mini|Wappen des Eichsfelds mini|Typische Eichsfeld-Landschaft: Dörfer zwischen Feldern und bewaldeten Hügeln (hier: Ecklingerode am Ohmgebirge) mini|Blick vom Kreuzweg auf der Erhebung Auf dem Brink nach Südosten über das Schwobachtal nach Uder im Leinetal
Das Eichsfeld (regional-mundartlich: Sparkasse Duderstadt (Hrsg.); Hans-Heinrich Ebeling, Maria Hauff (Bearb.): Duderstadt und das Untereichsfeld, Lexikon einer Landschaft in Südniedersachsen. Mecke Druck, Duderstadt 1996, ISBN 3-923453-85-X, S. 287–290.) ist eine Landschaft im nordwestlichen Thüringen, südöstlichen Niedersachsen und nordöstlichen Hessen. Der Naturraum unterteilt sich im Wesentlichen in Eichsfelder Becken, Unter- und Obereichsfeld. Die größten Orte im Eichsfeld sind die Städte Duderstadt, Leinefelde-Worbis, Heiligenstadt und Dingelstädt sowie der Flecken Gieboldehausen. Als Eichsfeld wurde auch ein historisches Territorium bezeichnet. Heute bezeichnet es auch eine Kulturlandschaft. Zu unterscheiden davon ist der Landkreis Eichsfeld im thüringischen Teil des Eichsfelds. Für Orte, die dem Eichsfeld zugerechnet werden, siehe die Liste der Orte im Eichsfeld.
Seine katholische Prägung erhielt das Eichsfeld durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Erzstift Mainz. Die Reformation konnte sich im Eichsfeld nicht dauerhaft durchsetzen. Auch in der DDR blieb die katholische Prägung erhalten, das thüringische Eichsfeld war neben Teilen der Oberlausitz die größte Region in der DDR mit einer mehrheitlich katholischen Bevölkerung. Auch heute noch liegt die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger über dem Bundesdurchschnitt.
Das Mainzer Rad im Wappen des Eichsfeldes weist auf die jahrhundertelange Herrschaft der Mainzer Bischöfe hin. Als Schutzpatron des Eichsfeldes gilt der heilige Martin. Inoffizielle Hymne des Eichsfeldes ist das von Hermann Iseke gedichtete Eichsfeldlied.
Geographie mini|Das Eichsfeld um 1900 Lage Das Eichsfeld umfasst eine Fläche von etwa 1540 km² und liegt zwischen den Tälern der Rhume im Nordosten und der Werra im Südwesten, dem Thüringer Becken im Südosten und dem Göttingen-Northeimer Wald im Nordwesten. Die Elbe-Weser-Wasserscheide verläuft vom Harz kommend mitten durch das Eichsfeld. Hier liegen die Quellgebiete der Unstrut, der Wipper und der Helme, die zum Einzugsgebiet der Elbe gehören, und der Rhume, der Nisse, der Hahle, der Leine und der Frieda, die der Werra bzw. der Weser zufließen.
Naturräumliche Gliederung und Landschaftsbild
Das Eichsfeld liegt im Grenzbereich von drei großen Naturräumen: der nordwestlichen Randplatte des Thüringer Beckens dem Unteren Werrabergland des Osthessischen Berglandes dem Unteren Eichsfeld und dem Eichsfelder Becken des Weser-Leine-Berglandes
Im Süden besteht das Eichsfeld aus mehreren rund 450 m hohen Muschelkalkplatten (Dün, Oberes Eichsfeld, Gobert), die zu den Tälern der Leine und Werra mit einer steilen und stark gegliederten Stufe abfallen. Höchster Punkt im Eichsfeld ist die Goburg auf dem Höhenzug der Gobert mit einer Höhe von 543,4 m. Nach Westen anschließend liegen bergige Landschaften, die zum Werrabergland gerechnet werden (Höheberg, Rosoppe-Frieda-Hügelland).
Nördlich schließt sich die Buntsandsteinlandschaft des mittleren Eichsfeldes an, zu der das obere Leinetal mit dem Zehnsberg und der Eichsfelder Kessel gerechnet werden. Auch hier erheben sich größere Höhenzüge, so das Ohmgebirge mit dem 533,4 m hohen Birkenberg und östlich die Bleicheröder Berge, die mit dem Dün die Eichsfelder Pforte an der Wipper bei Sollstedt bilden.
Ganz im Norden liegt die fruchtbare Beckenlandschaft der Goldenen Mark, sie wird begrenzt von umliegenden Hügellandschaften der Hellberge und dem Rotenberg im Osten sowie dem Göttinger Bergland im Westen.
