PEN Deutschland (bis April 2026 PEN-Zentrum Deutschland) ist eine deutsche Schriftstellervereinigung. Die Abkürzung PEN (international auch P.E.N.) steht für „Poets, Essayists, Novelists“ und spielt zugleich auf das englische Wort pen („Stift“) als Schreibwerkzeug an.

Nach der Gründung des PEN 1921 in England etablierte es sich auch in vielen anderen Staaten. 192490 Jahre deutscher PEN, „Schutz in Europa“ und die Presse – PEN-Zentrum Deutschland kritisiert Berichterstattung zu Günter Grass. Bei: PEN-Deutschland.de. 15. Dezember 2016, abgerufen am 22. Januar 2016. „Am 15. Dezember 1924 wurde die erste deutsche P.E.N.-Gruppe gegründet, als Teil des Internationalen PEN, …“ gründeten deutsche Autoren PEN Deutschland. PEN Deutschland ist Mitglied des PEN International und hat seinen Sitz in Darmstadt. Nach dem Rücktritt des als Präsident wiedergewählten Journalisten und Schriftstellers Deniz Yücel am 13. Mai 2022 kam es zu einer Spaltung und der Gründung der Konkurrenzvereinigung PEN Berlin. Zum Präsidenten von PEN Deutschland wurde am 13. Oktober 2022 der Schriftsteller José F. A. Oliver gewählt. Nach dessen krankheitsbedingtem Rücktritt und einem Präsidiumsbeschluss übernahm Generalsekretär Michael Landgraf von November 2024 bis Juni 2025 die Leitung. Am 27. Juni 2025 wurde auf der Mitgliederversammlung in Darmstadt Matthias Politycki zum Präsidenten gewählt.

Tätigkeit Wie beim internationalen PEN ist die Arbeit des Deutschen PEN entsprechend seiner Charta darauf gerichtet, sich für Schutz und Freiheit von Kultur einzusetzen. Ungehinderter Gedankenaustausch und freie Meinungsäußerung werden national und international vertreten.

PEN Deutschland unterhält zu diesem Ziel zwei zentrale Programme: Writers in Prison (seit Mai 2023 verantwortet von Vizepräsident Najem Wali) und Writers in Exile (seit 2021 verantwortet von Vizepräsidentin Astrid Vehstedt), beide in enger Abstimmung mit dem internationalen PEN und gegebenenfalls den PENs der Herkunftsstaaten der jeweiligen Verfolgten. Im Writers-in-Prison-Programm werden kulturelle und andere Kontakte genutzt, um politisch verfolgte Schriftsteller zu befreien. Als Mittel werden Briefkampagnen und direkte Ansprache von Machthabern genutzt. Das Writers-in-Exile-Programm nimmt verfolgte Schriftsteller in Deutschland auf und gibt ihnen die Chance, für mehrere Jahre in Sicherheit zu leben und weiterhin als Schriftsteller zu arbeiten. Dazu unterhält PEN Deutschland mit Förderung des BKM mehrere Wohnungen, die den Verfolgten zur Verfügung gestellt werden können, außerdem bieten die Städte Nürnberg und München Wohnungen für das Programm an, die über PEN Deutschland an Verfolgte vergeben werden. Weitere Wohnungen befinden sich in Berlin und im Ruhrgebiet.

Seit 1985 verleiht PEN Deutschland die Hermann-Kesten-Preis für besondere Verdienste um verfolgte Autoren im Sinne der Charta des Internationalen PEN, wobei sich der PEN selbst als „Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller“ bezeichnet.PEN-Deutschland, auf der Einstiegsseite, abgerufen am 8. Oktober 2009.

Geschichte Weimarer Republik 1924 gründeten deutsche Schriftsteller innerhalb des Internationalen PEN eine deutsche Sektion unter Leitung von Ludwig Fulda. Ursprünglich war sie eine gesellschaftlich und sozial „salonfähige“ Vereinigung der etablierten und konservativen Autoren. Obwohl diese Gruppe im Ersten Weltkrieg den deutschen Chauvinismus und Patriotismus aktiv unterstützt hatte, war der internationale PEN-Club unter seinem Gründerpräsident John Galsworthy bereit, darüber hinwegzusehen, um seine unpolitische, soziale Aktivität nach Deutschland auszuweiten.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 76. 1926 richtete der Deutsche PEN den internationalen Kongress in Berlin aus, was die erste internationale Konferenz in Deutschland überhaupt nach dem Ersten Weltkrieg darstellte.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 82. Daher nutzte das Auswärtige Amt, das unter dem Friedensvertrag von Versailles keinen direkten Einfluss mehr nehmen konnte, den deutschen PEN als verlängerten Arm der deutschen Außenpolitik.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 80.

