+ Polonia in Zahlen (Schätzwerte 2025) 10.000.000 3.000.000 , siehe Polen in Deutschland 2.200.000 1.300.000 1.000.000 1.000.000 500.000 480.000 440.000 300.000 220.000 , siehe Polen in Litauen 185.000 160.000 140.000 125.000 120.000 120.000 120.000 100.000 100.000 70.000 (siehe Polen in der Schweiz) 60.000 55.000 50.000 50.000 , siehe Polen in Island 31.000 30.000 15.000 10.000 10.000 10.000 10.000

mini|hochkant=1.5|Polen im Ausland

Polonia ist die lateinische Bezeichnung für den Staat Polen und wird in der polnischen Sprache für die polnische Diaspora benutzt, die etwa 18–20 Mio. Menschen in der gesamten Welt umfasst.

Definitionsgemäß gehört zur Polonia jede außerhalb Polens lebende Person, die: die polnische Staatsbürgerschaft besitzt (auch wenn diese Person nicht im Besitz eines gültigen Reisepasses oder Personalausweises ist) oder die polnische und daneben noch eine weitere Staatsbürgerschaft besitzt oder die polnische Staatsbürgerschaft nicht besitzt, jedoch polnischer Herkunft ist (wodurch die polnische Staatsbürgerschaft festgestellt werden kann). Das wichtigste Kriterium ist die eigene Herkunft oder die Herkunft der Vorfahren. Die betreffende Person muss hierbei nicht in Polen geboren worden sein. In einigen Quellen werden die Polen in den ehemaligen polnischen Ostgebieten nicht zur Polonia gezählt, da diese nicht aus Polen ausgewandert sind, sondern sich auf Grund von Grenzverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb des polnischen Staates wiederfanden.

Hintergrund Für die Existenz einer polnischen Volksgruppe außerhalb Polens gibt es unterschiedliche Gründe und Ursachen: Erzwungene Emigration oder Verbannung – betraf vor allem die Vorfahren von in Russland lebenden Polen, die nach verlorenen Aufständen oder anderen Zeichen der Illoyalität dem Zarenreich gegenüber nach Sibirien verbannt wurden. Dies fand seit den Teilungen Polens statt, Politische Emigration – begann Anfang des 19. Jahrhunderts und verlief wellenartig, wobei sie nach politischen Umwälzungen (Verlust der Unabhängigkeit, Aufstände, Systemwechsel, Kriege u. Ä.) immer stark zunahm, Wirtschaftliche Emigration – hing mit der industriellen Revolution zusammen, begann Mitte des 19. Jahrhunderts und dauert bis heute an, wobei die Zielländer sehr variieren, Deportation – fand nach dem deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen 1939 statt, diese wurde von beiden Besatzern praktiziert. Einerseits wurden polnische Zwangsarbeiter von den Nationalsozialisten nach Deutschland deportiert, andererseits haben Sowjets die polnische Bevölkerung Ostpolens aus politischen oder nationalistischen Motiven gen Osten deportiert, Territoriale Verschiebung – erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg und hatte eine Verschiebung der Grenzen Polens gen Westen zur Folge. Hiervon war die polnische Bevölkerung des ehemaligen Ostpolen betroffen; so entstanden polnische Minderheiten in Litauen, Belarussiehe auch: Bund der Polen in Belarus und der Ukraine.

Auswanderungswellen Die Emigration der Polen hatte mehrere Etappen: Anfang des 19. Jahrhunderts (hauptsächlich nach Frankreich, Großbritannien, Nordamerika und in die Schweiz), aus wirtschaftlichen Gründen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1939 (Arbeiter, hauptsächlich nach Frankreich, Belgien und Deutschland; Landwirte auch in die USA, nach Kanada, Brasilien und Argentinien), als Folge des Zweiten Weltkrieges als auch aus politischen Gründen nach Errichtung eines kommunistischen Regimes durch die Sowjetunion, aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nach Repressalien gegen die oppositionelle Bewegung in den 1980er Jahren (ca. 270 Tsd. Personen), wegen besserer Perspektiven seit 1989 (hauptsächlich nach Deutschland, Österreich, Italien, Irland und Großbritannien, sowie in die USA und nach Kanada).

Die letztgenannte Etappe dauert bis heute an und hat sich seit der Erweiterung der Europäischen Union 2004 auf die Länder der Europäischen Union konzentriert. Als Beispiel ist hier Irland zu nennen, in welchem vor der Erweiterung kaum Ausländer lebten und welches mittlerweile einen Ausländeranteil von 4 % besitzt, wobei die Polen mit 120.000 Personen die mittlerweile größte Zuwanderergruppe in diesem Land darstellen.

