Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Februar 2006.

Tagesgeschehen

Mittwoch, 1. Februar 2006 mini|150px|Ben Bernanke Ärmelkanal: Nahe der Insel Guernsey sinkt der auf den Marschall-Inseln registrierte Chemietanker Ece mit 10.000 Tonnen Phosphorsäure an Bord nach einer Kollision mit dem Schüttgutfrachter Generał Grot-Rowecki, der unter maltesischer Flagge fährt. Eine Gefahr für Flora und Fauna besteht nicht. Gestern scheiterte der Versuch, die leckgeschlagene Ece in den französischen Hafen Le Havre zu schleppen. 22 Seeleute wurden per Hubschrauber und Rettungsboot an Land gebracht. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Präsident George W. Bush hält die „Rede zur Lage der Nation“ (State of the Union Address). Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik und eine Absage an möglichen Isolationismus: die USA würden sich ihrer historischen Verantwortung nicht entziehen und u. a. den Iran von Nuklearwaffen fernzuhalten versuchen. Die Hälfte der Menschheit lebe ohne Demokratie, und insbesondere in Syrien, Irak, Burma, Simbabwe und Nordkorea müsse der Freiheitswille unterstützt werden. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Der Wirtschaftswissenschaftler Ben Bernanke wird in Nachfolge von Alan Greenspan als Präsident im US-amerikanischen Zentralbank-System Federal Reserve vereidigt.

Donnerstag, 2. Februar 2006 Berlin/Deutschland: Das Landgericht untersagt Roman Grafe und dem Siedler-Verlag die weitere Verbreitung des Buches Deutsche Gerechtigkeit. Der Kläger, ein ehemaliger Politoffizier der Grenztruppen der DDR, berief sich auf den Schutz seiner Anonymität und bezweifelte das öffentliche Interesse an der Nennung seines Namens. Berlin/Deutschland: Anna Maria Mühe wird als beste Nachwuchs-Schauspielerin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Nahost, Nordafrika: In den Staaten mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung nehmen die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen zu. Den in der Zeitung abgebildeten Karikaturen wurden bereits weitere beigefügt, um die Protestwelle zu verstärken. Europäische Regierungsvertreter reagieren mit dem Hinweis auf die Pressefreiheit in der EU. Taizhou/China: Der Zeitungsverleger Wu Xianghu erliegt seinen während einer Polizeiaktion erlittenen Verletzungen. Der Todesfall des Journalisten findet in China keine mediale Beachtung.

Freitag, 3. Februar 2006 mini|200px|Unglücksstelle der Al-Salam 98 Jemen: Jamal al-Bedawi, der den Anschlag auf die Cole leitete, und Fawaz Al-Rabeiee, der für den Anschlag auf den Tanker Limburg verantwortlich war, entkommen mit 22 anderen Gefangenen aus einem Gefängnis im Jemen. Zwölf von ihnen waren überführte Mitglieder der Al-Qaida. München/Deutschland: Die Sängerin Helene Fischer veröffentlicht bei EMI Germany ihr erstes Album. Es heißt Von hier bis unendlich. Rotes Meer: Die Fähre Al-Salam 98 mit über Menschen an Bord sinkt auf dem Weg von Saudi-Arabien nach Ägypten. Etwa 300 Überlebende werden gerettet, die Bergung der Toten läuft an.Wikinews: Fähre im Roten Meer gesunken

Samstag, 4. Februar 2006 mini|150px|Flagge der IAEO Buschehr/Iran, Wien/Österreich: Der Iran beginnt wieder mit der Uran-Anreicherung. Daher beschließt der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation, die iranische Atompolitik vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu bringen, der sie umgehend behandeln soll. Die Regierungen der Atommächte Frankreich, Russland, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich und Volksrepublik China sprachen sich in den letzten Tagen für diesen Schritt aus. Damaskus/Syrien: Demonstranten gegen die Mohammed-Karikaturen setzen in Damaskus die dänische Botschaft in Brand. In Gaza wird die deutsche Vertretung angegriffen. Genf/Schweiz: Die Union internationale contre le cancer () koordiniert in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation erstmals den Weltkrebstag. Neben der Heilung von Krebs stehen die Vorbeugung vor sowie der Umgang mit der Erkrankung im Fokus.

