berlin/New York 1981, S. 790; Sheila R. Canby: Drachen. S. 42–46. John Cherry: Fabeltiere. S. 36–37. Die Zahl 117 steht für die Gesamtheit der Schuppen, die sich wie folgt aufteilen: 81 Yang-Schuppen, die mit der männlichen, himmlischen Energie assoziiert werden, und 36 Yin-Schuppen, die mit der weiblichen, irdischen Energie in Verbindung gebracht werden. Alle drei Zahlen sind Vielfache von 9: 9 × 13 = 117, 9 × 9 = 81 und 9 × 4 = 36.

Das Fest der neun Kaisergötter ist ein Fest daoistischen Ursprungs, das von Auslandschinesen gefeiert wird. Es findet an den ersten neun Tagen des neunten Monats nach dem chinesischen Mondkalender statt. Die „neun Kaisergötter“ entsprechen dem im Westen als großer Bär bekannten Sternbild.