Die Geschichte der Stadt Eschweiler umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Eschweiler von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.
Frk. = Frankreich
Chronik der westrheinischen Stadt Eschweiler
Ur- und Frühgeschichte
Steinzeit und Kelten Für die Altsteinzeit vor über 10.000 Jahren gibt es eine mögliche, aber nicht gesicherte Bewohnung von Höhlen in Killewittchen westlich von Hastenrath und im Korkus östlich von Volkenrath, ebenso wie für die Zeit um 8000 v. Chr. zur Mittelsteinzeit. Gesichert durch mehrere Funde ist eine Besiedlung in Eschweiler in der Jungsteinzeit um 5500 v. Chr. Etwa ein Jahrtausend später betreiben erste Ackerbauern Getreideanbau und Viehzucht auf den fruchtbaren Lössböden im Norden des Eschweiler Stadtgebiets am Merzbach; es ist die Bandkeramikzeit.
2005 wurde bei Eschweiler-Ost eine zusammenhängende Siedlung der Rössener Kultur (mittlere Jungsteinzeit 4500 bis 4300 v. Chr.) freigelegt. Auch zur Mittelsteinzeit um 3000 v. Chr. wird in Eschweiler eine Besiedlung vermutet. 2100 v. Chr. markiert den Beginn der Frühbronzezeit im Eschweiler Raum, und um 1800 v. Chr. findet vermutlich erster Abbau von Erzen im Eschweiler Raum statt. Eine jungsteinzeitliche Besiedlung um 1000 v. Chr. ist in Eschweiler durch mehrere Funde gesichert. 1926 wurden Bronzezeitgrabfunde in Eschweiler freigelegt, und 1991 legte ein Braunkohlebagger einen Siedlungsplatz frei, wodurch wir wissen, dass um 500 v. Chr. ein Keltendorf im nördlichsten Zipfel des Eschweiler Stadtgebiets abbrannte. Ebenfalls für 400 v. Chr. (Latène-Kultur) sind erste Spuren menschlicher Ansiedlung in Eschweiler-Mitte und ein keltisches Bergwerk aus der Eisenzeit im Korkus gesichert, zusammen mit einer Siedlungsstelle der jüngeren Eisenzeit bei Volkenrath von 200 v. Chr. Die Kelten hinterließen mehrere Namen in Eschweiler wie Erberich, Inde und Killewittchen.
Römer und Aduatuca Von den Römern sind in und um Eschweiler zahlreiche Villae rusticae und ein Straßennetz nachgewiesen. Das Tal der Inde bei Eschweiler war sicherlich dicht besiedelt, jedoch bildete sich keine urbane Siedlung aus. Eine Römersiedlung am Ortsausgang von Hücheln aus dem 1. bis 3. Jahrhundert v. Chr. mit mindestens drei Steinhäusern, Holzgebäuden und einem großen Pfeilerbau wurde 1986 gefunden.
Um 54 v. Chr. fand die Schlacht um die Eburonenfeste Aduatuca statt, und es gibt vage Hinweise, dass Aduatuca am Ichenberg bei Eschweiler gelegen haben könnte.
Im Jahre 80 gehört der Eschweiler Raum zur kaiserlichen Provinz Germania Inferior und im 1. oder 2. Jahrhundert errichten westgermanische Sunuker zu Ehren ihrer Stammesgöttin Sunuxal im Propsteier Wald bei Eschweiler eine Kultstelle. Von 163 stammt eine Sesterze mit dem Bildnis Marc Aurels, die in Dürwiß gefunden wurde, und aus dem 3. Jahrhundert eine römische Leopardenstatuette aus Bronze im Propsteier Wald. 395 ist schließlich die endgültige Teilung des Römischen Reiches in West- und Ostreich, und eine Völkerwanderung beginnt. Neue germanische Stämme überschreiten um das Jahr 400 den Rhein und viele Römersiedlungen sinken in Schutt und Asche: So wird berichtet, dass das Gebiet östlich von Eschweiler (heutiger Kreis Düren) so verödet war, dass über seinen Trümmern ein neuer, großer Wald entstand.
Franken 476 zerstören die Germanen Odoaker das weströmische Reich, und der Eschweiler Raum gehört zum Frankenreich Chlodwigs I. 511 dann – nach der ersten Teilung – gehört der Eschweiler Raum zum fränkischen Austrien. Von 550 bis etwa 562 fallen zentralasiatische Awaren in den Eschweiler Raum ein. 714 gehört dann der Eschweiler Raum zum karolingischen Frankenreich. Karl der Große, dessen Lieblingspfalz Aachen nur vier Wegstunden westlich von Eschweiler liegt, wird 768 mit 21 Jahren König der Franken. Aus der Zeit um 800 stammt eine hölzerne Kapelle an der Stelle der späteren Kirche in Laurenzberg, welches um 1400 als Berga Laurencii erwähnt wird. 814 stirbt Karl der Große.
