mini|Euskirchen, Pfeifer & Langen

Die Pfeifer & Langen Industrie- und Handels KG ist die Holding eines Lebensmittelkonzerns mit Sitz in Köln. Historischer Kern des Unternehmens ist die Zuckerherstellung.

Zur Gruppe gehört Intersnack, ein Hersteller von Snack- und Knabberprodukten, und das 2019 geschaffene Tochterunternehmen Nature’s Richness Holding GmbH mit Geschäftsaktivitäten in Herstellung und Vertrieb von Lebensmittelrohstoffen, Proteinen und Kohlenhydraten. Zudem hält die Gruppe einen 50-%-Anteil an dem Lebensmittelhersteller Krüger.

Teilkonzern Pfeifer & Langen

Der Teilkonzern Pfeifer & Langen produziert und liefert Zuckerprodukte für Haushalte mit den Marken-Bezeichnungen Kölner Zucker und Diamant Zucker sowie an die Lebensmittel-, Non-Food- und Futtermittelindustrie. 2022/23 betrug die europaweite Rübenzucker-Produktion 1,9 Mio. Tonnen.

Pfeifer & Langen betreibt Zuckerfabriken in Appeldorn, Elsdorf, Euskirchen, Jülich, Könnern und Lage sowie in Środa Wielkopolska, Gostyń, Miejska Górka, Poznań, Glinojeck (Polen), Oradea (Rumänien), Radechiw, Tschortkiw, Sbarasch, Kosowa, Chorostkiw, Gnidawa (Ukraine), Kaposvár (Ungarn), Lelystad (Niederlande), Minerbio (Italien), Ptuj (Slowenien), Thessaloniki (Griechenland). 2006 hatte das Unternehmen 856 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 644 Mio. Euro. 2016 waren es 1.277 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 750 Mio. EuroPfeifer & Langen GmbH & Co. KG Köln - Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016, im elektronischen Bundesanzeiger und 2022 insgesamt 2.521 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Umsatz von 1,33 Mrd. Euro.

Geschichte Anfangsphase bis 1926 mini|Kölner Zucker, Pfeifer & Langen, Köln mini|Historische „Pfeifer & Langen“ -Dose

In der Versuchsanlage auf Gut Fronhof in Ossendorf vor den Toren Kölns wurde am 31. Oktober 1851 erstmals Zucker aus Rüben gekocht. Emil Pfeifer, der das Gut 1840 erworben hatte, und sein Partner August Joest beschäftigen in dieser Anfangsphase fünf Mitarbeiter, die die Rüben von 51 Bauern aus der Umgebung zu Zucker verarbeiteten. Nach dem Ausscheiden von August Joest 1853 firmierte das Unternehmen in Emil Pfeifer & Cie. Emils Sohn Valentin wurde 1865 Mitgesellschafter. 1868 kam es zu der für die Firmengeschichte entscheidenden Einbeziehung des Ingenieurs und Erfinders Eugen Langen, dem Sohn des Kölner Zuckerindustriellen Johann Jakob Langen, der in Ossendorf seinen patentierten Knochenkohleofen erstmals in der Praxis erprobte.Dietmar Kinder: 125 Jahre Zuckerfabrik in Elsdorf. In: Wisoveg.de, 2000.

Am 19. April 1870 wurde die Firma Pfeifer & Langen in Köln von Emil Pfeifer, seinem Sohn Valentin und Eugen Langen gegründet. Ein Jahr später nahm die Zuckerfabrik Elsdorf den Betrieb auf. Direktor der Fabrik war Eugen Langen, der dort 1872 ein verbessertes Verfahren für die Verarbeitung von Zucker zu Würfeln („Langensches Würfelverfahren“) erfand und ein Jahr später ein preußisches Patent erhielt. Die 1869 in Betrieb genommene Bahnstrecke Düren–Neuss ermöglichte dem Werk Elsdorf auch den Antransport von Rüben aus entfernt gelegenen Anbaugebieten, die für Pferde- und Ochsengespanne nur schwer zu erreichen waren.

1879 gründete Pfeifer & Langen in Euskirchen eine zweite Rübenzuckerfabrik. 1884 erfolgte die Gründung einer Betriebskrankenkasse, die 1996 mit der BKK Anker-Lynen-Prym fusionierte und aus der später die Actimonda BKK hervorging. 1883 war das Gründungsjahr der Zuckerfabrik Lage und Errichtung der Hauptverwaltung von Pfeifer & Langen in Köln.

1894 erfolgte die Stilllegung der 1851 von Emil Pfeifer in Ossendorf errichteten Fabrik. Die Entwicklung der Stadt Köln hatte zunehmend das landwirtschaftlich nutzbare Umland verringert. 1905 erwarb Pfeifer & Langen Aktien im Wert von 70.000 Mark an der Zuckerfabrik Elsen bei Grevenbroich. Zwei Jahre später erfolgte die Umwandlung von einer OHG in eine GmbH; 1909 kaufte Pfeifer & Langen die restlichen Anteile.

