mini|klasse=notpageimage|Länder mit Continental-AG-Werken weltweit

Die Continental AG (kurz Conti) ist ein börsennotierter deutscher Gummikonzern mit Sitz in Hannover. Das Unternehmen hatte sich von einem Gummihersteller zu einem bedeutenden Automobilzulieferer entwickelt, das Automobilgeschäft (unter dem Namen AUMOVIO) wurde im September 2025 an die Aktionäre ausgekehrt (Spin-off) und an die Börse gebracht. Das Unternehmen besteht aus den Unternehmensbereichen Tires, dem bereits an Regent verkauften Teil OESL (Original Equipments Solutions), dessen Abschluss für 2026 geplant ist, und ContiTech.

Für 2026 ist ebenfalls der Verkauf der ContiTech Sparte geplant, wodurch Continental nach Abschluss des Verkaufs erstmals in der Unternehmensgeschichte zum reinen Reifenhersteller werden würde.

Die Schaeffler-Holding hält eine beherrschende Beteiligung von 46 Prozent an der Continental AG.

Geschichte Gründung mini|Gründungswerk der Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie 1871

Keimzelle der heutigen Continental AG war die Konkursmasse des kleinen gummiverarbeitenden Unternehmens Neue Hannoversche Gummi-Warenfabrik, die 1869 vom Bankier Moritz Magnus für 18.500 Taler erworben wurde. Magnus gruppierte neun finanzkräftige Investoren und erfahrene Unternehmer als Gründungsgesellschafter der Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie, die am 8. Oktober 1871 als Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 300.000 Talern (entsprechend 900.000 Mark) gegründet wurde. Dazu gehörten die drei Gesellschafter des Unternehmens Hannoversche Gummikamm-Compagnie oHG. Sie verfügten über produktionstechnische Kenntnisse mit dem seinerzeit neuartigen Werkstoff und hielten 27 % der Anteile.Hans Theodor Schmidt: Continental. Ein Jahrhundert Fortschritt und Leistung 1871 bis 1971. (Festschrift zum 100-jährigen Unternehmensjubiläum) Hannover 1971. Die Gründungsgesellschafter vereinbarten eine klare Trennung der Produktionsgebiete: Das neue Unternehmen sollte Weichgummiwaren produzieren, die bestehende Hannoversche Gummikamm-Compagnie oHG weiterhin die angestammten Hartgummiwaren. Diese Vereinbarung hielt rund zwei Jahrzehnte.

Weichgummi- und Reifenproduktion 1871–1914 mini|hochkant|links|Frühe (Hochrad-)Reifenwerbung der Continental, um 1900 mini|hochkant|links|Ganzseitige Anzeige für den Automobil- und Fahrrad-Reifen der Marke Continental Pneumatic; mit bemanntem Rennwagen vor stilisierter Alpen-Kulisse;Illustrirte Zeitung Nr. 3835 vom 20. April 1911 mini|hochkant|Anzeige für die Aeroplanstoffe, die 1909 bei der ersten Überquerung des Ärmelkanals durch Louis Blériot mit seiner Blériot XI zum Einsatz kamen

Zwischen 1871 und 1874 wurden neue Fabrikationsanlagen auf dem übernommenen Werksgelände und zugekauften Flächen errichtet (Vahrenwalder Straße 34, heute Teilbereich der ContiTech AG). Der Produktionsstart verzögerte sich mehrfach. Im ersten Betriebsjahr 1874 hatte das Unternehmen 246 Beschäftigte. In diesen Anfangsjahren kam es zu technischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Ende 1875 mit einer Kapitalerhöhung um 147.000 Mark aufgefangen werden mussten. Der Bankier Moritz Magnus beauftragte daraufhin seinen jungen Mitarbeiter Siegmund Seligmann mit einer grundlegenden Analyse des Unternehmens, als deren Ergebnis umfassende organisatorische und produktionstechnische Verbesserungen umgesetzt wurden. Die Produktion und das wirtschaftliche Ergebnis stabilisierten sich. Siegmund Seligmann erhielt 1876 Prokura und wurde ab 1879 kaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied (bis zu seinem Tod 1925).

Besonderes Augenmerk wurde auf die technischen und wissenschaftlichen Grundlagen gelegt, für die der 1874 eingestellte Chemiker Adolf Prinzhorn verantwortlich war. Er wurde 1876 technischer Direktor (bis 1908) und erwarb in den Vereinigten Staaten Fertigungslizenzen für Vollgummireifen. Unter seiner Leitung wurden Mitte der 1880er Jahre Experimente mit Hohlraum- und Kissenreifen (aus geschäumtem Gummi) durchgeführt.

