Der Erste Kreuzzug war ein christlicher Kriegszug zur Eroberung Palästinas, zu dem Papst Urban II. im Jahre 1095 aufgerufen hatte. Das ursprüngliche Ziel war die Unterstützung des Byzantinischen Reiches gegen die Seldschuken. Der Kreuzzug begann 1096 zum einen als bewaffnete Pilgerfahrt von Laien, zum anderen als Zug mehrerer Ritterheere aus Frankreich, Deutschland und Italien und endete 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch ein Kreuzritterheer.

Ursachen und Anlass mini|hochkant|Oben: Jerusalem mit offenen Toren. Unten: Jerusalem wird von Heiden belagert und erobert, von Jesus beweint. Aus dem Evangeliar Ottos III. um 1000

Palästina war Teil des Oströmischen Reichs, bis es 637 von den Arabern eingenommen wurde (siehe islamische Expansion). Papst Gregor VII. plante, sich im Jahr 1074 an die Spitze eines Kriegszuges zur Eroberung Jerusalems zu setzen, um die Wirkungsstätten Christi wieder dem christlichen Abendland zurückzugewinnen. Die Wirren des Investiturstreits verhinderten die Umsetzung dieses Vorhabens.

Der byzantinische (oströmische) Kaiser Alexios I. Komnenos richtete wenige Jahre später Hilfegesuche an das lateinische Europa, da türkische Seldschuken sein Reich immer stärker bedrohten. Sie eroberten nach der gegen Byzanz gewonnenen Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 Anatolien und Antiochia. Das von inneren und äußeren Krisen geschüttelte Byzanz verfügte über keine militärische Möglichkeit einer Rückeroberung. Um westeuropäische Heere und die Kirche zu mobilisieren, übertrieben und dramatisierten byzantinische Gesandte in Berichten die Entweihung der heiligen Stätten und die Lage der im Heiligen Land lebenden Christen. Es gab auch abseits der byzantinischen Propaganda christliche Berichte über Gräueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des Heiligen Landes und die Verwüstung christlicher Stätten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Auch der aus Aleppo stammende muslimische Chronist al-Azimi erwähnte muslimische Übergriffe auf Pilger. Dies verwehrte den Zugang zu den heiligen Stätten. Zwar wurden während der abbasidischen und später der fatimidischen Herrschaft über Palästina ansässige Christen und Pilger aus Europa weiter geduldet, doch um 1073 verloren die Fatimiden Jerusalem an die weniger toleranten Seldschuken. Damit begannen Ausschreitungen gegen die christliche Bevölkerung, nachdem das Land schon durch die Kriege in Mitleidenschaft gezogen war. 1098 entriss Wesir al-Afdal Schahanschah den Ortoqiden, die als Statthalter eingesetzt waren, wieder die Kontrolle über das Land. Der spätere Kreuzzugsteilnehmer und Prediger Peter der Einsiedler war auf einer früheren Pilgerfahrt nach Jerusalem von Türken misshandelt und zur Umkehr gezwungen worden. Gleichzeitig bot Alexios I. eine Vereinigung der römisch-katholischen mit der orthodoxen Ostkirche an.

Vom 18. bis 28. November 1095 fand unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont statt. Neben 182 Kardinälen, Bischöfen und Äbten aus Italien, Spanien und Frankreich war auch eine byzantinische Gesandtschaft angereist. Im Vorfeld wurde verbreitet, dass der Papst ein Ereignis von großer Bedeutung für die Christenheit verkünde. Chronisten überliefern, Tausende seien zusammengeströmt, so dass die Verkündung nicht in der Kathedrale, sondern vor dem Osttor der Stadt stattfand.

Als der Papst am 27. November 1095 vor die erwartungsvolle Menge trat, hielt er eine stark dramatisierende Rede von den Leiden der Christenheit im Osten und der Notwendigkeit der Befreiung der heiligen Stätten, die Chronisten zufolge, die abweichende Fassungen vom Wortlaut überlieferten, von der Menge begeistert aufgenommen wurde. Dies ist jedoch zu bezweifeln, sprach Urban doch in Latein, was wohl nur die wenigsten verstanden hätten. Angeblich wurde bereits zu diesem Zeitpunkt das spätere Motto der Kreuzzüge – Deus lo vult! („Gott will es!“) – geprägt. Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy, der später zum Führer des Zugs ernannt wurde, kniete in einem zuvor besprochenen Auftritt unmittelbar nach dem Ende der Rede vor Urban II. nieder und bat als Erster um die Erlaubnis, ziehen zu dürfen. Viele andere sollen sich ihm angeschlossen haben. Danach hielt Papst Urban II. noch in Tours und Rouen Synoden ab, die den Aufruf verbreiteten. Ein Übriges taten über das Land gesandte Wanderprediger, die dafür sorgten, dass viele einfache Menschen, Abenteurer, Verbrecher und Bauern in den Krieg zogen. Den Kampfwilligen wurde Ablass für ihre Sünden zugesagt. Unter dem Motto Gott will es! wurde allen, die dem Ruf folgten, nie verwelkender Ruhm im Himmelreich versprochen.

