Die Fondation Suisse de déminage (Eigenbezeichnung: FSD, deutsch: „Schweizerische Stiftung für Minenräumung“) ist eine schweizerische Nichtregierungsorganisation, die sich auf die Minenräumung spezialisiert hat.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 hat die FSD Einsätze in rund 30 Ländern auf vier Kontinenten durchgeführt. Ihre Programme stützen sich auf die folgenden vier Säulen: Humanitäre Minenräumung, Aufklärung über die Risiken von Sprengstoffen, Unterstützung von Opfern und Vernichtung von Blindgängern. Seit 1997 hat die FSD mehr als 1,4 Millionen Sprengkörper unschädlich gemacht.
Die Organisation hat ihren Sitz in Genf und beschäftigt nahezu 1.000 Mitarbeiter in sieben Ländern (Stand: 2024). Die FSD trägt seit 2003 das ZEWO-Gütesiegel, eine Schweizer Zertifizierung, die transparente und vertrauenswürdige Organisationen auszeichnet. Die Organisation ist auch nach ISO 9000:2015 zertifiziert.
Geschichte Die FSD wurde 1997 in Freiburg unter dem Namen „Fédération suisse de déminage“ von Michel Diot, Henri Leu, Hansjörg Eberle und sechs weiteren Mitgliedern gegründet. Das erste Projekt hatte zum Ziel, bosnische Asylsuchende, die in die Schweiz geflohen waren, für die Minenräumung auszubilden, damit sie sich am Wiederaufbau ihres Landes beteiligen können.
Zwischen 1998 und 2002 vollzog die FSD weitere Minenräumprojekte in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Pakistan, Albanien, Afghanistan, Libanon und Sri Lanka.
Im Jahr 2001 unterzeichnete die FSD ein Kooperationsabkommen mit dem Welternährungsprogramm (WFP), um die Lieferung von Nahrungsmitteln nach Afghanistan zu ermöglichen, wie auch die Einrichtungen und Infrastruktur des WFP zu sichern. Zu einer ähnlichen Zusammenarbeit kam es bereits 2003 im Irak, gefolgt von einer Reihe weiterer Vereinbarungen zwischen der FSD und UN-Organisationen (u. a. im Sudan und in der Ukraine).
Nach dem Angriff auf das UN-Hauptquartier in Bagdad halfen mehrere FSD-Mitarbeiter bei der Evakuierung von Überlebenden aus dem bombardierten Gebäude und leisteten den Verletzten erste Hilfe, wobei sie sich selbst erheblichen Gefahren aussetzten. Die FSD erhielt von den Vereinten Nationen eine Auszeichnung für Tapferkeit und das über die Pflicht hinausgehende Engagement ihrer Mitarbeiter in Bagdad.
Im Jahr 2003 wurde schließlich die „Fédération suisse de déminage“ in die „Fondation Suisse de déminage“ umgewandelt.
Mission
Das Hauptziel der FSD ist der Schutz der Zivilbevölkerung vor Minen und explosiven Kriegsmunitionsrückständen. Zu ihren Aktivitäten gehören das Aufspüren und Vernichten nicht explodierter und zurückgelassener Minen und Munition, die Sensibilisierung für die Gefahren von Minen, die Unterstützung von Opfern versehentlicher Explosionen und die Vernichtung von Waffen- und Munitionsbeständen. Darüber hinaus trägt die FSD durch die Förderung der Entwicklung lokaler Akteure im Bereich der Minenräumung sowie durch den Transfer technischen Wissens zur Stärkung der nationalen Kapazitäten bei. Die FSD ist auch an Forschungsprojekten beteiligt, die darauf abzielen, neue Technologien für die Minenräumung nutzbar zu machen, darunter auch den Einsatz von Spezialdrohnen.
Das Mandat der FSD umfasst neben der Beseitigung von Explosivstoffgefahren auch die Dekontaminierung von Böden von giftigen und umweltschädlichen Substanzen sowie die Unterstützung laufender Friedensprozesse in Postkonfliktgebieten durch Wiederaufbau, Rehabilitation und sozioökonomische Entwicklung für gefährdete Bevölkerungsgruppen und Vertriebene.
Parallel dazu integriert die FSD Maßnahmen zur Ernährungssicherung in ihre Programme, insbesondere durch die Sanierung landwirtschaftlicher Flächen in von explosiver Kontamination betroffenen Gebieten.