Sonntag, 5. Februar 2006 mini|150px|Das Ford Field in der Nacht des Super Bowls Caracas/Venezuela: Präsident Hugo Chávez droht den USA, alle Öl-Lieferungen einzustellen, falls diese die diplomatischen Beziehungen abbrechen. Detroit/Vereinigte Staaten: Der Super Bowl XL im American Football zwischen den Pittsburgh Steelers und den Seattle Seahawks endet 21:10. Köln/Deutschland: Ayyub Axel Köhler wird neuer Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Sein Vorgänger Nadeem Elyas hatte diesen Posten elf Jahre inne.

Montag, 6. Februar 2006 Berlin/Deutschland: Die im Atomstreit erörterten Handelssanktionen hält der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Ludwig Georg Braun für kontraproduktiv. Er verweist auf das Embargo der Vereinten Nationen gegen den Irak, das „wirkungslos“ blieb und zur Verarmung der Bevölkerung beitrug. Port-au-Prince/Haiti: Die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen auf der Karibikinsel warnt vor Störungen der morgigen Wahlen zum Parlament und des neuen Staatspräsidenten, der ersten nationalen Volkswahl seit sechs Jahren. Die UN-Truppen wollen Sabotageakte verhindern und für einen möglichst korrekten Ablauf sorgen. Tokio/Japan: Der Technologiekonzern Toshiba einigt sich mit dem britischen Staatsunternehmen British Nuclear Fuels (BNFL) über den Erwerb des Herstellers von Kernkraftwerken Westinghouse Electric Company sowie der Unternehmens­sparte der BNFL in den Vereinigten Staaten. Die Kosten der Übernahme belaufen sich voraussichtlich auf 5,4 Milliarden US-Dollar.

Dienstag, 7. Februar 2006 mini|200px|Wissenschaftlicher Befund, der auf Dunkle Materie hinweist Dänemark: Der Sprecher von 21 dänisch-islamischen Organisationen gibt zu, den ursprünglichen Mohammed-Karikaturen weitere hinzugefügt zu haben, darunter Bilder mit besonders anstößigem Inhalt. Indien: Das Land meldet den Abzug von der etwa Soldaten aus der Krisenregion Kaschmir. Beobachter werten dies als Geste im Friedensprozess mit Pakistan. Milchstraße: Erste verlässliche Messungen zur Dunklen Materie zeigen für die Lokale Gruppe teilweise überraschende Ergebnisse, insbesondere zu Ausdehnung und Temperatur.

Mittwoch, 8. Februar 2006 Haiti: Nach Aussage der UN-Mission MINUSTAH und der OAS sind die Wahlen gut verlaufen, doch gab es mehrere Tote bei Krawallen. Aussichtsreichste Kandidaten für das Präsidentenamt sind René Préval, Charles Henry Baker und Leslie Manigat.

Donnerstag, 9. Februar 2006 Berlin/Deutschland: Die 56. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden mit dem Film Der Geschmack von Schnee des Regisseurs Marc Evans eröffnet. Coppenbrügge/Deutschland: Bei einem Busunglück sterben in den Morgenstunden drei Schüler. Deutschland: Der umstrittene türkische Kriegsfilm Tal der Wölfe – Irak startet in den deutschen Kinos. In der Türkei haben ihn zu diesem Zeitpunkt über zwei Millionen Besucher gesehen.

Freitag, 10. Februar 2006 Europa: Starke Schneefälle in Mittel- und Osteuropa fordern in der Ukraine rund 700 Kältetote; in sechs ostbayerischen Landkreisen sowie in Teilen Österreichs wird Katastrophenalarm ausgelöst. In Bayern werden Schneemengen bis 60 cm registriert, im Norden Österreichs bis zu 85 cm. Kairo/Ägypten: Gastgeber Ägypten gewinnt gegen die Elfenbeinküste nach Elfmeterschießen das Finale des 25. Afrika-Cups im Fußball. Kosovo/Serbien und Montenegro: Das Parlament wählt den Hochschulprofessor Fatmir Sejdiu zum Präsidenten der nach Unabhängigkeit von der Teilrepublik Serbien strebenden Provinz. Der Nachfolger des verstorbenen Ibrahim Rugova gilt in der internationalen Diplomatie als idealer Kompromisskandidat. Turin/Italien: Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi eröffnet die XX. Olympischen Winterspiele, während die Ex-Langläuferin Stefania Belmondo die olympische Flamme entzündet.

