miniatur|Karte der Wühre zwischen Wehra und Alb Ein Wuhr (Plural Wuhre, Wühre, Wuhren oder Wühren) ist ein künstlicher Wasserlauf im Südschwarzwald. Weiterhin wird der Begriff im süddeutschen Raum und in der deutschsprachigen Schweiz auch als Synonym für Wehr oder Hochwasser-Schutzdamm genutzt. Die Verwendung als Bezeichnung für künstliche Wasserläufe ist besonders in Regionen im Südschwarzwald bekannt, aber auch aus den schweizerischen Kantonen Bern, Graubünden, Schaffhausen und Wallis bezeugt.Schweizerisches Idiotikon, Band XVI, Spalte 1079 f. (Wuer, Bedeutung b).

mini|Hännemer Wühre auf der Wasserscheide beim Süßhof in Hottingen

Geschichte Die genaue Zeit der Errichtung der Wühre im Südschwarzwald ist nicht bekannt. Erwähnungen der Wühre im Spätmittelalter deuten lt. Metz, ohne Nennung eines Beleges, darauf hin, dass diese schon im späten 12. Jahrhundert im Südschwarzwald angelegt wurden. Da die Besiedlung der Hochlagen der ehemaligen Grafschaft Hauenstein frühestens im 13. Jh. begonnen wurde, ist von der Anlage der dortigen Wühre frühestens in der Folgezeit auszugehen. Daten zu ersten Nennungen einzelner Wühre werden nachstehend bei der Beschreibung einzelner Wühre genannt. Die ursprüngliche Aufgabe der Wühre war, die Antriebskraft für die Blasebälge und Schmiedehämmer der Eisenhütten und für Säge- und Getreidemühlen bereitzustellen. Andere Nutzungen, insbesondere die Wiesenwässerung, die außerhalb der Betriebszeiten, also nachts und an Sonn- u. Feiertagen, erfolgte, waren zweitrangig und gewannen erst mit dem Rückgang der Mühlen und Hüttenbetriebe an Bedeutung. Dennoch waren die verschiedenen Nutzungsinteressen im 18. u. 19. Jahrhundert Grund für zahllose Prozesse.

Aufgaben der Wühre

Wühre transportieren Wasser von einem Ursprungsgewässer aus mit geringem Gefälle zum Bestimmungsort. Kreuzende Gewässer im Wuhrverlauf werden gewöhnlich durch das Wuhr aufgenommen. Wühre werden/wurden zur Energiegewinnung für z. B. Hammerschmieden, Mühlen und Sägewerken Bewässerung und Brauchwasserversorgung genutzt. Insbesondere als Wässerungsgraben war die Wühre im Südschwarzwald keine Besonderheit. Wässerungsgräben in Ausdehnungen von vielen Hundert Metern Länge und zum Teil in verzweigten Verläufen (z. B. Wässerungsgräben an den Wiesen-Abhängen des Wiesentals oder durch die Felder der Rheinebene) waren in den meisten Dörfern des Südschwarzwaldes, auch in den Orten zwischen Wehra und Alb angelegt worden, um im Frühjahr die Schneeschmelze zu beschleunigen und die Bodenfruchtbarkeit durch Schlammeintrag in der Zeit vor der Kunstdüngernutzung zu verbessern. Was die Wühren von Wassergräben unterscheidet, ist einerseits deren Bezeichnung und andererseits deren oft ausgedehnte Länge.

Wühre zwischen Wehra und Schlücht Hochsaler Wuhr Das Hochsaler Wuhr ist das längste Wuhr im Hotzenwald. Es wird an seinem Ursprung, Ortsteil Mühle (im Süden von Herrischried), vom Wasser der Murg an 3 Abgängen, sogenannten Schöpfen, und von einem von Segeten kommenden ehemaligen Seitengewässer der Murg gespeist und durchfließt Oberwihl und Hochsal. Im Zusammenhang mit der Hochsaler Wuhr wird im Zuge einer Erneuerung der Wasserrechte im Jahre 1588 auf eine Ordnung von 1453 Bezug genommen. Beim Verkauf des halben Berges Gersegge durch das Kloster Säckingen wird bereits im Jahre 1335 eine wasserfurte genannt. Die Hochsaler Wuhr hat die Seltenwuhr als Seitenwuhr, und von ihr zweigt 1,3 km nördlich von Rotzel die Rotzelwuhr mittels eines Wasserteilers ab. Weitere wesentliche Urkunden zur Hochsaler Wuhr liegen aus den Jahren 1545(Vertragsbrief), 1666(Bescheid); 1667 (Schiedsspruch), 1670(Vertragsbrief), 1781 u. 1795(Urteile). Außerdem existieren ungezählte Dokumentseiten zu Rechtsstreitigkeiten bezüglich der Wuhrnutzung. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Bemühungen unternommen, die Rechtsverhältnisse an der Hochsaler Wuhr in die Neuzeit zu überführen, was Anfang des 20. Jahrhunderts zur Gründung einer Wuhrgenossenschaft führte. Zu dieser Zeit versorgte die Wuhr noch sieben Firmen mit Wasserkraft: Eine Seidenbandweberei, früher Gerberei und Lohmühle, in Oberwihl; eine „Kundenmühle“ in Oberwihl; eine Seidenbandweberei in Rotzel; eine Sägemühle in Niederwihl; eine Sägemühle in Hochsal, eine Kundenmühle in Hochsal sowie eine mechanische Seidenbandweberei in Laufenburg. Ihre Wasserversorgung bezogen vier Haushalte in Oberwihl aus der Wühre. Den Unterhalt der Wühre leistet heute der Wasser- und Bodenverband „Hochsaler-Wühre“.