Mittelalter (9. bis 15. Jahrhundert)
Ascvilare Aus dem Jahre 828 stammt die erste urkundliche Erwähnung Eschweilers als karolingisches Königsgut Ascvilare: „Ascvilare wird ein Königsgut genannt, von Aachen vier Leugen (entsprechen rund 16 km) entfernt.“ Das Zitat zur Ersterwähnung Eschweilers im Jahre 828 durch Einhard findet sich jedoch nicht in der Vita Karoli, sondern in der Translatio et miracula SS. Petri et Marcellini, Buch IV, Kapitel 6. Dort heißt es: Ascvilarem vocant fundum regium ab Aquense palatio quattuor leugarum spatio distantem. Zwei Jahre später, 830, werden die drei Rodungsorte Bergrath, Hastenrath und Volkenrath im Südosten des Königsgutes gegründet.
Es ist nicht geklärt, ob die erste Silbe des Namens, Asc, seinen Ursprung in den Eschen oder im Wasser, also in der Inde hat. Im zweiten Fall käme Asc wie Aix (zum Beispiel in Aix-en-Provence) von Lateinisch aqua (Wasser).
Von Ascvilare bis Eschwillre Nach dem Vertrag von Verdun von 843 gehört Eschweiler zum Mittelreich Lothars I. 851 schenkt Kaiser Lothar I. eine Nona von der Villa Aschwilra dem Münsterstift zu Aachen. Am 13. Juni 888 erwähnt eine Urkunde Eschweiler als Ascvilra.
Das Hochmittelalter beginnt um 900, und aus jener Zeit stammen vermutlich die Niederungsburgen (Motten) von Lürken und Kinzweiler. Eine Urkunde vom 5. Juni 930 erwähnt Eschweiler als Aschwilre. Um 950 kommt die Angriffswelle der Magyaren (Ungarn) im Eschweiler Raum an. Am 16. Februar 966 erwähnt eine Urkunde Eschweiler als Aschwilra und am 25. Juli 973 erwähnt eine Urkunde ein Gerberhteslon, das vermutlich Lohn ist, und bestätigt Otto I. die von Ludwig der Kölner Domkirche geschenkten Wald- und Wildbannrechte im Eschweiler Raum. Erzbischof Heribert von Köln schenkt der Abtei Deutz den Hof Escuuilre samt Kirche mit Zehnten am 1. April 1003, und am 16. März 1082 schenkt Erzbischof Sigewin von Cöln derselben Abtei den Zehnten der Rottungen in einem Forst zu Escwilere. Ihre Besetzungen, insbesondere den Zehnten zu Eschuilre, bestätigt Papst Viktor IV. der Abtei am 11. Mai 1161.
Von 1138 bis 1250 gehört Eschweiler zu Niederlothringen im Stauferreich. 1145 wird Wilhelm von Eschweiler Schultheiß in Eschweiler. Gerhard von Randerath, der Vogt des Eschweiler Domhofes, verpfändet 1216 seine Vogtei über Eschweiler, Aldenhoven, Inden und das Kirchspiel Lohn der Kölner Domkirche, wodurch der Eschweiler Raum an das Kölner Domkapitel kommt. Zehn Jahre später erwähnt eine Urkunde Eschweiler als Eschwilre. 1244 erklärt Wilhelm von Eschweiler, dass er und seine Vorfahren von alters her von der Kölner Kirche die Eschweiler Meierei zu Lehen trügen. Die Eschweiler Burg, eine von einer Schutzmauer mit sechs Türmen umgebene Wasserburg, muss zu jener Zeit bereits gestanden haben. 1274 erfolgt die Gründung des Zisterzienserinnenklosters St. Jöris.
Um 1300 befindet sich der Eschweiler Raum im Spätmittelalter und wird Eschweiler nach dem liber valoris als Pfarrei zum Dekanat Jülich gehörend genannt. In Urkunden von 1334 und 1354, in denen Reinhard von Schönforst von den Erben der Herrn von Monschau einige Besitzungen käuflich erwirbt, wird deutlich unterschieden zwischen der Burg zu Monschau, der Burg zu Bütgenbach und dem Huys te Berghe in Nothberg, dem Vorläufer der Nothberger Burg. 1362 erwähnt eine Urkunde Eschweiler als Eyschwilre, und zu jener Zeit schafft ein unbekannter Künstler die heute in St. Peter und Paul befindliche Lederpietà.
Vom 28. Dezember 1394 stammt die älteste bekannte Urkunde über den Eschweiler Bergbau: Koylberg zu Eschwylre. Die Eschweiler Bergwerke sind im Besitz der Herzöge von Jülich.
