mini|Westfassade aus weißem Marmor mini|Langhaus mini|Vierung mit Kuppelorgeln Der Salzburger Dom ist die Kathedrale der römisch-katholischen Erzdiözese Salzburg und damit Metropolitankirche der Kirchenprovinz Salzburg; sie ist den hll. Rupert und Virgil geweiht, das Patrozinium wird am Rupertitag, dem 24. September, begangen.Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 133. Der während des Dreißigjährigen Krieges vollendete Barockbau steht unter und gehört zum UNESCO-Welterbe Historisches Zentrum der Stadt Salzburg.
Geschichte mini|Ansicht von Südost, Festungsgasse
Baugeschichte Der erste, karolingische, Dom war eine dreischiffige Basilika ohne Querhaus, mit einer Apsis und einem vorgelagerten Paradies. Es gab ein separates Baptisterium. Dieser Bau wurde 774 vollendet. Abtbischof Virgil weihte die Kirche am 25. September 774 ein. Über 70 Meter lang, war sie bis zum Bau des Kölner Hildebold-Doms (der ab frühem 9. Jh.) das wohl größte Kirchengebäude nördlich der Alpen. Um das Jahr 1000 wurden ihr zwei Westtürme vorgesetzt.
In der Nacht von 4. zum 5. April 1167 brannte der Dom ab. Dem Vernehmen nach hatten die Grafen von Plain im Auftrag Kaiser Friedrich Barbarossas die Stadt anzünden lassen, weil der Salzburger Erzbischof Konrad II. von Babenberg den vom Kaiser ernannten Gegenpapst Viktor IV. nicht anerkannte (siehe auch Schisma von 1159). Der daraufhin unter Bischof Konrad III. errichtete romanische (nach seinem Erbauer auch „konradinische“) Dom war größer und umfasste neben Hauptschiff und Seitenschiffen noch zwei seitliche Kapellenreihen. Das heutige Taufbecken stammt noch aus diesem Bauwerk.
Nach dem Brand des romanischen Doms 1598 ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau ab 1599 von dem schwer beschädigten, aber noch nutzbaren alten Dom einzelne Bereiche abreißen, um sie unter Verwendung großer Teile der bisherigen Bausubstanz zu modernisieren.
Erst 1606 wurde mit dem radikalen und vollständigen Abbruch des alten Domes begonnen. Platz wurde somit für den heutigen Residenzplatz geschaffen, den nordseitigen Vorplatz des Domes. Die frühen Planungen wurden vor allem von Vincenzo Scamozzi durchgeführt. Erzbischof Wolf Dietrichs Nachfolger Markus Sittikus Graf von Hohenems engagierte als Baumeister Santino Solari, der die früheren Pläne deutlich verkleinerte. 1614 fand die Grundsteinlegung des Neubaus statt. Am 25. September 1628 wurde der Dom von Fürsterzbischof Paris von Lodron konsekriert; dabei erklangen u. a. auch die zwei neuen Vierungs-Orgeln, die der Hoforgelmacher Leopold Rotenburger geschaffen hatte. Das achttägige Domweihefest wird zu den größten Festen gehören, die Salzburg bislang gefeiert hatte.
Im Oktober 1682 wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1100-jährigen Bestehen des Erzstifts Salzburg (gemäß der Überlieferung wurde St. Peter angeblich im Jahr 582 gegründet) die 53-stimmige Missa Salisburgensis vermutlich erstmals aufgeführt.
Am 16. Oktober 1944 stürzte beim ersten Luftangriff auf Salzburg die Domkuppel ein. Von 1945 bis 1959 wurde der Dom saniert und die Kuppel rekonstruiert. An die Bombardierung des Domes erinnert z. B. die sogenannte „Bombenmesse“, komponiert von Domkapellmeister Joseph Messner.
Brände im Dom 1127: Das Feuer, das bei einem Glockenguss auf dem Domplatz entstanden war, vernichtete große Teile der Stadt, darunter die Stiftskirche von St. Peter und der Dom. 1167: Möglicherweise stand dieser Brand in Verbindung mit einem Streit um die Anerkennung des rechtmäßigen Papstes. 1312: Bei diesem Brand schmolzen durch die große Hitze sogar die Glocken. 1598: In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember brannten die Dachstühle des Domes ab. Der danach einsetzende Dauerregen und anschließende Schneefälle ließen die Gewölbe über Wochen hinweg einstürzen. Ein Totalschaden war das Ergebnis. 1859: Ein erneuter Brand, ausgelöst durch Arbeiten im Dachstuhl.
