Der Osterholzer Friedhof im Bremer Stadtteil Osterholz ist derzeit Ruhestätte für mehr als 100.000 Verstorbene auf 47 Gräberfeldern in rund 26.000 Gräbern (2024).Ulricke Troue: Letzte Ruhestätte und grüne Oase. In: Weser Kurier vom 8. Jan. 2024. Er ist mit 79,5 ha Bremens größter Friedhof und einer der größten in Norddeutschland und eines von bisher neun in die Denkmalliste eingetragenen bremischen Gartendenkmalen.

mini|hochkant=1.6|Hauptkapelle mit Lindenallee und südlichem Wandelgang

Erreichbarkeit / Lageplan mini|Lageplan Osterholzer Friedhof, Norden ist links

Der Osterholzer Friedhof liegt an der Grenze der Bremer Ortsteile Osterholz und Sebaldsbrück. Er wird daher auch fälschlich als Friedhof Sebaldsbrück bezeichnet. Er liegt östlich des Mercedes-Benz-Werks.

Der Friedhof ist für den Individualverkehr und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Von der Endhaltestelle Sebaldsbrück der BSAG verkehren mehrere Buslinien über die Haltestelle Osterholzer Friedhof. Daneben halten dort auch zwei Regionalbuslinien, die Bremen mit dem Landkreis Verden verbinden. Eine weitere Bushaltestelle befindet sich in der Nähe des Nordeingangs des Friedhofs. PKW-Stellplätze befinden sich an allen vier Eingängen Süd (Haupteingang), Ost, Nord und West.

Geschichte Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Friedhöfe Riensberg und Walle nicht mehr ausreichend freie Flächen zur Verfügung hatten, entschloss sich der Senat einen neuen kommunalen Zentralfriedhof für den östlichen Teil Bremens anzulegen. In einer flachen Heidegegend zwischen dem Ellener- und dem Holterfeld wurde 1907 der Kämena -Hof, ein 67 ha großer Gutshof mit altem Eichenbestand, erworben. Dieses Gelände mit den bereits vorhandenen Anlagen sollte nach damaligen Berechnungen einhundert Jahre als Friedhofsfläche für Bremen ausreichen.

Wettbewerb Ende 1909 wurde unter den Gartenarchitekten und Architekten Deutschlands ein Architektenwettbewerb zur Gestaltung des neuen Friedhofs ausgelobt. Erwartet wurde eine gestalterische Lösung unter größtmöglicher Erhaltung des vorhandenen wertvollen Baumbestands.

Die Gräberfelder sollten für ein- und doppelschichtige Erd- sowie Urnenbestattungen vorgesehen werden und durch Hecken und Wassergräben begrenzt werden. Daneben waren Pläne einzureichen für eine Kapelle, ein Krematorium, Aufseherwohnungen und Toilettenanlagen. Die Architektur sollte mit der gärtnerischen Friedhofsanlage eine Einheit bilden: Man erwartete ein Werk „aus einem Guss“. Dieser Ansatz, ein ganzheitliches Werk aus Architektur und Gartenkunst zu fordern, war neuartig.

Im Februar 1910 gingen Entwürfe von 96 Teilnehmern aus ganz Deutschland ein. Für ihren gemeinsamen Entwurf mit dem Kennwort „Die langen Stücke“ erkannte das Preisgericht den Hamburger Architekten Hermann Grage und Kurt Winkelhausen den ersten Preis zu, sie kamen aber bei der Ausführung nicht zum Zuge. Der zweite Preis ging an den gemeinsamen Wettbewerbsentwurf des Gartenarchitekten und späteren ersten Leiters des Gartenbauamtes Bremen Paul Freye und des Architekten Franz Seeck (beide in Berlin ansässig), die im Anschluss mit der Ausführung ihres Entwurfs beauftragt wurden.

Weitere Wettbewerbsentwürfe stammten von namhaften Architekten wie z. B. Friedrich Ostendorf (3. Preis) oder Hugo Wagner (Ankauf).Hubert Wania: 15 Jahre Bremen 1906–1920. Winter, Bremen 1930, S. 67.