Es gab – zu einem großen Teil aus politischen Flüchtlingen bestehende – polnische Kolonien in fast allen europäischen Hauptstädten sowie in Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, dem Ruhrgebiet (Ruhrpolen), Mannheim und Frankfurt am Main. Heutige Zentren sind außerdem Chicago, das östliche Ruhrgebiet sowie der Londoner Stadtteil Ealing.

Polen aus bestimmten Regionen Polens ließen sich häufig schwerpunktmäßig in bestimmten Städten Deutschlands nieder. So bildete Ahlen (Westfalen) beispielsweise einen Schwerpunkt für Polen aus dem Raum Posen (Poznań), Gelsenkirchen für Polen aus Masuren und Recklinghausen für Polen aus Schlesien. Diese Schwerpunkte haben teilweise bis heute Bestand. Um Gelsenkirchen herum bildeten sich so auch eigene Begriffe, wie Mottek für Hammer (poln. młotek).

Auswanderung nach dem Beitritt Polens zur EU Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben bis Ende 2006 ca. 1,12 Millionen (3 % der Bevölkerung) Polen ihr Land verlassen, um in der Europäischen Union Arbeit zu finden. Die meisten von ihnen waren laut einem Bericht des ECAS zwischen 25 und 30 Jahren alt. Die meisten Polenin dem Bericht waren die baltischen Länder und Finnland nicht inbegriffen emigrierten in diesem Zeitraum nach Deutschland (534.990),Saisonarbeiter sind in den Zahlen mitenthalten Großbritannien (264.000), Irland (120.000), Frankreich (90.000), Italien (72.229) und in die Niederlande (20.000).

Dieser Abfluss an häufig gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften hat zu einem Arbeitskräftemangel auf dem polnischen Markt geführt. Gleichzeitig zeigt der Bericht des ECAS, dass die polnischen Migranten einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum ihrer Gastgeberländer beigetragen haben.

Polnisches Recht

Nach polnischem Recht sind diejenigen, die zur Polonia gehören, ethnische Polen. Eine (Wieder-)Erlangung der polnischen Staatsbürgerschaft ist für diese Personen somit vereinfacht. Der Nachweis polnischer Vorfahren reicht meist aus.

Anhand dieser Gesetzgebung hat z. B. der israelische Fußballspieler Ben Sahar die polnische Staatsbürgerschaft erhalten und somit das Recht erlangt, als EU-Bürger in Großbritannien arbeiten und Fußball spielen zu können.

Medien für die Polonia Es gibt vier Fernsehkanäle, die aus Polen für die Polonia Informationen, Nachrichten, Dokumentationen, Serien und Filme ausstrahlen. Es handelt sich hierbei um den öffentlich-rechtlichen Kanal TV Polonia und die privaten Sender TVN International, Polsat 2 International sowie TV Polska. In Chicago existiert mit Polvision der größte polnischsprachige Sender außerhalb Polens, gegründet von Walter Kotaba, der auch mehrere Radiosender in Illinois, New York und Connecticut gegründet hat. Weitere Fernsehsender, die von der Polonia für die Polonia produziert werden, sind u. a. TV Polonia.US (ebenfalls Chicago), die Sender TV Foka aus Calgary und Panorama 10 aus Toronto (beide Kanada) sowie der Musiksender TV4U aus New York.

Daneben gibt es zahlreiche Radiosendungen sowie -stationen in Ländern wie z. B. den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Irland, Frankreich, Italien, der Ukraine, Russland, Litauen und Belarus.

Weltspiele der Auslandspolen

Im Jahr 1934 wurden in Warschau erstmals für emigrierte Polen die Weltspiele der Auslandspolen veranstaltet, die nach darauffolgender 40-jähriger Pause seit 1974 wieder regelmäßig stattfinden. Im jährlichen Wechsel werden die nach Sommer- und Winterspielen aufgeteilten Sportwettkampfveranstaltungen an verschiedenen Orten Polens ausgetragen. So nahmen an den XV. Sommerspielen 2011 in Breslau 1682 Sportler aus 23 Ländern in 27 Sportarten teil.

Polonia in Deutschland

Zu den wichtigsten auf Bundesebene tätigen Vereinen zählen der Bund der Polen in Deutschland mit Sitz in Bochum, der als Dachverband der polnischen Organisationen 1922 in Berlin gegründet wurde und der Polnische Kongress in Deutschland mit Sitz in Aachen. Dieser wurde am 15. Februar 1992 aus 16 polnischen Vereinen zum Zwecke der Interessenvertretung der polnischen Vereine gegenüber den Behörden gegründet.

