Schwabengau Ostfalen um das Jahr 1000 Der Schwabengau, auch Suebengau oder Suavia, war eine Landschaft (pagus) im 10. und 11. Jahrhundert. Der Gau lag im östlichen Harzvorland, das heute zu Sachsen-Anhalt gehört.
Etymologie Der Name Sueben in Tacitus’ Werk Germania, Kapitel 38, bezog sich auf sämtliche elb- und ostgermanischen Stämme südlich der Ostsee (Mare Suebicum). Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Behauptung der Name des Gaus stamme von dort bereits von den Merowingern angesiedelten Schwaben ab, den dann sogenannten Nordschwaben. Der Name Nordschwabengau ist allerdings nirgends belegt. Die in einem Brief Theudeberts I. an Kaiser Justinian I. auftauchenden „Nordsueben“ waren die Schwaben bzw. Alemannen rechts und links der Donau und wurden in Abgrenzung zu den im Süden, etwa auf der Iberischen Halbinsel siedelnden Sueben so genannt. Nach anderer Meinung sind Sueben im 6. Jahrhundert den Slawen, von östlich der Saale kommend an den Nordostrand des Harzes, ausgewichen. Auch wurde der Name abgeleitet von einem Bericht Gregors von Tours, nach welchem 26.000 Saxones von einem gemeinsamen Feldzug mit Langobarden in Oberitalien 568 kommend, mit Sigiberts I. Genehmigung, über Gallien in ihre Heimat zogen, wo sie auf (angeblich von Sigibert I. angesiedelte) Sueben trafen, von denen sie 573 vernichtend geschlagen und vertrieben worden sein sollen.Kleine Geschichten aus Sachsen-Anhalt, Karl Hermann Weck
Geschichte Der Schwabengau wird wohl zuerst 934 in einer Urkunde Heinrichs I. mit der Ortsangabe in pago suevia erwähnt. Die letzte bekannte Nennung war 1073.
Eike von Repgows Bericht von Schwaben am Harz erklärt die Herkunft der Herren im Lande Sachsen wie folgt: die Herren von Anhalt, von Brandenburg, von Orlamünde, Markgraf von Meißen, Graf von Brehna, Hakeborn, von Gneiz von Müchlen, von Dröbel, von Elsdorf, von Schneidlingen, Vogt Albrecht von Spandau, Schrapen von Gersleben, Anno von Jerdingsdorf, Hermann von Mehringen, Winningens und Seedorf alle sind Schwaben. Es folgen weitere Schwaben und Franken, jedoch alle freien Herren und Schöffen in Sachsen ansässig, sind geborene Sachsen.Kleine Geschichten aus Sachsen-Anhalt, Karl Hermann Weck
Frei erfunden ist wohl, dass 927 König Heinrich I. eine bereits längerwährende Adelsfehde im Schwabengau ausnutzte und zusammen mit dem Halberstädter Bischof zugunsten der frühen Askanier (nach Aschersleben benannt) eingriff. Sein Berater und Heerführer Thietmar belagerte und zerstörte angeblich die Burg Salfurt derart, dass der Ort (heute Bernburg an der Saale) danach „Brandanburg“ (die verbrannte Burg) genannt wurde und Thietmar danach die Grafenrechte im Schwabengau erhielt, und zwar, weil schon 934 sein angeblicher Sohn Siegfried angeblich im Besitz der Burg Salfurt war. Thietmar war angeblich am 1. Juni 932 gestorben.
