Weidelbach ist ein Stadtteil von Haiger im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geografie Weidelbach liegt am östlichen Rand des Westerwaldes im Dreiländereck Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Unmittelbar östlich des Ortes liegt der hohe Eibertshain, südlich erhebt sich der Gebirgszug der Struth (), nördlich der Barmberg (554 m) und westlich der Bolzenberg.
Durch Weidelbach führt die Straße von Haiger nach Dietzhölztal. Es besteht eine Busverbindung nach Haiger und Dillenburg.
Geschichte Ortsgeschichte Der Ort ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte bekanntermaßen am 19. Januar 1281. Die Namensgebung erfolgte wohl nach dem Weidenbaumbestand des örtlichen Baches. Weidelbach entwickelte sich als typisches Haubergsdorf. Im 16. Jahrhundert hielt hier die Reformation Einzug. Politisch gehörte der Ort zum Fürsten- und späteren Herzogtum Nassau. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts blüht im Ort die Gartenmöbelindustrie als wichtigster Wirtschaftszweig neben der traditionellen Landwirtschaft.
Ehemalige Bergwerke
Siehe Liste von Bergwerken in Haiger
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Weidelbach am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Stadt Haiger eingegliedert. Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurde für Weidelbach nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Weidelbach angehört(e):
vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Dillenburg mit Gericht Ebersbach ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Dillenburg mit Gericht Ebersbach 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Dillenburg mit Gericht Ebersbach ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Dillenburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Dillenburg) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis. Stadt Haiger
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Weidelbach 705 Einwohner. Darunter waren 18 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 132 Einwohner unter 18 Jahren, 294 zwischen 18 und 49, 138 zwischen 50 und 64 und 141 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 279 Haushalten. Davon waren 78 Singlehaushalte, 66 Paare ohne Kinder und 108 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren, und in 174 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Zum Stichtag 31. Dezember 2013 waren von 710 Einwohnern 677 mit Hauptwohnsitz in Weidelbach gemeldet. 675 hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Im Geschlechterverhältnis teilt sich in 368 männliche und 342 weibliche Einwohner. Die Einwohner sind überwiegend evangelisch.
Religionszugehörigkeit • 1885: 301 evangelische (= 98,05 %) Christen, ein katholischer (= 0,33 %) Christ und fünf (= 1,63 %) Christen anderer Konfessionen • 1961: 528 evangelische (= 95,83 %) und 22 katholische (= 3,99 %) Einwohner • 2005: 414 evangelische (= 56,17 %), 75 katholische (= 10,18 %) und 138 sonstige (= 18,72 %) Einwohner • 2017: 440 evangelische (= 66,07 %), 43 katholische (= 6,46 %) und 183 sonstige (= 27,48 %) Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen In Weidelbach wird jährlich Hauberg gemacht. Wie auch in den anderen Dörfern des Roßbachtals gibt es eine Haubergsgenossenschaft. Die rechtliche Grundlage der Haubergsarbeit geht auf die „Haubergordnung für den Dillkreis und den Oberwesterwaldkreis vom 4. Juni 1887“ zurück. Darin heißt es: „Hauberge im Sinne dieses Gesetzes sind die Grundstücke in den Gemarkungen Dillbrecht, Fellerdilln, Ober- und Niederroßbach, Bergebersbach, Eibelshausen, Mandeln, Offdilln, Rittershausen, Steinbrücken, Straßebersbach, Weidelbach und Korb, welche gegenwärtig zu Haubergsverbänden gehören.“Haubergsordnung
Bauwerke
mini|Evangelische Kirche Weidelbach
Evangelische Ortskirche Die evangelische Kirche wurde im Jahr 1817 gebaut, nachdem die alte, im Ortskern befindliche Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Fachwerkbau ist von der Grundfläche annähernd quadratisch. Die Wetterseite ist verschiefert, der Rest des Gebäudes verputzt. Auf dem Walmdach sitzt mittig ein Dachreiter, in dem die Glocke untergebracht ist. Im Zuge der letzten Renovierung im Jahre 1993 wurde der alte Bruchsteinsockel freigelegt und auf der Straßenseite entsprechend ergänzt. Das Innere der Kirche wurde bei dieser Renovierung in seine ursprüngliche historische Farbfassung zurückversetzt. Besonders zu erwähnen sind die kunstvolle Kanzelkrone, der Altar und die zahlreichen Gemälde auf der Emporen- und Altarraumbrüstung: Blumenschmuck, die vier Evangelisten sowie Christusdarstellung und Taufe Christi. In zwei großen Stuckkreisen an der Decke sowie in der Voute auf Kanzelwand und Seitenwänden befinden sich jeweils Engelsbilder. Auf der Stirnempore steht seit dem Umbau 1993 die neue Orgel der Firma Förster & Nicolaus aus Lich, Hessen, mit 5 Manual- und einem Pedalregister.
„Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehest und komme, dass du hörest ihn – Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“ – Spruch über dem Eingang der Kirche.
Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert Scheune in der Trinkenbach aus dem 18. Jahrhundert, Kulturdenkmal Einhausgehöft in der Weidelbacher Straße 4, Kulturdenkmal, Scheune mit später datierten Anbauten, Inschriften im Gebälk Kleine Hofanlage Weidelbacher Straße 10, Kulturdenkmal, Fachwerkstrukturen wie Feuerböcke, Mannformen und gedrehte Säulen die dazugehörige Scheune ist datiert 1671 verschieferter Fachwerkbau Weidelbacher Straße 17 / Quingel, Kulturdenkmal Fachwerkhaus Weidelbacher Straße 26, Kulturdenkmal, besonders reich verziertes Fachwerk Fachwerkhaus Weidelbacher Straße 30, Kulturdenkmal, Fachwerk mit Feuerböcken, Schuppenbändern, Säule Fachwerkhaus Weidelbacher Straße 40, Kulturdenkmal Fachwerkhaus Weidelbacher Straße 43, Kulturdenkmal, Inschrift im Gebälk: ICH HAB DURCH GOTTES MACHT DIES HAUS AUF DIESEN PLATZ GEBRACHT KAN DER NEIDER DAS NIT SEHEN SO MUS DOCH GOTTES WIL GESCHEHEN B. H. W. H. H. 1732 Fachwerkhaus Zum Rollhof 3, Kulturdenkmal Fachwerkhaus (längsgeteiltes Einhaus) Zum Rollhof 8, Kulturdenkmal, Dach- und Kehlbalken mit Klötzchenfries
Weitere Bauwerke Dorfgemeinschaftshaus mit Brunnenanlage Überdachtes Ehrenmal Erdchesplatz
Naturdenkmäler
Weidelbacher Moor
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur Im Ort dominieren mittelständische Kleinbetriebe. Neben der Landwirtschaft sind eine Bauunternehmung, mehrere Metallwarenfabrikation, Handwerksbetriebe Logistikdienstleister, Pflegedienst und ein Ladengeschäfte vertreten. Im Jahr 2020 beendete der letzte Betrieb der Gartenmöbelherstellung seine Produktion. Damit wurde das Kapitel Gartenmöbelherstellung, welches jahrzehntelang das Bild in Weidelbach prägte geschlossen.
Öffentliche Einrichtungen Es existiert eine VdK-Ortsgruppe und ein Kindergarten der evangelischen Gemeinde.
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Geographie (Haiger) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1281 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977