Heidenwuhr Das Heidenwuhr, auch als Haidenwuhr bezeichnet, entspringt im oberen Seelbachtal einem Zufluss der Hauensteiner Murg, südöstlich von Hütten, Gemeinde Rickenbach (Hotzenwald) auf etwa 790 m ü. NN. Von dort wird das Wuhr etwa 7,5 km in südwestlicher Richtung entlang der Berge geführt, um dann nordwestlich von Egg in das Schöpfebachtal eingeleitet zu werden. Nach rund 2,3 km leitet das Wuhr einen Teil des Wassers in Richtung des Bergsees, den es auf den letzten 70 m durch einen Stollen erreicht. Nach dem Verlassen des Sees durch einen 90 m langen Stollen dienten mehrere Kanäle zur Versorgung der einzelnen Betriebe. Der See diente seit 1805 als Ausgleichsbecken zur Gewährleistung einer konstanten Wasserversorgung für die im Zuge der Industrialisierung in Bad Säckingen angesiedelten Fabriken.

Hänner-Wuhr Das Hänner-Wuhr (auch Hännemer Wühre genannt) ist nach dem Ort Hänner, einem Ortsteil der Gemeinde Murg, benannt, den das Wuhr durchfließt. Es wurde 1544 erstmals urkundlich erwähnt. Das Wasser wird am Ursprung nördlich von Hottingen, Gemeinde Rickenbach, aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Danach verläuft das Wuhr östlich um den Ort Hottingen nach Süden. Nachdem Hänner durchflossen ist, verläuft das Wuhr in Richtung Süden, nimmt den Sägenbach auf und fließt durch den Ortsteil Oberhof der Gemeinde Murg. Auf dem Weg zur Mündung in den Hochrhein fließt die Hännerwuhr durch den Ortsteil Hammer in Binzgen, einem Stadtteil von Laufenburg (Baden). Das Wasser hat hier in früheren Zeiten die Hammer-Schmiede angetrieben. Im weiteren Verlauf bis zur Mündung wurde das Wasser der Hännerwühre immer wieder zur Energiegewinnung genutzt. Den Unterhalt des Wuhrs wird heute von einer Genossenschaft geleistet.

miniatur|Das Seltenwuhr vor Oberwihl Seltenwuhr Das Seltenwuhr ist ein kurzes Seitenwuhr des Hochsaler Wuhrs, das Wasser vom Breitebach (später Schildbach) abzweigt und noch vor Oberwihl, Gemeinde Görwihl, in das Hochsaler Wuhr einspeist.

Rotzelwuhr Das Rotzelwuhr (auch Rotzelewühre genannt) hat seinen Ursprung am Hochsaler Wuhr südlich von Oberwihl, durchquert Rotzel und geht dann in einem kleinen Seitenbach des Andelsbach auf.

Berauer Wuhr Das Berauer Wuhr ist ein ehemaliges Wuhr, das inzwischen wieder freigelegt ist. Es führte Wasser der Mettma nach Berau, Gemeinde Ühlingen-Birkendorf.

„Das Bauwerk gilt als das älteste von zahlreichen Wuhren im Hotzenwald. Der Wasserweg zwischen der sogenannten Heidenmühle und dem Berauer Kloster diente in der Vergangenheit dazu, dieses mit Wasser zu versorgen. Am Klosterberg wurde das Wasser zudem für den Betrieb von zwei Mühlen verwendet. Ob die Konstruktion mit einem Gefälle von fast durchgehend 0,5 Prozent aber aus der Zeit des Klosterbaus im Jahr 1117 stammt, ist nicht zweifelsfrei geklärt. ‚Vieles spricht dafür, dass das Wuhr sogar noch viel älter als das Kloster ist und bereits während der Bronzezeit angelegt wurde.‘ (Verein Historisches Berau).“Peter Rosa: Heimatgeschichtsverein pflegt Berauer Wuhr. In: Südkurier online, 12. September 2017. Abruf am 18. März 2022.

Das Wasser wurde danach, je nach Ort der letzten Nutzung, im Weihergraben über den Steilhang des Schlüchttals der Schlücht bzw. im Retschengraben über den Steilhang des Schwarzatals in die Schwarza abgeleitet.