Minenräumung
Afrika
Angola Das Minenproblem in Angola ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe während des angolanischen Unabhängigkeitskriegs und des anschließenden Bürgerkriegs. Im Jahr 2007 wurde die FSD von der angolanischen Regierung beauftragt, eine Bedarfsanalyse für die Minenräumung durchzuführen.
Burundi Burundi hat ein Jahrzehnt des Bürgerkriegs hinter sich, in dem das Land mit explosiven Kriegsüberresten übersät war. Einen Plan für die Beseitigung dieser gab es lange nicht. Im Jahr 2003 ratifizierte die Regierung das Ottawa-Abkommen und der Nationale Rat für die Verteidigung der Demokratie (CNDD-FDD) unterzeichnete in Anwesenheit einer FSD-Delegation die Verpflichtung des Genfer Aufrufs. Dank einer Partnerschaft zwischen UNDP, UNICEF, FSD und MAG, die von der DEZA und der burundischen Regierung finanziert wurde, begannen humanitäre Minenräumungsprojekte.
Die FSD richtete ein Projekt zur Unterstützung des Friedensprozesses ein, das auf der Schaffung einer nationalen Behörde für Minenbekämpfung, der Bewertung der Auswirkungen von Minen auf lokale Gemeinschaften und der Risikoaufklärung in verminten Gebieten beruht. Im Jahr 2006 führte die FSD landesweit eine Umfrage durch, bei der 97 % aller Gemeinden besucht und bewertet wurden. Das Ergebnis dieser Erhebung bildet die Grundlage für die Minenräumung für die zwei darauffolgenden Jahren. Der von der FSD vorgeschlagene Ansatz basiert auf einer Partnerschaft mit dem International Centre for Research and Initiatives for Dialogue (CIRID), einer burundischen NRO mit Sitz in Genf.
Burundi wurde 2011 für landminenfrei erklärt.
Demokratische Republik Kongo Die Demokratische Republik Kongo hat seit 1996 verschiedene Konflikte unterschiedlicher Intensität erlebt, ohne dass das Ausmaß der tatsächlichen Sprengstoffkontamination je bekannt war. Das Engagement der FSD vor Ort geht auf den November 2003 zurück (auf Ersuchen von UNMAS), und zielte darauf ab, zwei Notfall-Entminungsteams einzusetzen, die den lokalen Gemeinschaften und humanitären Hilfsorganisationen in Bunia zugutekommen. Für den Einsatz und die Leitung der Teams war das von den Vereinten Nationen in Kinshasa im Rahmen ihrer Friedenstruppe MONUC eingerichtete Koordinierungszentrum für Minenräumung (UNMACC) zuständig. Die FSD rekrutierte und schulte rund zwanzig lokale Mitarbeiter. Der Einsatz wurde 2005 aufgrund fehlender Mittel eingestellt.
Libyen Die FSD begann 2011 mit ihren Entminungsarbeiten und verließ das Land 2018.
Um die Minenräumung nach dem ersten libyschen Bürgerkrieg im Jahr 2011 zu koordinieren, schlossen sich die Vereinten Nationen und internationale Nichtregierungsorganisationen zu einem „Joint Mine Action Coordination Team“ (JMACT) zusammen, dem auch die FSD angehört. Die USA finanzierten das FSD-Programm zur Aufspürung und Zerstörung explosiver Kriegshinterlassenschaften in den ehemaligen Kampfgebieten Libyens, um zu verhindern, dass möglicherweise Waffen, wie z. B. Flugabwehrraketen, in die Hände von Terroristen fallen. Das Programm begann 2011 und umfasste zunächst zwei Räumungsteams. Nach dem Tod von Muammar Gaddafi konzentrierten sich die Teams auf die Sicherstellung der Stadt Sirte. Von 2013 bis 2018 führte die FSD ihre humanitären Räumungsarbeiten von Tripolis aus durch. Sie übernahm die Verwaltung und Lagerung von Munition und führte Schulungen in Hun und Waddan für die libysche Polizei und Militäringenieure durch.
Im Jahr 2013 führte die FSD mit finanzieller Unterstützung des US-amerikanischen Fonds für Nichtverbreitung und Abrüstung (NDF) eine landesweite Untersuchung ehemaliger libyscher Munitionslagerstätten in Bengasi durch. Dabei wurden Daten zu den gelagerten Munitionsmengen, dem Zustand und der Sicherheit der Lagerstätten erhoben und Informationen für die künftige Verwaltung und Entsorgung von Munition zusammengetragen.
