mini|300px|Kerngebiet der Lechtalheiden

Als Lechtalheiden, auch Lechtalhaiden genannt, werden mehrere, größtenteils geschützte Heideflächen im Bereich des Lechtals zwischen Schongau und der Lech-Donaumündung in Bayern zusammenfassend bezeichnet. Die Flächen der insgesamt 24 Kernheiden befinden sich auf 446–561 m Höhe ü. NN in den beiden Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern entlang der Flüsse Lech und Wertach. Die geografische Lage kann um das Kerngebiet mit angegeben werden.

Die wertvollsten Bereiche der Naturschutzgebiete finden sich auf dem Lechfeld zwischen Landsberg und Augsburg. Der Augsburger Stadtwald ist eine der letzten erhaltenen naturnahen Landschaften des Lechs. Er bietet ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume.

In den Aubereichen und den Leiten des Lechs zeigen sich seltene, „ursprüngliche“ Lebensräume (Biotope: Magerrasen, Trockenrasen, Auwald). Sie bilden letzte Refugien einer spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt und zählen zu den artenreichsten Landschaften Mitteleuropas. Die Heiden und Auen locken insbesondere mit ihrer Blütenpracht von März bis Oktober zahlreiche Besucher an.

Geografie Geologie mini|Magerrasen im Frühling

Die Entstehung des Lechtales liegt weit zurück. In mehreren Kalt- und Warmperioden der Eiszeit (Rißeiszeit, vor ca. 120.000 Jahren) wälzte sich der Lechgletscher vor und zurück. Große Mengen Schotter wurden auf diese Weise in nördliche Richtung transportiert. Die angetürmten Schotterhalden wurden bei diesen Vorgängen weiter angehäuft oder auch wieder abgetragen. Diese Vorgänge wurden erst mit Beginn der aktuellen Wärmeperiode abgelöst. Das herangeschobene Schotterprofil dünnt sich in Donaurichtung immer weiter aus. Die Mächtigkeit der Schotter beträgt im Augsburger Raum mehrere Meter. Die entstandene Schotterschicht wird an vielen Stellen von einer folgenden Schicht bedeckt. Eiszeitliche Tundrawinde wehten eine Lössschicht auf, die eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen kann. Bereiche mit fehlender Lössschicht weisen einen bis zu 60 cm tiefen Verwitterungsschotter auf. Das Lechtal selbst besitzt im betroffenen Bereich eine Breite von 10 bis 15 Kilometern und wird durch 10 bis 50 Meter hohe Hänge begrenzt. Bereiche, die eine konstante Lössschicht aufweisen, wurden zum größten Teil in Ackerflächen umgewandelt. Dabei wurde die Lössschicht entkalkt und zu Lösslehm umgewandelt. Nach einer solchen Umwandlung entstehen ertragreiche Ackerflächen. Die aufliegenden Lössschichten wirken wasserabsperrend und ermöglichen somit die Entstehung von Staunässe. Auf derartigen Flächen wird die Entstehung von Feuchtwiesen ermöglicht. Die typischen Lebensräume der Lechheiden hingegen entstanden auf Bereichen ohne Lössschicht. Aufkommendes Niederschlagswasser kann auf diesen Flächen schnell in den Bodengrund abgeführt werden. Dies stellt die Grundlage für die Entstehung der Trockenrasen, Magerrasen und Schotterheiden im Lechtal dar. Der kalkhaltige Bodengrund ist auf die Zusammensetzung der Lechschotter und deren Lösungsstoffe zurückzuführen. Dieser hohe Kalkanteil bedingt das Wachstum sogenannter „kalkholder“ Pflanzen, wie Enziane und Orchideen.

Die Lechtalheiden unterscheiden sich von den nördlichen Heidegebieten aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit grundlegend. Die Lechheiden auf den beschriebenen kalkhaltigen Schottergründen sind mit den anmoorigen oder sandigen Böden der norddeutschen Heiden nicht zu vergleichen. Aus diesem Grund zeigt sich hier ein gänzlich unterschiedliches Vegetationsbild. Während sich auf den norddeutschen Heiden große Flächenbereiche mit Heidekrautbewuchs zeigen, bilden auf den Lechheiden freie Trockenrasenflächen den Hauptbestandteil des Landschaftsbildes. (siehe auch: Lüneburger Heide)