Grenzen im Eichsfeld
Allgemein gliedert man die Landschaft in zwei Teile, das rauere und höher gelegene Obereichsfeld und im Norden das tiefer gelegene Untereichsfeld. Während die Grenzen des historischen Eichsfeldes relativ eindeutig definiert sind, besteht über den Verlauf dieser Grenzlinie keine einheitliche Festlegung: als vereinfachte Grenze wird sie entlang der Flusstäler von Leine und Wipper angenommen. nach geographisch-geologischen Gesichtspunkten verläuft sie am nördlichen Abhang von Dün und Oberem Eichsfeld. entlang der Sprachgrenze zwischen dem mitteldeutschen und dem niederdeutschen Dialekt (eingezeichnet in der Karte Das Eichsfeld) nach politisch-administrativen Gesichtspunkten an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Niedersachsen. Die heutige Landesgrenze von Thüringen bildete auch die Innerdeutsche Grenze.
Bedingt durch die wechselvolle Geschichte erstreckt sich das Eichsfeld heute über drei Bundesländer und fünf Landkreise.
Orte im Eichsfeld Der größte Teil des Obereichsfeldes mit den Städten Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis und Dingelstädt gehört zum Land Thüringen, Landkreis Eichsfeld. Darüber hinaus liegen sieben obereichsfeldische Orte im Unstrut-Hainich-Kreis, zwei weitere im hessischen Werra-Meißner-Kreis (siehe Wanfrieder Abkommen). 18 Orte des Untereichsfeldes liegen in Thüringen (Landkreis Eichsfeld), der Rest des Untereichsfeldes mit dem Zentrum Duderstadt gehört zum Land Niedersachsen, alle im Landkreis Göttingen mit Ausnahme von Lindau, das zum Landkreis Northeim gehört. Diese Zusammenhänge sind – auch wenn dort die Grenzverläufe bis 1945 dargestellt sind – in der Karte Das Eichsfeld oben rechts gut zu erkennen. Die feine gestrichelte Linie nördlich von Worbis stellt die Grenze zwischen Ober- und Untereichsfeld dar.
Vereinfachend wird heute meist der gesamte thüringische Teil des Eichsfelds als Obereichsfeld und der niedersächsische Teil, der dem ehemaligen Landkreis Duderstadt entspricht, als Untereichsfeld bezeichnet.
Alle zum historischen Eichsfeld gehörenden Orte sind in der Liste der Orte im Eichsfeld aufgeführt.
Hauptstadt Oft wird Heiligenstadt die „traditionelle Hauptstadt des Eichsfelds“ genannt.Heilbad Heiligenstadt – Eichsfeld Wiki. Abgerufen am 13. Oktober 2014. Im Untereichsfeld wird jedoch Duderstadt als Hauptstadt angesehen. Diese Ansichten lassen sich auf die ehemaligen Fürstentümer zurückführen.. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
Sprache
Die niederdeutsch-mitteldeutsche Sprachgrenze verläuft vom Rohrberg kommend über den Zehnsberg und den Nordrand des Ohmgebirges zwischen Untereichsfeld und Obereichsfeld. Im Obereichsfeld wird ein spezieller Dialekt – das Eichsfeldische – gesprochen, man hört dort das Thüringische heraus, speziell bei harten Konsonanten. Der Dialekt ist aber bei weitem nicht so „verwaschen“ und thüringisch angehaucht, wie dies in den angrenzenden thüringischen Landkreisen der Fall ist. Im Untereichsfeld sprach man – heute allerdings nur noch vereinzelt – Plattdeutsch; heute spricht man vorwiegend Hochdeutsch.
Schon beim Umgang mit dem Begriff Eichsfeld selbst gibt es – auch im ‚hochdeutsch‘ geprägten Untereichsfeld – einige Besonderheiten: das Wort Eichsfeld wird [] („Eixfeld“ oder „Eiksfeld“) ausgesprochen. Statt „im Eichsfeld“ heißt es auch „auf dem Eichsfeld“. Ebenso ist statt „aus dem Eichsfeld“ die Bezeichnung „vom Eichsfeld“ gebräuchlich.
Geschichte Namensherkunft Um die Deutung der Herkunft des Namens „Eichsfeld“ konkurrieren mehrere Annahmen:Rudolf Linge, Peter Schmidt: Kirche und Glauben im Eichsfeld. St. Benno Verlag, Leipzig, und Cordier-Verlag, Heiligenstadt 1975, S. 16 f. „Eichsfeld“ leite sich ab von den früher hier häufig vorkommenden Eichenbeständen. „Eichsfeld“ leite sich ab vom Feld eines Aiko oder Eico. „Eichsfeld“ leite sich ab von einem alten Namen des Oberlaufs der Unstrut.Walter Schlesinger: Die Entstehung der Landesherrschaft. Untersuchungen vorwiegend nach mitteldeutschen Quellen. Darmstadt 1969 (Nachdruck der ersten Auflage 1941), S. 154.