Mali Nach einem Jahrzehnt des Konflikts zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen und dem Staatsstreich von 2020 ist Mali einer wachsenden Bedrohung durch Sprengkörper ausgesetzt, insbesondere durch improvisierte Sprengkörper (IED). Mali verfügt über keine nationale Minenräumbehörde und ist daher bei der Koordinierung der Minenräumung weiterhin auf externe Stellen angewiesen. Von 2013 bis 2014 führte die FSD in Zusammenarbeit mit UNICEF, UNMAS und anderen internationalen Akteuren ein Projekt zur Aufklärung über Minenrisiken und ein Projekt zum adäquaten Management von Munitionsbeständen durch. Dieses Programm ermöglicht die Ausbildung mehrerer Experten vor Ort, um einen nachhaltigen Übertrag von Kompetenzen zu gewährleisten.
Mosambik Als das FSD-Programm 2006 in Mosambik anlief, war das Land eines der am stärksten verminten Länder der Welt. Ziel des FSD-Projekts war es, dem Regionalbüro des Nationalen Instituts für Minenräumung (IND) technische Unterstützung und Kapazitätsaufbau in den Bereichen humanitäre Minenräumung, Opferhilfe und Aufklärung über Risiken zu bieten. Das von der FSD geschulte Team des IND erzielte 2008 vielversprechende Ergebnisse, die das Ende dieses Projekts markierten. 2015 wurde Mosambik für landminenfrei erklärt.
Sudan Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 hat der Sudan mehrere Bürgerkriege erlebt, die ein Vermächtnis von Minen und explosiven Kriegsüberresten hinterlassen haben. Die FSD wurde im Februar 2004 von UNOPS beauftragt, die sudanesischen Minenräumungsbehörden und UNMAS zu unterstützen. Hierfür wurden Teams in die Region der Nuba-Berge (Kadugli) entsandt. Zudem begann die FSD eine Partnerschaft mit der in Khartum ansässigen NRO FPDO (Friends of Peace and Development Organization). Im Mai 2006 bildete die FSD nationale Mitarbeiter für die Minenräumung in der Region Kassala und in den Staaten am Roten Meer aus.
Gleichzeitig führte die FSD Missionen zur Unterstützung der Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung durch, um die Bemühungen zur Entwicklungshilfe in den Regionen Darfur und Malaka voranzutreiben.
Südsudan Im Jahr 2004 unterzeichnete die FSD ein Partnerschaftsabkommen mit der lokalen NRO SIMAS (Sudan Integrated Mine Action Services) und dem Welternährungsprogramm (WFP) in dem sie sich verpflichtete, Minenräumer im Südsudan zu rekrutieren, auszubilden und zu leiten sowie die Arbeit der UNAMIS (United Nations Advance Mission in the Sudan) zu unterstützen.
Ende 2005 hat die FSD 30 Auslandsmitarbeiter und 250 einheimische Minenräumer im Rahmen eines Räumungsprogramms zur Sicherung der wichtigsten Zugangswege vom Süden des Landes nach Juba entsandt, um dem Welternährungsprogramm die Verteilung von Hilfsgütern und die Rückkehr Flüchtender zu erleichtern. Mit der Unterstützung der FSD im Jahr 2007, rekrutierte SIMAS ihr erstes Entminungsteam, bildete es aus und setzte es folglich ein, nachdem es vom Minenräumungsdienst der Vereinten Nationen (UNMAS) akkreditiert wurde. In Zusammenarbeit mit der FSD organisierte SIMAS 2010 in Juba einen Workshop für Vertreter der Übergangsregierung des Südsudan, der südsudanesischen Minenräumungsbehörde, der UNMAO und UNICEF, um auf die schwindende Unterstützung für Minenräumaktionen im Südsudan und den Rückgang der internationalen Finanzierung zu reagieren. Die FSD unterstützte SIMAS anschließend noch viele Jahre lang mit technischer Beratung, der Ausarbeitung von Vorschlägen und Mentoring, bis 2016.
Tschad Die Kontamination des Tschad ist das Ergebnis des Krieges zwischen Tschad und Libyen von 1973 und eines 30-jährigen internen Konflikts. Die Kontamination stellt eine ständige Bedrohung für die lokale Bevölkerung dar, und ihre negativen Auswirkungen auf die sozioökonomische Entwicklung von Borkou, Ennedi und Tibesti, die zu den ärmsten Regionen gehören, sind besonders gravierend.