Das Leben der Anderen ist ein deutscher Politthriller aus dem Jahr 2006. Mit seinem Spielfilmdebüt gelang Florian Henckel von Donnersmarck, der auch das Drehbuch verfasst hat, ein weltweiter Besuchererfolg. Das Drama stellt den Staatssicherheits-Apparat und die Kulturszene Ost-Berlins in den Mittelpunkt und setzt sich zudem ernsthaft und kritisch mit der Geschichte der DDR auseinander. Es greift das Thema auf, dass wahre Kunst das Gute im Menschen hervorzubringen vermag, und zeichnet die Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Opfern und Tätern. In den wichtigsten Rollen sind Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck und Ulrich Tukur zu sehen. Die Produktion entstand mit relativ geringem Budget und unüblich niedrigen Darstellergagen.

Die Kritik bedachte die schauspielerischen Leistungen mit größtem Lob. Viele Rezensenten äußerten sich zufrieden, dass nach einer Reihe von Komödien über die DDR endlich ein Spielfilm das Thema in ernsthaftem Stil behandelte. Gespalten war man jedoch in der Beurteilung, ob der Film die historischen Aspekte angemessen wiedergibt. Der Film wurde mit Auszeichnungen überhäuft, darunter 2006 der Deutsche Filmpreis (sieben Preise bei elf Nominierungen), der Bayerische Filmpreis (in vier Kategorien) und der Europäische Filmpreis (in drei Kategorien) sowie der Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Im begleitenden Filmbuch und im DVD-Audiokommentar gab es Aussagen von Mühe und Donnersmarck, die sich auf mutmaßliche Stasi-Tätigkeiten von Jenny Gröllmann und Gregor Gysi bezogen. Darüber kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen; in der Folge durften die ursprünglichen Medien mit diesen Aussagen nicht mehr vertrieben werden.

Handlung mini|Geruchskonserven aus Stasi-Beständen Im Ost-Berlin des Jahres 1984 wird der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Kürzel HGW XX/7) auf eigenen Vorschlag damit beauftragt, in einem „OV“ (kurz für Operativer Vorgang im MfS-Jargon) belastendes Material gegen den Theaterschriftsteller Georg Dreyman zu sammeln. Kulturminister Bruno Hempf hält den als „Staatsschriftsteller“ gefeierten Dramatiker für beobachtenswert und Wiesler teilt dessen Meinung, dass Dreyman vielleicht nicht so linientreu ist, wie er sich gibt. Wiesler „verwanzt“ mit einem Trupp der Stasi die Wohnung, in der Dreyman mit seiner Lebensgefährtin, der unpolitischen Schauspielerin Christa-Maria Sieland, lebt. Auf dem Dachboden des Hauses richtet Wiesler eine Abhörstation ein, von wo er beobachtet, wie Sieland spät abends vor dem Haus aus einer Volvo-Limousine aussteigt. Eine Kennzeichenabfrage ergibt, dass es sich um den Dienstwagen von Hempf handelt. Da die Stasi keine Informationen über ranghohe Funktionäre erfassen darf, weist Wieslers Vorgesetzter Grubitz ihn an, keine Informationen über den Minister zu sammeln, und stellt ihm einen Karriereschub bei erfolgreicher Observation in Aussicht. Wiesler ist enttäuscht darüber, dass sich der Operative Vorgang nicht gegen „Feinde des Sozialismus“ richtet, sondern rein privaten Zielen dient: Hempf will Dreyman ausschalten, um Sieland für sich allein zu gewinnen.

