rechts|Keltischer Jahreskreis Der Begriff keltischer Jahreskreis bezeichnet eine im keltischen Neuheidentum gebräuchliche Konstruktion jahreszeitlicher Feste und Rituale.

Historisches Obwohl die einzelnen Feste des keltischen Jahreskreises teilweise historische Vorbilder in überlieferten volkstümlichen Bräuchen oder irischen Volksfesten haben, tritt der keltische Jahreskreis in seiner heutigen Form zuerst in der neo-druidischen Bewegung Ende des 18. Jahrhunderts bei dem walisischen Dichter Edward Williams (bekannter unter dem Namen Iolo Morganwg) auf. Von Williams stammen auch die walisischen Bezeichnungen der „Albane“, die sonst historisch nicht nachweisbar sind. Viele dieser Feste waren auch den Ethnologen des 19. Jahrhunderts als typische europäische „Feuerfeste“ geläufig, wie etwa Sir Joseph Norman Lockyer, die ein hohes Alter vor allem der Sonnenfeste bis in die Jungsteinzeit annahmen.

Es handelt sich dabei um eine an z. T. bis heute erhaltenen Bräuchen orientierte neopagane Konstruktion, die unter anderem von neuzeitlichen Druiden und auch in den Wicca-Jahreskreis übernommen worden ist. Im Widerspruch zum modernen keltischen Jahreskreis stehen teilweise Berichte über die keltische Zeitrechnung bei Polybios und Strabo oder der gallische Kalender von Coligny.

Sonnen- und Mondfeste Die Feste des keltischen Jahreskreises werden in Sonnen- und Mondfeste eingeteilt. Bei den Kelten der Antike und Spätantike galt generell der Vollmond als eine heilige Zeit, weswegen sie ihre Feste vornehmlich zu diesem Zeitpunkt begingen. Die Keltiberer feierten sogar bei jedem Vollmond das Fest ihres namenlosen Mondgottes. Andere wichtige Termine wie das Mistelschneiden sollen laut Plinius auch zum Monatsbeginn 6 Tage nach Neumond begangen worden sein. Die Fest-Termine, die in vorchristlicher oder vorrömischer Zeit sehr wahrscheinlich nicht nach dem Sonnenstand festgelegt wurden, also Imbolc, Beltaine, Lughnasadh und Samhain, werden als Mondfeste interpretiert. Die Feste der Tagundnachtgleiche sowie Mittwinter und Mittsommer sind Sonnenfeste. Sie werden je nach Kontext unterschiedlich bezeichnet, bei den Neodruiden etwa als Albane, im Wicca-Jahreskreis und dem Asatru-Festkalender der Germanischen Glaubens-Gemeinschaft (Géza von Neményi) dagegen mit hauptsächlich germanischen Namen (Jul, Ostara, Litha/Miðsumarblót, Mabon/Haustblót).

Im modernen keltischen Jahreskreis werden zumeist die irischen Feste, also die „Mondfeste“ als Hauptfeste begangen, wobei vor allem Beltaine und Samhain besonders hervorzuheben sind. Von den historischen Kelten ist keine besondere Gewichtung eines bestimmten Festes überliefert beziehungsweise regional wurden unterschiedliche Hauptfeste gefeiert.

Die Sonnenfeste, vor allem die Tagundnachtgleichen werden im keltischen Neuheidentum zumeist als Nebenfeste begangen. Auch das Fest Imbolc wird häufig als Nebenfest bezeichnet. Historisch überlieferte keltische Feste wie das Fest der Göttin Epona (einige Tage vor der Wintersonnenwende) wurden nicht in den neopaganen Jahreskreis aufgenommen. Problematisch ist deren Bezeichnung als „Mitte“ bestimmter Jahreszeiten deswegen, weil diese Bezeichnung sich rein von dem Lauf der Sonne zwischen Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche herleitet, während der irische Kalender nur zwei Jahreszeiten von Mai bis November kannte. Zum Beispiel wird die Sommersonnenwende Alban Hefin manchmal als „Mittsommer“ bezeichnet. Im irischen Kalender beginnt der Sommer allerdings mit Beltaine, so dass Lughnasadh der ursprüngliche Mittsommer sein müsste. Auch im astronomischen Kalender selbst ist die Sommersonnenwende nicht der „Mittsommer“, sondern der Sommerbeginn an sich, so dass auch hier die Mitte des Sommers um Lughnasadh (1. August) liegt.

Zeitpunkte Die Zeitpunkte der Mondfeste werden im keltischen Neuheidentum nach den volkstümlichen irischen Terminen am nächsten gelegenen Vollmonden festgelegt, variieren also jedes Jahr. Die Zeitpunkte der Sonnenfeste werden jedes Jahr nach dem Sonnenstand berechnet.

