Šolta [] ist eine vergleichsweise stark bewaldete kroatische Insel sowie eine eigenständige Gemeinde in der Adria gegenüber von Split westlich der Insel Brač. Die dalmatinische Insel mit ihrer Fläche von 58,2 km² hat rund 2000 Einwohner. Der Hauptort ist Grohote, wo etwa jeder vierte Inselbewohner lebt. Dabei hat sich die Bevölkerungszahl von etwa 1850 bis 1900 verdoppelt, um sich bis 2001 wieder zu halbieren. Eine Erholung setzt seit den 1980er Jahren ein.
Geographie Die von Südosten nach Nordwesten verlaufende Insel ist ca. 19 km lang, bis zu 4,9 km breit, hat eine Fläche von 58,2 km² und eine Küstenlänge von 79,5 km.Tea Duplančić Leder, Tin Ujević, Mendi Čala: Coastline lengths and areas of islands in the Croatian part of the Adriatic Sea determined from the topographic maps at the scale of 1 : 25 000. (PDF; 378 kB). In: Geoadria 9, Nr. 1, 2004, S. 5–32. Die sieben im Westen vorgelagerten kleinen Inseln Stipanska, Polebrnjak, Saskinja, Grmej (Gmej), Rudula (Radula), Balkun und Kamičić hrid gehören ebenfalls zu Šolta. Der höchste Gipfel der Insel ist die Vela Straža mit einer Höhe von 237 Metern bei Gornje Selo. Die meisten Ortschaften liegen an der Nordküste und im Inselinneren. An der steilen Südküste zum offenen Meer hin gibt es keine Orte. Die Hauptstraße führt durch die Inselmitte. Einen Rundweg entlang der Küste um die Insel gibt es nicht.
Gemeinde Šolta, Dörfer im Inselinneren mini|hochkant=1|Rathaus von Šolta, das Kastell der Familie Slavić in Grohote Nach dem Zerfall Jugoslawiens ab 1991 wurde die Gemeinde Šolta neu gegründet. Die Verwaltung (Rathaus) ist im historischen Kastell Slaviča in Grohote untergebracht.
Partnergemeinden von Šolta sind Črna na Koroškem im Norden Sloweniens nahe an der Grenze zu Kärnten und Stari Grad auf Hvar.
Die größeren Ortschaften liegen im Inselinneren. Grohote ist das älteste und größte Dorf der Insel und das wirtschaftliche Zentrum, Sitz der Verwaltung und Schulort. 2019 gab es einen Bauernmarkt, drei Supermärkte, eine Apotheke, eine dauerhaft besetzte Feuerwehrstation und ein Krankenhaus mit Arzt und Helikopterlandeplatz. Grohote liegt in der Inselmitte, an einem Punkt, an dem sich die wichtigen Straßen kreuzen und ist rund zwei Kilometer von dem Küstenort Rogač entfernt. Srednje Selo, das „Mittlere Dorf“, ein Bauerndorf, liegt wenige Kilometer westlich von Grohote am Srednje polje, gegen den Nordwind (Bora) geschützt, auf einem Südhang. Etwas weiter im Westen liegt Donje Selo, das „Untere Dorf“, ein altes Bauerndorf mit der Kirche St. Jele und dem Betraum der Martinsbruderschaft. Von hier führt ein Weg in die kleine Bucht Donja Krušica. Donje Selo ist das Jagdzentrum der Insel. Östlich von Grohote liegt Gornje Selo, das „Obere Dorf“, von weitem an seinem Burghügel erkennbar, der in kommunistischer Zeit als Wasserspeicher umgebaut wurde. Das Dorf liegt in der Nähe des höchsten Bergs der Insel.
Küste und Häfen mini|Fährankunft in Rogač Rogač ist der Fährhafen der Insel. Dort werden auch Autos und LKWs verladen. Er liegt an der Nordküste gegenüber dem neun Seemeilen entfernten Split. Die kleineren Katamaran-Fähren legen sowohl in Rogač als auch im ebenfalls an der Nordseite liegenden Stomorska an. Andere Häfen werden im Linienbetrieb nicht mehr angefahren. In Rogač, einem Ort mit relativ wenigen Häusern, hat das Hafenamt seinen Sitz (Bootskennzeichen Šolta = RO). Es gibt auch eine Tankstelle für Autos und Schiffe. Im Takt der Fähren verkehren vom Luka Rogač aus die Autobuslinien (gelbe Busse) über Grohote nach Maslinica oder Stomorska. In der Bucht von Rogač gibt es im hinteren Bereich Badeplätze bzw. Bademöglichkeiten rechts in der Uvalu Kašjun Bočac und links der Hafeneinfahrt entlang der Küste.
