mini|Ansicht vom Theaterwall (2014)Das Oldenburgische Staatstheater ist das älteste Theater in Oldenburg, Niedersachsen.

Das Siebenspartentheater befindet sich in öffentlicher Trägerschaft und bietet Vorstellungen der eigenen Ensembles in den Sparten Musiktheater (Oper/Operette/Musical), Schauspiel, Tanztheater (Ballett), Konzert, Kinder- und Jugendtheater, Sparte 7 und Niederdeutsches Schauspiel in Kooperation mit der Niederdeutschen Bühne am Oldenburgischen Staatstheater, die ausschließlich Stücke in niederdeutscher Sprache spielt, sowie zahlreiche Gastspiele, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen.

Geschichte Vorgeschichte und Theatergründung mini|Luftbild des Staatstheaters (2013) Das kulturelle Bedürfnis der Oldenburger Bürgerschaft wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts durch Theater-Gastspiele an immer wieder wechselnden Veranstaltungsorten befriedigt. Um sich zusätzliche Einnahmequellen zu sichern, schlug der Schauspieler und Opernsänger Johann Christian Gerber im Juni 1832 vor, mit dem von ihm geleiteten Ensemble des Bremer Stadttheaters regelmäßige Aufführungen in Oldenburg in einer Art „Filialanstalt“ des Bremer Theaters zu veranstalten.

Der oldenburgische Kabinettssekretär Ludwig Starklof unterstützte diese Anregung und beauftragte Zimmermeister Hermann Peter Wilhelm Muck mit dem Bau eines als Holzkonstruktion errichteten Theaters. Das Gebäude stand in unmittelbarer Nähe des heutigen Theaters und wurde aus privaten Geldern finanziert. Im Februar 1833 konnte das „Theater in Oldenburg“ eröffnet werden.

Die Kooperation der Theater in Oldenburg und Bremen stellte sich bald als technisch und organisatorisch schwierig heraus und hatte wirtschaftlich nicht vertretbare Betriebskosten zur Folge. Starklof traf schon bald Vorbereitungen für die Schaffung eines von Bremen unabhängigen Theaters. Als Gerber im November 1834 die Leitung der Bremer Bühne aufgrund finanzieller Schwierigkeiten niederlege, konnte Starklof seinen Plan verwirklichen. Gerber verzog nach Oldenburg und übernahm die Direktion des Theaters. Starklofs hingegen fungierte als erster Intendant.Biographie von Gerber, Johann Christian In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 230–231 (online).

Großherzogliches Residenztheater mini|hochkant|Blick in den Zuschauerraum im Großen Haus (2014)Ab 1842 erhielt das Theater die Anerkennung vom Monarchen und nannte sich fortan Großherzogliches Hoftheater. Auf dem Gelände zwischen Theaterwall und Stadtgraben vollendete der Hofbaumeister Gerhard Schnitger 1881 das repräsentative Großherzogliche Residenztheater, ein im italienischen Renaissancestil gehaltenen Bau. Durch ein Feuer, welches vermutlich durch ein Feuerwerk im Innenraum verursacht wurde, brannte das Gebäude jedoch im November 1891 nieder. Das durch den oldenburgischen Stadtbaumeister Carl Franz Noack im neubarocken Stil wiederaufgebaute Theater wurde 1893 eröffnet, erweitert durch eine Kuppel und zusätzliche Werkstattgebäude.

Landes- und Staatstheater von Oldenburg Im November 1918 dankte der letzte Großherzog ab und das Theater wurde im darauffolgenden Jahr in Oldenburgisches Landestheater umbenannt. 1927 wurde Hellmuth Götze als Intendant an das Theater berufen und inszenierte mit großem Erfolg expressionistische, kriegskritische und pazifistische Werke, wie die Oper Wozzeck von Alban Berg oder das Drama U-Boot S 4 von Günter Weisenborn aber auch Stücke wie die Dreigroschenoper. Die Bühnenbilder dazu schuf meist Ernst Rufer. Hierdurch hatte Götze ab 1931 zunehmend Meinungsverschiedenheiten mit den politisch rechtsstehenden Mitgliedern des Theaterausschusses, was schließlich zu Götzes Kündigung zum 31. Juli 1932 führte. Unter seinem Nachfolger Rolf Roenneke und dem Oberspielleiter Gustav Rudolf Sellner wurde das Theater zum kulturpolitischen Instrument der Nationalsozialisten.Biographie von Götze, Hellmuth In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 244–245 (online). Seit der Übernahme des Gebäudes durch den Staat Oldenburg im Zuge des Finanzausgleichs zwischen Ländern und Gemeinden 1938 trägt es den Titel Oldenburgisches Staatstheater.