+ Zusammenstellung der Wühre zwischen Wehra und Schlücht   Ursprung Mündung Länge ca. Wuhrname: Gewässername: Höhe ü. NN: Gewässername: Höhe ü. NN: künstlich: gesamt: Hochsaler WuhrMurg südl. Herrischried(3 Abgänge)ca. 820 m- ca. 840 mHochrhein u. Zelggraben bei Laufenburg u. Luttingenca. 310 m21,4 km21,4 km Hänner-WühreMurg nördl. Hottingenca. 715 mHochrhein u. Andelsbach bei Laufenburgca. 310 m11,3 km12,6 km HeidenwuhrSchneckenbachca. 805 mSchöpfebach in Bad Säckingenca. 340 m 10,0 km12,2 km Berauer WuhrMettmaca. 770 mSchlücht (mittelbar)ca. 460 mn.n. km8 km* Rüßwihler WuhrStellebächle, Wermutsbächle u. Tannemattbächleca. 740 m Schildbach (mittelbar)ca. 610 m2,7 km3,6 kmHintere WühreHöllbachca. 750 m Unterlauf des Eschenbächleca. 680 m 2 km abgegangener TeilEschenbächleca. 757 m Höllbachzweig der Hinteren Wühreca. 708 m ca. 1,0 km3,0 km BrutschywuhrSeelbach* (Digeringen)ca. 360 mSeelbach (Dieg.),Schreiebachca. 310 m2,2 km2,2 km EselswühreAltbach (Niedergebisbach)ca. 870 mMurgca. 790 m1,9 km1,9 kmRotzelwuhrHochsaler Wuhrca. 629 mAndelsbach (mittelbar)ca. 500 m1,8 km1,8 km Vordere WuhrEschenbächleca. 710 mSteimelbachca. 665 m1,6 kmAbzweigVordere Wuhr b. Görwihler Moosca. 698 mn.n. zum Höllbachca. 680 m ca. 0,3 km1,9 km SeltenwuhrBreitenbachca. 780 mHochsaler Wuhrca. 760 m 1,0 km 1,0 kmStängenmattwuhrMurgca. 680 mAltbach (Hottingen) ca. 670 m 0,9 km 0,9 km* Angabe bzw. Wert nach METZSumme:70,5 km

Gewannnamen und Urkunden mit Wuhrbezug Einige noch bestehende künstliche Gewässer wurden nur in einzelnen Schriftstücken, wahrscheinlich weil der Begriff zeitweise Eingang in die badische Amtssprache gefunden hatte, als Wuhr bezeichnet, bei anderen handelt es sich um abgegangene Wasserläufe auf die nur noch über historische Dokumente oder über Gewann- und Ortsnamen geschlossen werden kann.

Abgegangene Wühren zwischen Wehra und Schlücht Heuelwuhr; Hornberg Gewannname „Heuelwuhr“ westlich Hornberg, Gemeinde Herrischried, im Bereich Peterlgraben weist offenbar auf eine abgegangene Wuhr hin. Um diese Wuhr zu verifizieren, müsste mangels Urkunden im Gelände nach Spuren gesucht werden.

Wühre; Rippolingen Östlich von Rippolingen, Gemeinde Bad Säckingen, findet sich im Tal des Heimbaches der Gewannname Wühre. Die Höhenverhältnisse ließen eine Ableitung aus dem Heimbach nach Rippolingen zu, jedoch liegt der Ort selbst auf dem Quellhorizont und sollte wenig Bedarf an Wasser gehabt haben. Ähnliches gilt für Obersäckingen, so dass am ehesten eine abgegangene Mühle im Heimbachtal als Wühre-Betreiber zu vermuten wäre.

Wühre; mittleres Albtal In zwei Urkunden von 1520 und 1555 wird im Zusammenhang mit den Orten Niedingen, Bildstein, Ballenberg, Wittenschwand, Kutterau, Niedermühle, Immeneich auch ein Ort Wühre erwähnt, der bislang nicht auszumachen und zu deuten ist.

Das Wuhrsystem am Unterlauf der Wiese Für einzelne Orte am Unterlauf der Wiese sind schon für das Spätmittelalter Wuhren dokumentiert, die im Laufe der Jahrhunderte von Ort zu Ort zu einem Wuhrsystem oder Wuhrstrang gewachsen sind. Diese Wuhren sind in den nachfolgenden Gewerbekanälen noch in großen Abschnitten existent, in anderen durch Urkunden belegt oder anhand von Gewannnamen noch verzeichnet.

Anlage eines Wuhrs; Schopfheim, Gündenhausen, Maulburg, Steinen Das Zustandekommen eines Wuhrbaues geht aus der Urkunde „Entscheid zwischen den Wiesenbesitzern zu Schopfheim, Gündenhausen und Maulburg sowie der Gemeinde Steinen über die Anlage eines Wuhrs“ aus dem Jahr 1660 hervor.

Hinter dem Wuhr; Steinen Ein Gewann südöstlich der Gemeinde Steinen und südlich einer Ausleitung aus dem rechten Ufer der Wiese nennt sich „Hinter dem Wuhr“. Diese Wuhr wurde nach einer Strecke durch den Ort von ca. 1,9 km wieder der Wiese westlich Steinen zugeleitet.

Wuhr, Wuhrwesen u. Wuhrgenossenschaft; Brombach