mini|300px|Animation der Entwicklung des Streckennetzes
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) betreiben mit der Straßenbahn Leipzig heute eines der größten Straßenbahnnetze Deutschlands. Die Geschichte des Straßenbahnnetzes Leipzig wird in Form von Tabellen dargestellt, die Streckeneröffnungen, Elektrifizierungen, Neutrassierungen, Stilllegungen und Betriebsstrecken enthalten. In den Tabellen werden die zeitgenössischen Straßennamen verwendet, sofern sie bekannt sind. Die heutigen Bezeichnungen sind jeweils in (Klammern) hinzugefügt.
Entwicklung des Gleisnetzes mini|hochkant=0.8|Leipziger Pferdebahn (um 1880) Leipziger Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft (LPE) Am 20. April 1871 erteilte die Stadt Leipzig Gabriel Graf Diodati und dem Genfer Bankier Adolph Schaeck eine Konzession für den Bau von Pferdebahnen. Der Baubeginn war im Februar 1872. Bereits sechs Tage nach Eröffnung der Strecken wurde am 24. Mai 1872 die Gesellschaft nebst Anlagen und die Konzession von der von Hutton Vignoles in London gegründeten Leipzig Tramways Company Ltd. übernommen. Im Deutschen Reich firmierte die Bahn weiterhin unter LPE. Die LPE wurde am 1. Januar 1896 von der Großen Leipziger Straßenbahn (GLSt) übernommen.
Die erste Bauphase (1872/73) Datum Art der Änderung Strecke 18.05.1872 Eröffnung Zentrumsring: Roßplatz – Augustusplatz – Georgiring – Bahnhöfe (Hauptbahnhof) – Blücherplatz (Tröndlinring/Kurt-Schumacher-Straße) – Fleischerplatz (Tröndlin-/Goerdelerring) – Obstmarkt (Martin-Luther-Ring) – Königsplatz (Wilhelm-Leuschner-Platz) – Roßplatz Eröffnung Augustusplatz, Mittelfahrbahn – Johannisplatz – Dresdner Straße – Reudnitz, Depot Eröffnung Königsplatz – Peterssteinweg – Südplatz – Kochstraße – Connewitz, Kreuz – Connewitz, Eiskeller (Nähe Koburger Brücke) 04.06.1872 Eröffnung Obstmarkt – Weststraße (Friedrich-Ebert-Straße; die Straße mündete damals in Höhe Rudolphstraße parallel zur Karl-Tauchnitz-Straße in den Ring) – Plagwitzer Straße (Karl-Heine-Straße) – Plagwitz, „Felsenkeller“ 22.09.1872 Eröffnung „Felsenkeller“ – Zschochersche Straße – Plagwitz, „Drei Linden“ (Zschochersche/Dreilindenstraße) 01.12.1872 zu Betriebsstrecke Augustusplatz – Bahnhöfe – Schulplatz – Obstmarkt/Weststraße 19.12.1872 Wiederinbetriebnahme Augustusplatz – Bahnhöfe – Blücherplatz Eröffnung Blücherplatz – Blücherstraße (Kurt-Schumacher-Straße) – Chausseehaus (Delitzscher/Georg-Schumann-Straße) – Eutritzsch, Markt – Gräfestraße – Eutritzsch, Gasthof „Zum Helm“ 20.01.1873 Eröffnung Yorckplatz (Wilhelm-Liebknecht-Platz) – Gohliser Straße – Menckestraße – Möckernsche Straße – Gohlis, „Weintraube“ (Möckernsche Straße 5)
mini|Schienenprofile im Leipziger Straßenbahnnetz. Rechts Bauart Loubat (oder Lonbad) von 1872, die hohen Langschwellen lagen auf leichten Querschwellen. In der Mitte die mehrteilige Bauart Haarmann, eingebaut ab 1885. Links einteilige Phoenix-Rillenschiene von 1895 mit „Schmidtschem Halbstoß“. Ganz links Kletterschiene für Baustellen.