mini|Apartmentsiedlung von Nečujam Ebenfalls an der Nordküste weiter östlich liegt Nečujam, die größte Bucht von Šolta, in der sich acht kleinere Buchten wie die Šumpjivina, Potkamenica, Mala Maslinica und Piškera befinden. Die Streusiedlung Nečujam ist der jüngste Ort der Insel. Das älteste Hotel der Insel befand sich hier. In dessen Nähe liegt die vom Meer aus schon von weitem sichtbare Ferienwohnanlage. Die Bucht wird an Sommerwochenenden zum Ankern aufgesucht, was zu Lärmbelästigung und Verklappung von Abwässern führt. Auf der Landzunge zwischen der Podkamenica und Maslinica sollte ab 2009 eine ausgedehnte Marina mit einem Steg über die Piškera, dem Fischreservoir von Kaiser Diokletian, mit einem rotierenden Hotel entstehen, wo jedes Zimmer Meerblick haben sollte. Bisher fand sich kein Investor, aber der Bereich ist als Touristische Siedlung gewidmet.
mini|Ältester Hafen Stomorska Noch weiter im Osten liegt Stomorska, der älteste Hafenort der Insel. Der Hafen in der engen Bucht hat eine Reihe von Lokalen und einen Yachthafen.
Zwei kleinere Buchten sind aus Fischerhäfen entstanden und haben ähnliche Namen, Donja Krušica (Untere Krušica) und Gornja Krušica (Obere Krušica). Erstere ist via Straße von Donje Selo aus erreichbar, Letztere liegt an der nordöstlichen Seite Richtung Brač, unterhalb des höchsten Inselgipfels Vela Straža und umgeben von Kiefernwald. Sie ist aus Gornje Selo zu Fuß bzw. aus Stomorska über die Straße erreichbar.
mini|Übervolle Šešula an Sommerwochenenden Ganz im Westen der Insel liegt Maslinica. Dieser Fischer- und Landwirtschaftshafen wurde 1703 eingerichtet. Hier gibt es einen Yachthafen sowie das Luxus-Hotel Martini-Marchi. In Maslinica wurden 2018 auf beiden Seiten des bisherige Hauptstrands, der links der Einfahrt in den Hafen liegt, die felsige Küste weiter aufgeschüttet.
Westlich von Maslinica liegt die Bucht Šipkova uvala mit dem einzigen natürliche Sandstrand der Insel. Der Bereich der Selena zwischen Maslinica und der Šipkova ist noch weitgehend unverbaut.
In Šolta gibt es an der Südküste eine große Anzahl von Buchten. Die bekannteste der Südbuchten ist die Šešula unweit von Maslinica. Sie ist tief und bietet einen natürlichen Schutz vor Bora und Südwind und ist daher zum Ankern sehr geeignet. Ohne guten Zufahrtsweg weiter östlich liegt die Poganic, mit einem Kieselstrand und einem einzigen Häuschen. Etwa auf der Höhe Grohote liegt die Zaglav, auch Vela Luka. Nicht weiter im Osten liegt die Tatinja, ebenfalls nur über einen Schotterweg erreichbar. Nur ein einziges Häuschen gibt es in der Jorja. Auf einer Anhöhe über dem Meer befinden sich hier die Reste der Festung Gradina. Von Gornje Selo aus erreichbar ist die Senjska. Hier heißt es von der Festungsruine Gradac am Berg Mir, dass sie von der illyrischen Königin Teuta erbaut worden sei. In der Nachbarbucht Sajtija stehen ebenfalls ein paar Häuser.
Die Bucht Livka liegt ganz im Osten an der Splitska Vrata (Meerenge Tür von Split) gegenüber der Insel Brač. In der Livka wird von einer britischen Investmentfirma (Volumen 1 Milliarde Kuna) ein Touristenzentrum im gehobenen Segment errichtet, das 2023 fertig sein sollte. Der Bau wurde als strategisches Investitionsprojekt zwischen Investoren, dem Ministerium für Wirtschaft, Unternehmen und Gewerbe eingestuft. Der Baubeginn erfolgte bereits 2005. Verzögerungen gab es zuletzt wegen der Anpassung an neue Umweltgesetze. Das überregionale Projekt beschränkt sich nicht nur auf Šolta, da ein Großteil der Infrastruktur über Unterwasserleitungen von Brač kommt, da es in der Livka bisher nichts gibt. Rund 250 Arbeitsplätze sollten geschaffen werden.
Geschichte Jungsteinzeit, Illyrer, Griechen, Vis mini|Bunja in der U Maslinica Bucht Nečujam Wie viele der dalmatinischen Inseln ist Šolta mindestens seit 6000 v. Chr. bewohnt,Šolta’s history, In: Discover Šolta, 2012, S. 8 f. wobei der Meeresspiegel um 6000 v. Chr., als die ersten Bauern an der Adria erschienen, 16 m unterhalb des heutigen Niveaus lag, um 3000 v. Chr. noch immer 4 m.Stašo Forenbaher: Special Place, Interesting Times. The island of Palagruža and transitional periods in Adriatic prehistory, Archaeopress, Oxford 2018, S. 8.
