mini|Wilhelm Faupel (1918) Wilhelm Faupel (* 29. Oktober 1873 in Lindenbusch, Kreis Liegnitz, Niederschlesien; † Anfang Mai 1945 in Berlin oder Potsdam-Babelsberg) war ein deutscher Militär (zuletzt Generalleutnant ehrenhalber) und Diplomat. Er war Generalstabsoffizier im Ersten Weltkrieg und führte danach das Freikorps „Görlitz“. Vor und nach dem Weltkrieg war er Militärberater in Argentinien und Peru. Faupel war 1934–1936 sowie 1938–1945 Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin und 1936–37 Geschäftsträger NS-Deutschlands bei Francos nationalistischer Gegenregierung in Spanien.

Militärkarriere bis 1914 Wilhelm Faupel, Sohn eines Arztes, trat im März 1892 als Fahnenjunker in das Feldartillerie-Regiment „von Podbielski“ (1. Niederschlesisches) Nr. 5 der Preußischen Armee in Sprottau ein. Dort erfolgte am 17. September 1892 seine Ernennung zum Fähnrich sowie am 20. Mai 1893 die Beförderung zum Sekondeleutnant. Am 1. Oktober 1899 versetzte man Faupel in das 2. Niederschlesische Feldartillerie-Regiment Nr. 41 in Glogau und dann am 18. Juli 1900 in die ostasiatische Sanitätskompanie, mit der er an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teilnahm. Dort war Albrecht Reinecke sein Kompagnon, dessen Weg er im Laufe seiner Karriere mehrfach kreuzte. Nach dem Ende der Militärintervention in China erhielt Faupel 1901 zusammen mit zwei anderen Offizieren und fünf Soldaten den Auftrag zu einer Erkundungsreise durch Asien. Sie ritten zwei Monate durch die Mongolei und Sibirien bis zum Baikalsee.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 143.

Anschließend studierte er an der Kriegsakademie und besuchte auch das Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin sowie das Geodätische Institut Potsdam, um sich für eine weitere Forschungsreise in die Mongolei und nach Tibet vorzubereiten. Diese wurde jedoch durch den Russisch-Japanischen Krieg verhindert. Ab 1904 war Faupel als Mitglied der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika am Völkermord an den Herero und Nama beteiligt, zeitweise unter der Führung von Ludwig von Estorff. In Südwestafrika stieg er zum Hauptmann im Generalstab auf und wurde auch als Vermessungsoffizier eingesetzt. Ab 11. September 1907 setzte man Faupel als Ersten Generalstabsoffizier im Generalstab des IV. Armee-Korps ein, das unter dem Kommando Paul von Hindenburgs stand und in Magdeburg stationiert war. Dort heiratete Faupel 1909 die 17 Jahre jüngere Edith Fleischauer. Im Jahr darauf war er Batteriechef beim 1. Masurischen Feldartillerie-Regiment Nr. 73 in Allenstein.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 143–148.

Faupel schied am 4. Februar 1911 aus dem preußischen Heer aus und begab sich als Militärberater nach Argentinien, wo er an der Kriegsakademie in Buenos Aires Taktik und Generalstabsdienst lehrte. In dieser Zeit bildete er ein internationales Netzwerk, insbesondere zu den „germanophilen“ Offizieren in der argentinischen Armee, die einen Teil ihrer Ausbildung vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland erfahren hatten.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 149. Faupel kehrte Anfang 1914 nach Deutschland zurück, wurde am 20. Januar 1914 reaktiviert und dem Großen Generalstab in Berlin zugewiesen. Mit diesem Datum erfolgte auch seine Beförderung zum Major.

Erster Weltkrieg und Freikorps Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Faupel Erster Generalstabsoffizier im Stab der Großherzoglich Hessischen (25.) Division, die über das neutrale Belgien in Frankreich einmarschierte, kam im November 1914 in selber Funktion in den Generalstab des XVII. Armee-Korps und ein Jahr später in den Generalstab des Armeeoberkommandos 2. Als Generalstabschef des VIII. Reserve Korps wirkte Faupel maßgeblich an der Organisation des Vorstoßes am Chemin des Dames im Mai 1918 mit, der tausenden Soldaten den Tod brachte. Dafür wurde er im Sommer 1918 zuerst mit dem Orden Pour le Mérite und dann mit dessen – nur sehr selten verliehenen – Eichenlaub ausgezeichnet.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 150–151.