Als Hempf erneut zu später Stunde Sieland zu ihrer Wohnung fährt, lockt Wiesler ihren Lebensgefährten an die Haustür, um ihn so über die Affäre in Kenntnis zu setzen. So erhält Wiesler, alleinstehend und ohne nennenswertes Privatleben, Einblick in die Welt der Kunst und des offenen Geistes sowie in zwischenmenschliche Beziehungen, wie er sie selbst nicht pflegt. Dreymans Versuch, bei Minister Hempf für seinen Freund Albert Jerska, einen seit sieben Jahren mit Berufsverbot belegten Regisseur, ein gutes Wort einzulegen, ist ohne Erfolg geblieben. Nach dem Suizid Jerskas setzt sich der Schriftsteller ans Klavier und spielt die „Sonate vom Guten Menschen“, eine Klavier-Etüde, deren Druckausgabe ihm Jerska zum Geburtstag geschenkt hat. Wiesler ist von der Musik sehr gerührt. Bald entwendet er aus Dreymans Wohnung einen Brecht-Band, den er in seiner Freizeit liest. Seine erlernte Motivation zum Ausspionieren seiner Nachbarn wird zunehmend von ethischen Maßstäben hinterfragt. Demzufolge unterschlägt er in seinen Berichten die sich entfaltenden oppositionellen Aktivitäten Dreymans, dessen Einstellung zur Staatsführung sich verändert hat, und schreibt stattdessen frei erfundene Belanglosigkeiten. Sieland hat sich unter dem Druck mit dem Minister eingelassen, leidet unter den regelmäßigen Treffen mit ihm und ist tablettenabhängig. In einer Kneipe sucht Wiesler das Gespräch mit ihr, indem er sich als unbekannter Bewunderer ausgibt, und ermutigt sie zur Ehrlichkeit. Darauf kehrt sie zu Dreyman zurück, statt die Nacht mit Minister Hempf zu verbringen.

Da alle in der DDR verkauften Schreibmaschinen registriert und darauf verfasste Texte damit anhand des Schriftbildes dem Besitzer zuzuordnen sind, schmuggelt ein Redakteur des bundesdeutschen Magazins Der Spiegel eine Schreibmaschine mit rotem Farbband ins Land (eine heimische Kolibri, die in Westdeutschland von Neckermann als „Brillant Junior“ vertrieben wurde) und überlässt sie Dreyman. Der Dramatiker schreibt auf der Maschine, motiviert durch den Suizid seines Freundes Jerska, einen Bericht über die außergewöhnlich hohe, seit 1977 von den Behörden nicht mehr veröffentlichte Selbstmordrate in der DDR. Der Spiegel druckt den Text anonym ab. Die Westveröffentlichung erzürnt die Stasi-Führung. Von Sielands Zurückweisung verletzt, informiert Hempf Grubitz über ihren illegalen Medikamentenbezug. Sie wird durch die Stasi festgenommen und verhört. Bei ihrer Vernehmung durch Grubitz kann sie dem Druck nicht standhalten, lässt sich als „IM“ anwerben und verrät Dreyman als Urheber des Spiegel-Artikels. Bei der folgenden Wohnungsdurchsuchung finden die Stasi-Beamten die Schreibmaschine jedoch nicht, die sie als Beweis benötigen. Grubitz, der mittlerweile Zweifel an Wieslers Loyalität hat, setzt daraufhin ein erneutes Verhör von Sieland an, das von Wiesler durchgeführt und von Grubitz überwacht wird. In diesem Verhör gibt die Schauspielerin das Versteck der Schreibmaschine notgedrungen preis. Dreymans Wohnung wird erneut durchsucht, diesmal von Grubitz. Sieland läuft angesichts der bevorstehenden Entdeckung der Schreibmaschine voller Schuldgefühle vor einen zufällig vorbeikommenden LKW und wird tödlich verletzt. Grubitz, der die Schreibmaschine in dem von Sieland beschriebenen Versteck nicht aufgefunden hat, entschuldigt sich bei Dreyman für die Maßnahme. Obwohl er Wiesler nichts nachweisen kann, versetzt er ihn zur Strafe auf einen eintönigen Posten bei der Briefüberwachung.

mini|Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen Nach der Wiedervereinigung wird dasselbe Stück von Dreyman wie gegen Anfang des Filmes in geänderter Dramaturgie aufgeführt. Dabei trifft der Autor im Foyer auf Hempf. Dreyman fragt den Ex-Minister, warum man ihn nie überwacht habe, worauf Hempf herablassend antwortet, er solle mal hinter seine Lichtschalter schauen. Die Entdeckung der Überwachungstechnik in seiner Wohnung veranlasst Dreyman, bei der BStU Einsicht in seine Stasi-Akten zu nehmen, wobei er feststellt, dass der Stasi-Mitarbeiter „HGW XX/7“, der die Observierung durchgeführt hatte, belastendes Material gegen ihn zurückgehalten hat. Auch hätte Sieland nach ihrer Entlassung keine Zeit mehr gehabt, die Schreibmaschine zu entfernen; ein roter Fingerabdruck auf dem letzten Bericht zeigt ihm, dass „HGW XX/7“ die Schreibmaschine im letzten Moment entfernt haben muss. Dreyman erfährt, dass „HGW XX/7“ Wiesler ist und macht diesen ausfindig. Wiesler verdient seinen Lebensunterhalt nun mit dem Austragen von Wurfsendungen. Dreyman weicht vor einer Kontaktaufnahme zu ihm im letzten Moment zurück, erkennt aber, dass Wiesler seinen Einsatz für Menschlichkeit teuer bezahlt hat.