1926 bis 1989 1926 schlossen sich die Unternehmen Pfeifer & Langen und vom Rath & Breth zusammenFirmeneintrag bei albert-gieseler.de und die Firma P. Schwengers & Söhne aus Uerdingen wurde aufgekauft. Im selben Jahr wurden die Marke Kölner Zucker sowie das Logo aus zwei gestreiften Zuckerhüten, die an die Türme des Kölner Doms erinnern, markenrechtlich eingetragen. Gleichzeitig wurde Pfeifer & Langen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zu dieser gehörten die Werke in Elsdorf, Euskirchen und Elsen und die Raffinerie Uerdingen. Die Fabriken Ameln, Wevelinghoven und Dormagen waren mit Mehrheitsbesitz und Lieferverträgen an die neue Aktiengesellschaft gebunden. Bereits 1928 gingen die Werke Ameln und Wevelinghoven vollständig in den Besitz von Pfeifer & Langen über. Und 1930 ging auch der Actien-Verein für Zuckerfabrikation, Dormagen, in Pfeifer & Langen auf.

1931 wurde das Werk Elsen bei Grevenbroich stillgelegt. Nachdem 1933 der in Bankbesitz befindliche Aktienteil von der Pfeifer & Langen AG erworben worden war, erfolgte die Umwandlung zurück in eine GmbH. Ab 1941 zog Pfeifer & Langen auch Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in der Zuckerfabrik Elsdorf heran; sie waren in einem Gefangenenlager neben dem Fabrikgelände untergebracht. Bei einem Bombenangriff im November 1944 wurden dort u. a. mehrere sowjetische Kriegsgefangene getötet, die anschließend auf dem jüdischen Friedhof der Gemeinde Elsdorf in größtenteils unmarkierten Gräbern beerdigt wurden. 1945 wurde die Zuckerfabrik Elsdorf zunächst von den amerikanischen Truppen beschlagnahmt.

1950 wurden im Werk Wevelinghoven erstmals eine fahrbare Rübenkippe und Stapelanlage benutzt. Ab 1951 produzierte das Unternehmen in seinem Werk Dormagen Poly-Glucose – Dextran genannt. Hierbei handelte es sich um einen Blutplasma-Ersatzstoff. 1966 erfolgte der Aufkauf der Sirupfabrik Gebrüder Langen, Köln-Braunsfeld, und der Zuckerraffinerie und Kandisfabrik Gebrüder Tintelnot in Vlotho. 1969 wurden diese Betriebe stillgelegt und die Aufgaben vom Werk Euskirchen übernommen.

1972 wurde die Krüger GmbH & Co. KG gegründet, an der sich Pfeifer & Langen wenig später zu 50 % beteiligte. Sie stellt Instantgetränke, Diätprodukte und Babynahrung her. Ebenfalls 1972 erfolgte die Gründung eines gemeinsamen Tochterunternehmens mit der Pfanni-Werke Otto Eckart AG, München. Hierbei brachte Pfeifer & Langen seine Kartoffelchips-Produktion mit ein. Das neue Unternehmen firmierte ab 1980 unter dem Namen Convent Knabbergebäck GmbH Co. KG, aus der später die Intersnack-Gruppe wurde. 1973 wurde in Köln ein neues Hauptverwaltungsgebäude errichtet. Zusammen mit der Zuckerhandelsunion GmbH, Berlin, gründete Pfeifer & Langen 1974 die Spezialzuckerraffinerie in Lage und baute das Geschäft mit flüssigem Zucker weiter aus. 1977 erfolgte der Bau einer neuen Zuckerfabrik im niederrheinischen Appeldorn, womit das nördliche Rheinland für den Rübenanbau erschlossen werden sollte. Zwei Jahre später wurde die Zuckerproduktion im Werk Dormagen eingestellt.

1982 wurde die Opekta GmbH erworben. Diese stellte pektinhaltige Produkte für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtgelees her. 1989 verkaufte Pfeifer & Langen 50 % Anteile an die Schwartauer Werke und 1991 die zweiten 50 % an die Herbstreith & Fox. Die Lippe-Weser-Zucker AG wurde 1986 erworben. Dabei wurde das Werk in Lage ausgebaut, während das Werk in Emmerthal geschlossen wurde. Lage ist die einzige Fabrik im Unternehmen, die ausschließlich Weißzucker herstellt. In den folgenden Jahren wurden die Zuckerfabriken Düren und Brühl erworben, die kurz danach schlossen (1987 und 1989). 1991 wurde das Werk in Ameln geschlossen und 1995 erfolgte die Stilllegung des Werkes in Wevelinghoven. Gleichzeitig war in den verbliebenen Werken die Produktion fast verdoppelt worden.