Die Continental AG gewährte ihrer Belegschaft Sozialleistungen mit einer 1884 gegründeten Betriebskrankenkasse, mit den ab 1885 abgeschlossenen Lebensversicherungen für langjährige Betriebsangehörige und einer 1903 errichteten Pensions-, Witwen- und Waisenkasse. In einem vergleichsweise kleinen Wohnungsbauprogramm entstanden um 1900 und zu Beginn der 1920er Jahre einige Wohnblocks und ein Junggesellenheim. 1905 wurde eine Werkbücherei gegründet, die Anfang der 1920er Jahre über 10.000 Bände besaß und mit 80.000 Entleihungen im Jahr gut genutzt wurde. 1913 kam die staatlich anerkannte Werkschule hinzu, die vor allem für Arbeiter gedacht war.

Ab 1891 wurden Luftreifen für Fahrräder hergestellt, die „Continental-Pneumatics“, mit denen das Unternehmen Marktführer in Deutschland wurde. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Produktion von Autoreifen hinzu.Paul Erker: Vom nationalen zum globalen Wettbewerb. Die deutsche und amerikanische Reifenindustrie im 19. und 20. Jahrhundert. Schöningh-Verlag, Paderborn 2005, ISBN 3-506-71788-X.

Das Produktionsprogramm umfasste in den Anfangsjahrzehnten vielfältige Produkte aus Weichgummi; neben Gummibällen wurden Hufpuffer (für Pferde), Schläuche für Dampf-, Wasser- und Gasleitungen, gummibezogene Stoffe für Ballone, Luftschiffe und Flugzeuge, wasserdichte Kleidung und medizinisch-hygienische Artikel hergestellt. Die Belegschaft wuchs auf etwa 600 im Jahr 1890 und 1537 im Jahr 1899. Anfangs lag die Dividende bei etwa 9 %, wuchs 1882 auf 16 % und lag von 1884 bis 1892 bei 27 % des Stammkapitals.Continental Gummiwerke AG (Hrsg.): Geschichte des Gummis und der Continental. Hannover 1930. In diesen Anfangsjahren wurde das Unternehmen auch kurz Gummiball genannt – als Abgrenzung zur bestehenden, größeren Gummikamm (Hannoversche Gummikamm-Compagnie, s. o.). Später setzte sich Continental oder kurz Conti durch. Die lange und im alltäglichen Gebrauch umständliche offizielle Firma wurde 1929 in Continental Gummiwerke AG geändert.

mini|Auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis erlangten die Luftreifen einen „Grand Prix“.

Auf dem neuartigen Gebiet der Reifenherstellung gelangten in diesen Jahren einige grundlegende Entwicklungen, die zu wirtschaftlichen Erfolgen wurden: 1904 ein Luftreifen mit Profil 1908 die abnehmbare Felge

Diese Erfolge wurden durch umfassende Forschungsarbeiten im eigenen Labor, durch produktionstechnische Entwicklungsarbeiten, durch eigene zahlreiche Patente und geschützte Gebrauchsmuster und durch Nutzung von Lizenzen möglich. Weitere Absatzmöglichkeiten eröffneten die technischen Entwicklungen im Flugwesen: Spannstoffe für Flügel und Außenhaut als „Aeroplanstoffe“ und Flugzeugreifen, die 1911 in rund 25 unterschiedlichen Ausführungen des „Continental-Aeroplanreifens“ angeboten wurden.

Um 1910 begann der Einsatz von synthetischem Kautschuk eine zunehmende Rolle bei der Reifenproduktion zu spielen, gefördert insbesondere durch Dr. Albert Gerlach,Walter Selke und Christian Heppner: Der Continental-Direktor und Kautschuk-Pionier Albert Gerlach, in: Hannoversche Geschichtsblätter 76 (2022), S. 141–148. Chemiker und Vorstandsmitglied der Continental.Klaus-Dieter Röker: Die ersten Versuche zum Einsatz von künstlichem Kautschuk, in: Mitteilungen der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Fachgruppe Geschichte der Chemie 19 (2007), S. 199–216.

