Piding ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land mit etwas über 5000 Einwohnern. Piding, außer dem Gemeindeteil Kleinhögl, ist ein staatlich anerkannter Luftkurort. Die Gemeinde grenzt nördlich an Bad Reichenhall an.
Geografie Geografische Lage Piding liegt in der Mitte des Landkreises Berchtesgadener Land und ist gleichzeitig die südlichste Gemeinde im Rupertiwinkel, welcher an die 500 Jahre zum Erzstift Salzburg gehörte.
Das Gemeindegebiet stellt eine naturräumliche Einheit dar: Im Süden wird das Gebiet von Hochstaufen (1771 m) und Fuderheuberg (1350 m) begrenzt, im Osten von der Saalach und im Nordwesten vom 827 m hohen Högl. Im Nordosten bildet die Saalach die Grenze zum Land Salzburg.
Bei Piding mündet nördlich der Autobahn die Stoißer Ache in die Saalach.
Gemeindeteile und Nachbargemeinden Die Gemeindeteile sind das Pfarrdorf Piding, das Kirchdorf Mauthausen, die Dörfer Kleinhögl, Pidingerau, Staufenbrücke und Urwies sowie der Weiler Bichlbruck.
Nachbargemeinden sind die Stadt Bad Reichenhall, die Gemeinden Ainring, Anger, Inzell (Lkr. Traunstein) und Wals-Siezenheim (auf österreichischer Seite).
Im Gemeindegebiet gibt es nur die Gemarkung Piding.
Geschichte Urgeschichte Von den Jäger-und-Sammler-Kulturen des Gebietes wurden bisher innerhalb der Ortsgrenzen keinerlei Spuren entdeckt. Die Neolithisierung, also die Zuwanderung bäuerlicher Bevölkerung aus dem Nahen Osten und vom Balkan, setzte in Mitteleuropa Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. ein. Die Ausbreitung der zugehörigen Linearbandkeramischen Kultur erfolgte in relativ kurzer Zeit, vielleicht einem Jahrhundert, bis zum Rhein. Zunächst entstanden Pioniersiedlungen um 5500 v. Chr., etwa in Pfettrach, Schwanfeld, Straubing-Lerchenhaid oder Stephansposching – letztere waren mit einem Wall umgeben und sehr langlebig, während kleinere Siedlungen, vielleicht von ihnen abhängig, eher kurzlebig waren. Es bestand ein weitläufiger Fernhandel über die Donau bis ans Mittelmeer, etwa mit Spondylusschalen.Wie die Bayern Bauern wurden – Das Neolithikum, Archäologisches Lexikon des Landschaftsmuseums Obermain.
Etwa 1960 fanden sich ca. 250 m vom Anwesen Schwaig entfernt im Bereich des zum Nesselbachgraben abfallenden Nordosthanges vier Kupferbarren aus der frühen Bronzezeit. Höchstens 20 m von der Fundstelle entfernt wurde 1997 ein Randleistenbeil entdeckt. Dieser Befund ist Teil einer Häufung von 31 Kupferdepots in Oberbayern, die in Zusammenhang mit der Ausbeutung der ostalpinen Kupferlagerstätten steht. Ebenfalls 1997 konnte ein Kupferringbarrendepot geborgen werden, das aus 60 Barren bestand. Teilweise ist eine Umwicklung von Rindenbast erhalten.Stephan Möslein: Ein Ringbarrendepotfund von Piding, Lkr. Berchtesgadener Land, Obb., in: J. Prammer, R. M. Weiss (Hrsg.): Ausgrabungen und Funde in Altbayern 1995-1997. Sonderausstellung des Gäubodenmuseums Straubing, Gäubodenmuseum, Straubing 1998, S. 52 f. und Ders.: Neue Depotfunde der älteren Bronzezeit aus dem oberbayerischen Alpenvorland. Ein Vorbericht, in: Ders. Frühbronzezeitliche Depotfunde im Alpenvorland - Neue Befunde, Deggendorf 2008, S. 69–77, hier: S. 72 f.
Kelten und Römer mini|Römische Provinzen zwischen Oberitalien und oberer Donau sowie Oberrhein, um 400 In keltischer Zeit war in der Gegend der Stamm der Alauni ansässig, die den Norikern angehörten. Sie unterhielten Handelskontakte Richtung Mittelmeerraum, der etwa ab 150 v. Chr. mit eigenen Münzen (Obolen) betrieben wurde, wie ein entsprechender Fund am Mallnitzer Tauern erwies.Andreas Lippert, Günther Dembski: Ein weiterer keltischer Münzopferplatz am Mallnitzer Tauern (Salzburg/Kärnten). Der Survey im Jahr 2011, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 43,4 (2013) 523-534, hier: S. 531.
