mini|350px|Buchenwald in der Rhön Buchonia, auch Buchengau genannt, ist das Gebiet der nördlichen Rhön und des Fuldaer Beckens, ungefähr identisch mit dem heutigen Osthessen, zeitweise auch des südlichen Vogelsberges bis zur Wetterau.

Buchonia ist ein ursprünglich keltisch besiedeltes Waldgebiet und später ein fränkischer Gau. In der römischen Geschichtsschreibung ist Buchonia ein Waldgebiet nördlich des Limes, die erste Nennung ist im Jahr 53 v. Chr. belegt. Ab dem 8. Jahrhundert findet der Untergau des fränkischen Grabfeldgaus als politisches Verwaltungsgebiet Erwähnung.

Der Name Buchonia ist bis heute im hessischen, besonders im osthessischen Raum, zur Präzisierung der Herkunft und zur Verdeutlichung der Verbundenheit mit dieser historischen Region gebräuchlich.

Namensherkunft Die Namensherkunft ist sprachgeschichtlich noch nicht geklärt. Nach verschiedenen Quellen ist es nicht das Buchenland, sondern aufgrund einer keltischen oder noch älteren Wortbedeutung das Hügelland.Buchenblätter, Beilage der Fuldaer Zeitung für Heimatfreunde. Ist Buchonia ein Buchenland? Nr. 1, 80. Jahrgang v. 27. Januar 2007.

Hügelland Erste Siedlungsfunde sind aus der Zeit des Neolithikums (5700–2200 v. Chr.) und der Frühbronzezeit (2200–1500 v. Chr.) belegt. Seit der Hallstattzeit (750–450 v. Chr.) wurde die Region von Kelten, auf der Milseburg (Oppidum Milseburg) und der Steinsburg in der Rhön, sowie am Glauberg in der Wetterau besiedelt. Der Name „Buchonia“ kann sich von deren Bezeichnung für „gebirgiges Waldgebiet“ (Hügelland oder Buckelland) ableiten.Schneiders Rhönführer, offizieller Führer des Rhönklubs. Verlag Parzeller, Fulda, ISBN 3-7900-0365-4., Kelten in der Rhön. Kopie der ursprünglichen Seite; abgerufen am 3. Juli 2015.

Gemäß diesen Quellen lautete der ursprüngliche Name „silva Bocauna“ oder „Bucauna“, entsprechend den angeblich keltischen „bok (Berg)“, „bohil oder buhil (bühl Hügel)“, „melibokus (großer Berg)“

Dies bezieht sich möglicherweise auf eine Publikation aus dem Jahre 1841 mit damals noch geringen keltischen Kenntnissen. Ein keltisches Wort „bok“ ist nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung weder in der altkeltischen (gallisch, keltiberisch, lepontisch) noch in einer mittelalterlichen und modernen Sprache nachgewiesen, könnte sich jedoch im Namensschatz des Fuldaer Landes im Laufe der langen Besiedelungsgeschichte erhalten haben. Konkrete Nachweise sind schwierig, da das Gebiet nicht zum Römischen Reich gehörte und die römischen Schriftsteller nur vage berichteten. Weiterhin sind die Quellen aus der Völkerwanderungszeit zwischen dem Zusammenbruch der Römerherrschaft und der fränkischen Neuorganisation für das Gebiet spärlich.Stefan Zimmer: Buchonia und die Kelten – eine Stellungnahme. Zu „Ist Buchonia ein Buchenland“. In: Buchenblätter. Beilage der Fuldaer Zeitung für Heimatfreunde. Nr. 8, 80. Jahrgang v. 17. April 2007.

Buchenland mini|250px|Beispiel der Waldentwicklung aufgrund von Pollenanalysen im Schwarzen Moor in der Rhön. „Silva bacenis“, der Buchenwald, taucht in der römischen Geschichtsschreibung erstmals im Jahr 53 vor Christus als Gebietsangabe auf.

Buchenland ist ein Wandel der Bedeutung im Verlauf der Geschichte, die ursprüngliche Bedeutung wurde durch den Sinngehalt der mit Buchen bewaldeten Region ersetzt. Spätestens seit dem 8. Jahrhundert wird Buchonia nur noch mit Land der Buchen oder der Buchenwälder übersetzt, was die bestandsbildende Vegetation aufgreift. Dies belegen Untersuchungen zur Waldentwicklung aufgrund von Pollenanalysen im Schwarzen Moor in der Hochrhön. Diese weisen, zumindest für das Gebiet der Hochrhön, seit der frühen La-Tène-Zeit eindeutig die Buche als bestandsbildend aus.