Schon beim Streckenbau gab es erste Unstimmigkeiten bei der Spurweite. Zwar sollte die Regelspur von 1435 mm angewendet werden, doch führt die genaue Umrechnung des fehlerhaften Wertes von 4' 8" 6"' zu einem Maß von 1438 mm. Der Oberbau mit Flachschienen und Langschwellen der Bauart Loubat erwies sich ohne Spurhalter als nicht spurstabil und führte durch die Belastung im Betrieb und durch eindringendes Oberflächenwasser nach nur wenigen Jahren zu Spurerweiterungen auf durchschnittlich 1460 mm. Weil der Führung der Pferdebahngesellschaft die Ausgaben für die Spurweitenregulierung als zu hoch erschienen, presste man die Radsätze auf ein Spurmaß von 1458 mm um, ohne die Aufsichtsbehörden zu informieren. Damit entstand die besondere und nur in Leipzig verwendete Spurweite, die auch in der Folgezeit beibehalten wurde und bis heute Durchbindungen in das Fernbahnnetz verhindert.
Die zweite Bauphase (1881–1891) Nachdem sich das neue Verkehrsmittel bewährt hatte und sich bei den Leipzigern zunehmender Beliebtheit erfreute, wurde geplant, auch andere umliegende Stadtteile an das Schienennetz anzubinden.
Beginnend 1881 wurde bis 1886 auch auf den bereits vorhandenen Strecken der mangelhafte Langschwellenoberbau gegen gewalzte Haarmann-Doppelschienen mit auch heute noch üblichen Spurhaltern aus Flachstahl ausgewechselt. Ab 1889 wurden schließlich einteilige Rillenschienen eingebaut.
Datum Art der Änderung Strecke 1881 Eröffnung Südplatz – Connewitzer Chaussee (Karl-Liebknecht-Straße) – Connewitz, Kreuz Stilllegung Südplatz – Kochstraße – Connewitz, Kreuz 24.12.1881 Eröffnung Frankfurter/Leibnizstraße (Jahnallee/Leibnizstraße) – Waldplatz – Angerbrücke – Kuhturmstraße (→) / Dreilindenstraße (←) – Lindenauer Markt – Odermannstraße – Lützner Straße – Endersstraße – Guts-Muths-Straße (→) / Merseburger Straße (←) – Plagwitz, Depot (Nähe König-Albrecht-Brücke) 01.04.1882 Eröffnung Brühl/Katharinenstraße – Schulplatz – Frankfurter/Leibnizstraße 18.06.1882 Eröffnung Augustusplatz, Mittelfahrbahn – Goethestraße – Brühl – Brühl/Katharinenstraße 22.07.1882 Eröffnung Plagwitz, „Felsenkeller“ – Albertstraße (Karl-Heine-Straße) – Plagwitz, Depot zu Betriebsstrecke Plagwitz, „Felsenkeller“ – Plagwitz, „Drei Linden“ 22.08.1882 Eröffnung Bahnhöfe – Goethestraße/Brühl Eröffnung Augustusplatz/Goethestraße – Schillerstraße – Peterstor (Schiller-/Petersstraße) 24.10.1882 Neutrassierung Umbau der Endstelle Augustusplatz, Mittelfahrbahn auf zwei statt bisher vier Gleise 22.12.1882 Eröffnung Georgiring/Wintergartenstraße – Wintergartenstraße – Eisenbahn-/Kirchstraße (Eisenbahn-/Hermann-Liebmann-Straße) 25.07.1883 Eröffnung Gohlis, „Weintraube“ – Möckernsche Straße – Gohlis, Depot (Möckernsche Straße 37/41) Eröffnung Peterstor – Königsplatz 07.09.1883 Eröffnung Roßplatz – Kurprinzstraße (Grünewaldstraße) – Windmühlenstraße – Bayrischer Bahnhof 18.05.1884 Eröffnung Johannisplatz – Ostplatz 22.06.1884 Eröffnung Obstmarkt/Harkortstraße – Harkortstraße – Spießbrücke (Harkort-/Telemannstraße) 13.07.1884 Eröffnung Spießbrücke – Pestalozzistraße (Telemannstraße) – Festplatz Scheibenholz 18.07.1884 Wiederinbetriebnahme Centralhalle Dittrichring (Schauspielhaus) – Obstmarkt/Weststraße 01.08.1884 