Die folgende Tabelle beruft sich auf den Kalender von Coligny, dessen erstes erhaltenes Fragment mit Samnos beginnt, allerdings wird die Deutung von Samhain (seit dem Julianischen Kalender der 1. November) als Jahresanfang bestritten, wahrscheinlicher sei, wie in den meisten Kulturkreisen, das Frühjahr, vor allem Beltane.Beginn des keltischen Jahres nicht zu Samhain 1. November21. Dezember1. Februar21. März1. Mai21. Juni1. August23. SeptemberSamhainWintersonnenwendeImbolcFrühlingsäquinoxBeltaineSommersonnenwendeLughnasadhHerbstäquinoxMondfestSonnenfestMondfestSonnenfestMondfestSonnenfestMondfestSonnenfest Von Gruppen und Personen, welche diese Feste heutzutage feiern, werden die Zeitpunkte oft ausgehend vom ersten Neumond errechnet, welcher nach dieser Rechenmethode zwischen den 20. Dezember und 18. Januar fällt.

In einer vereinfachten Berechnungsmethode wird der erste Vollmond nach der Wintersonnenwende (um den 21. Dezember, aber nicht fix) angesetzt. Der erste Vollmond danach ist der erste, deshalb können sich die Termine der Mondfeste erheblich verschieben. 11. Neumond21. Dezember2. zunehmender Mond21. März5. Vollmond21. Juni8. abnehmender Mond23. SeptemberSamhainWintersonnenwendeImbolcFrühlingsäquinoxBeltaneSommersonnenwendeLughnasadhHerbstäquinoxMondfestSonnenfestMondfestSonnenfestMondfestSonnenfestMondfestSonnenfest

Eine weit verbreitete Rechenmethode ist die folgende:

Samhain – Beginn des Winterhalbjahres und Neujahr der Hexen, 11. Neumond im Kalenderjahr Yule – Wintersonnwende, 21. Dezember fix Imbolc – 2. Vollmond nach Yule Ostara – Frühjahrstagundnachtgleiche, 21. März fix Beltane – Beginn des Sommerhalbjahres, 5. Vollmond nach Yule Litha – Sommersonnwende, 21. Juni fix Lammas – 8. Vollmond nach Yule Mabon – Herbsttagundnachtgleiche, 23. September fix Übertragen auf den heutigen Sonnenkalender, liegen sich Beltane und Samhain sowie Imbolc und Lammas genau gegenüber und so werden die Feste von vielen wie folgt gefeiert. Imbolc – 2. Februar Ostara – 21. März – Frühjahrgleiche Beltane – 30. April Litha – 21. Juni – Sommersonnwende Lammas – 2. August Mabon – 23. September – Herbstgleiche Samhain – 31. Oktober Yule – 21. Dezember – Wintersonnwende

Samhain Mondfest

In Teilen Irlands ist Samhain die Nacht auf den 1. November, das wichtigste Fest, aus dem Halloween entstand. Es gilt als Fest des Spätherbstes, als Mitte des keltischen Jahres, und als Fest der Toten, bei dem die Tore zur Anderswelt offenstehen und die Sidhe die Welt der Sterblichen besuchen und Sterbliche sich in die Welt der Sidhe verirren konnten. Die weit verbreitete These, es sei das Fest des keltischen Jahresanfangs, geht auf John Rhys zurück; seine Behauptungen sind allerdings wenig schlüssig,Beginn des keltischen Jahres der Jahresbeginn war wohl, wie überall bis zur Einführung des Julianischen Kalenders, der 1. oder der 25. März, wie auch teilweise am Osterfest das christliche Kirchenjahr begann. Das Fest entspricht weitestgehend dem gallischen „Trinox Samonis“ welches von den historischen Kelten Anfang November begangen wurde und auch im Kalender von Coligny erwähnt wird. Im ehemals germanischen oder keltisch-germanischen Raum ist traditionell der 11. November das wichtigere Datum. Bei den Schotten entspricht Samhain weitestgehend dem Fest „Féile na Marbh“ sowie in Wales „Nos Galen-gaeof“. Christianisiert entspricht das Samhain Fest Allerheiligen und Allerseelen.

An Volksbrauchtum ist die Dekoration des Hauses mit Symbolen des Todes wie Weidenzweigen und Kürbissen (früher Steckrüben) und anderen Pflanzen überliefert, Backwerk (in Teilen Englands in Form von Hirschgeweih) des Weiteren mantisches Brauchtum wie Bleigiessen und festliche nächtliche Umzüge mit Laternen oder Fackeln. In Irland wurde vor Samhain auch Gericht gehalten und im Mittelalter Todesurteile vollstreckt. Die Ulstersage erwähnt das Berühren eines Erhängten als Mutprobe, was häufig als Überbleibsel heidnischer Menschenopfer gedeutet wurde.