Grafen Grafen im Schwabengau waren:
Siegfried von Merseburg († 937), auch Siegfried von der Ostmark, war Graf im Friesenfeld und im Hassegau und wohl ab 932, nachweislich 934 Graf im Schwabengau Christian († um 950), dessen Schwager, Graf im Schwabengau und im Gau Serimunt, aus der Familie der Billunger, Vater des Erzbischofs Gero von Köln (967–976); ⚭ Hidda, Schwester von Siegfried und des Markgrafen Gero Markgraf Gero († 965), dessen Schwager, Bruder von Siegfried, war Graf im Nordthüringgau und bereits vor 941„Otto I. - RI II,1 n. 98 941 iuni 7, Rore schenkt dem von ihm aus der taufe gehobenen Sigifrid, dem sohn des markgrafen Gero, auf des letztem und anderer grafen bitte das neue schloss und was Gero ausserdem bisher in der mark der villen Egeln (Osteregulun) und Westeregeln im Schwabengau in der grafschaft desselben Gero als königliches lehen inne hatte, mit ausnahme des zu Hersfeld gehörigen gutes“ Regesta Imperii RI II,1 n. 98 (online; abgerufen am 2. November 2016). (vermutlich spätestens seit 932) im Besitz königlicher Lehen im Schwabengau und 950„Otto I. - RI II,1 n. 192 950 dez. 6, Imanlevu schenkt dem vom markgrafen Gero zu ehren des h. Ciriacus erbauten kloster Frohse auf für sprache seines bruders Brun und des stifters seinen besitz zu Hebanthorp (unbekannt...) im Schwabengau in der grafschaft desselben Gero und 2 hörige familien“ Regesta Imperii RI II,1 n. 192 (online; abgerufen am 2. November 2016). Graf im Schwabengau Thietmar I. († nach 979), dessen Neffe, Sohn von Graf Christian, Markgraf 965–979, Graf im Schwabengau 944„Otto I. - RI II,1 n. 114 944 febr. 29, Kissenbruka gibt dem markgrafen Gero seinen besitz in der villa Turtlinga (unbekannt...) in dessen grafschaft Nordthüringau zu tausch gegen die halbe mark (dimidiam partem confinii id est marche) der villa Ritterode im Schwabengau in der grafschaft Thietmars.“ Regesta Imperii RI II,1 n. 114 (online; abgerufen am 2. November 2016). –978, Graf im Gau Serimunt, Markgraf von Merseburg und Meißen; ⚭ Suanehild, Tochter des Herzogs Hermann Billung von Sachsen († 1014) Hodo, Graf im Nordthüringgau, Verwandter des Markgrafen Gero, Erzieher des nachmaligen Kaisers Otto des II., Markgraf (der Lausitz) mehrfach ab 974 belegt, Graf im Schwabengau 974–993 † Rikdag, † 985, Markgraf (wohl Markgraf von Meißen), Markgraf von Merseburg und Zeitz, 985 Graf im Schwabengau, Markgraf im Gau Chutizi und Gau Dalaminze Karl, † 1014, dessen Sohn, 992 Graf im Schwabengau, 993–1010 Gero, Graf im Schwabengau 1010–1015 Dietrich I. (Lausitz) ab 1015 Graf im Schwabengau, ab 1017 Graf von Eilenburg und Brehna, Graf im Hassegau und im Gau Siusili und als Dietrich I. ab 1032 der erste Markgraf der Mark Lausitz aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner Thietmar II., Graf im Schwabengau 1015–1030 Esiko Graf von Ballenstedt, Graf im Schwabengau und im Gau Serimunt, † wohl 1059/1060 (Askanier); ⚭ Mathilde, * wohl 988, † 29. Juli 1031/1032, Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben, begraben im Dom zu Worms, Witwe von Konrad I. Herzog von Kärnten, † 1011, (Salier) und Friedrich II., Herzog von Oberlothringen, † 1026, aus der Familie der Wigeriche Dedo I., (* um 1010; † Oktober 1075) war als Dedo II. Graf von Wettin, ab 1034 Graf auf Burg Eilenburg, Graf in den Gauen Siusili, Serimunt und Nizizi, ab 1046 als Dedo I. Markgraf der Mark Lausitz und Graf im südlichen Schwabengau (Wettiner) Adalbert, Graf im Schwabengau 1063 Lothar Udo II., Graf von Stade und Markgraf der Nordmark, Graf im Schwabengau 1070/1071Heinrich vollzieht auf Wunsch der Nonne Judith von der Burg Quedlinburg (nunna Ivdita nominata a castello Gvtelinebvrc) mit Zustimmung ihrer Erben die prekarische Vergabung von elf im Schwabengau in der Grafschaft des Markgrafen Udo (II. von Stade) gelegenen Hufen in den Besitzungen Zehling und Asmersleben nebst allem Zubehör und allen Einkünften an die erzbischöfliche Kirche zu Magdeburg (XI mansos in istis villis Scelinga et Asmaresleva in pago Suaue et in comitatu Vdonis marchionis sitos omnium suorum assensu heredum in precariam tradere volens nostro regali precepto dicari petivit. . . . predium in nostram accepimus potestatem et quasi proprium cum omnibus appenditiis . . . et cum omni utilitate . . . ad . . . sancti Mavricii monasterium . . . dicavimus). – Adelbero canc. vice Sigefridi archicanc. In: RI III,2,3 n. 559 (Urkunde von Heinrich IV. Goslar den 6. Januar 1071), in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1071-01-06_1_0_3_2_3_559_559 (Abgerufen am 1. Dezember 2023).
Der Schwabengau war seit Esiko das Kerngebiet der Askanier und wurde zusammen mit dem benachbarten, zwischen Saale, Elbe und Mulde gelegenen Gau Serimunt zur Keimzelle des späteren Fürstentums Anhalt.