Die römischen Siedlungsspuren an der Sale bei Piding waren schon im frühen 19. Jahrhundert bekannt.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Historisch-staatsökonomische Notizen über Straßen- und Wasserbau und Bodenkultur im Herzogthume Salzburg und Fürstenthume Berchtesgaden, Mayersche Buchhandlung, Salzburg 1811, S. 7. Das Gebiet gehörte von etwa 15 n. Chr. bis 488 zum Römischen Reich und lag in der Provinz Noricum Ripense im Bezirk der Stadt Iuvavum (Salzburg). Dadurch wurde der Raum um Piding erstmals in ein gewaltiges Wirtschaftsgebiet eingebunden. Zu den transalpinen Wegen kam die sogenannte Via Julia als ökonomische (und militärische) Hauptverbindungsstraße Richtung Gallien im Westen und Richtung Konstantinopel hinzu. Mit der Erhebung von Iuvavum, dem heutigen Salzburg, zum municipium Claudium Iuvavum, wurde es die erste städtische Siedlung mit dem Recht zur Selbstverwaltung nördlich der Alpen. Sein Gebiet umfasste im Westen den Chiemgau, den Rupertiwinkel und das Inngebiet. Die Zerstörung durch Markomannen im Jahr 171 führte zu einem demographischen Niedergang, den auch Diokletian nur bedingt ausgleichen konnte. 488 wurde ein Großteil der romanischen Bevölkerung aus Noricum ripense auf Befehl Odoakers evakuiert. Als das Heimatmuseum Reichenhall 1854 erstmals gegründet und seine Bestände durch Artefakte aus dem Eigentum der Bevölkerung aufgestockt werden sollten, kam auch ein „zweigriffiges, fünf Schuh langes Römerschwert“ und ein „durch Form und Composition eigenthümliches römisches Werkzeug“Robert Kern: 150 Jahre Heimatmuseum Bad Reichenhall, in: Der Pulverturm. Mitteilungen des „Vereins für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e. V.“ 2004, S. 3–15, hier: S. 5. zu Tage.
Langobarden, Bajuwaren, Christianisierung, Ersterwähnung Um 540 siedelten Langobarden bei Waging am See im Rupertiwinkel.Ronald Knöchlein: Studien zur Archäologie der Merowingerzeit im Rupertiwinkel, Dissertation, München 1997, S. 42 f. Ab dem 6. Jahrhundert war das Gebiet, und damit Piding, Teil des Salzburggaus im Stammesherzogtum Baiern, wofür 1965 in Mauthausen entdeckte bajuwarische Reihengräber Zeugnis ablegen. mini|Ungefähre Grenzen des bairischen Stammesherzogtum um 788 Ende des 7. Jahrhunderts begann die Missionierung im Herzogtum Bayern, und Herzog Theodo (vermutlich Theodo II. (* vor 665; † 15. Oktober um 717)) übergab um 700 (wahrscheinlich schon 696) u. a. das Dorf als Schenkung an den Bischof Rupert von Salzburg (um 650–718), vermutlich auch, damit er über den Salzhandel zu Wasser und zu Lande verfügen konnte. Diese Übergabe ist in der Notitia Arnonis festgehalten. Darin wird Piding erstmals erwähnt. Zugleich wird Piding darin als erster Ort im Gebiet des heutigen Rupertiwinkels ausgewiesen, in dem das Salzburger Bistum Güter besaß.
Der Ortsname lautete um 700 Pidinga, 790 Pidingen und ab 1294 Piding. Der bairische Zugehörigkeitssuffix -ing deutet auf eine Entstehung zur Landnahmezeit der Baiern hin. Aus dem Ortsnamen lässt sich der Personenname Pido erschließen, so dass sich vermutlich ein Anführer dieses Namens dort niedergelassen hatte. Somit bedeutet der Ortsname in etwa „bei den Leuten des Pido“.
735 erfolgten Schenkungen des Bayernherzogs Theodo an den Bischof von Salzburg.Max Wieser: Pidinger Heimatbuch. Aus der Chronik eines Dorfes mit Hof- und Familiengeschichte. 1250 Jahre Piding 735–1985. Eigenverlag, Piding 1985. Dies gilt als Gründungsjahr für den Ort.
Rechtsverhältnisse, Übergewicht des Erzstifts Salzburg mini|Maria im Ährenkleid, um 1490, 1857 in Piding durch das Bayerische Nationalmuseum erworben Nach dem Aussterben der Grafen von Plain um 1260 fiel die Grafschaft im oberen Salzburggau, zu der auch Piding gehörte, an den Erzbischof von Salzburg, dessen Grenzen seines Besitzes der Bayernherzog 1275 weitgehend anerkannte.