Gottheiten, die heute von Neuheiden zu Samhain verehrt werden, sind unter anderem der Gott Esus (als Gott der Gehenkten), Cernunnos (aufgrund der Geweihsymbolik), die Morrigan oder Badb sowie das Paar Samhain und Sawan als Totengötter und Verkörperungen des Samhainfestes.

Verbreiteter ist die kommerzialisierte Variante, das amerikanische Halloween.

Mittwinter oder Wintersonnenwende Sonnenfest

Dieses Fest findet immer etwa am 21. Dezember (Wintersonnenwende) statt, dem kürzesten Tag des Jahres. Das Fest geht auf irische und schottische Feuerfeste zur Mittwinterzeit zurück, was in Irland und Teilen Schottlands als Dubluachair bezeichnet wird. Es ist unklar, ob es sich hier um alte keltische Bräuche handelt oder ob diese Feste vielmehr auf die Wikingerzeit zurückgehen. Von den historischen Kelten ist kein Mittwinterfest überliefert, jedoch merkt der Kalender von Coligny in der Nähe der Wintersonnenwende die Festtage „Deuorius Riuri“ und „Mapanos“ an, der mit dem Namen des Gottes Maponos verbunden wird.Alexei Kondratiev, Celtic Rituals, New celtic Publishing 1996

Das Neuheidentum übernahm volkstümliche Sitten wie den Feuerumzug oder das Mittwinterfeuer sowie die schottische Tradition, die „Corn Maiden“ (eine Puppe, die aus den letzten Garben der Ernte eines Feldes gebunden wurde) bis zur Mittwinterzeit aufzubewahren, um sie dem Vieh zu verfüttern, damit dieses durch das nächste Jahr gesättigt ist, und verband sie häufig mit insularen Neujahrsbräuchen wie dem walisischen Umzug der Mari Lwyd oder dem schottischen Hogmanay-Brauchtum. Daneben wurde aber auch der Weihnachtsbaum-Brauch häufig beibehalten, allerdings abgewandelt zum Bile oder Heiligen Baum und Abbild des Welten- oder Lebensbaumes. Zu den Göttern, die zur Winterzeit von Neuheiden häufig verehrt werden, zählen unter anderem Sulis, Grainne, Mabon, Belenus und Lugh als vermeintliche Sonnengottheiten sowie Cernunnos, Taranis und die Cailleach als Sinnbilder der Wälder, der Winterstürme sowie der kalten Jahreszeit selbst. Die Neo-Druiden und Wiccan nennen Mittwinter auch „Alban Arthuan“ oder „Alban Arthan“, eine Bezeichnung, die sich zuerst bei Iolo Morganwg findet. Germanisch orientierte Neuheiden sowie einige Wicca-Traditionen und keltisch-germanische Mischkulte verwenden dagegen die Bezeichnung Jul.

Imbolc oder Latha na Brigid mini|Saint Brigid’s Cross Mondfest

Zirka 1. bis 2. Februar wird Imbolc gefeiert, der Frühlingsanfang, das der Göttin Brigid geweihte Fest der Wiederkehr des Lichtes.

Imbolc (ausgesprochen „IM-bulk“ oder „EM-bowlk“), auch Oimealg genannt, ist ein irisch-schottisches Frühlings- oder Frühjahrsfest. Der Name leitet sich eventuell von „oimelc“ ab, was „Mutterschaf Milch“ bedeutet, was das Fest als Fruchtbarkeitsfest, als Fest der erstmals Milch absondernden Schafe zum Ausklang des Winters herausstellt.

Kontinental ähneln ihnen die Bräuche zu Maria Lichtmeß oder das skandinavische Disablót, die auch in die Zeit der Fastnachtsumzüge fallen. Der Coligny Kalender erwähnt kein Fest zu diesem Zeitpunkt, jedoch erwähnt Gregor von Tours ein gallisches Fest der Göttin Berecynthia, das viele Gemeinsamkeiten mit dem neuzeitlichen irischen Brauchtum aufweist. Christianisiert ist das Fest mit Darstellung des Herrn und der heiligen St. Brigid verbunden worden.

Aus dem irischen Volksbrauchtum ist überliefert, dass Brighid-Kreuze aus Stroh geflochten wurden sowie Reinigungsbräuche wie das Schmücken des Hauses mit frischen Birkenzweigen oder das Ausstreuen von Salz vollzogen wurden. Eine Brigid genannte Strohpuppe wird von den Menschen symbolisch bewirtet und wie beim historischen Fest der Berecynthia zur Segnung der Felder durch die Ortschaften getragen. In Teilen der französischen Pyrenäen wurde eine ähnliche Strohpuppe, genannt Rosetta, symbolisch mit einem Bären (einem verkleideten jungen Mann) vermählt. Auch in Deutschland ist zu dieser Zeit ein „Bärenbrauchtum“ mit Umzügen weit verbreitet.