Ensemble mini|hochkant=1.7|Residenzplatz, rechts die Nordfassade des Doms, Bildmitte Bürgerhäuser, links die erzbischöfliche Residenz mini|hochkant=1.7|Domplatz, rechts das Westwerk des Doms, Bildmitte die erzbischöfliche Residenz, das Westwerk flankierend die Dombögen
Der Dom steht weitgehend frei in der Salzburger Innenstadt. Auf der Nordseite, zur Salzach hin, befindet sich der weitläufige Residenzplatz, zum Festungsberg gegen Süden hin der Kapitelplatz, hinter dem Dom eine zum Residenzplatz gehörende Gasse. Gegen Westen stehen die (alte) erzbischöfliche Residenz am Residenzplatz und das Kloster St. Peter am Kapitelplatz. Mit beiden Gebäuden ist der Dom über Bogengänge verbunden. Der Domplatz selbst wird auf der gegenüberliegenden Seite, zur Franziskanergasse und dem Festspielhaus hin, ebenfalls von einem Bogengang geschlossen, dem Wallistrakt der Residenz. In der Mitte des Domplatzes steht ein stilisierter Brunnen mit einer Darstellung der für die Salzburger Theologie zentralen Maria Immaculata.
Die prächtige barocke, marmorweiße Hauptfassade des Doms mit ihrem Programm ist nur aus der Nähe sichtbar, während sich die Hauptsichtseite zur Stadt hin als völlig schmuck- und nahezu fensterloses wuchtiges rohes Mauerwerk darstellt. Seit 2014 ist Besuchern des DomQuartier Salzburg der Zugang zum Dom über die Bogengänge möglich.
Fassade Das zum Domplatz hingewandte barockklassizierende Westwerk mit seinem reichen Figurenschmuck und den flankierenden 78 m hohen Türmen ist besonders beeindruckend. Die Fassade ist mit Untersberger Marmor (eigentlich ein heller Kalkstein) verkleidet und bis zum Giebel 43,11 m hoch. Die Fassade und die Seitentürme sind horizontal mit verkröpftem Gurtgesimswerk dreigeteilt, wobei die Geschoßhöhe nach oben hin abnimmt. Die Geschoße sind mit toskanischen, ionischen und korinthischen Pilastern bestückt. Auf das dritte Geschoß ist ein Tambourgeschoß mit Kuppel aufgesetzt. Das zweite Geschoß der Türme trägt die Turmuhr. Die anderen Fassaden des Domes in romanisierendem Stil wirken roh und schmucklos in Konglomeratmauerwerk (Nagelfluh),Renovierung und Restauration von Sakralbauten, historischen Baudenkmälern und Profanbauten mit Gollinger Konglomerat. Hubert Steiner, Konglomerat-Steinbruch. einem in Salzburg häufigen Baumaterial.
Die Torgitter zur Vorhalle (Paradies) tragen als Inschriften die drei Weihejahre 774, 1628, 1959. Vor den Portalen stehen auf Sockeln vier überlebensgroße Figuren. Die Sockel tragen die Wappen der Erzbischöfe Guidobald von Thun (außen) und Johann Ernst von Thun (innen). Die äußeren beiden Figuren aus dem Jahr 1660 stammen von Bartholomäus van Opstal. Sie stellen die Kirchenpatrone – links den heiligen Rupert mit einem Salzfass und rechts den heiligen Virgil mit der Kirche – dar. Die beiden mittleren Figuren wurden 1697–1698 von Bernhard Michael Mandl geschaffen. Links steht der heilige Petrus mit dem Schlüssel und rechts der heilige Paulus mit dem Schwert. Auf der Balustrade im 2. Stock sieht man die Figuren der vier Evangelisten: Lukas, Matthäus, Markus, Johannes.
In den Giebelaufsätzen der Fenster findet man Löwe und Steinbock, die Wappentiere von Paris Lodron und Markus Sittikus. Über dem Mittelfenster sind zwei Engelsfiguren angebracht, die eine Krone halten. Diese krönt die Marienstatue, die auf dem Domplatz steht, wenn man – vom heutigen Festspielhaus kommend – durch die Arkaden des Wallistrakts auf den Dom zuschreitet. Auf dem Giebel des Doms stehen links Moses mit der Gesetzestafel, rechts Elias und erhöht in der Mitte Christus Salvator. Diese drei Figuren dürften um das Jahr 1660 von Tommaso Garove Allio, dem Meister des Residenzbrunnens, geschaffen worden sein.