Eihloha Der Teilbereich des Fuldaer Beckens trug den Namen Eihloha, der Eichenwald. Diese Bezeichnung ist aus der Gründung des Klosters Fulda im Jahre 744 durch Sturmius überliefert. Das Kloster wurde an der Stelle eines merowingischen Königshofes gegründet (Karlmann-Schenkung).Bistum Fulda – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Herausgegeben vom Domkapitel in Würdigung des apostolischen Dienstes von Bischof Dr. Eduard Schick (1975–1983) Ab 813 wird für Fulda ebenfalls Buchonia genannt.

Diese Namensänderung ist als Folge einer Bestandsveränderung von Naturwäldern in Mitteleuropa von Forstwissenschaftlern schon früh untersucht worden. Im ersten Jahrhundert wurde die bestandsbildende Eiche, bisher begünstigt durch mildes Klima, durch die Buche, resistent gegen strengere Klimaausschläge und mit geringerem Lichtbedürfnis, verdrängt. Dieser Prozess wurde nur langsam in den Sprachgebrauch übernommen.

Sonstiges Die Brüder Grimm verbinden die Namensherkunft aufgrund der Buchen in ihrem Deutschen Wörterbuch auch mit der osteuropäischen Landschaft Bukowina.

Neben Buchonia finden sich allgemein die weiteren Bezeichnungen: Fagonia, Baconia, Boconia, Buconia, Bochonia, Buchovia, Buchapribramska.cz: , Bocauna, Bucauna und Bucino.

Diese Begriffe zeigen eine Verbindung der Bezeichnung „Buchonia“ mit den keltischen Ursprüngen der Landschaft – und damit die bedenkliche Herleitung des Namens von „ausgeprägten Buchenwäldern“.

Geographische Lage und Ausdehnung mini|Ungefähre Lage Buchonias Buchonia umfasste etwa das Gebiet zwischen den Kammlagen der Hochrhön im Süden, Bad Hersfeld im Norden und dem westlichsten Teil des Thüringer Waldes im Osten. Im frühen Mittelalter wird die Werra als östliche Grenze genannt. Als westliche Ausdehnung nennen unterschiedliche Quellen zu unterschiedlichen Zeiten den östlichen Vogelsberg und die Wetterau. Zwei Nennungen lassen eine zeitweilige nördliche Ausdehnung bis in den Kaufunger Wald vermuten.

Das Gebiet wurde durch einzelne Stämme in so genannten Siedlungskammern besiedelt, die Territorien wechselten ihre gesellschaftlichen und politischen Zugehörigkeiten. Grenzen nach heutigen Kriterien gab es nicht. Eine präzise Grenzziehung, die im Laufe der Geschichte ständiger Änderung unterworfen war, ist nicht möglich.

Nennungen in der römischen Geschichtsschreibung Im Auftrag Cäsars sollten Ubier die Siedlungsgebiete der Sueben erkunden, die sich in ein umfangreiches Waldgebiet zurückgezogen hatten. Es schützte diese vor den Angriffen der Cherusker. „Silva bacenis“, der Buchenwald, ist im Jahr 53 vor Christus die erste belegte Nennung im Bericht dieser Kundschafter.

Bucinobanten Die Bucinobanten waren ein alemannischer Volksstamm, der im Mainmündungsgebiet bis Mainz siedelte. Der hintere Namensteil leitet sich von der germanischen Raumbezeichnung „bant“ (Land, Bereich) ab. Die Grenze seiner zwei Untergaue Wetterau und Grabfeld geht u. a. durch den Bellinger Berg bei Steinau an der Straße.

Das Waldgebiet spielte noch im 4. Jahrhundert, als die Römer sich auf dem rechten Rheinufer, in der Wetterau, festgesetzt hatten, eine besondere Rolle. Ihre Fürsten Makrian und Bukinobaudes herrschten in der Wetterau.

Entwicklung Buchonias im fränkischen Reich Die Entwicklung Buchonias als politisch verwaltetes Gebiet beginnt mit der Entstehung des fränkischen Reiches unter den Dynastien der Merowinger und Karolinger ab dem 5. Jahrhundert.

Die ausgedehnte Wildnis wurde in einzelnen Gebieten genauer bestimmt und bezeichnet: Bramforst (Brombeerwald), von der Milseburg zur Haune Zunderenhart (Zunderwald), zwischen Fulda und Lütter bis zur Fliede Fugalesberc (Vogelsberg) Salzforst, südlich der Dammersfeldkuppe und dem Himmeldunkberg Rohanaha (Rehico, Ron, Rön), das Bergland begrenzt vom Bramforst, Zunderenhart und Salzforst zwischen Wasserkuppe und Ellenbogen. Kopie von Rhönklub Bischofsheim. Zugegriffen am 3. Juli 2015.