Um 1400 wird eine Kapelle in Berga Laurencii (Laurenzberg) erwähnt. Johann von Kempenich verkauft 1420 die Eschweiler Vogtei mit seinem dortigen Besitz an Herzog Reinald von Jülich, womit Eschweiler zum Herzogtum Jülich gehört und der Jülicher Löwe in das Eschweiler Siegel kommt. 1429 ist die Eschweiler Burg im Besitz des Jülicher Erbmarschalls Frambach von Birgel, und 1463 erfolgt die erste Erwähnung des zweigeschossigen Herrenhauses des Hauses Kambach in Kinzweiler als Lehnsgut der Eschweiler Dompropstei. 1490 besiegeln Eschweiler Schöffen eine Urkunde, und das daran hängende Siegel zeigt den Jülicher Löwen und den Petrus-Schlüssel in der oberen rechten Ecke des Wappens, ohne dass der Löwe den Schlüssel in seinen Vorderpranken hält; Eschweiler wird Eschwillre genannt. Aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt der dritte, gotische Bau der heutigen Kirche St. Peter und Paul.
Frühe Neuzeit (16., 17. und 18. Jahrhundert): Plünderungen und Einäscherungen mini|Eschweiler und Umgebung auf einer Karte des Herzogtums Jülich-Berg im 17. Jh. mini|Ausschnitt aus obiger Karte
Etwa 1500 ist der Beginn der Neuzeit mit zahlreichen Landwehren am Niederrhein, und 1516 bestätigt Herzog Johann von Kleve-Mark und Jülich-Berg dem Zöllner zu Jülich, Ailff Hamer, ordnungsgemäß Rechenschaft über Einnahmen und Ausgaben des herzoglichen Kohlbergs im Amt Eschweiler abgelegt zu haben. Aus dem Jahre 1533 datiert die erste Einwohnerangabe: In Eschweiler leben etwa 850 Menschen.
Johann von Palant wird 1541 Amtmann von Eschweiler und Wilhelmstein, 1542 tritt die erste für das Inderevier um Eschweiler geltende Bergordnung in Kraft, und 1543 kommt es zur Plünderung Eschweilers und starken Beschädigung der Burg Nothberg durch die Truppen des Kaisers Karl V. während des Erbfolgestreits um Geldern. In einem Verzeichnis über die Gerichtsverfassung im Herzogtum Jülich von 1555 steht das Gericht Eschweiler mit den Orten Eschweiler, Bergrath, Röhe, Röthgen und Schaufenberg (heute zu Alsdorf). Im selben Jahr erfährt die Nothberger Burg eine große Umgestaltung. 1559 leben in Eschweiler etwa 1.250 Menschen.
Auf einem Schöffensiegel wird 1563 Eschweiler als Eschwiller bezeichnet, und Gerhard von Palant erhält die Belehung Haus Kambach in Kinzweiler. 1566 bekunden Eschweiler Schöffen, dass die Abhängigkeit vom Kölner Domkapitel seit 400 Jahren und länger bestehe. 1571 drehen sich Wasserräder, das heißt Radpumpen, im Inderevier bei Eschweiler, und 1572 erlischt das Lehnsverhältnis der Eschweiler Burg, wodurch der Rittersitz und der Domhof von Eschweiler der Mannkammer zu Aldenhoven unterstehen. 1586 leben in Eschweiler etwa 1.850 Menschen.
1591 stirbt der Letzte von Palant, weswegen lang anhaltende Erbstreitigkeiten ausbrechen, infolge derer und durch den Dreißigjährigen Krieg Verfall und Zerstörung der Nothberger Burg einsetzen. 1618 bricht der Dreißigjährige Krieg aus, 1619 erwähnt ein Verzeichnis Eschweiler zum ersten Mal als Eschweiler, und 1642 wird Eschweilers durch hessisch-weimarisch-französische Truppen eingenommen und geplündert. Es kommt zu großen Verlusten in der Bevölkerung, schwedische Truppen besetzen Eschweiler und die Eschweiler Burg, und wegen Zerstörung der Pumpe säuft der Schacht der Grube Aue ab. Eschweiler zählt 3.600 Einwohner. 1646 reißen kaiserliche Truppen die Galerie der Nothberger Burg nieder und zerstören so den Ehrenhof, um die Verteidigungsfähigkeit des Schlosses auszuschließen; ferner wird somit der Zugang zu der kleinen Nordwestbastion – einem Werk Pasqualinis – unmöglich gemacht. 1648 endet der Dreißigjährige Krieg, und 1650 kommt die Burg Röthgen an die Familie von Bourscheidt.
1678 ist ein unheilvolles Jahr. Im Oktober plündern und brandschatzen Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. Eschweiler vollständig nebst Pfarrkirche St. Peter u. Paul. Die wertvolle Lederpietà wird jedoch gerettet, und beim Wiederaufbau erhält St. Peter und Paul eine barocke Turmhaube. Zwei Jahre später ist Eschweiler Marktflecken, zu dem Bergrath, Röthgen und Röhe gehören, und zählt wieder 2.000 Einwohner.