Hinter dem sorgfältig und langfristig geplanten päpstlichen Aufruf zum Kreuzzug verbarg sich mehr als nur die angestrebte Rückeroberung des Heiligen Landes und eine Befreiung dort unterdrückter und teilweise unter Gräueltaten durch Muslime leidender Christen. Er war ein geschickt initiiertes machtpolitisches Instrument im zersplitterten und von Machtkämpfen erschütterten Europa. Einerseits strebte Urban II. die Wiedervereinigung mit der byzantinisch geführten Ostkirche an, andererseits konnte er die Kirche als zielgebende Ordnungsmacht in Mitteleuropa etablieren. Dieses war nach dem Ende des Karolinger-Reiches in sich befehdende adlige Einflussgebiete zerfallen, wobei häufig auch Kirchen und Klöster geplündert wurden.

Die Gelegenheit für diesen Aufruf war günstig. Das 11. Jahrhundert war geprägt von starker Religiosität in der Bevölkerung und Angst vor dem drohenden Ende der Welt. Wallfahrten und Pilgerzüge zum heiligen Grab, als Möglichkeit der Buße und für den Sündenablass, erlebten einen großen Aufschwung, wobei auch als starker Antrieb mitspielte, die heiligsten christlichen Stätten zurückzuerobern. Zudem erbten vor allem im niederen Adel vieler Regionen Europas viele Söhne nichts oder nur sehr geringe Besitzungen. Diese hatten großes Interesse an einem Kriegszug zum Erwerb von Schätzen und Ländereien.

Der Aufruf zum Kreuzzug war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Urban II. einte erstmals die lange in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adligen und gab ihnen mit dem Ziel eines gerechten Kampfes im Dienste der christlichen Sache eine ideelle Grundlage, die zugleich den Suprematieanspruch seines Amtes stärkte: Der vor dem Aufruf geforderte Gottesfrieden, der die Begrenzung der noch ausstehenden Fehden zwischen den Adligen brachte, bestärkte zugleich die Autorität der hier eingreifenden Kirche und stellte ein wesentliches Ereignis in der Entwicklung der machtpolitischen Rolle der Kirche und des Papsttums in der mittelalterlichen Geschichte Europas dar. Die angestrebte Vereinigung mit der Ostkirche blieb indes aufgrund zu großer machtpolitischer Differenzen aus.

Verlauf Volkskreuzzug

mini|Peter der Eremit zeigt den Kreuzfahrern Jerusalem. Französische Darstellung um 1270

Durch die Kreuzzugspredigt des Papstes veranlasst, brach im Frühjahr 1096 eine unorganisierte Volksmasse in Richtung Palästina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern und ihren Familien, weshalb man auch vom Volkskreuzzug spricht. Allerdings waren auch niedriger Adel und einzelne Ritter unter den Kreuzfahrern. Geführt wurde der Zug von Predigern wie Peter von Amiens. Seine ersten Opfer fand dieser voreilige Kreuzzug bereits in Ostfrankreich und im Rheinland (Köln, Mainz, Worms), wo es zu blutigen Judenverfolgungen kam. Die Bezeichnung Gezerot Tatnu, hebräisch גזירות תתנ“ו, geht auf Salomo bar Simon zurück und wurde von Elieser ben Nathan rezipiert. Chronisten heben den selbst für damalige Verhältnisse besonders grausamen Charakter dieser Pogrome hervor. Auch auf dem Balkan, bei Belgrad und Niš, kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen, wobei die Kreuzfahrer erstmals auf stärkeren Widerstand stießen. Dabei folgten die Kreuzritter der Via Militaris in Richtung Südosten. Nachdem die Kreuzfahrer im August Konstantinopel erreicht hatten, ließ der um seine Hauptstadt besorgte Kaiser Alexios I. sie so schnell wie möglich über den Bosporus befördern. In Kleinasien trafen sie im Oktober 1096 bei Nicäa auf Truppen der Rum-Seldschuken, die große Teile des undisziplinierten Kreuzheeres vernichteten. Die Überlebenden, darunter auch Peter von Amiens, kehrten nach Konstantinopel zurück, um auf die nachfolgenden Kreuzfahrer zu warten.