Eine besondere Rolle kommt der Polnischen Katholischen Mission zu, die unter anderem Unterricht in polnischer Sprache für Kinder mit polnischem Migrationshintergrund anbietet.

Bekannte Auslandspolen Bekannte Auslandspolen und aus Polen stammende PersonenEinzelne Personen sind anderen nationalen Bekenntnisses

Wissenschaft Henryk Arctowski (1871–1958) – polnischer Wissenschaftler, Ozeanograf und Erforscher der Antarktis Joseph Babinski (1857–1932) – polnisch-französischer Neurologe Zbigniew Brzeziński (1928–2017) – polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler Nikodem Caro (1871–1935) – polnischer Chemiker Marie Curie (1867–1934) – polnisch-französische Chemikerin und Physikerin Adam Dziewoński (1936–2016) – polnischer Geophysiker und Seismologe Kasimir Fajans (1887–1975) – polnisch-US-amerikanischer Chemiker Leonid Hurwicz (1917–2008) – US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler polnisch-jüdischer Herkunft Maciej Klimek (* 1954) – polnischer Mathematiker und Hochschullehrer in Schweden Tadeusz Reichstein (1897–1996) – Schweizer Chemiker und Botaniker polnisch-jüdischer Herkunft Józef Rotblat (1908–2005) – polnisch-britischer Physiker Andrew Victor Schally (1926–2024) – polnisch-US-amerikanischer Physiologe Paul Edmund de Strzelecki (1797–1873) – polnischer Forscher und Entdecker Alfred Tarski (1901 oder 1902–1983) – polnisch-US-amerikanischer Mathematiker und Logiker Adam Bruno Ulam (1922–2000) – polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler und Neuzeithistoriker Stanisław Marcin Ulam (1909–1984) – polnisch-US-amerikanischer Mathematiker

Musik Pat Benatar (* 1953) – US-amerikanische Sängerin polnischer Herkunft Frédéric Chopin (1810–1849) – polnischer Komponist und Pianist Henrique de Curitiba (1934–2008) – brasilianischer Komponist polnischer Abstammung Ewa Farna (* 1993) – polnisch-tschechische Sängerin Mark Forster (* 1983) – deutscher Sänger polnischer Abstammung Thomas Godoj (* 1978) – deutscher DSDS-Gewinner polnischer Herkunft (Deutschland) Mateo Jaschik (* 1978) – deutsch-polnischer Sänger und Musikproduzent (Culcha Candela) Jan Kiepura (1902–1966) – polnischer Tenor Sylvia Kollek (* 1970) – polnische Marketingmanagerin (ehem. Jurorin bei DSDS) Matt Pokora (* 1985) – französischer Sänger polnischer Abstammung Arthur Rubinstein (1887–1982) – polnischer Pianist (Frankreich, Schweiz) Vitold Rek (* 1955) – polnischer Jazzkontrabassist und Kosmopolen-e.V.-Gründer (Deutschland) Alexandre Tansman (1897–1986) – polnisch-französischer Komponist DJ Tomekk (* 1975) – polnischer Hip-Hop-DJ und Musikproduzent (Deutschland) Henry Vars (1902–1977) – polnisch-US-amerikanischer Komponist Bobby Vinton (* 1935) – US-amerikanischer Sänger polnischer Abstammung

Literatur Joseph Conrad (1857–1924) – britischer Schriftsteller polnischer Herkunft Wilhelm Dichter (* 1935) – polnischer Schriftsteller (USA) Danuta Gleed (1946–1996) – kanadische Schriftstellerin polnischer Herkunft Brigitta Helbig-Mischewski (* 1963) – Polonistin und Schriftstellerin Jerzy Kosiński (1933–1991) – US-amerikanischer Schriftsteller polnisch-jüdischer Herkunft Marcel Reich-Ranicki (1920–2013) – deutscher Publizist und Literatur-Kritiker polnisch-jüdischer Herkunft Isaac Bashevis Singer (1902–1991) – polnisch-US-amerikanischer jiddischer Schriftsteller Janusz Leon Wiśniewski (* 1954) – polnischer Schriftsteller und Wissenschaftler in Deutschland

Film Natalia Avelon (* 1980) – deutsche Schauspielerin polnischer Herkunft Jane Frances Kaczmarek (* 1955) – polnisch-US-amerikanische Schauspielerin Bogumil Dawison (1818–1872) – polnisch-deutscher Schauspieler