Schloss und Kloster Iburg in Bad Iburg gehören zu den historisch bedeutsamen Bauanlagen im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen.

Die Iburg entstand 1070 auf einer Anhöhe als Burg mit Holzkapelle, das Benediktinerkloster in ihr wurde 1080 gegründet. Vom 11. bis Ende des 17. Jahrhunderts residierten die Bischöfe von Osnabrück in der Doppelanlage aus Schloss und Kloster. Kunstgeschichtlich bemerkenswert ist der Rittersaal aus dem 17. Jahrhundert wegen seiner Deckenmalerei in perspektivischer Scheinarchitektur. Iburg ist die älteste Ritterburg und neben der Holter Burg die einzige Bergburg des Bistums.Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. H.Th. Wenner Verlag, ISBN 3-87898-384-0.

mini|Schlossflügel mit Bennoturm und Turmspitze der früheren Klosterkirchemini|Die Doppelanlage von Norden: links der Bereich des ehemaligen Klosters, rechts der Bereich des früheren Schlosses

Name Die Herkunft des Namens Iburg ist nicht eindeutig nachweisbar. Franz Jostes leitet den Namen ab von I = Wasser (entsprechend dem Niederländischen Y für Gewässer).Franz Jostes: Die Kaiser- und Königsurkunden des Osnabrücker Landes. Münster 1897.

Baugeschichte mini|hochkant|Aus der Zeit Franz Wilhelm von Wartenbergs stammt der Rittersaal des Schlosses mini|Klostertrakt von Johann Conrad Schlaun mini|hochkant|Belagerung 1553

Die Iburg befindet sich auf einem 400 m langen und 100–120 m breiten, nach Westen ansteigenden Bergrücken nahe einer Passstraße (heute Bundesstraße 51), die durch den Ausläufer des Teutoburger Waldes führte. Von einer ersten, wohl im 9./10. Jahrhundert erfolgten Befestigung der Anhöhe zeugt eine Nachricht aus dem 11. Jahrhundert, laut der damals noch ein dreifacher Wall und Grundmauern erkennbar gewesen waren, und möglicherweise ein vor der Ostfront des Klosters angeschnittener Graben. Auf den Resten dieser Wallburg ließen Bischof Benno I. (1052–1067) und Bischof Benno II. (1068–1088) die Residenz des Bistums Osnabrück errichten.

Das älteste bei Ausgrabungen erfasste Bauwerk ist ein fast quadratischer Wohnturm des 11. Jahrhunderts von ca. 9 m Seitenlänge an der Westspitze, der möglicherweise mit einem in der Lebensbeschreibung Bennos I. erwähnten Wohnhaus identisch ist. Über seine abgebrochene Westwand hinweg entstand noch im 11. Jahrhundert die erste bekannte Ringmauer. Spätestens während des ersten Viertel des 12. Jahrhunderts errichtete man vor der Außenfront einen 7,3 × 6,8 m großen Flankenturm, der später erweitert wurde.

Bischof Benno II. brachte im Jahr 1080 zwölf Benediktinermönche aus Mainz nach Iburg. Dieses Jahr wird als Gründungsjahr des Klosters angesehen, jedoch hatte schon 1070 auf dem Burgberg eine Holzkapelle gestanden. Das Baumaterial für das Kloster stammte vom sogenannten Bennosteinbruch am Dörenberg. Unter Bischof Konrad IV. von Rietberg (1492 bis 1508) wurde der achteckige Bergfried auf Resten eines Vorgängerbaus aus der Zeit um 1200 errichtet. Der Turm erscheint im Wappen des Landkreises Osnabrück und wird in der Bevölkerung „Bennoturm“ genannt, obwohl er erst nach dem Tod des Namensgebers gebaut wurde. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Burg und Kloster auf Veranlassung von Fürstbischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591 bis 1623) zu einer reich gegliederten Schlossanlage umgestaltet.

1553 belagerten die Feldherren Christoph von Wrisberg und Dietrich von Quitzow die Iburg, als sie mit Philipp Magnus von Braunschweig-Lüneburg (1527–1553) gegen das Hochstift Osnabrück zogen. Sie wollten Bischof Franz von Waldeck in der Burg in Gefangenschaft nehmen. Iburg wurde geplündert und das Kloster wurde zu einem Brandschatz von 4000 Talern gezwungen.

Im Dreißigjährigen Krieg erlitten Schloss und Kloster schwere Schäden durch Plünderungen 1621, 1623 und 1633. Auch die Besatzungen, 1632 durch die Niederländer und insbesondere durch die Schweden von 1634 bis 1650, sorgten für Schäden. Die Schweden vertrieben die Mönche. Abt Jakob Thorwarth lebte in Meppen im Exil. Erst 1645 konnten die Benediktiner zurückkehrten.Gunnar Teske: Verhandlungen zum Westfälischen Frieden außerhalb der Kongreßstädte Münster und Osnabrück. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, Jg. 147 (1997), S. 63–92, hier S. 73. 1668 wurde im Schloss Sophie Charlotte von Hannover geboren, die 1701 als Ehefrau von Friedrich I. erste Königin in Preußen wurde.

Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der vor den Schweden geflohen war, kehrte 1650 zurück und ließ ganze Gebäudeflügel von Grund auf erneuern. Die Ausstattung des Rittersaales stammt aus den Jahren 1656/1657. Verantwortlicher Architekt war Johannes Crafft, der aus Süddeutschland stammte. Die von dem katholischen Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg begonnenen Arbeiten wurden um 1674 von seinem Nachfolger Ernst August I., dem ersten lutherischen Bischof aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, vollendet. Er ließ die lutherische Schlosskirche (1664) einbauen.

Abt Adolph Hane (1706–1768) ließ durch den westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun einen Klosterneubau auf dem Burgberg errichten.

Vom kur-braunschweig-lüneburgischen Landbaumeister Franz Schädler (1733–1796) stammt der Entwurf für das Eingangstor zur Schlossanlage an der sogenannten Klotzbahn. Es wurde 1781 von dem Schmiedemeister Johann Georg Reinhard angefertigt.Hans Galen, Helmut Ottenjan (Hrsg.): Westfalen in Niedersachsen Museumsdorf Cloppenburg, Cloppenburg 1993, ISBN 3-923675-37-2, S. 145

Fürstbischöfliches Familienleben

Über das Iburger Schloss schrieb Sophie von der Pfalz, die darin von 1662 bis 1673 mit ihrem Mann, dem Fürstbischof Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg lebte, nach der Ankunft an ihren Bruder Karl Ludwig von der Pfalz: „Vor drei Tagen bin ich hier eingetroffen und befinde mich in einem sehr hübschen Hause, welches mich bei seiner Ankunft recht erfreut hat; alles, was daran in die Augen fällt, erscheint prächtig: Gerät, Möbel, Livreen, Wachen, Hellebarden.“Ute Heuer: Schloss Iburg – Von alten Schätzen und neuen Plänen. In: Heimatjahrbuch Osnabrücker Land, Jg. 2003, S. 78. Im Jahr 1663 beschrieb sie das Leben in der Iburg: „Wir spielen Kegel, ziehen Enten, halten Ringelrennen, spielen Trictrac, wollen jedes Jahr nach Italien, doch gehen die Dinge ganz gut für einen kleinen Bischof, der in Frieden leben kann.“Wolf Schneider: Ernst August I. und Sophie von der Pfalz als Bischofspaar in Iburg und Osnabrück (1662–1672). In: Heimatjahrbuch Osnabrücker Land, Jg. 2003, S. 197. Drei Jahre später konnte der kleine Bischof nicht in Frieden leben. 1666 zogen Ernst August I. und Sophie von der Pfalz zeitweilig wegen politischer Spannungen mit dem benachbarten katholischen Bischof von Münster, Christoph Bernhard Graf von Galen, in einen Hof in der Osnabrücker Neustadt, weiter entfernt von Münster. Nach der Rückkehr nach Iburg schrieb Sophie am 2. Juni des Jahres erleichtert: „Wir leben hier in der angenehmsten Einsamkeit der Welt. Wir genießen alle Freuden des Landlebens und weisen alle zurück, die uns bei der Tafel aufwarten wollen; außer unserer Gesellschaft sehen wir niemand.“

1668 wurde die einzige Tochter des Fürstbischofspaars, Sophie Charlotte, im Iburger Schloss geboren. Sie wurde als Ehefrau von Friedrich I. erste Königin in Preußen.

Dem Fürstbischof reichten im Laufe der Jahre die Räumlichkeiten der Iburg nicht aus. Er wollte zudem die Unabhängigkeit der Stadt Osnabrück einschränken und beschloss deswegen, dort einen Neubau zu errichten. 1673 bezog die fürstbischöfliche Familie das Schloss Osnabrück. Damit endete die Ära der Bischöfe von Osnabrück in Schloss Iburg.

Bischöfe von Osnabrück im Iburger Schloss mini|Schloss und Kloster Iburg vor 1752, Ausschnitt aus einer Federzeichnung von Renier Roidkin

Von 1086 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts residierten die Osnabrücker Bischöfe in Iburg.

