mini|Außerordentliche Tagung des Weltfriedensrates im Mai 1954 im Gebäude des Finanzministeriums der DDR in Ost-Berlin Der Weltfriedensrat (, WPC) ist eine internationale Organisation, die im November 1950 auf dem 2. Weltfriedenskongress in Warschau zur Förderung der friedlichen Koexistenz und der nuklearen Abrüstung gegründet wurde. Sein Vorläufer war ein im August 1948 aus dem „Weltkongress der Intellektuellen zur Verteidigung des Friedens“ in Breslau hervorgegangenes Internationales Verbindungsbüro.Michael Ploetz, Hans-Peter Müller: Ferngelenkte Friedensbewegung?: DDR und UdSSR im Kampf gegen den NATO-Doppelbeschluß S. 27 Dieser knüpfte an die Amsterdam-Pleyel-Bewegung an, die 1932 und 1933 Aktivitäten gegen die Vorbereitung eines neuen Weltkrieges entwickelte.Ruth und Walter Wimmer: Friedenszeugnisse aus vier Jahrtausenden, Leipzig Jena Berlin 1987, S. 205, ISBN 3-332-00095-0

Geschichte Ihren ersten Hauptsitz hatte die Organisation in Paris. Sie wurde jedoch schon kurz darauf von der französischen Regierung beschuldigt, eine Fünfte Kolonne der Kommunisten zu sein, und ausgewiesen. Ihr Sitz wurde zunächst nach Prag verlegt und im Jahr 1954 nach Wien, das noch unter alliierter Besatzung stand. Nach Wiedererlangung der vollen Souveränität verwies auch die österreichische Regierung im Jahr 1957 die Organisation wegen staatsfeindlicher Aktivitäten des Landes.Michael Ploetz, Hans-Peter Müller: Ferngelenkte Friedensbewegung? DDR und UdSSR im Kampf gegen den NATO-Doppelbeschluß. Lit-Verlag, 2004, ISBN 978-3-8258-7235-9, S. 278 auf Google Books 1968 wurde ein neues Hauptquartier in Helsinki eröffnet, später kehrte es unter dem Namen Institute for Peace nach Wien zurück. Nach dem Fall des Kommunismus in Osteuropa und der Beendigung der Finanzierung durch die Sowjetunion 1989 wurde dieser Sitz im Jahr 1990 aufgelöst.R. C. S. Trahair: Encyclopedia of Cold War espionage, spies, and secret operations, Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-31955-6 (Englisch, S. 339) Seit dem Jahr 2000 ist Athen der Sitz des World Peace Council.

Die Organisation wurde von kommunistischen Intellektuellen dominiert. Frédéric Joliot-Curie war der Gründungspräsident, Generalsekretär war Jean Laffitte, Vizepräsident Ilja Ehrenburg. Der Weltfriedensrat galt im Westen als von der UdSSR gesteuerte Tarnorganisation und diente auch dem KGB als Frontorganisation.Michael Ploetz,Hans-Peter Müller: Ferngelenkte Friedensbewegung?: DDR und UdSSR im Kampf gegen den NATO-Doppelbeschluss, S. 288Richard F. Staar: USSR Foreign Policies After Détente. Hoover Press, 2013, ISBN 978-0-8179-8593-6 (). Mit dem Aufkommen der Neuen Linken ab Mitte der 1960er Jahre sank seine Bedeutung in der westlichen Friedensbewegung.

Der Friedensrat der DDR war Mitglied des Weltfriedensrats. Manfred Feist, Schwager von Erich Honecker, war als Leiter der ZK-Abteilung Auslandsinformation in der DDR zuständig für den Weltfriedensrat und den Friedensrat der DDR.Udo Baron – Kalter Krieg und heisser Frieden – Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Verbündeten auf die Partei Die Grünen, S. 12 Otto Nuschke und Karl Kleinschmidt gehörten der deutschen Delegation an, die im April 1949 am Gründungskongress der Weltfriedensbewegung in Paris teilnahm; Otto Nuschke war der Sprecher dieser Delegation. Johannes Herz und Erwin Eckert wurden 1950 in den Weltfriedensrat gewählt.https://www.hans-otto-bredendiek.de/fuchs_friedensrat.html

Der Weltfriedensrat verlieh 1949 bis 1956 jährlich einen Internationalen Friedenspreis.

Prinzipien und Ziele Zu den Prinzipien der Organisation zählen folgende Leitlinien und Ziele:

Verurteilung imperialistischer Kriege und Besatzungen souveräner Länder und Nationen Verbot aller Massenvernichtungswaffen und bewaffneter Auseinandersetzungen Eliminierung jeglicher Formen von Kolonialismus, Neo-Kolonialismus, Rassismus, Sexismus und anderer Formen von Diskriminierung Respektierung des Rechts des Einzelnen, frei und unabhängig zu agieren, um den Frieden zu erhalten Respektierung der territorialen Integrität von Staaten Keinerlei Einmischungen in interne Belange von Nationen Aufbau von für beide Seiten vorteilhaften Handels- und Kulturbeziehungen auf Grundlage von Freundschaft und gegenseitigem Respekt Friedvolle Ko-Existenz zwischen Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen Verhandlungen an Stelle von Machtspielen zur Beilegung von Unstimmigkeiten zwischen Nationen

Präsidenten des Weltfriedensrates 1950–1958: Frédéric Joliot-Curie (1900–1958) 1959–1965: John Desmond Bernal (1901–1971) 1965–1969: Isabelle Blume (1892–1975) 1977–1990: Romesh Chandra (1919–2016) (1966–1977 Generalsekretär) 1990–1993: Evangelos Maheras (1918–2015) 1993–2002: Albertina Sisulu (1918–2011) 2002–2008: Orlando Fundora Lópezhttps://www.deutscher-friedensrat.de/berichte_027.htm (1927–2016) 2008–2022: Maria do Socorro Gomes Coelho (* 1950) seit 2022: Pallab Sengupta (* 1950)Secretary-General of All India Peace and Solidarity elected as President of World Peace Council for new term vietnamembassydelhi.in, 28. November 2022

Nationale Friedensräte

Veröffentlichungen World Peace Council (Hrsg.): The World Peace Council – What it is and What It Does, Helsinki 1978 Weltfriedensrat (Hrsg.): Berufsverbote in der Bundesrepublik Deutschland, Helsinki, o. J. Weltfriedensrat (Hrsg.): Die Friedensbewegung und der Kampf für gerechte internationale Wirtschaftsbeziehungen, Helsinki, 1978 Weltfriedensrat (Hrsg.): Kampf dem Rassismus, Eigenverlag Helsinki, 1978 Weltfriedensrat (Hrsg.): Weltversammlung der Erbauer des Friedens, Eigenverlag. Helsinki, 1977 Schweizerische Friedensbewegung SFB (Hrsg.): Frieden, Gerechtigkeit, Menschenwürde. 70 Jahre Schweizerische Friedensbewegung 1949–2019, Basel 2019

Weblinks

World Peace Council Rob Prince: The Catabolism of the World Peace Council. Peace Magazine, 1992 (Teil 1, Teil 2) John Desmond Bernal (Präsident Weltfriedensrat) zu Besuch in Berlin Deutscher Fernsehfunk, 27. März 1962 (Video im ARD-Retro-Angebot der ARD Mediathek)

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation der Friedensbewegung Kategorie:Tarnorganisation (Kalter Krieg) Kategorie:KGB Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1950