Das Klima im Lechfeld Das Klima im Augsburger Raum wird als gemäßigt-ozeanisch bezeichnet. Die Witterungsperioden spielen zwischen gemäßigten, nicht zu kalten Wintern und nicht zu heißen Sommern. Große Schneemengen, die die Vegetation über die Frostperioden hinweg schützen, fallen meist erst ab Januar und halten sich bis Mitte März. Große Niederschlagsmengen werden im Frühsommer verzeichnet. Die meisten Niederschläge werden durch Westwinde herangetragen, längere Trockenperioden fallen im Spätsommer und Frühherbst an. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel ca. 10 °C. Es gibt etwa 108 Frosttage (unter 0 °C) und 35 reine Sommertage (über 25 °C). Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit beträgt 75 % bei einer Bewölkung von 70 % im Jahresmittel. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt ca. 850 mm. Für die Vegetation auf den Heiden spielt vor allem das Mikroklima eine Rolle. Hier stechen vor allem sonnige Halden, Trockenrasen, Auwälder, feuchte Senken oder Moore heraus.Fritz Hiemeyer: Flora von Augsburg. Ber. Naturwiss. Ver. Schwaben, Sonderband 1978: 332 S.

Entwicklungsgeschichte mini|Veränderung des Flusslaufes mini|hochkant=0.7|Der Lech zwischen Landsberg und Augsburg auf einer Karte von 1904

Die Lechheiden verdanken ihre Entstehung ausgerechnet dem Menschen. Ein ursprüngliches mitteleuropäisches Landschaftsbild würde ausgedehnte Waldflächen zeigen. Im Lauf der Jahrtausende prägte der Mensch seine Umwelt, er wandelte Naturlandschaften zu Kulturland um. Nur durch menschliches Zutun und das Regime der Sense blieben diese Flächen baumfrei. Würden die Pflegearbeiten beendet, so würden konkurrenzstarke Arten wie Birken, Weiden oder Pappeln einwandern und die typische Wiesenvegetation verdrängen. Die störanfällige Lebensgemeinschaft Wiese würde sich im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer Buschlandschaft und schließlich zum Wald zurückentwickeln. Waldfreie Stellen kämen demnach nur an Meeresküsten, Gewässern, Mooren und Trockenhängen vor. Magerrasen oder Trockenrasen, wie wir sie kennen, wären nicht existent. Großflächige Wiesen entstanden erst mit der Erfindung von Geräten für die Heuernte.

Erst nach 1900 setzte die Ausweitung der Ackerflächen ein. Immer mehr Biotope kamen unter den Pflug. Mit dem Anwachsen der Konsumgesellschaft veränderten sich auch die Rahmenbedingungen für Bauern. Die Landwirtschaft wurde immer weiter industrialisiert und arbeitet bis heute unter starkem Wettbewerbsdruck. Schwere Maschinen verwandelten weite Flächen in Futterweiden. Die bunte Blumenwiese musste einer monochromen Fettwiese weichen. Durch intensive Düngung, z. B. Ausbringung von Odeljauche (Gülle), werden viele Pflanzen verdrängt. Nur noch einige überleben ins dieser „grünen Wüste“. Dabei handelt es sich um Arten, die kurze Fortpflanzungsperioden aufweisen und sich damit auch bei ständiger Mahd behaupten können, darunter z. B. der Löwenzahn. Diese artenarmen Futterwiesen beherbergen nur 25 unterschiedliche Pflanzenarten und stehen damit in einem starken Gegensatz zu den artenreichen Trockenrasen.

Um 1800 bestand der Lech aus vielen verzweigten kleineren und größeren Bächen und Flüssen. Ein breites Areal wurde von zahlreichen Rinnen zerfurcht, die ein unregelmäßiges Bodenrelief formten. Infolge der Lechbewegungen entstand ein breites Flusstal mit einer weiten Schotterebene. Durch Flussbegradigung wurden große Teile des Biotopes Lech entwässert. Viele Inselchen und Flächen, die unzugänglich oder durch Altarme geschützt waren, wurden vernichtet. Heute existieren nur noch wenige Altarme oder Altwasser, die zumeist eine Großzahl unterschiedlicher Lebewesen beherbergen.Lebensraum Lechtal; Hrsg. Deutscher Verband für Landschaftspflege