Sonntag, 12. Februar 2006 Irak: Arabische Medien veröffentlichen ein Video prügelnder britischer Soldaten. Die Opfer sind irakische Zivilisten. New York/Vereinigte Staaten: Am heutigen Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten ruft die UNO zu mehr Engagement im Kampf gegen Missbrauch von Kindern auf. Weltweit wird die Zahl der Kindersoldaten auf 300.000 geschätzt. Paris/Frankreich: Die Organisation Reporter ohne Grenzen wirft dem Portalbetreiber Yahoo! Mithilfe bei der Verfolgung chinesischer Dissidenten vor. Bei einem Jagdausflug schießt US-Vizepräsident Dick Cheney versehentlich auf einen Begleiter und verletzt diesen.

Montag, 13. Februar 2006 Ein in arabischen Medien veröffentlichtes Video prügelnder britischer Soldaten gegenüber irakischen Zivilisten löst Beunruhigung aus. In Bangladesch kehrt nach jahrelangem Boykott die Hauptoppositionspartei Awami-Liga ins Parlament zurück; sie wirft der Regierung vor, beim Eindämmen des Islamismus versagt zu haben. Die Volksrepublik China verabschiedet neue Vorschriften zur Kontrolle und Vermeidung von Aids. Nach offiziellen Angaben leben 650.000 HIV-Infizierte im Land.

Dienstag, 14. Februar 2006 Deutschland, Österreich: Das auch für Menschen gefährliche Influenza-A-Virus H5N1 hat vermutlich Deutschland und Österreich erreicht. Irak: Die Sorge um die entführten Deutschen Thomas Nitzschke und René Bräunlich wächst nach der Veröffentlichung einer neuen Videobotschaft der Geiselnehmer. Irak: Saddam Hussein verkündet, dass er seit drei Tagen gegen das Gericht hungerstreike, außerdem solidarisiert er sich mit Attentätern im Irak. New York/Vereinigte Staaten: Eine Untersuchungskommission Vereinten Nationen zum Lager Guantánamo Bay kommt zum Ergebnis, dass die USA dort Folterhandlungen an Gefangenen vornehmen, darunter Zwangsernährung und Isolationshaft. Laut dem noch inoffiziellen Bericht würden auch die Rechte der Gefangenen auf einen fairen Prozess verletzt. Die US-Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Mittwoch, 15. Februar 2006 mini|200px|Atomwirtschaft des Iran Damaskus/Syrien: Das Land wird laut einer UPI-Meldung ab sofort alle Auslandsgeschäfte in Euro, statt wie bisher in US-Dollar, abwickeln. Karlsruhe/Deutschland: Zur Frage entführter Flugzeuge erklärt das Bundesverfassungsgericht § 14 Absatz 3 des Luftsicherheitsgesetzes für nichtig. Madrid/Spanien: 16 arabische Staaten verurteilen die Gewalttaten bei den islamischen Protesten. Dies geht aus einer Erklärung der 16 Botschafter mit spanischen Politikern hervor. Palästinensische Autonomiegebiete: Hamas-Führer Ismail Haniyeh will rasch eine palästinensische Regierung bilden und auch einen Christen und zwei Frauen im Kabinett haben. Straßburg/Frankreich: Im „Karikaturenstreit“ verurteilt das EU-Parlament die gewaltsamen Ausschreitungen in mehreren islamischen Ländern; ihre Regierungen hätten beim Schutz von EU-Bürgern und Botschaften versagt. Das Parlament lehnt jede Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit ab und ruft zu interreligiösem Dialog auf. Wien/Österreich: Die Europäische Union und Russland fordern den Iran auf, die unlängst wieder aufgenommene Uran-Anreicherung einzustellen. Bei einem Treffen der EU-Troika mit Russlands Außenminister Lawrow in Wien sagte die derzeitige Ratsvorsitzende Ursula Plassnik, Teheran solle das „Zeitfenster“ bis zur März-Sitzung des UNO-Sicherheitsrates „zur Umkehr nützen“ und das Moratorium einhalten. Zuvor bestätigte Russland, dass sein Angebot zur zivilen Anreicherung am Montag in Moskau verhandelt werden soll.

Donnerstag, 16. Februar 2006 Berlin/Deutschland: Regierungspolitiker einigen sich in der Föderalismuskommission auf die größte Verfassungsreform Deutschlands seit 1949. New York/Vereinigte Staaten: UN-Sonderberichterstatter Manfred Nowak fordert aufgrund dringenden Folterverdachts die umgehende Schließung des Gefangenenlagers der Vereinigten Staaten an der Guantanamo-Bucht auf Kuba. Philippinen: Ein gewaltiger Erdrutsch verschüttet ein Dorf auf der Insel Leyte. Über 200 Todesopfer werden befürchtet, insbesondere weil die Schlammlawine eine ganze Schule überrollt hat.