Im nördlichen Grenzgebiet gelegen war es weltgeschichtlich eher unbedeutend. Erwähnung findet im Jahre 498 die Ermordung des ripuarischen Fürsten Sigibert (der bis Buchonien herrschte), durch dessen Sohn Chloderich bei einer Lustreise durch Buchonien.

Der Sage nach hauste vor vielen Jahrhunderten im Zunderhart, einem großen, tiefen Wald zwischen Rhön und Vogelsberg, das „Wilde Heer“, das sich gegen seinen König erhoben hatte und aus seiner Heimat vertrieben wurde. Insbesondere der Ort Flieden, der am südlichen Rand des Zunderharts lag, wurde immer wieder von den wilden Horden heimgesucht...Das Wilde Heer und das „Königreich Flieden“: Gustav Damann in den Buchenblättern Fulda Nr. 9/1982.

Buchonia war kein eigenständiger Gau, sondern ein Untergau des fränkischen Grabfeldgaus. Die Verwaltung erfolgte durch deren Gaugrafen, für die Untergaue sind jedoch keine eigenen Gaugrafen bekannt.

Die Bezeichnung Buchonia taucht in der Fränkischen Grafschaftsverfassung von 741 auf, die Gaue waren dem Grabfeld angegliedert. In späteren Urkunden erscheinen sie immer wieder als so genannte Untergaue (Waldgaue): Buchonia / Buchenland Gau Tullifeld / Föhrengau Baringau / Eibengau Aschfeld / Eschengau.

Historische Urkunden enthalten mehrfach Buchonia-Nennungen. Es wird eine fortschreitende Aufteilung dieses Waldes sichtbar, an der der Hessengau, die Wettereiba, das Grabfeld und der angrenzende Saalegau beteiligt waren.

Zeitweise gehörte die Wetterau (Wettereiba) zum Buchoniagau. Gedern gehörte dem Gau Buchonia an und wechselte 797 n. Chr. zum Gau Wettereiba.Geschichte der Stadt Gedern; abgerufen am 17. Dezember 2006. (Eine Karte aus 1550 nennt ebenfalls Wettereiba als zu Buchonia gehörig.) Die Trennung ist sicher auch auf den steigenden Einfluss der Klöster Fulda (gegründet 744) und Lorsch (gegründet 763) zurückzuführen, es änderten sich die geographischen und geistlichen Mittelpunkte.gedern.com:

Die Karte „Gaue vor 900“ zeigt die Überschneidungen zwischen den einzelnen Gauen, ein Beleg für ständige Veränderungen.

Urkundenbelege ab 7xx n. Chr. Die Bezeichnung Buchonia findet sich in Urkunden, die die römische „in pago X – Formel“ (vgl. Pagus) übernommen haben.

In den Urkunden und Traditionsnotizen des 8. bis 12. Jahrhunderts werden in der Regel die angegebenen Orte durch den Zusatz „in pago X“ genauer lokalisiert. Diese Urkundenformel kommt aus dem westfränkischen Bereich und bezog sich dort auf die aus der Spätantike stammenden Einteilung der ehemaligen römischen Provinzen in städtische Zentren (civitates) und zugehörige Landkreise (pagi). Von den Urkunden-Schreibern wurden bei der Übertragung der „in pago X – Formel“ in die östlichen Teile des fränkischen Reiches Landschafts- und Bezirksnamen unterschiedlichster Art eingesetzt, die in der Forschung allgemein als Gaue bezeichnet werden, obwohl nur ca. ein Drittel der überlieferten Raumbezeichnungen mit dem Grundwort -gau gebildet ist. Die dadurch implizierte Gleichsetzung von „pagus“ und Gau ist jedoch vermutlich nicht richtig, da „pagus“ ein politischer, Gau dagegen eher ein geographischer Raumbegriff war. Für die Buchonianennungen bedeutet dies, dass eine politische Verwaltungseinheit zum jeweiligen Zeitpunkt nicht zwangsläufig gegeben ist, außer es gibt in der Urkunde noch weitere Hinweise.

Die frühen Nennungen der Gemeinden Schotten und Gedern im westlichen Vogelsberg belegen die damalige Zugehörigkeit der Wettereiba bis 797 n. Chr. zum Buchoniagau. Veränderungen durch die Christianisierung werden deutlich. Die ersten Schenkungen betreffen die Klöster Honau (bei Straßburg) und das Kloster Lorsch. Ab 781 n. Chr. wird in den Urkunden nur noch Fulda erwähnt.

Schotten (778 n. Chr.) Abt Beatus von Honau schenkte seinem iro-schottischen Kloster Honau bei Straßburg acht Kirchen, darunter eine, die sich bei den schottischen Mönchen befand („ad scotis“).

Gedern (780 n. Chr.)