Siedlungen aus der Bronzezeit wurden in Doci und Grohote entdeckt. Auf Šolta findet man immer noch viele bunjas, einräumige, fensterlose, ohne Holz erbaute runde Steinhäuschen mit einem aus Kalksteinen aufgeschichteten Runddach.Šolta – Bunja in U Maslinica Bay of Nečujam. Wikimedia Commons. Sie sind eine Art einfache Form der italienischen Trulli. In prähistorischer Zeit dienten sie als Wohnung und bis ins 20. Jahrhundert als Werkzeugraum oder Stall.
Spuren von Festungen der Illyrer aus der Zeit um 2300 v. Chr. finden sich in Gradac, Vodnjak und Gradina. Steingräber aus dieser Epoche entdeckten Archäologen bei Mala Stranza (Grohote), Mirine und Grebine (zwischen Donje Selo und Maslinica) und in Gornje Selo. Eine Hügelfestung fand sich nahe am Kanal, der die Insel von Brač trennt (Rat, oberhalb von Vičja luka).The Adriatic Islands Project. The archaeological heritage of the island of Brač, Croatia, Tempvs Reparatvm, 1999, S. 17.
Spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. kamen die Griechen auf die Insel. Šolta wird in der Pseudo-Skylax mit dem griechischen Namen Olyntha erstmals erwähnt, was wahrscheinlich mit Insel der Feigen übersetzt werden kann.Belamarić: Insel Šolta. Zagreb 2011, S. 7. Zur Zeit des Aufstiegs des Römischen Reiches, gehörte Šolta zum Inselstaat Vis (Issa), der diesen Teil Dalmatiens kontrollierte.
Römer mini|Grundmauern der ehemaligen Basilika in Grohote. Es handelt sich um einen einschiffigen Bau mit einer halbrunden Apsis. Der Boden ist mit Mosaiken verziert, die nach den Ausgrabungen wieder abgedeckt wurden. Schmuckelemente befinden sich entlang der Fundamente im westlichen Teil. Unmittelbar neben der Basilika befindet sich ein Friedhof mit zwei frühchristlichen Sarkophagen. mini|Römischer Sarkophag Fast 1000 Jahre bis ins 6. Jahrhundert beherrschten die Römer die Insel und etablierten die heute sichtbare Kulturlandschaft mit Olivenhainen, Weinbau und Fischfang. In der wichtigsten Karte der Antike, der römischen Tabula Peutingeriana, wird die Insel insula Solentii später Solenta, also Insel der Sonne genannt. Die römischen Spuren wie Münzen, Keramikscherben und Mauern finden sich überall. Eine kleine Nekropole wurde beim Bau der Appartementsiedlung in Nečujam gefunden. Dort und in Rogač sind auch unter Wasser liegende Mauerreste zu sehen. Eine Villa rustica mit Badezimmer wurde an der Südküste bei Banje gefunden. Der berühmteste Römer mit Bezug zu Šolta ist Kaiser Diokletian, der 245 in Dalmatia starb. Er erbaute in Split einen Palast als Alterssitz und soll in Piškera, dem hinteren Teil der Bucht von Nečujam, eine Fischfarm betrieben haben. Einige Historiker vertreten auch die Ansicht, dass er auf der Insel eine Therme erbauen ließ.
Spätestens im 5. Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon im 4. Jahrhundert, als das Christentum die Reichskirche im römischen Reich wurde, kam der katholische Glaube auf die Insel. Eindrucksvolle Relikte dieser Zeit sind die Grundmauern der alten St. Stephans Basilika und die zwei Sarkophage bei der Kirche von Grohote. Weitere Mauerreste aus dieser Zeit gibt es auf dem Inselchen Stipanska vor Maslinica.
Als 614 die Slawen und Awaren mit der Zerstörung von Salona die Herrschaft übernahmen, endete die römische Zeit. Mehr als 50.000 Römer flohen in die sicheren Mauern des Diokletianspalasts und von dort weiter auf die benachbarten Inseln wie Šolta.
Kroatische Besiedlung im Frühmittelalter, erneute Christianisierung, Frage der Piraterie mini|Kapelle hl. Michael zwischen Srednje Selo und Grohote
Im Frühmittelalter kamen die ersten Kroaten auf die Insel. Als Soluta wird die Insel um 1266 in der Historia salonitana genannt. Im Kroatischen wurde spätestens ab dem 10. Jahrhundert die Bezeichnung Sulet verwendet, die bis ins 20. Jahrhundert üblich war. Im Statut von Split von 1312 ist erstmals der Name Solta angeführt, der in den venezianischen Karten und später von den Hydrographen Österreich-Ungarns, Kroatien gehörte ab 1745 zur Donaumonarchie, übernommen wurde.