Der Baukörper wurde durch das Deutsche Theater Göttingen kopiert.

Wegen notwendiger Umbauarbeiten im Großen Haus zur Verbesserung des Brandschutzes fanden die letzten Aufführungen der Spielzeit 2017/2018 in einem Zelt im Theaterhafen auf dem früheren Gelände der Firma „Rheinumschlag“ am Südufer der Hunte statt.Oliver Schulz: Staatstheater schlägt Zelt am Hafen auf. nwzonline. 20. Januar 2018.

Gebäude Großes Haus mini|Blick zur Bühne im Großen Haus (2014)Im denkmalgeschützten Hauptgebäude befindet sich das „Große Haus“, welches je nach Bestuhlung bis zu 577 Sitz- und 50 Stehplätzen bieten kann. Über dem Bühnenhaus befindet sich die markante Kuppel des Gebäudes. Der große Theatersaal zeichnet sich durch Stuckelemente, Malereien sowie einem großen Kronleuchter aus.

Ursprünglich besaß das die Nordostfassade des Großen Hauses eine zum Foyer führende Freitreppe. Diese wurde im Zuge der Verbreiterung des Theaterwalls im Jahr 1959 abgerissen, um Raum für den neuen Straßenring zu gewinnen.

In den Jahren 1973/74 fanden weitreichende Umbauarbeiten am Gebäude statt, unter anderem entstand an der Nordfassade ein Foyer.

Kleines Haus mini|Erweiterung 1998: das Kleine Haus Im Zuge des Umbaus von Oktober 1998 entstand auf der Nordseite des Geländes das Kleine Haus, welches baulich mit dem Großen Haus verbunden ist. Das Kleine Haus bietet bis zu 350 Sitzplätze und ist meistens die Bühne des niederdeutschen Schauspiels.

Spielraum Zwischen dem Großen und dem Kleinen Haus befindet sich seit 2001 der Spielraum. Dieser dient als Hauptspielstätte des Jungen Staatstheaters und hat eine Kapazität von etwa 80 Plätzen. In den Jahren 2010 und 2011 wurde er umfassend saniert.

Exerzierhalle mini|Exerzierhalle in Oldenburg (2026) Außerdem verfügt das Theater seit 2008 über noch zwei weitere Bühnen, die sich in der ehemaligen Exerzierhalle Oldenburgs am Pferdemarkt befinden. Diese Bühnen stehen vor allem modernen Theaterformen und Performances offen. Die Halle hat eine Kapazität von etwa 135 Sitzplätzen pro Bühne.

Ausweichspielstätten Während der Spielzeit 2010/2011 wurde das große Haus renoviert. Als Ausweichspielstätte wurde die Halle 10 des stillgelegten Fliegerhorstes Oldenburg genutzt, die zu diesem Zweck um- und ausgebaut wurde. Mit der Premiere der Zauberflöte am 1. Oktober 2011/2012 wurde das „Große Haus“ offiziell wiedereröffnet und zugleich die Spielzeit 2011/12 eingeläutet.

mini|Ausweichquartier Theaterhafen (mit Stadtstrand) im Juni 2018 Aufgrund umfassender Umbauarbeiten im Großen Haus fanden die letzten Aufführungen der Spielzeit 2017/2018 in einem Zelt im Theaterhafen auf dem früheren Gelände der Firma „Rheinumschlag“ am Südufer der Hunte statt.

Zahlen Das Theater beschäftigt etwa 450 Mitarbeitende. Der Jahresetat beträgt 32,5 Millionen Euro. Das Theater bringt pro Spielzeit über 30 Premieren heraus und erreichte zuletzt Besucherzahlen von deutlich über 200.000 Menschen.

Kooperationen mit klangpol (gefördert durch das Netzwerk Neue Musik und die Kulturstiftung des Bundes) mit der Erna-Schlüter-Operngesellschaft mit der Theaterlandschaft Nordwest mit der Universität Oldenburg

Oldenburger Volksbühne Die Volksbühne war eine Kulturorganisation, die sich am 28. Mai 1924 in Oldenburg gründete. Der ehrenamtliche Verein setzte sich zum Ziel der einkommensschwächeren Bevölkerung durch vergünstigte Abonnements den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen im Oldenburgischen Staatstheater zu ermöglichen. Über fast ein Jahrhundert hinweg vermittelte die Organisation Theaterbesuche und sicherte durch ein System von Gruppenkäufen verlässliche Zuschauerzahlen für das Staatstheater. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Oldenburger Volksbühne verboten. Nach Kriegsende initiierte Erwin Fritzsche im Jahr 1948 die Wiedergründung der Organisation und wurde dafür später als Ehrenvorsitzender ausgezeichnet.