Entwurf mini|hochkant=0.8|Entwurf Freye/Seek (1906) mini|hochkant=0.8|Haupteingang an der Osterholzer Heerstraße mini|hochkant=0.8|Rückseite der Kapelle (Ehrenhof)

Der Entwurf von Freye und Seeck sah eine axiale Gliederung des Friedhofsgeländes durch Baumalleen und kanalartige Wasserzüge vor. Vom Haupttor mit einem symmetrisch gestalteten Eingangsplatz bei der Osterholzer Heerstraße führt eine vierreihige Lindenallee als zentrale Achse durch den Friedhof, die nach ungefähr einem Drittel ihrer gesamten Länge leicht abgewinkelt in gerader Linie zum damaligen Nordausgang fortgeführt wurde. Im Scheitelpunkt des Winkels wird sie von einer Nebenachse geschnitten, an der die Verfasser als Steigerung und Überhöhung eine dem Pantheon nachempfundene Kapelle mit rückwärtigem Ehrenhof und flügelartig seitlich anschließenden Wandelgängen am Ufer eines langgestreckten Wasserbassins vorsahen. Einzelne Bereiche im Nordwesten und Südosten der Anlage erhielten trotz des strengen, übergeordneten Rasters eine fast landschaftliche Ausformung. Das äußere Bild des Friedhofes fügte sich nach dieser Planung nahtlos in die ehemals ländliche Gegend ein.

Das Preisgericht bescheinigte dem Entwurf die gelungene Verschmelzung der geplanten Bauten mit der gartenkünstlerischen Anlage, die „reizvoll und eigenartig“ als in die umgebende Landschaft sich einordnende Lösung gestaltet wurde. Dieser streng architektonisch gegliederte Entwurf wurde richtungsweisend für die deutsche Friedhofsgestaltung des frühen 20. Jahrhunderts. Die Planung stellte nach dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg und dem Waldfriedhof in München die Weiterentwicklung der Friedhofskunst in einer besonderen Form dar.

Anlage und Einweihung Nach der Auftragserteilung durch die bremische Friedhofsdeputation für den geringfügig modifizierten Entwurf begannen Freye und Seeck ab November 1910 mit der Ausarbeitung von Detailplänen und Ausführungsarbeiten für den ersten 35 ha umfassenden Bauabschnitt. Gartenarchitekt Paul Freye übernahm mit dem Baubeginn am Friedhof auch die Leitung der Arbeiten und trat in den bremischen Staatsdienst ein.

Zunächst wurden die kanalartigen Wasserläufe und Bassins angelegt, mit deren Aushub die unterschiedlich hohen Grabfelder aufgeschüttet wurden, eine Maßnahme, die wegen des hohen Grundwasserstandes erforderlich war. Nur die Wege blieben annähernd auf ursprünglichem Niveau. Alle Wasserflächen umfassen rund 8000 m² und alle Wege haben eine Länge von rund 8000 Metern.

Die Hauptallee wurde von Anfang an über den ersten Bauabschnitt hinaus in ihrer ganzen Länge gepflanzt, um einen gleichmäßigen Wuchs im Rahmen der späteren Erweiterung zu erzielen und damit eine einheitliche Gesamtwirkung des Friedhofes zu erreichen. Zur Bepflanzung wurden rund 100.000 Gehölze gesetzt, da das Gelände außer den alten Eichen des Hofes Kämena vollkommen baumlos war. Für die Neupflanzungen wählte man überwiegend einheimische Gehölze – im Gegensatz zu den bestehenden Friedhöfen am Riensberg und in Walle, wo fremdländische Nadelgehölze ein wichtiges Gestaltungsmotiv darstellten. Die über Rampen und Treppen erschlossenen Grabfelder wurden von Hecken oder anderen gleichartigen Pflanzungen umgeben und durch halbhohe Hecken in kleine Einzelräume unterteilt, die als Sonderfriedhöfe überschaubarer Größe sehr differenziert gestaltet werden konnten. Das Wasser fungierte dabei als gliederndes und gleichzeitig verbindendes Element zur umgebenden Landschaft.

Im Oktober 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, war der erste Abschnitt der Anlage gärtnerisch weitgehend fertiggestellt. Die Arbeiten an den Hochbauten wurden bis Kriegsende fortgesetzt. Eingeweiht wurde der Friedhof – zu dem eigens für Bestattungszüge eine Straßenbahn von der Innenstadt Bremens zum Haupttor eingerichtete wurde – am 22. Mai 1920.

28 Mitarbeiter von Stadtgrün Bremen pflegen und verwalten den Friedhof und beseitigen 2500 m³ Grünabfälle (2024).

Hauptkapelle mini|Hauptkapelle mini|Eingang zur Südkapelle

Den Mittelpunkt des Friedhofs bildet die von dem Architekten Franz Seeck stammende Kapelle. Sie liegt im Kreuzungspunkt der breiten, vom Haupteingang kommenden Lindenallee und der im Westen mit der Toranlage des Architekten Carl Eeg beginnenden Querallee aus Pyramideneichen.

