Krupka (deutsch Graupen) ist eine Stadt im Okres Teplice in Tschechien. An die historische Bedeutung und Größe der alten Bergstadt erinnert die gut erhaltene Denkmalzone mit Bauten aus der Zeit der Gotik und Renaissance.
Geographie mini|links|Talkessel mit dem historischen Zentrum der Stadt (rechts im Bild die Kirche Mariä Himmelfahrt)
Die Stadt liegt in Nordböhmen unmittelbar am Fuß des Südabfalls des Erzgebirges.
Ortsteile von Krupka sind Bohosudov (Mariaschein), Fojtovice (Voitsdorf), Horní Krupka (Obergraupen), Krupka (Graupen), Maršov (Marschen), Nové Modlany (Neu Modlan), Soběchleby (Sobochleben), Unčín (Hohenstein) und Vrchoslav (Rosenthal).https://www.uir.cz/casti-obce-obec/567639/Obec-Krupka
Grundsiedlungseinheiten sind Bohosudov, Dolní Krupka (Untergraupen), Dolní Maršov (Unter Marschen), Fojtovice, Habartice (Ebersdorf), Horní Krupka, Krupka-střed, Kyšperk (Geiersberg), Maršov, Maršov-sídliště, Maršovské sídliště-jih, Medvědí vrch, Mohelnice (Müglitz), Nové Modlany, Pod státní silnicí, Soběchleby, U Svatého Prokopa, Unčín und Vrchoslav.http://www.uir.cz/zsj-obec/567639/Obec-Krupka
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bohosudov, Fojtovice u Krupky, Habartice u Krupky, Horní Krupka, Krupka, Maršov u Krupky, Mohelnice u Krupky, Nové Modlany, Soběchleby u Krupky, Unčín u Krupky und Vrchoslav.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/567639/Obec-Krupka
Nachbarorte
Geschichte Die Geschichte der Stadt ist eng mit der Zinngewinnung im östlichen Erzgebirge verbunden. Der Ort Graupen soll schon 1146 bestanden haben, die erste urkundliche Erwähnung als Stadt stammt aus dem Jahre 1330. Nach ersten Zinnfunden erlebte Graupen seine Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert. Zum Schutz der Bergwerke und des Handelsweges wurde um 1300 die Burg Graupen errichtet. Während der Hussitenkriege 1426 und 1429, im Dreißigjährigen Krieg und nach zahlreichen Stadtbränden wurde die Stadt mehrmals zerstört.
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt kommt schon in den Errichtungsbüchern von 1384 und 1394 vor, besteht aber, da sie 1633 zerstört wurde, in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1669. 1478 bestätigte der böhmische König Wladislaw II. die Stadtrechte sowie ein Stadtwappen (Wappenbrief). 1497 wurde die Graupener Schützengesellschaft (die älteste Schützenbruderschaft Böhmens) gegründet.
Die Stadt wechselte mehrfach ihre Besitzer. 1529 fiel sie durch Kauf, 1547 nochmals durch Zwangsübergabe an den König Ferdinand I. und wurde damit „Königliche“ Freie Bergstadt. Thimo V. von Colditz verkaufte 1557 den Besitz Graupen mit der Burg an Kaspar von Schönburg. Im 17. Jahrhundert war sie im Besitz der Herren Sternberg und wurde 1710 durch Graf Franz Clary-Aldringen erworben. mini|Stadt und Burg Graupen (um 1908) Durch Kriegsschäden und wachsende Konkurrenz ging der Bergbau im 17. Jahrhundert zurück und Graupen wandelte sich in eine Industriestadt, in der zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Abbau von Braunkohle begonnen wurde. Im 20. Jahrhundert kam die Gewinnung von Wolframit, Molybdänit und Flussspat hinzu. Am 5. August 1904 vernichtete ein Großbrand Teile des unteren Stadtteils.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Graupen 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. 1930 lebten in Graupen 4082 Einwohner. Davon waren 3282 Deutschböhmen und 364 Tschechen. Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte Graupen von 1938 bis 1945 zum Landkreis Teplitz-Schönau, Regierungsbezirk Aussig, im deutschen Reichsgau Sudetenland. Die deutschen Einwohner wurden 1945 enteignet und vertrieben. Nach 1945 zogen viele Neubürger aus Zentralböhmen, Slowaken sowie Roma in diese Region. 1956 wurde die Erzförderung eingestellt, 1969 auch der Flussspatbergbau.