Naturschutzgebiete und Naturschutz Die Auwald- und Heideflächen des Augsburger Lechfeldes wiesen vor ca. 1000 Jahren eine mehrere tausend Hektar große Gesamtfläche aus. Die heutigen Naturschutzgebiete sind sehr kleine Restflächen der einst mächtigen Lechtalheiden; sie entsprechen etwa einem Prozent der Ausgangsgebiete. Die wichtigsten Schutzgebiete sind nachfolgend aufgelistetInformationstafeln im Stadtgebiet Augsburg. Auf: Website des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg e. V. Informationstafeln zum Download. Abgerufen am 27. Oktober 2017.:

Augsburger Stadtwald Handtuchwald Hurlacher Heide Königsbrunner Heide Kissinger Heide Thierhauptener Heide Ötzer Heide Prittrichinger Heide Schießplatzheide Dürrenastheide Kuhsee-Heide Taglilienfeld (Rehling) Auwaldbereiche und Leiten des Lechs

Es gibt auch Projekte, die Anlass zur Hoffnung auf ein neues Umweltbewusstsein geben:

Kissinger Bahngruben/Neue Heiden aus zweiter Hand (Ausgleichsfläche der deutschen Bahn) Merchinger Heide/Neue Heiden aus zweiter Hand (2005 eingeweihte Regenerationsheide)

In jüngster Zeit kamen diese Heideflächen hinzu. Die Humusschicht der einst bewirtschafteten Ackerflächen wurde abgetragen und ein Bodenrelief, das dem einer Flusslandschaft ähnelt, wurde geschaffen. In den ersten Jahren konnte sich bereits eine Ersatzvegetation bilden, in ca. 20 Jahren wird sich die typische Vegetation der Kalkmagerrasen einstellen. Es ist auf längere Sicht hin geplant, bestehende Schutzheiden mit den neugeschaffenen Flächen zu verbinden.

Viele Heidegebiete konnten bereits in der NS-Zeit unter Naturschutz gestellt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war an Naturschutzbelange nicht zu denken. Wertvolle Flächen kamen unter den Pflug oder wurden aufgeforstet. Erst in den 60er- und 70er-Jahren wurden weitere Flächen zu Naturschutzgebieten erklärt. Es ist erfreulich festzustellen, dass heute noch weitere Flächen hinzukommen. (siehe auch: Naturschutz)

Die einzelnen Naturschutzgebiete Die Naturschutzgebiete beherbergen ca. 3000 unterschiedliche Arten, darunter 680 Pflanzenarten. Viele davon stehen auf roten Listen und sind äußerst gefährdet. Damit bilden der Augsburger Stadtwald und die Lechheiden einen der artenreichsten mitteleuropäischen Lebensräume.Augsburger Allgemeine Zeitung

mini|hochkant|Gelber Frauenschuh Der Augsburger Stadtwald ist ein Waldgebiet, das direkt in und an das Stadtgebiet Augsburgs grenzt. Seine Fläche beträgt etwa 21,5 km². Er zeichnet sich besonders durch das Gefüge unterschiedlicher Einzellebensräume aus. Er wird besonders stark von Besuchern und Freizeitsportlern frequentiert und ist sehr beliebt und populär. Zahlreiche Informationstafeln erklären den Besuchern das Ökosystem Stadtwald mit seinen Tier- und Pflanzenarten. Im Gebiet verteilen sich zahlreiche kleinere Heiden und Tümpel. Der Großteil der Flächen besteht aus Mischwald- und Auwaldflächen. In den Randbereichen dünnt sich die Waldgesellschaft zu einem lichten Kiefernwald aus. Der Frauenschuh kommt im Bereich des Stadtteils Haunstetten besonders häufig vor. Zudem wächst an vielen Tümpeln die gelbe Schwertlilie.

Die Leiten des Lechs bilden zwischen Augsburg und Landsberg am Lech ein sehr lang ausgedehntes, fast ununterbrochenes Naturschutzgebiet. Zum größten Teil sind sie mit Auwäldern und lichten Kiefernwäldern bewachsen. Diese sind immer wieder durch kleine Trockenrasen unterbrochen. Der Lech ist meist auf beiden Seiten mit Wegen ausgebaut und gut mit dem Fahrrad erkundbar. Es liegen zahlreiche Seen am Lech, die wiederum eine bedrohte Wassertierwelt beherbergen. Darunter sind: Kuhsee, Weitmannsee und Auensee. Die Lechstaustufe 23 wurde als Vogelschutzgebiet ausgewiesen und ist als Brutbiotop unersetzbar geworden. Auch die zahlreichen Hochwasserschutzdämme werden wieder von Knabenkräutern bevölkert.

mini|Helm-Knabenkraut auf einer Lechtalheide bei Rain (Lech)