Die Ableitung von den Eichen wird heute favorisiert: Eiches-feld bzw. Eichesvelt nach der nordwestthüringischen Mundart. Im Mittelniederdeutschen heißen die Früchte der Eiche Aekern (mundartlich), Aiks/Akel (gotisch), Echila/Ecker (althochdeutsch). 1330 lautet in einer Urkunde die Schreibweise „zu Rusteberg und uf deme eckesu(v)elt“ und entspricht der niederdeutschen Form zu Eiche.Walter Prochaska: Eichsfelder Jagd und Forst in früheren Jahrhunderten (X). In: Eichsfelder Heimathefte, 9. Jahrgang 1969, Heft 5, S. 291–295. Ernst Moritz Arndt nahm ebenfalls eine Ableitung des Namens von der Eiche an, sowohl für die Eifel als auch für das Eichsfeld: Mir ist es sehr wahrscheinlich, daß der Name von der Eiche hergenommen ist, welche immer der Hauptbaum der Eifel war und noch immer ist. Ich glaube der Name Eifel ist nichts anderes als ein abgebissenes und verstümmeltes Eichsfeld, so daß sie mit dem thüringischen Eichsfeld auch die Namensgemeinschaft trüge, wie sie jetzt leider auch die Gemeinschaft der Wälderverwüstung und mancher öder Stellen mit ihm hat.Ernst Moritz Arndt: Rhein- und Ahrwanderungen. Weber, Bonn 1846 (1. Ausg. 1844 unter dem Titel: Wanderungen aus und um Godesberg), S. 231. Darüber hinaus wird eine Ableitung von einer Wüstung „Eiche“ vermutet, welche im Luhnetal zwischen Lengefeld, Dörna und Bickenriede gelegen haben soll.Rolf Aulepp: Ist die Wüstung Eiche der Namensgeber für das Eichsfeld? In: Unser Eichsfeld. 1. Jg. 1992 Heft 1, S. 1–6
897 (Ersterwähnung) bis 1900 Das Eichsfeld wurde erstmals am 28. Januar 897 urkundlich erwähnt. Arnulf von Kärnten bestätigte in einer Urkunde in Regensburg den Gütertausch in pago Eichesfelden zwischen dem Abt Huki von Fulda und dem Grafen Konrad.Thüringer Staatsanzeiger Nr. 20/2008, . Es bezeichnete ursprünglich das Gebiet zwischen Heiligenstadt und Mühlhausen und war ein thüringischer Gau. Im Jahr 1022 gab es eine erste Nachricht über Mainzer Besitzungen auf dem Eichsfeld (um Heiligenstadt und den Rusteberg). Im Jahr 1124 begannen die Klostergründungen auf dem Eichsfeld. Zwischen 1022 und 1573 erwarb das Kurfürstentum Mainz weitere Besitzungen und bildete Verwaltungsstrukturen heraus. So erwarb Kurmainz 1294 auch das ursprüngliche Eichsfeld von den Herren von Gleichen. Erst später wurde der Name des ursprünglich thüringischen Gebietes für den gesamten Mainzer Besitz östlich der Werra übernommen.Rudolf Linge, Peter Schmidt: Kirche und Glauben im Eichsfeld. St. Benno Verlag Leipzig und Cordier-Verlag, Heiligenstadt 1975, S. 16.
mini|Burg Bodenstein mini|hochkant=2.2|Das Eichsfeld um 1759(Die Karte enthält einige Fehler: siehe Kartenbeschreibung auf Commons)
Das nordwestlich von Duderstadt gelegene Untereichsfeld war zunächst liudolfingisches Hausgut und ottonisches Reichsgut, kam im 10. Jahrhundert an das Stift Quedlinburg und fiel 1247 an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, dessen Linie Grubenhagen es 1342/58 bzw. 1434 an das Kurfürstentum Mainz verpfändete.
1524 brach der Bauernkrieg in der freien Reichsstadt Mühlhausen aus. Heinrich Pfeiffer, Mitstreiter Thomas Müntzers, zog gegen das Eichsfeld und plünderte und verbrannte Klöster und adelige Höfe. Viele Bewohner wandten sich dem Protestantismus zu. Aufgrund des Augsburger Religionsfriedens begannen die Jesuiten 1575 auf Geheiß des Fürstbischofs von Mainz mit der Gegenreformation. Gemäß der Regel Cuius regio, eius religio wurde im Verlauf von 50 Jahren das Eichsfeld bis auf wenige Dörfer rekatholisiert. Evangelisch blieb die Herrschaft Bodenstein der Herren von Wintzingerode, die mit Hilfe der Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen für sich und ihre Untertanen die freie lutherische Religionsausübung durchsetzen konnten.
1622 begann für das Eichsfeld der Dreißigjährige Krieg. Die Schweden, die Kaiserlichen, die Dänen, die Hessen und die Sachsen verproviantierten sich, plünderten und brandschatzten.
Im Jahr 1650 übernahm der Kurfürst von Mainz wieder den Besitz seines Landes, das zu mehr als einem Drittel verwüstet und dessen Bevölkerung auf ein Viertel zurückgegangen war.