1086–1088 Benno II., Gründer des Benediktinerklosters 1088–1093 Marquardt 1093–1101 Wiho II. 1101–1109 Johann I. 1109–1119 Gottschalk von Diepholz 1119–1137 Thiedhard 1137–1141 Udo von Steinfurt 1141–1173 Philipp von Katzenelnbogen 1173–1190 Arnold 1191–1216 Gerhard von Oldenburg-Wildeshausen, später Erzbischof in Bremen 1216–1224 Adolf von Tecklenburg 1224–1225 Engelbert I. von Isenberg 1225–1227 Otto I. 1227–1238 Konrad I. von Velber 1238–1250 erneut Engelbert von Isenberg 1250–1258 Bruno von Isenberg 1258–1265 Balduin von Russel 1258–1270 Widukind von Waldeck (Osnabrück) 1270–1296 Konrad II. Graf von Rietberg 1296–1308 Ludwig Graf von Ravensberg 1309–1318 Engelbert II. von Weihemini|hochkant|Fürstbischof Heinrich II. (1550–1585) in der Bischofsgalerie des Schlosses Iburg 1318–1350 Gottfried von Arnsberg 1350–1366 Johann II. Hoet 1366–1376 Melchior von Braunschweig-Grubenhagen 1376–1402 Diederich von Hoya (oder von Horne?) 1402–1404 Heinrich I. von Schaumburg-Holstein 1404–1424 Otto Graf von Hoya 1424–1437 Johann III. von Diepholz 1437–1441 Erich Graf von Hoya 1442–1450 Heinrich II. von Moers 1450–1454 Albert Graf von Hoya 1455–1482 Konrad III. von Diepholz 1482–1508 Konrad VI. von Rietberg 1508–1531 Erich von Braunschweig-Grubenhagen 1532–1553 Franz von Waldeck 1553–1574 Johannes Graf von Hoya 1574–1585 Heinrich von Sachsen-Lauenburg 1585–1585 Wilhelm von Schencking – er starb fünf Tage nach der Wahl 1585–1591 Bernhard von Waldeck 1591–1623 Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel 1623–1625 Eitel Friedrich von Hohenzollern 1625–1661 Franz Wilhelm von Wartenberg 1661–1698 Kurfürst Ernst August I. von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg

Ernst August I. von Hannover ließ das Schloss Osnabrück bauen. Damit endete die Geschichte der Bischöfe von Osnabrück im Iburger Schloss.

Benediktinerkloster mini|Stein mit den Insignien des Iburger Abts am Kammweg des Langenbergs mini|Benedictusglocke aus dem Kloster, heute ausgestellt im LWL-Museum in Münster Das im Jahr 1080 gegründete Kloster bestand bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Dritter Abt des Klosters war noch zu Lebzeiten Benno II. Norbert von Iburg, der die Biografie des Klostergründers schrieb. Von 1666 bis 1706 war Maurus Rost 41. Abt des Klosters. Die heute erhaltenen Konventsgebäude gehen auf den Neubau der 1750er Jahre unter Abt Adolph Hane zurück. Mit den Bauplänen war der westfälische Architekt Johann Conrad Schlaun beauftragt, dessen Entwurf jedoch möglicherweise auf Wunsch des Bauherrn verändert wurden. Als Indiz hierfür kann die vor der östlichen Schaufassade angelegte hohe Gartenterrasse gelten. Der Haupteingang wurde – entgegen barocken Axialverständnis – an die Nordseite verlegt. Im Inneren, das heute großteils vom Amtsgericht Bad Iburg genutzt wird, haben sich in zahlreichen Räumen Stuckdekorationen aus der Erbauungszeit erhalten (Joseph Geitner). Sie folgen im Wesentlichen einem in der Zeit üblichen klösterlich-theologischen Dekorationsprogramm mit Szenen aus der Bibel, Allegorien, Emblemen und pflanzlich-tierischem Dekor. Mit dem 13. Februar 1803 wurde das Kloster nach gut 700 Jahren seiner Existenz aufgehoben. Der Reichsdeputationshauptschluss stammt zwar erst vom 25. Februar 1803 und wurde am 27. April 1803 kaiserlich bestätigt, doch erfolgte die Säkularisation in vielen Gebieten schon vor der Rechtsgültigkeit. Iburg war das erste Kloster im Fürstentum Osnabrück, das aufgehoben wurde. Der Konvent hatte zu dieser Zeit noch 22 Mitglieder. Bedienstete und Domestiken waren bereits am 9. und 10. Februar 1803 entlassen worden. Das Kloster wurde vollständig ausgeräumt, das Inventar wurde bis auf Kirchenausstattung und Bibliothek, deren Bestand auf 4000 Bücher geschätzt wurde, verkauft. Die Bibliothek ging in staatlichen Besitz über. In napoleonischen Zeiten blieb sie ungenutzt in Iburg, 1816 wurde sie ins Osnabrücker Schloss gebracht. 1817 übernahm das Gymnasium Carolinum in Osnabrück den Bestand. Bei der Bombardierung Osnabrücks im September 1944 wurde er zum größten Teil zerstört; die Reste befinden sich in der Osnabrücker Stadtbücherei.