Siedlungen Im Schwabengau lagen nach dem Atlas des Saale- und mittleren ElbegebietesOtto Schlüter, Oskar August (Hrsg.) unter Mitwirkung zahlreicher Fachwissenschaftler: Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1958–1960, Karte 10. folgende Siedlungen:
Saale An der Saale-Grenze (zwischen den Sueben und den Slawen) lagen die Orte (von Süden): Die Zugehörigkeit von Großwirschleben zum Schwabengau ist nicht belegt, aber wegen des alten Saaleverlaufs (Kuhfurtsaale) denkbar.Anfang April 1150 schenkte König Konrad III. Wischeribe und Uviuelinge (Weferlingen in Niedersachsen, Landkreis Wolfenbüttel) als Seelgerät für sich und seine Vorfahren an die Stiftskirche Simonis und Judäa in der Kaiserpfalz Goslar (vgl. RI IV,1,2 n. 666 In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1150-04-00_1_0_4_1_2_668_666 (Abgerufen am 27. Oktober 2017)). Nach Ansicht des Ortschronisten und Schriftstellers Harald Wieschke bezieht sich eine Urkunde im Dessauer Landesarchiv, in der zu 963 ein Dorf Wischleben im Burgward Plötzkau erwähnt wird, bereits auf Großwirschleben (vgl. Mitteldeutsche Zeitung vom 17. August 2007.) Damit wäre eine ostfränkische Ortschaft in der Zeit der Gaugrafschaften belegt, deren Gemarkung bis an die alte Kuhfurtsaale reicht (die Alte Saale bis 1164/1247, welche die alte Gaugrenze zu den Slawen bildete). AderstedtErsterwähnung am 20. August 1063 als Adersted im pagus Sueuio [Schwabengau] des Grafen Adalbert. vgl. RI III,2,3 n. 302: "Heinrich IV. (1063 August 20, Erlangen) Heinrich schenkt der bischöflichen Kirche zu Halberstadt aufgrund der Intervention der Erzbischöfe Anno von Köln und Adalbert von Bremen sowie in Anbetracht der treuen Dienste Bischof Burchards den im Schwabengau in der Grafschaft des Grafen Adalbert gelegenen Hof Aderstedt nebst allem Zubehör und allen Einkünften mit dem Recht zu freier Verfügung zum Nutzen der Kirche." In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1063-08-20_2_0_3_2_3_302_302 (Abgerufen am 24. Oktober 2017). und Waldau782 als fränkischer Königshof ersterwähnt. Vgl. Otto Schlüter, Oskar August (Hrsg.) unter Mitwirkung zahlreicher Fachwissenschaftler: Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1958–1960, Beiheft (Teil 2), S. 151: "Hier lag ein 782 genannter fränkischer Königshof."
Saale-Hinterland Im Hinterland der Saale lagen die Ortschaften: Cölbigk1020 (1021) Tanzwunder; 1035 Markt, Zoll und Bann BründelAm 21. Juni 1060 Ersterwähnung als Brundel in RI III,2,3 n. 197: Heinrich schenkt der erzbischöflichen Kirche zu Magdeburg aufgrund der Intervention seiner Mutter, der Kaiserin Agnes, sowie auf Bitten Erzbischof Engelhards die durch Erbschaft an ihn gefallenen Güter aus dem Besitz des Magdeburger Domherren Liudger an sechzehn namentlich aufgeführten Orten des Hosgaues in der Grafschaft des Markgrafen Dedi nebst allem Zubehör und allen Einkünften mit dem Recht zu freier Verfügung zum Nutzen der Kirche. (irrtümlich Hosgau statt Schwabengau eingesetzt). In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1060-06-21_1_0_3_2_3_197_197 (Abgerufen am 30. Oktober 2017). Namensformen: Brundel, Brundele, Barundele und Brundal Schackenthal(erstmals) 965 als Scakendal erwähnt
Bode An der Bodegrenze zum Nordthüringgau lagen (von der Bodemündung in Richtung Bodeknie): Egelnerstmals im 7. Juni 941 als „Osteregulon“ mit einem neuen Kastell durch König Otto I. beurkundet, an der Furt durch die Bode - vgl. RI II,1 n. 98 In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0941-06-07_1_0_2_1_1_226_98 (Abgerufen am 2. November 2017). Westeregelnerstmals im 7. Juni 941 durch König Otto I. beurkundet - vgl. RI II,1 n. 98 In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0941-06-07_1_0_2_1_1_226_98 (Abgerufen am 2. November 2017).
An der Bodegrenze zum Harzgau lagen (vom Bodeknie Richtung Süden): Gröningen