Zwei Jahre später veröffentlicht Dreyman den Roman Die Sonate vom Guten Menschen. Wiesler, durch eine Schaufensterauslage darauf aufmerksam geworden, liest darin „HGW XX/7 gewidmet, in Dankbarkeit“, und kauft das Buch. Auf die Frage des Verkäufers nach einer Geschenkverpackung antwortet er mehrdeutig: „Nein. Es ist für mich.“

Entstehung Stoffentwicklung und Vorproduktion Ab 1997 studierte Donnersmarck an der Münchner Filmhochschule Spielfilmregie, wo die erste Idee zu Das Leben der Anderen entstand. Anders als viele Abgänger verbrachte er anschließend keine Übungsjahre beim Fernsehen und fasste gleich einen Kinofilm ins Auge. 2001 begann er eine fast vier Jahre dauernde Recherche. Er führte Gespräche mit Opfern und Tätern der Stasi und suchte die historischen Orte auf. Zur Niederschrift der ersten Fassung bezog er nach eigenen Angaben für einen Monat eine Zelle im Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald, dessen Abt sein Onkel Gregor war. Schließlich übersiedelte er von München nach Berlin, um das Buch dort zu Ende zu bringen.Ich kann den Berg noch einmal erklimmen. In: Stern, 14. März 2007, Gespräch mit DonnersmarckUlrich Mühe im Filmbuch, S. 183; Presseheft, S. 14; Matthias Ehlert: Der Freund auf meinem Dach. In: Welt am Sonntag, 12. Februar 2006, S. 59 Als wissenschaftlicher Berater stand ihm Manfred Wilke, Leiter beim Forschungsverbund SED-Staat, zur Seite.

Die Jungproduzenten Max Wiedemann und Quirin Berg hatten bereits an der Filmhochschule einen Kurzfilm Donnersmarcks produziert. Koproduzent war Dirk Hamm von Creado Film. Für den Verleih konnte Donnersmarck Buena Vista International gewinnen, unter den Fernsehsendern den Bayerischen Rundfunk und arte. Ergänzende Fördermittel erhielt das Projekt vom FilmFernsehFonds Bayern, vom Medienboard Berlin-Brandenburg und von der Filmförderungsanstalt. Das Budget des Filmes belief sich auf etwa 1,8 Millionen Euro. Mit diesem Etat konnte der Film nur entstehen, weil Schauspieler und Stab für einen Bruchteil ihrer regulären Gagen arbeiteten. Darsteller Sebastian Koch meinte, jeder arbeite „für weniger als die Hälfte der üblichen Gage, aus der Überzeugung heraus, einen wichtigen Film zu machen“.Sebastian Koch: Warum ich erst jetzt eine Kinohauptrolle in Deutschland spiele. In: Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der Anderen. Filmbuch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. Beilage zur DVD-Sonderausgabe „Die komplette Akte“. S. 177–180 Ulrich Mühe hatte schon sehr viele Drehbücher zum Thema DDR erhalten, aber an keinem Interesse gefunden, weil sie „immer zu kurz gefaßt, immer zu kurz gesprungen“ waren. Donnersmarcks Buch überraschte ihn mit seiner Stimmigkeit und Einfühlung in die Zeit.Ulrich Mühe im Gespräch in: Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der Anderen. Filmbuch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. Beilage zur DVD-Sonderausgabe „Die komplette Akte“. S. 182–183 und 186 Für die Filmmusik wünschte sich Donnersmarck den libanesischen Komponisten Gabriel Yared, dessen frühere Arbeiten den Regisseur begeisterten und der üblicherweise für viel höher budgetierte Produktionen arbeitet. Damit Yared sich eine Vorstellung vom Film machen konnte, übersetzte Donnersmarck das gesamte Drehbuch auf Französisch. Yared ließ sich für die Mitwirkung gewinnen.gemäß Making-of Ihn unterstützte Stéphane Moucha, der seine Kompositionen orchestrierte und gelegentlich als Mitkomponist wirkte.

Dreharbeit und Nachproduktion