Die Udet U 12 Flamingo war ein beliebtes deutsches Sport- und Schulflugzeug der 1920er und 1930er Jahre.

Geschichte mini|links|Ernst Udet in seiner U 12 Hans Henry Herrmann, Chefkonstrukteur und Teilhaber der Udet Flugzeugbau GmbH in München, entwarf die U 12 ab Ende 1924 als einstieligen verspannten Doppeldecker in Holzbauweise mit rechteckigem Rumpfquerschnitt. Als Antrieb diente meist ein Siebenzylinder-Sternmotor Siemens-Halske Sh 11 mit 96 PS. Später wurde noch ein stärkerer Siemens-Halske-Sh-14-Motor mit 160 PS eingebaut.

Der erfolgreiche Erstflug des mit einem Sh-5-Triebwerk ausgerüsteten Prototyps mit Ernst Udet im Cockpit fand einige Tage vor Ostern 1925 vom Flugplatz Schleißheim aus statt. Die Erprobung ergab keine Probleme; lediglich das Seitenruder musste wegen zu geringer Wirksamkeit vergrößert werden. Bereits am Ostersonntag, den 12. April, absolvierte Udet mit der U 12 in Regensburg eine Flugvorführung. Bald darauf begann die Serienfertigung in München-Ramersdorf. Dabei erfolgten bis zum Frühjahr 1926 noch eine weitere Vergrößerung des Seitenruders und zur Verbesserung der Trudeleigenschaften eine Verlagerung des Schwerpunkts nach vorn durch Verlängerung des Rumpfbugs samt Motoraufhängung von insgesamt 6,85 m auf 7,50 m. Im Jahre 1926 wurde die Firma Udet wegen finanzieller Schwierigkeiten von den Bayerischen Flugzeugwerken übernommen, die die Produktion des „Flamingo“ dann am Ende des Jahres in Augsburg wieder aufnahmen. Größter Halter in Deutschland waren die Filialen der Deutschen Verkehrsfliegerschule (DVS) in Schleißheim, Braunschweig und Warnemünde. Aber auch in anderen Flugschulen erfreute sich das Flugzeug großer Beliebtheit. Der bekannteste „Flamingo“ war die rote D 822 von Ernst Udet. Mit dieser flog er auf diversen Flugtagen in Deutschland und Österreich, aber auch in den USA. Für militärische Zielflugaufgaben führte Ernst Udet der Schweizer Fliegertruppe im Frühjahr 1930 mit einer Flamingo die „Udet-Scheibe“, bestehend aus einem vom Flugzeug geschleppten Tuch, vor.Jakob Urech, Emil Hunziker: Die Flugzeuge der schweizerischen Fliegertruppe seit 1914, herausgegeben von der Abteilung für Militärflugplätze Dübendorf, Verlag: Th. Gut Stäfa 1974, S. 152

In Österreich kamen nur wenige in Deutschland gebaute „Flamingo“ zum Einsatz. Die meisten dort eingesetzten „Flamingo“ wurden in Österreich als U 12O und U 12S in Lizenz gebaut.

In Ungarn flogen sowohl in Deutschland gebaute U 12 als auch bei Manfréd Weiss in Lizenz gefertigte Flugzeuge. Maschinen wurden auch nach Lettland, Estland und Litauen sowie China, Italien und Schweden exportiert. Für die baltischen Staaten besaß die Firma A/S Christine Backman in Riga eine Lizenz zum Nachbau.

Insgesamt wurden etwa 240 U 12 produziert, davon ca. 30 bei Udet Flugzeugbau in Ramersdorf und 150 als BFW U 12 in den Bayerischen Flugzeugwerken in Augsburg. Der Rest entstand in Lizenz im Ausland.

Versionen mini|U 12 mit Siemens & Halske Sh 14 U 12a – Anfänger-Schulflugzeug mit Siebenzylinder-Sternmotoren Siemens & Halske Sh 5 oder Sh 11. U 12b – Kunstflugtaugliche Ausführung mit stärkerem Siemens-Halske-Sh-12-Neunzylinder-Sternmotor. U 12c – Projekt mit kleineren Tragflächen und Siemens-Halske Sh 11. U 12d – Anfänger-Schulflugzeug mit Siemens-Halske Sh 12. U 12e – Projekt einer Rennflugzeug-Version mit Siemens-Halske Sh 12. U 12w – Projekt einer Wasserflugzeug-Version mit Doppelschwimmern. U 12O – Österreichische Version. U 12S – Österreichische Version mit Stahlrohrrumpf.

Militärische Nutzer Bundesheer: 20 Stück von 1927 bis 1938

Erhaltene Flugzeuge mini|Udet-U-12-Nachbau D-EOSM Ein Nachbau entstand beim Verein „Rhönflug Oldtimer Segelflugclub Wasserkuppe“ und wird seit 1994 geflogen. Am 17. Dezember 2004 startete ein weiterer Nachbau des Udet U 12 in Oberpfaffenhofen zum Erstflug. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-EOSM ist seit einem Startunfall im August 2013 in Reparatur, so dass derzeit (Juli 2015) in der Flugwerft Schleißheim nur der Rumpf ausgestellt wird.

Im Film Quax, der Bruchpilot wurde 1941 mit einer Udet U 12 mit 2 Kameras an Bord gedreht, Hauptdarsteller Heinz Rühmann flog selbst.

Technische Daten mini|Dreiseitenriss Kenngröße U 12a U 12b Konzeption Schulflugzeug Sportflugzeug Besatzung 1–2 Spannweite 10,00 m Länge 7,50 m 7,40 m Höhe 2,80 m Flügelfläche 24,00 m² Leermasse 525 kg 550 kg Zuladung 275 kg 250 kg Startmasse 800 kg Flächenbelastung 33,3 kg/m² Leistungsbelastung 10,0 kg/PS 7,3 kg/PS Antrieb ein luftgekühlter 7-Zylinder-SternmotorSh 11 mit ein luftgekühlter 9-Zylinder-SternmotorSh 12 mit Höchstgeschwindigkeit 140 km/h 145 km/h Reisegeschwindigkeit 115 km/h 120 km/h Landegeschwindigkeit 75 km/h Steigleistung 2,3 m/s 2,8 m/s Gipfelhöhe 3700 m 3800 m Reichweite 450 km

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Olaf Bichel: Die Flugzeuge der Udet Flugzeugbau GmbH. Bayerische Flugzeug-Historiker e. V.

Kategorie:Ziviler Flugzeugtyp Kategorie:Einmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotor Kategorie:Luftfahrzeug (Bundesheer 1. Republik) Kategorie:Erstflug 1925