Texte (Fassade, Altäre) Text (Fassade) An der Domfassade steht der unter Markus Sittikus angebrachte Spruch „HAEC EST DOMVS DEI / IN QVA INVOCABITVR / NOMEN EIVS“ („Dies ist das Haus Gottes, in dem sein Name angerufen wird“).
Text (Altäre) Der Text von der Fassade führt direkt zum Text über dem Portiunkula-Altar aus der Offenbarung des Johannes: „ECCE TABERNACVLVM / DEI CVM HOMINIBVS / APOCAL. XXI“. Dieser Text ("Sieht das Zelt Gottes unter den Menschen") stammt aus dem Stundengebet der Kirchweihe.
Dieser Text aus der Offenbarung führt direkt zum Text über dem Maria-Schnee-Altar aus dem Buch Ecclesiasticus, Kapitel 24: „IN.ME.GRATIA.OMNIS.VIAE./ET.VERITATIS.ECC.XXIV.“ („In mir ist alle Lieblichkeit des Weges und der Wahrheit“). In Kapitel 24 „Lob der Weisheit“ wird die Gottesmutter Maria als die personifizierte Weisheit gesehen. Wie im Buch der Offenbarung am Portiunkula-Altar wird auch in Ecclesiastes die Gottesmutter Maria nicht explizit erwähnt, sondern eine nicht näher bezeichnete weibliche Figur wurde von der katholischen Kirche im Nachhinein als Maria gedeutet. Beide Altäre sind mit einem Text beschriftet, in den die Marienfigur später hineininterpretiert wurde. Beide Altäre zeigen die Jungfrau Maria, einmal zur rechten ihres Sohnes sitzend, einmal im Himmel von Engeln umgeben.
Der Text aus dem Buch Ecclesiasticus führt über das gemeinsame Wort VIA (Weg) direkt zum Text über dem Hochaltar aus Psalm 16 (nach griechischer Zählung Ps 15) „NOTAS MIHI / FECISTI / VIAS VITAE / PS XV“ („11 Du hast mir die Wege des Lebens gezeigt“).
Portale mini|hochkant|„Tor der Hoffnung“, Ewald Mataré 1957/1958 Die drei Bronzetore des Domes haben die drei Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung zum Thema. Sie wurden zwischen 1955 und 1958 von Toni Schneider-Manzell (Tor des Glaubens), Giacomo Manzù (Tor der Liebe) und Ewald Mataré (Tor der Hoffnung) gestaltet.
Tor des Glaubens Das theologische Programm zum linken Portal stammt von Thomas Michels und wurde von Toni Schneider-Manzell künstlerisch umgesetzt. Am rechten Torflügel ist als zentrale Figur der Apostel Paulus zu sehen, wie er auf dem Weg nach Damaskus vom Saulus zum Paulus bekehrt wird. Schneider-Manzell greift so auf die Paulus-Statue am Eingang zurück. Der Heilige hebt kniend die Arme zum Himmel und wird von zwei Sphären umschlossen. Die Gnadenwirkung von oben und der menschliche Willen von unten. Am Himmel erblickt er zwei Engel, die das Kreuz Christi als Glaubenssymbol erheben. Unten ist der Kirchenvater Augustinus zu sehen, im Gespräch mit einem Kind. Am linken Torflügel sieht man von oben nach unten sieben Szenen: (1) Die Verklärung des Herrn. (2) Taube und Flammen als Pfingstsymbol . (3) Seligpreisung der Maria durch Elisabeth . (4) Der ungläubige Apostel Thomas legt seine Hand in die Seitenwunde Christi . (5) Petrus versinkt im Wasser . (6) Abraham bei der Opferung von Isaak . (7) Die drei Jünglinge im Feuerofen. Der Portalgriff ist als Kreuz gestaltet. Die Innenseite des Portals zeigt die vier Paradiesflüsse: Euphrat (Tirat), Tigris (Hiddekel), Nil (Gihon) und Ganges (Pischon).
Tor der Liebe Das mittlere Portal ist das „Tor der Liebe“. Es wurde zwischen 1957 und 1958 von dem italienischen Bildhauer Giacomo Manzù gestaltet. Im Brief von Apostel Paulus an die Korinther heißt es: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (). Dementsprechend ist das mittlere Tor das größte.
Das Portal ist in vier rechteckige Felder gegliedert. Die Griffe außen stellen Weinlaub (links) und Ähren (rechts) dar, Symbole der Eucharistie. Manzù verwendete dieselben Griffe auch an seiner „Porta della morte“ (1964) zum Petersdom im Vatikan. An der Innenseite sind die Griffe in Form der beiden Bischöfe hl. Rupert und hl. Virgil gestaltet.