Während der Novemberrevolution empfing Faupel am 10. November 1918 Vertreter der Soldatenräte und forderte sie angesichts der Schwierigkeiten der noch an der Front stehenden Einheiten zur Aufrechterhaltung von Disziplin und Gehorsam auf. Er selbst formulierte einen Befehl der Obersten Heeresleitung zur Bildung von „Vertrauensräten“, die jedoch im Gegensatz zu den revolutionären Räten nur ein begrenztes Mitspracherecht haben und im Allgemeinen weiter ihren Vorgesetzten gehorchen sollten. Faupel gehörte zur militärischen Führungsspitze der im Auftrag der gemäßigten Sozialdemokraten gebildeten „Republikanischen Soldatenwehr“, die die Machtübernahme weiter links stehender Revolutionäre verhindern sollte. Am 6./7. Januar 1919 war er während der Januarunruhen für einen Tag provisorischer Stadtkommandant von Berlin.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 154–156.

Am 18. Januar 1919 übernahm er vom damaligen Major Walter von Unruh die Führung des Freikorps „Görlitz“, als dieser zum Generalkommando VI versetzt wurde. Das Freikorps „Görlitz“ – auch „Freikorps Faupel“ genannt – bestand im Mittel aus 100 Offizieren und 1.400 Mann, erreichte laut Faupel selbst aber zeitweilig eine Maximalstärke von 3.000 Soldaten. Es wurde unter seiner Führung zur Unterdrückung und Niederschlagung der Revolution in München (Zerstörung der Räterepublik), Dresden, Magdeburg und Berlin eingesetzt. Außerdem kämpfte es an den Grenzen Schlesiens zu Polen und zur Tschechoslowakei. Im Zuge des Kapp-Putsches am 13. März 1920 besetzten Faupels Truppen die Stadt Görlitz, wobei mehrere unbewaffnete Bürger erschossen oder schwer verletzt wurden. Dennoch setzte die republikanische Reichsregierung zwei Wochen später zur Niederschlagung kommunistischer Unruhen im Ruhrgebiet eine von Faupel befehligte Brigade aus seinem eigenen und zwei weiteren Freikorps (Aulock und Kühme) ein. Im Mai 1920 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der rechten Wehrorganisation Orgesch. Nach der Übernahme des Freikorps in die Reichswehr (Reichswehr-Schützen-Regiment 10) schied er im Rang eines Obersts am 31. März 1921 aus dem aktiven Dienst aus. Noch bis in die späten 1930er-Jahre machte er wiederholt seinen Einfluss geltend, um Ehemalige „seines“ Freikorps zu protegieren.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 156–160.

Militärberater und politischer Organisator Von 1921 bis 1926 arbeitete er wieder als Militärberater in Argentinien, wo er direkt für den Generalinspekteur des Heeres José Félix Uriburu arbeitete. Faupel trat in dieser Zeit auch als ein Wortführer der in Argentinien lebenden Deutschen auf – zum Unwillen der deutschen Gesandtschaft in dem Land, da er aus seiner antirepublikanischen Gesinnung keinen Hehl machte.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 160–163. In Abwesenheit verlieh ihm die Reichswehr 1926 den Charakters als Generalmajor. Nach dem Rücktritt General Uriburus als Heereschef endete auch Faupels Vertrag in Argentinien. Er ging dann nach Peru, wo Präsident Augusto Leguía y Salcedo ihn im April 1927 zum Generalinspekteur der Peruanischen Streitkräfte im Rang eines Generalleutnants ernannte, im Zuge dessen nahm Faupel auch die peruanische Staatsbürgerschaft an.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 169. Nach einem Putschversuch fielen die deutschen Militärberater 1929 in Ungnade und Faupel musste seinen Posten als Generalinspekteur aufgeben, bald darauf wurde auch Leguía gestürzt.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 174.

Faupel kehrte 1930 nach Deutschland zurück, wo er bald darauf die Führung des überparteilichen, aber rechtslastigen Volksbundes für Arbeitsdienst (VBA) übernahm, dessen Bundesausschuss auch Erich Lübbert und Adolf von Achenbach und Georg Escherich angehörten. Der VBA verschwand nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mit der Monopolisierung der Arbeitsdienstbewegung im Reichsarbeitsdienst.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 176–182. Daneben wurde Faupel neben Waldemar Pabst Ko-Organisator der 1931 gegründeten Gesellschaft zum Studium des Faschismus, die ein Scharnier zwischen rechtskonservativen Eliten und Nationalsozialisten bildete.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 184–193. Außerdem wurde er 1933 in den exklusiven Nationalklub von 1919 aufgenommen.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 182. Hans von Seeckt schlug Faupel 1933 als Reorganisator des chinesischen Kriegsministeriums unter Chiang Kai-shek vor, das Auswärtige Amt lehnte einen solchen Einsatz aber aus Furcht vor außenpolitischen Verwicklungen ab.Oliver Gliech: Wilhelm Faupel. Generalstabsoffizier, Militärberater, Präsident des Ibero-Amerikanischen Instituts. In: Reinhard Liehr u. a. (Hrsg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. S. 131–279, hier S. 175.

Ibero-Amerikanisches Institut und Geschäftsträger in Spanien