Ludwig Fulda wurde im Herbst 1927 durch Theodor Däubler abgelöst.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 87. Dieser wurde aber in der Folge schwer krank und bekam daher 1931 Walter Bloem als gleichberechtigten Präsidenten zur Seite gestellt. 1932 wurde Bloem durch Alfred Kerr in derselben Rolle ersetzt. Däubler starb 1934.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 88.

Ab 1930 fiel PEN Deutschland auf, weil es entgegen der Satzung des internationalen PEN-Clubs und der persönlichen Praxis von Gründerpräsident Galsworthy, entschieden für Rechte von Schriftstellern eintrat und damit den Grundsatz no politics des ursprünglich als reinem sozialen Club gegründeten Vereins verletzte. Anlass war das Verbot der Remarque-Verfilmung Im Westen nichts Neues.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 99. Diese von Deutschland ausgehende Linie wurde international zunächst abgelehnt.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 103. Auf dem internationalen Kongress 1932 wurde aber erstmals eine politische Resolution mehrheitlich angenommen und nach den Ereignissen 1933 in Deutschland musste der PEN seine unpolitische Rolle aufgeben.

Zeit des Nationalsozialismus 1933 floh Alfred Kerr unmittelbar nach der Machtergreifung ins Ausland. Nach der Flucht Kerrs wurde im Februar kurzfristig ein Vorstand aus Hanns Martin Elster, dem todkranken Theodor Däubler und Herwarth Walden gebildet.Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933–1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 133–167, 136. Im April wurden Mitglieder des Kampfbunds für deutsche Kultur von Alfred Rosenberg in das Zentrum aufgenommen, obwohl viele davon gar keine Schriftsteller oder Publizisten im Sinne des PEN waren. Am 23. April 1933 folgte die Gleichschaltung unter einer gleichberechtigten Dreierspitze aus Hanns Johst, Hans Hinkel, Rainer Schlösser. Die Versammlung, in der die Neuwahl stattfand, wurde durch SA-Männer gestürmt, bei der zweiten Abstimmungsrunde hatten fast alle etablierten Mitglieder des PEN das Gebäude bereits fluchtartig verlassen. Im Sinne einer „Scheinlegitimität“ wurde die Wahl jedoch als innerer Vorgang maskiert.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 104. Im Januar 1934 wurde der PEN in die Union nationaler Schriftsteller umgewandelt.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 121. Für diesen Umbau hatten sich insbesondere Hanns Johst und Gottfried Benn engagiert.Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933–1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 139.

Der NS-freundliche deutsche Verband wurden wegen Untätigkeit gegen die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland im internationalen Verband kritisiert und kam im November 1933 einem Ausschluss durch den eigenen Austritt zuvor.Ernst Fischer: Das Zentrum in der Weimarer Republik. In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 120. In der Zeit des Nationalsozialismus gründeten aus Deutschland geflohene Schriftsteller 1934 das P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland als Organisation der Autoren im Exil. Schon im Dezember 1933 hatten sich Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Max Herrmann-Neiße und Rudolf Olden für eine autonome PEN-Gruppe der Exilanten eingesetzt.Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933–1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 142. Die Anerkennung des Exil-PEN mit Heinrich Mann als Präsident wurde im Juni 1934 durch den internationalen PEN bestätigt. Offizieller Sitz war London, als Name dienten zuerst Deutsche Gruppe des Internationalen PEN, dann German (Anti-Nazi) Group, später Centre of German Writers Abroad und bis 2002 Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933–1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 145.

Nach dem Anschluss Österreichs und des österreichischen PEN an die deutsche Nazi-Organisation wurde international ein neuer österreichischer PEN unter dem Namen Austrian Group gegründet. Präsident war Franz Werfel.Helmut Peitsch: Versuchte Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Auflösung und Flucht ins Exil (1933–1945). In: Dorothée Bores, Sven Hanuschek (Hrsg.): Handbuch PEN. Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Zentren. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-026067-0, S. 148.

Nachkriegszeit mini|hochkant=1.4|Erste Tagung des wiedergegründeten PEN-Zentrums Deutschland am 12. April 1949 im Kleinen Sitzungssaal des Hamburger Rathauses 1948 gründete sich in Göttingen PEN Deutschland neu. 1949 wurde als westdeutscher Staat die Bundesrepublik Deutschland gegründet und im Osten die Deutsche Demokratische Republik. Da zu dieser Zeit PEN Deutschland von ostdeutschen Autoren geprägt war, spaltete sich 1951 das Deutsche PEN-Zentrum (Bundesrepublik) ab. Daraufhin benannte sich das nunmehr ostdeutsche PEN-Zentrum Deutschland 1953 in Deutsches PEN-Zentrum Ost und West um.