Aufstellung und Aufbruch des Kreuzritterheeres mini|Der Verlauf des Ersten Kreuzzuges

Im selben Jahr formierte sich ein deutlich besser organisiertes und für damalige Verhältnisse sehr großes Kreuzfahrerheer, das in erster Linie aus Franzosen, französischen und süditalienischen Normannen, Flamen und Lothringern bestand. Anführer waren Robert von der Normandie, Gottfried von Bouillon, Bohemund von Tarent, Raimund IV. von Toulouse, Balduin von Boulogne, Robert von Flandern, Hugo von Vermandois und weitere Angehörige des französischen und normannischen Adels. Päpstlicher Kreuzzugslegat war Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy. Man konnte sich nicht auf einen Oberbefehlshaber einigen, was im Verlaufe des Kreuzzuges zu diversen Konflikten führen sollte. Der deutsche König Heinrich IV. und der französische König Philipp I. nahmen nicht an dem Ersten Kreuzzug teil, da damals beide mit dem Kirchenbann belegt waren.

Das Kreuzritterheer brach in mehreren Zügen auf und vereinigte sich in Konstantinopel, wo die ersten von ihnen im November 1096, die letzten im April 1097 eintrafen. Nach neueren Schätzungen belief sich die Größe des Heeres auf rund 7000 Ritter und adlige Herren sowie ein 22.000 Mann starkes Fußvolk. Einschließlich Unbewaffneter umfasste das Gesamtheer rund 50.000 bis 60.000 Menschen. Die Anzahl der Pferde und Saumtiere wird auf 50.000 geschätzt.Stephan Quensel: Ketzer, Kreuzzüge, Inquisition: Die Vernichtung der Katharer. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-15137-9, S. 60. Kaiser Alexios I. brachte den Kreuzfahrern großes Misstrauen entgegen, da unter ihnen viele süditalienische Normannen waren – diese hatten diverse Kriegszüge gegen das Byzantinische Reich unternommen. Zudem befürchtete Alexios, dass die Kreuzritter ehemals byzantinisches Territorium für sich beanspruchen würden. Deshalb brachte er die Anführer des Kreuzzuges dazu, ihm den Lehnseid zu schwören, damit alle Gebiete, die sie von den Muslimen erobern sollten, unter seine Oberhoheit geraten. Alexios ließ die Teilheere der Kreuzfahrer schnell über den Bosporus nach Kleinasien verschiffen, wo sie auf die anderen warteten.

Zug durch Kleinasien mini|Anatolien zur Zeit der Belagerung Nicäas

Das vereinte Heer setzte nun den Marsch durch Kleinasien fort, wo es schnell zu Kämpfen mit den Rum-Seldschuken kam. Ab Mai belagerten sie deren Hauptstadt Nicäa. Sultan Kilidsch Arslan I. befand sich zu dieser Zeit auf einem Feldzug gegen die Danischmenden in Zentralanatolien und hatte seine Schatzkammer und seine Familie zurückgelassen, da er die Stärke dieser neuen Kreuzfahrer unterschätzte. Am 21. Mai schlugen sie ein zu Hilfe geeiltes rum-seldschukisches Entsatzheer unter Kilidsch Arslan I. Während die Kreuzritter die Stadt belagerten, traf eine kleine Abteilung der Byzantiner ein und verständigte sich mit den Einwohnern Nicäas. Am 19. Juni ergab sich die Stadt den Byzantinern. Dadurch entging den Kreuzfahrern zu ihrer Verärgerung die Beute einer Plünderung. Ersatzweise erhielten sie reiche Geschenke von Kaiser Alexios.Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge. 5. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005744-8, S. 55 f. Auf dem Weitermarsch trafen die Kreuzfahrer am 1. Juli auf das Heer der Rum-Seldschuken unter Kilidsch Arslan I. und schlugen es in der Schlacht von Doryläum entscheidend. Damit war der Weg durch Kleinasien frei.