Das bayerische Salbuch von etwa 1280 verzeichnet drei Höfe zu „Pidinge“ mit Gefällen zum herzoglichen Amt Neuburg, genauer gesagt zur Martini-Kapelle. Zwei der dortigen Güter erhielt Kloster Niederschönenfeld von Ludwig dem Bayern und seinem Sohn Herzog Stephan am 21. März 1344.Anton von Steichele: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, Bd. 2: Die Landkapitel Agenwang, Aichach, Baisweil, Bayer-Mänching, Burgheim, Schmid, Augsburg 1864, S. 713. Bei der Teilung von 1310 wurde Piding dem Ingolstädter Teil zugesprochen. Piding scheint zur Seelsorge bereits dem benachbarten Ortelfing übergeben worden zu sein. Aufgehoben wurde diese Bindung erst 1683. mini|links|Burg Staufeneck 1305/1306 erwarb der Salzburger Erzbischof die Burg Schloss Staufeneck, die vom Ministerialengeschlecht der Staufenecker im 12./13. Jahrhundert am Fuß des Hochstaufen erbaut worden war. Sie wurde später zum Sitz eines Pfleggerichts. Unter dessen Nachfolger Friedrich III. von Leibnitz († 30. März 1338) wurde das Gebiet ab 1328 Teil des nunmehr von Bayern losgelösten und innerhalb des Reiches samt eigener Landesordnung weitgehend eigenständigen Erzstifts Salzburg.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der rötlich-graue, plattige bis dickbankige Högler Sandstein,Geologica Bavarica 84–86 (1983), S. 231. der am namensgebenden Berg abgebaut wurde, und der partiell auf dem Gemeindegebiet von Piding liegt, ein wesentlicher Wirtschaftszweig. Der Sandstein wurde zu Tür- und Fensterrahmungen verarbeitet, diente aber auch als Schleifstein. Insbesondere für die Residenzstadt Salzburg lieferte damit Piding erhebliche Mengen an Baumaterial, im 18. und 19. Jahrhundert prägte er den Rupertiwinkel auch im profanen Bauwesen.
Reformation und Gegenreformation, Säkularisation, Übergang an Bayern (1810) Während der Reformation wurden die Widdumgüter beider Parteien eingezogen und auf der Basis eines Erbpachtsystems wieder ausgegeben. Durch die Neuburger dissolutio massae (von lateinisch dissolutio für ‚Auflösung‘) erlangte der Pfarrer die Ansprüche auf sämtliche Zehnteinnahmen von Ortelfing und Piding zurück. Dabei blieb das Gut auf Ortelfing in Laienhänden und reichte die Gilt an den Pfarrer weiter. Hingegen wurde das Gut auf Piding 1685 vollständig zur Pfarrei zurückgekauft.Anton von Steichele: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, Bd. 2: Die Landkapitel Agenwang, Aichach, Baisweil, Bayer-Mänching, Burgheim, Schmid, Augsburg 1864, S. 715 (dort auch die Einnahmen der Pfarrei für den Zeitpunkt der Publikation des Streichele’schen Werkes).
Im Zuge der von Napoleon durchgesetzten Säkularisation und insbesondere mit der Auflösung der geistlichen Herrschaftsgebiete dankte der letzte Erzbischof von Salzburg 1803 ab. Die Säkularisation in Bayern brachte Piding 1810 genauso wie das übrige, seither als „Rupertiwinkel“ bezeichnete Gebiet, an das Königreich Bayern,Zu Salzburg gehörten bis dahin neben Piding die Orte Ainring, Anger, Freilassing, Fridolfing, Kirchanschöring, Laufen, Palling, Petting, Saaldorf-Surheim, Surberg, Taching, Teisendorf, Tittmoning, Tyrlaching, Waging und Wonneberg. während das übrige Salzburger Land an Österreich kam. Piding gehörte bis 1818 zum Landgericht Teisendorf und wurde anschließend dem Landgericht Reichenhall zugeordnet,Amtsgericht Laufen: Historisches, 2. Absatz, abgerufen am 22. Januar 2017. das ab 1862 in das Bezirksamt Berchtesgaden und ab 1939 in den Landkreis Berchtesgaden überging.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Durchgangslager Piding über 2 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus ost- und südosteuropäischen Ländern registriert und über die ganze Bundesrepublik verteilt. Viele fanden in Piding ihre zweite Heimat, wodurch die Einwohnerzahl von 1140 (1939) auf 2826 (1946) anstieg. Es gab zwei Lager: Von September 1945 bis 1. Juli 1962 bestand das Lager Piding, das ab 1. Mai 1948 Grenzdurchgangslager Piding genannt wurde. Direkt daneben das Wohnlager, welches überwiegend mit Sudetendeutschen belegt war und aus dem sich die Industriesiedlung Piding und die heutige Wohnsiedlung entwickelt haben. Das Durchgangslager war 1956 im Zuge des Ungarnaufstands nochmals im Blickpunkt der Öffentlichkeit als es über 5000 Flüchtlinge aus Ungarn aufnahm. Der Ortsteil wird noch heute im Volksmund „Lager“ genannt.