1989 bis heute Nach der deutschen Wiedervereinigung erwarb die Tochtergesellschaft Diamant-Zucker KG Anteile an den vier ostdeutschen Zuckergesellschaften in Elsnigk, Langenbogen, Nauen und Thöringswerder im Jahre 1991, die zuvor alle dem Kombinat Zucker angehörten. Im selben Jahr übernahm Pfeifer & Langen von der Treuhandanstalt vier Fabrikgesellschaften mit zehn Standorten in den neuen Bundesländern und gründete die Diamant-Zucker KG. 1993 wurde von der Diamant in Könnern (Sachsen-Anhalt) eine Zuckerfabrik errichtet, anschließend wurden die übrigen ostdeutschen Fabriken geschlossen. Die Zuckerfabrik Könnern ist der größte Standort des Unternehmens in Deutschland.https://www.pfeifer-langen.com/de/unternehmen/standorte/koennern/

Ein Ausbau des Bereiches Glucose erfolgte im Jahre 1994 mit dem Erwerb von einem 66-%-Anteil am französischen Unternehmen Chamtor S.A. in der Champagne. 1995 konnten die restlichen 34 % dieses Unternehmens erworben werden. Gleichzeitig stieg Pfeifer & Langen in den polnischen Markt mit einer Beteiligung an der Zuckerfabrik Środa ein. In den folgenden Jahren kamen Anteile an weiteren Gesellschaften hinzu.

2001 erwarb Pfeifer & Langen Anteile an der 1. Ungarischen Zuckermanufaktur GmbH in Kaposvár. Weitere Zukäufe und Beteiligungen in Tschechien (2004), Italien (2006), Slowenien (2008), Rumänien (2009), Griechenland (2009) und der Ukraine (2010) folgten. 2005 wurde die Produktion in Polen in der Pfeifer & Langen Polska S.A. mit Sitz in Poznań und den fünf aktiven Werken Góra Śląska, Gosławice, Gostýn, Miejska Gorka und Środa zusammengefasst.

Im Jahr 2006 erwarb Pfeifer & Langen die Aktienmehrheit an der Zuckerfabrik Jülich AG (Westzucker). Damit verbunden war gleichzeitig das Ende der Rübenverarbeitung in der Zuckerfabrik Elsdorf, die nach der Kampagne 2006 in Folge der Anpassung an die Vorgaben der europäischen Zuckermarktordnung eingestellt wurde. Die Veredelung und Verpackung von Zuckerprodukten findet dort aber weiterhin statt.

Im Jahr 2012 wurde die Pfeifer & Langen KG in eine GmbH & Co KG umfirmiert. In den darauffolgenden Jahren 2013 bis 2016 erwarb Pfeifer & Langen weitere Beteiligungen in der Ukraine und stärkt durch den Zukauf weiterer Fabriken seine Position im Markt.

2019 erwarb das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung am Fleischersatzproduzenten Amidori, welcher 2021 in Endori umbenannt wurde.

2023 erwarb Pfeifer & Langen eine Mehrheitsbeteiligung an dem Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle. Die Übernahme wurde im März 2024 vom Bundeskartellamt genehmigt. mini|Pfeifer-&-Langen-Zuckerfabrik in Euskirchen mini|Pfeifer-&-Langen-Raffinerie in Środa Wielkopolska, Polen

2016 öffnete Pfeifer & Langen in Elsdorf einen zentralen Forschungs- und Entwicklungsstandort. Im selben Jahr stellte Pfeifer & Langen Cellobiose her – einem natürlichen Zucker, mit geringerem Gehalt an Nahrungsenergie als Haushaltszucker.

In einem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt arbeitet die Pfeifer & Langen-Tochtergesellschaft „Savanna Ingredients GmbH“ an der Marktreife der Allulose – einem natürlichen Zucker ohne Nahrungsenergie.

Kartell

Im Februar 2014 wurde gegen das Unternehmen und die Konkurrenten Südzucker und Nordzucker durch das Bundeskartellamt wegen wettbewerbswidriger Absprachen eine gemeinschaftliche Geldbuße in Höhe von 280 Millionen Euro verhängt. Vom LG Köln wurden 2020 vier Schadensersatzklagen gegen die Kartellanten über insgesamt circa 126 Millionen Euro abgewiesen, weil nicht festgestellt werden konnte, dass die kartellrechtswidrigen Absprachen zu erhöhten Preisen geführt haben.Zuckerkartellanten müssen keinen Schadenersatz an Großabnehmer zahlen, beck.de vom 12. Oktober 2020. Vom LG Mannheim wurden die Kartellanten 2023 in zwei Pilotverfahren verurteilt, wegen der Absprachen insgesamt 14,66 Millionen Euro an zwei Lebensmittelhersteller zu zahlen. Gegen die Urteile wurde Berufung eingelegt.Zuckerproduzenten: Zuckerhersteller ziehen nach Kartellstrafe zur nächsten Instanz, Handelsblatt.com vom 31. Juli 2023.

Standorte Standorte in Deutschland: Köln (Hauptverwaltung) Appeldorn Elsdorf Euskirchen Jülich Lage Könnern Weitere Standorte in Europa: Italien (Minerbio) Slowenien (Ptuj)