Ab 1903 unterhielt die Continental Gummiwerke AG ein Zweigwerk in Seelze mit bis zu 400 Arbeitskräften, um Kautschuk aus Altgummi wiederzugewinnen (als sogenanntes Regranulat). Trotz des wirtschaftlich mäßigen Erfolgs kam diesen Bemühungen im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle zu, als die Rohgummilieferungen aus Übersee unterbrochen waren. Die Anlagen wurden bis 1931 betrieben.

mini|Das 1912–1914 entstandene Verwaltungsgebäude an der Vahrenwalder Straße in Hannover, seit 2012 Haus der Wirtschaftsförderung der Region Hannover. mini|Die ursprüngliche Firma Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Co. an der Fassade der ehemaligen Hauptverwaltung an der Vahrenwalder Straße in Hannover

Die Belegschaft wuchs bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs auf rund 8000 an, weitere 5000 Personen kamen in in- und ausländischen Beteiligungen und Handelsvertretungen hinzu. Der Exportanteil konnte bis 1906 bereits auf 55 % gesteigert werden und erreichte schließlich 1913 mit über 60 % seinen damaligen Höhepunkt – mit einem Wert, der erst 75 Jahre später wieder erreicht werden sollte.Paul Erker: Wachsen im Wettbewerb. Eine Zeitgeschichte der Continental Aktiengesellschaft (1971–1996). ECON, Düsseldorf 1996, ISBN 3-430-12548-0. Zwischen 1897 und 1912 wurden mehrere Kapitalerhöhungen bis auf 12 Mio. Mark durchgeführt. Auf diese Stammeinlage wurden jährlich zwischen 33 und 55 % Dividende ausgeschüttet.

1912–1914 entstand das repräsentative Verwaltungsgebäude an der Vahrenwalder Straße, entworfen von dem Architekten Peter Behrens. Nach der Fertigstellung wurde es während des Ersten Weltkriegs als Lagerhaus vom Militär genutzt. 1919–1920 wurde es nochmals ausgebaut. Der Bau ist vergleichbar mit dem 1912 fertiggestellten Verwaltungsgebäude der Mannesmannröhren-Werke AG in Düsseldorf. Das Verwaltungsgebäude in Hannover hat eine Fassade von 100 m Länge. Die Eckpilaster ähneln denen am Alten Museum in Berlin. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen auf Hannover stark beschädigt und nach 1945 wiederaufgebaut. Seit den 1980er Jahren befindet sich darin das Technologie-Centrum Hannover (TCH), eine Einrichtung für Gründungsmanagement der Region Hannover.

Erster Weltkrieg 1914–1918 Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrachen die Lieferländer in Übersee die Versorgung für Deutschland mit den beiden wichtigsten Grundstoffen der Gummiindustrie – Rohkautschuk und Baumwolle. Die verbliebenen Rohkautschukbestände und später die Altgummibestände wurden ab Dezember 1914 durch die Kriegsrohstoffabteilung verwaltet. Die Produktion wurde auf kriegswichtige Güter umgestellt, wie Dichtungsmaterialien für Schiffsmaschinen und Seeminen, Kabelarmierungen für Zündkabel und Gasmasken sowie gasdichte Stoffe. Die Herstellung von medizinisch-hygienischen Artikeln wurde intensiviert; die Herstellung der meisten Gummiwaren für den Privatgebrauch wurde verboten.

Diese Produktionsvorgaben und -einschränkungen bevorzugten rationell arbeitende Großbetriebe, so dass es durch behördlich angeordnete Stilllegungen und Verschmelzungen mit „unbedingt kriegswichtigen“ Unternehmen zu einem deutlichen Rückgang der Betriebe kam: Von 185 Betrieben vor Kriegsbeginn im Deutschen Reich waren im Oktober 1917 noch 32 übrig. Durch die Einberufungen zum Kriegsdienst kam es schnell zu Personalengpässen, die durch vermehrten Einsatz von Frauen aufgefangen wurden.

Expansion zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg mini|Luftbild des Stammwerks an der Vahrenwalder Straße in Hannover, Anfang der 1920er Jahre mini|hochkant|Titelblatt der Werkszeitung Echo Continental, Heft 10 von 1922 mini|Aktie über 1000 RM der Continental Gummi-Werke AG vom Mai 1929

Nach Kriegsende war die Zulieferung der Rohstoffe wieder möglich, aber es kam zu einem Engpass bei der Energieversorgung, dem durch Kauf eines Kohlebergwerks bei Unna im Jahr 1920 begegnet wurde. Die Auslandsniederlassungen wurden wieder eröffnet. Mit der rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaft Internationale Continental-Caoutchouc-Compagnie in Amsterdam konnten während der Inflationszeit 1922–23 die Auslandsgeschäfte in „harten“ Währungen (Devisen) abgewickelt werden.