Einwohnerentwicklung Bis 1945 war Graupen überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden. + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1830 1408 in 252 HäusernJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 203–207.Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 15. 1857 3403 am 31. OktoberStatistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 39, rechte Spalte.1869 2320 1880 2904 1890 3304 1900 3543 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon 6. Auflage, Band 8, Leipzig und Wien 1907, S. 253.1910 4102 1921 3882 1930 4092 nach anderen Angaben 3882 Einwohner, davon 3356 DeutscheGenealogie Sudetenland 1939 3912
+ Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 Einwohner 2943 8548 8320 9336 12620 13318 13147
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wallfahrtskirche Mariaschein mini|Kirche St. Anna mit Umfassungsmauer Museen . Der Stollen ist Teil des UNESCO-Welterbes „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“. , Husitská 209/21
Bauwerke
Wallfahrtskirche Mariaschein im Ortsteil Bohosudov (Mariaschein) Kirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzetí Panny Marie), im 13. Jahrhundert erbaut Spitalkirche Hl. Geist (Špitalni kostel sv. Ducha), erstmals 1454 erwähnt Friedhofskapelle St. Anna (Kostel sv. Anny) von 1516 Ruine der St.-Prokop-Kirche orthodoxe Wenzelskirche Burg Graupen (Hrad Krupka) mit Gedenkstein an den dortigen Besuch von Johann Wolfgang von Goethe Ruine der Geiersburg (Hrad Kyšperk) aus dem 14. Jahrhundert.
Sonstige Grenzüberschreitender Bergbaulehrpfad, beginnend beim städtischen Museum, über die Burg Graupen zum Bergbaumuseum Alter Martin (Starý Martin), weiter auf den Berg Komáří hůrka (Mückenberg), mit einem Blick auf das Böhmische Mittelgebirge, weiter über die St.-Wolfgang-Kapelle (Kaple sv. Wolfganga) nach Cínovec (Hinterzinnwald), wo er auf der deutschen Seite weiter führt. Vom Stadtteil Bohosudov führt eine 2350 Meter lange, 1952 errichtete Sesselbahn auf die Komáří hůrka. Barockstatue des Hl. Franz Xaver aus dem Jahre 1717 Gedenkstein für den Augenarzt Professor Carl Ferdinand von Arlt
Trivia Die amerikanische Tageszeitung Chicago Daily Tribune berichtete im Herbst 1885 von einem Mord im böhmischen „Sobachleben“, als der Bergarbeiter Anton Blaschek seine Frau im Schlaf durch einen Hieb mit der Axt auf ihren Schädel tötete. Er selbst nahm dann einen Sprengsatz in seinen Mund „and succeeded in blowing out his brains so completely that scarcely any remnants were found of his head.“ Zum Glück, so die Meldung, blieben die beiden Kinder, die bei ihrer Mutter schliefen, von der Explosion unverletzt.Chicago Daily Tribune vom 29. November 1885, S. 25
Söhne und Töchter der Stadt Ferdinand von Arlt (1812–1887), österreichischer Chirurg und Augenarzt Joseph Dittrich (1794–1853), römisch-katholischer Geistlicher in der Oberlausitz Franz Pless (1819–1905), böhmisch-österreichischer Chemiker und Philanthrop Wilhelm Häusler (1881–1969), sozialdemokratischer Politiker Karl Kern (1902–1982), deutschsprachiger Schriftsteller, Redakteur und Lyriker Lothar Mörl (* 1940), deutscher Ingenieur und Hochschullehrer Marianne Traub (* 1934), deutsche Bildhauerin
Städtepartnerschaften Geising (1995), Deutschland
Literatur Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Band 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8. Hermann Hallwich: Geschichte der Bergstadt Graupen in Böhmen. Credner, Prag 1868, (Digitalisat).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Erzgebirge
Kategorie:Bergbau (Böhmisches Erzgebirge) Kategorie:Bergstadt in Tschechien Kategorie:Ersterwähnung 1330