zu Betriebsstrecke Spießbrücke – Festplatz (nur bei Veranstaltungen betrieben) 16.09.1884 Wiederinbetriebnahme Fleischerplatz (Tröndlin-/Goerdelerring) – Centralhalle Dittrichring 1885 Wiederinbetriebnahme Blücherplatz – Fleischerplatz ??.12.1885 Eröffnung Ostplatz – Mühlstraße – Thonberg, Cecilienstraße 1886 Eröffnung Eutritzsch, Gasthof „Zum Helm“ – Gräfestraße – Eutritzsch, Depot 14.05.1887 Eröffnung Eisenbahn-/Kirchstraße – Eisenbahnstraße – Torgauer Platz 1887 Eröffnung Reudnitz, Depot – Breite/Engelsdorfer Straße (Breite/Zweinaundorfer Straße) 19.08.1888 Eröffnung Breite/Engelsdorfer Straße – Anger-Crottendorf, „Albertgarten“ (Zweinaundorfer/Herbartstraße) 28.10.1889 Eröffnung Wiesenstraße (Gustav-Mahler-Straße) – Promenadenstraße (Käthe-Kollwitz-Straße, damals verlief die Straße geradlinig bis zur Wiesenstraße) – Fleischerplatz Eröffnung Bayrischer Bahnhof – Bayrische Straße (Arthur-Hoffmann-Straße) – Kantstraße – Schlachthof (MDR-Zentrum) Eröffnung Spießbrücke – Kaiser-Wilhelm-Straße (August-Bebel-Straße) – Kaiser-Wilhelm-/Kronprinzstraße (August-Bebel-/Kurt-Eisner-Straße) 05.05.1890 Eröffnung Fleischerplatz – Pfaffendorfer Straße – Nordplatz Neutrassierung geradlinige Führung über den Nordplatz im Zuge der Michaelis- und Gohliser Straße wird ersetzt durch die noch heute vorhandene Umfahrung des Platzes 08.09.1890 Eröffnung Thonberg, Hospital-/Mühlstraße (Prager/Mühlstraße) – Reitzenhainer Straße (Prager Straße) – Friedhofsweg zu Betriebsstrecke Strecke in der Mühlstraße 13.06.1891 Eröffnung Chausseehaus – Hallische Straße (Georg-Schumann-Straße) – Möckern, Kernstraße
Leipziger Elektrische Straßenbahn (LESt)
Die zweite Straßenbahngesellschaft in Leipzig, die LESt, wurde am 3. April 1893 gegründet und am 7. Mai 1895 ins Handelsregister der Stadt eingetragen. Die AEG fungierte als Unternehmer der neuen Gesellschaft. Da die Wagen der LESt rot lackiert waren, wurde die Gesellschaft im Volksmund als „Rote“ bezeichnet, die Konkurrenz (LPE bzw. ab 1896 GLSt) fuhr mit blauen Wagen, was ihr den Namen „Blaue“ einbrachte. Die Konzession zum Bau und Betrieb elektrischer Straßenbahnen wurde der LESt am 28. Februar 1895 erteilt. Der Bau begann nach kurzer Planungsphase bereits am 11. Juni 1895. Die Streckennetzplanung erwies sich als schwierig, da die Pferdebahngesellschaft insbesondere in Innenstadtnähe schon die meisten Hauptstraßen und den Promenadenring mit ihren Strecken belegt hatte. Aufgrund der Regelung, dass die LESt die Strecken der Konkurrenz nur auf jeweils 400, später 500 Metern Länge mitbenutzen durfte, kam es zu erheblichem Parallelverkehr und zu heute unsinnig wirkenden Streckenführungen durch enge Nebenstraßen. Als Ausgleich gestattete die Stadt der LESt den Streckenbau durch die Innenstadt innerhalb des Promenadenringes, was der LPE und der GLSt mit Ausnahme der Schiller- und Goethestraße sowie der Strecke durch den Brühl immer verwehrt wurde. Die LESt baute daraufhin eine Ost-West-Strecke durch die Grimmaische Straße, Thomasgasse, Gottsched-, Zentral- und Elsterstraße und eine Nord-Süd-Strecke durch Gerberstraße, Hallisches Tor, Reichs- sowie Katharinenstraße, Markt und Neumarkt zum Peterstor.
Aufbau des konzessionierten Netzes (1896–1898)