Das große 36 Meter hohe Klinkerbauwerk mit der kuppelüberwölbten Rotunde hat einen nach Westen vorgelegten Portikus mit ionischen Säulen. Die überhöhte äußere Kuppelschale mit parabelförmigem Querschnitt wird mit einer flachen, mit Kupferblech verkleideten Laterne abgeschlossen. Der längliche Innenhof auf der Rückseite des Bauwerks wird von flügelartigen Wandelgängen flankiert, die ein langgestrecktes Wasserbecken umschließen. Die ursprünglich als offene Pergolen geplanten Wandelgänge wurden als gemauerte Kolumbarien für die Beisetzung von Urnen ausgeführt (192 Urnenfächer).

Der runde Hauptraum der Kapelle wurde 1920 nach Entwürfen des Berliner Malers Max Kutschmann ausgemalt. Eine die Architekturteile rahmende aufwändige Schablonenmalerei und freihändig aufgetragene Partien mit figürlichen Verzierungen wurden in Leimfarben- bzw. Öltempera-Malerei mit hell apfelgrüner Grundfarbigkeit ausgeführt, dazu gehören illusionistisch gemalte, schlanke, graue Wandsäulen.

Den Innenraum prägen zwölf freistehende dorische Säulen in hellem Ocker-Ton mit ornamentierten Kapitellen, das mit Friesen und Bändern reich gegliederte Gebälk und die schwarzgraue Kuppel mit ursprünglich plastisch aufstuckierten vergoldeten Sternen.

Die Buntglasfenster in Schwarzlotmalerei wurden nach Kutschmanns Entwurf von dem Bremer Glasmaler Georg Karl Rohde (1874–1959) ausgeführt, der auch Glasfenster für den Ratskeller und den Dom sowie für die Kirche der Egestorff-Stiftung fertigte.

Nord- und Südkapelle

Die von der Hauptkapelle abgehenden Flügelgänge werden durch die Nord- und Südkapelle abgeschlossen. Sie sind als kleine, achteckige Andachtsräume in beachtlicher Schlichtheit ausgeführt. Sie fassen bei enger Bestuhlung maximal 50 Personen.

Restaurierung mini|hochkant|Kuppelsaal

Im Jahr 2003 begann Stadtgrün Bremen und das Landesamt für Denkmalpflege Bremen mit den Sanierungsarbeiten an der Osterholzer Kapelle, bei der nach Möglichkeit der alte Eindruck zurückgewonnen werden sollte. Unter den unansehnlich gewordenen Akustik-Wandverkleidungen der 1950er Jahre, die ohne Rücksicht auf die Originalmalereien mit rostenden Stahlnägeln auf einem Lattengerüst angebracht worden waren, fanden die Restauratoren die gut erhaltenen Original-Wandmalereien der 1920er Jahre.

Zur Wiederherstellung der ursprünglichen Dekoration der Kuppel mussten die nachträglich aus Gründen der Schallbrechung in den 1970er Jahren aufgebrachten plastischen Strahlen entfernt werden, die sich vom Auge der Kuppel radial zu ihrem Fuß erstreckten und die ursprüngliche Gestaltungsidee missachteten. Die plastisch aufstuckierten Sterne der Kuppel waren in früherer Zeit allesamt abgeschlagen und planiert worden, so dass sich zwar ihre Verortung und Größe, aber nicht ihre ursprüngliche Ausformung präzise feststellen ließ. Sie wurden daher durch 1960 flach aufgebrachten großartigen Blattgoldsternhimmel ersetzt.

Die Farbfassung des Inneren mit ihren ornamentierten Kapitellen, das mit Friesen und Bändern reich gegliederte Gebälk und die schwarzgraue Kuppel mit vergoldeten Sternen, ließ sich 2004 durch ausführliche restauratorische Untersuchungen im Rahmen einer Musterachse so weit rekonstruieren, dass eine Neufassung dieser durch Farbabwaschungen, Neuverputzungen und Dispersionsfarben-Übermalungen gekennzeichneten Partien nach Befund gewagt werden konnte.

Im Fortgang der Restaurierungsarbeiten stellte sich durch unerwartete Funde heraus, dass auch die Malereien der Ringhallendecke zwischen Säulenstellung und Wand wider Erwarten rekonstruierbar waren, wenn auch lediglich in einer offenbar versuchsweise angebrachten Erstfassung, die später, wie ein schummeriges kleines bauzeitliches Foto erahnen lässt, durch eine geringfügig abweichende Endfassung ersetzt worden war, die sich nicht mehr präzise genug ermitteln ließ.