Nach knapp 99-jährigem Bestehen geriet die Oldenburger Volksbühne infolge der COVID-19-Pandemie in eine Existenzkrise. Durch den monatelangen Ausfall des Spielbetriebs wurde der Verein zahlungsunfähig. Ende des Jahres 2022 beschloss die Mitgliederversammlung schließlich die offizielle Auflösung. Das verbliebene Vereinsvermögen wurde an gemeinnützige soziale Einrichtungen in der Region überführt.

Leitung In den Jahren 1833 bis 1842 wurde das Theater von Hofrat Carl Christian Ludwig Starklof und Direktor Johann Christian Gerber geleitet. Ihnen folgten Intendant Ferdinand von Gall (1842–1846), Intendant Kammerherr Graf von Bocholtz (1846–1854), Direktor Karl Jenke (1854–1857), Direktor Gustav Carl Moltke (1857–1867), Direktor August Becker (1867 bis 1874), Direktor Friedrich Woltereck (1874–1884), Direktor Otto Devrient (1884–1889), Direktor Gustav Fischer (1889–1893), Intendant Friedrich von Wangenheim (1893–1896) und Intendant Leon Alexander Joseph von Radetzky-Mikulicz (1896–1918).

Während der Weimarer Republik waren die Theaterleiter Direktor Gustav Kirchner (1918–1921), Intendant Renato Mordo (1921–1924), Intendant Richard Gsell (1924–1927) und Intendant Hellmuth Götze (1927–1932), während des Dritten Reiches Intendant Rolf Roennecke (1932–1936), Generalintendant Hans Schlenck (1936–1940) und Intendant Arthur Schmiedhammer (1940–1944).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Theater geleitet von Irene de Noiret und Otto Daue (beide 1945/46), anschließend von den Intendanten Albert Lippert (1946/47), Jost Dahmen (1947/48), Gerd Briese (1948–1954), Fred Schroer (1954–1957), Ernst Dietz (1957–1963) und Wilhelm List-Diehl (1963–1968), der seit 1964 den Titel Generalintendant führte. Über fast zwei Jahrzehnte (1968–1985) wurde das Theater von Generalintendant Harry Niemann geleitet. Seine Nachfolger waren Hans Häckermann (1985–1993), Stephan Mettin (1993–2001) und Rainer Mennicken (2001–2006). Zum Spielzeitbeginn 2006/07 übernahm Markus A. Müller die Leitung des Theaters, im Sommer 2014 wurde Christian Firmbach Generalintendant. Firmbach verließ das Haus im Sommer 2024 und wurde neuer Generalintendant am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Ab der Spielzeit 2024/25 übernahm Georg Heckel die Leitung des Hauses.Oldenburgisches Staatstheater: Georg Heckel wird neuer Generalintendant auf mwk.Niedersachsen, abgerufen am 23. Juni 2023.

Tanzsparte Die Ausrichtung der Tanzsparte des Oldenburgischen Staatstheaters wechselte oft abhängig von der jeweiligen Direktion von Tanztheater, über zeitgenössischen Tanz, bis zum Ballett. Ingrid Collett prägte als Ballettdirektorin das Ensemble von 1983 bis 1998. In den Jahren 1998 bis 2000 war Irina Pauls Leiterin des neu gegründeten TanzTheaters am Oldenburgischen Staatstheater. Nach der Spielzeit 2000/2001, die ohne eigenes Ensemble stattfand und ausschließlich auf Gastspiele ausgelegt war, folgte von 2001 bis 2006 Martin Stiefermann und gleichzeitig die Umbenennung in Tanzcompagnie Oldenburg.

Unter Honne Dohrmanns Direktion (2007–2014) kooperierte das Ensemble unter dem Namen nordwest eng mit dem Tanztheater Bremen und produzierte einige gemeinsame Produktionen. In dieser Zeit lag der Schwerpunkt insbesondere auf der Zusammenarbeit mit international renommierten Choreografen wie Rami Be'er, Ingun Bjørnsgaard, Sharon Eyal, Omar Rajeh, Tero Saarinen und anderen. Mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 übernahm Antoine Jully und richtete die Sparte wieder klassischer aus. Die Sparte operiert seitdem offiziell wieder unter der Bezeichnung Ballett.

Bekannte Ensemblemitglieder (Auswahl) Schauspieler Claus Boysen (1968–1985) Matthias Brandt (1985) Sibylle Canonica Tom Witkowski (1976–1979) Andrea Clausen (1982) Georg Dröscher (1885–1896)